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Verschwörung zerstört

Oktober 15, 2007

Es gibt, gerade im deutschen Sprachraum, Intelektuelle die nicht viel zu sagen haben, aber beim Thema Naher Osten förmlich in Ekstase geraten. Gerade Israel hat es ihnen angetan und sie werden nicht müde zu betonen, wie schlecht sich die Existenz des kleinen Staates auf die Geschichte ausgewirkt hat und welche Auswirkungen dieser Staat auf die fragile Zukunft der Region besitzt. Kaum ein Konflikt im Nahen- und mittleren Osten, so glauben diese Experten, findet nicht ohne Israel statt. Und eine Lösung in all den Konflikten, also die „Ur-Mutter des Friedens,“ könne es nur geben, wenn Israel endlich seine Siedlungen in der Westbank aufgibt, Ostjerusalem räumt, die Hamas als legitime politische Kraft anerkennt, Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen als Ausdruck verzweifelt gequälter Seelen begreift und selbstverständlich passiv agiert. Eine Aktivität Israels ist nur dann erwünscht, wenn die Regierung in Jerusalem alles unternimmt, um den Aufenthalt der Bewohner des Gazastreifens und der Westbank so angenehm wie möglich zu gestalten. Das heißt, eigener Staat mit Anschluß an das israelische Wohlfahrtssystem. Keine Provokationen gegenüber dem Regime im Sudan, also keine humanitären Hilfsaktionen, die die ohnehin schon prekäre Lage in Darfur unnötig verschlimmern würden. Proteste bezüglich der Auslöschungsphantasien eines Ahmadinedjads sollten tunlichst vermieden werden, da ansonsten die Bevölkerung im Irak noch mehr leiden könnte unter der ohnehin schon anmaßenden Außenpolitik des kleinen israelischen Staates.

In Zeitungen, Zeitschriften, Fernsehen und Radio werden sie nicht müde zu erklären die Lage in der Region sei nur deshalb so schlecht, weil der jüdische Staat sich uneinsichtig gegenüber berechtigten humanitären Überlegungen zeigt. „Die Hardliner“, manche sprechen auch von Falken, hätten nach wie vor das Sagen und könnten sich, begünstigt durch die zionistische Lobby in den USA, so präsentieren wie sie es zur Zeit machen. In Deutschland kommt dann noch der Vergleich zum 3. Reich verbunden mit der Erkenntnis, „man könne nicht begreifen wie brutal, zynisch und menschenverachtend die Regierung in Tel Aviv (sic!) sich gegenüber den Palästinensern verhält,“ und legt dann noch drauf, „gerade die Juden sollten doch aus ihrer eigenen Geschichte gelernt haben wohin diese Politik führt, schließlich waren sie doch damals Verfolgte eines rassisch begründeten Vernichtungswahn. Trotz dieser Erfahrung geht die jüdische Soldateska plündernd und brandschatzend gegen die palästinensische Bevölkerung vor und raubt diesen die Grundlage zum überleben. Sie legen damit doch selber die Saat der Gewalt gegen ihre eigene Bevölkerung.“

Das dies zwar alles Schwachsinn ist interessiert da nicht. Nichts scheint so schön wie das allgemeine Judenbashing getarnt als vermeintliche Kritik am israelischen Staat. Damit hat man gerade in Europa eine langjährige Erfahrung die 1096 erstmalig in Köln und Mainz praktiziert und über die Jahrhunderte zur Perfektion gepflegt wurde. Die Alliierten haben dem Treiben 1945 ein Ende gesetzt und die USA starteten in Deutschland das Projekt „Demokratie für alle.“ In letzter Zeit geraten damit auch sie in die Kritik ihres einstigen Schülers, der Antiamerikanismus als eine moderne Form der Emanzipation begreift. Gegen Amerika ist cool, das haben schon die Studenten der ersten Revolte in den 60er Jahren begriffen und sie sahen in den USA praktisch den Nachfolger des NS-Staates.

Zurück aber zu Israel. Das israelische Außenministerium hat sich mal wieder die Mühe gemacht die grassierenden Thesen vom ewigen Juden zu zerstören und auch mit der Mär aufzuräumen die besagt, Israel sei doch irgendwie an den Konflikten im Nahen Osten beteiligt.

Eines der am weitesten verbreiteten Mißverständnisse in Bezug auf den Nahen Osten besteht darin, dass der arabisch-israelische Konflikt den Knackpunkt aller Probleme der Region darstellt bzw. dass alle anderen Konflikte mit ihm zu tun haben.

Das schiere Ausmaß an Medienaufmerksamkeit untermauert diesen Eindruck. Laut Angaben des Center for Media and Public Affairs, das jährlich die Tausende von Beiträgen in den Abendnachrichten von ABC, NBC und CBS untersucht, ist der arabisch-israelische Konflikt das einzige außenpolitische Thema, das seit 1990 durchgehend unter den zehn Topthemen in den USA rangiert.

Auch Politiker aus aller Welt – selbst solche, die guten Willens sind – tragen zu jener Annahme bei. So hat bspw. UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon jüngst gegenüber der südkoreanischen Zeitung Hankyoreh verkündet: „Wenn sich die Dinge im Konfllikt zwischen Israel und Palästina gut entwickeln, werden auch andere Probleme im Nahen Osten, einschließlich Libanon, Iran, Irak und Syrien, bald gelöst sein.“

I. Die Irrelevanz von Israel für die meisten Konflikte in der Region

Hier einige Beispiele, die zeigen, wie irrelevant der israelisch-palästinensische Konflikt für die meisten anderen Konflikte in der Region ist und wieviel höher deren Opferrate liegt:
– Das Gemetzel zwischen Sunniten und Shiiten im Irak hat nichts mit Israel zu tun. Allein 2006 starben im Irak dabei 34 000 Menschen.
– Im iranisch-irakischen Krieg (1980-1988) wurden über eine Million Menschen getötet. Auch dieser Krieg hatte nichts mit Israel zu tun.
– Im libanesischen Bürgerkrieg (1975-1990) starben schätzungweise 130 000-150 000 Menschen.
– Bei dem jordanisch-palästinensischen Gewaltausbruch im September 1970 (‚Schwarzer September’) wurden binnen eines Monats 10 000 Menschen getötet.
– Im Februar ermordeten die Syrer in al-Hama mindestens 20 000 Landsleute.
– Während des algerischen Bürgerkriegs (1992-2001) wurden schätzungsweise 75 000-125 000 Menschen getötet.
– Im Zuge der „Anfal“-Operation wurden 1988 im Irak 50 000-100 000 Kurden unter Einsatz von chemischen Waffen ermordet. 1991 wurden im Anschluss an den ersten Golfkrieg weitere 30 000-50 000 Shiiten und Kurden von Saddam Hussein ermordet.
– Während des 20 Jahre andauernden Bürgerkriegs im Sudan (1983-2002) wurden etwa eine Million Menschen getötet.
– Im jemenitischen Bürgerkrieg starben während der 60er Jahre zwischen 100 000 und 150 000 Menschen. Ägypten setzte während des Krieges chemische Waffen ein.
– In den Kämpfen zwischen Marokko und der Polisario-Front um die Westsahara wurden zwischen 1975 und 1985 etwa 10 000 Menschen getötet.

II. Die relative Schwere des israelisch-palästinensischen Konflikts

Anders als verbreitete Behauptungen vom „israelischen Völkermord an den Palästinensern“ vermuten lassen, wurden in den sechseinhalb Jahren seit Ausbruch der ‚al-Aqsa-Intifada’ im September 2000 etwa 4000 Palästinenser und 1100 Israelis getötet. Diese Zahlen – wenn auch an sich bedeutend – sind niedrig im Vergleich zu den meisten anderen Konflikten, die in den vergangenen Jahrzehnten stattgefunden haben:

– Allein am ersten Tag des jüngsten Einmarsches Äthiopiens nach Somalia starben 500 Menschen.
– Im Laufe der vergangenen vier Jahre haben die arabischen Muslime „Janjaweed“ in Darfur 200 000 schwarze Muslime ermordet, davon 50 000 allein in den ersten sechs Monaten. 2 Millionen wurden verschleppt.
– Im zweiten Tschetschenienkrieg (1999-2003) wurden 90 000-160 000 Menschen getötet.
– Im Bügerkrieg im Kongo starben schätzungsweise 3.4 bis 4.4 Millionen Menschen.
– In Ruanda wurden 1994 innerhalb von nur drei Monaten 800 000 Menschen (bei einer Gesamtbevölkerung von 7 Millionen) ermordet.
– Die Serben töteten innerhalb von drei Jahren 200 000 bosnische Muslime (bei einer Gesamtbevölkerung von 2 Millionen).
– In Kambodscha wurden zwischen 1975 und 1979 zwei Millionen Menschen von den Roten Khmer ermordet.

III. Der israelisch-palästinensische Konflikt hat die Probleme der Region nicht hervorgebracht

Die zentralen politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Probleme des Nahen Ostens haben nichts mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt zu tun.

– 1999 betrug die Analphabetenrate im Nahen Osten 25% bei Männern und 47% bei Frauen. In Rumänien lag die Rate im Vergleich dazu nur bei 1% bzw. 3%, in Peru bei 6% bzw. 15%. Dabei ist die Alphabetisierungsrate unter den Palästinensern mit 90% höher als in jedem anderen Land des Nahen Ostens mit Ausnahme Jordaniens. Auf der anderen Seite haben die schlechten Alphabetisierungsraten in Ländern wie dem Jemen (49%), Marokko (50%), Saudi-Arabien und den VAE (77%) nichts mit der palästinensischen Frage zu tun.
– Zwischen 1965 und 2000 wuchsen die Volkswirtschaften des Nahen Ostens nur um durchschnittlich 3.0% pro Jahr. Dies ist nach Afrika südlich der Sahara die weltweit niedrigste Wachstumsrate einer Region. Stellt man das – weltweit höchste – jährliche Bevölkerungswachstum von 2.8% in Rechnung, bedeutet dies ein jährliches Wachstum von nur 0.1% pro Kopf.
– Wie aus den UN Arab Human Development Reports hervorgeht, ist eines der Hauptprobleme, die die Region am Fortschritt hindern, die beispiellose Geschlechterdiskrepanz. Abgesehen von der großen Kluft bei den Alphabetisierungsraten existieren ähnliche Unterschiede bei anderen Schlüsselindikatoren wie dem Einkommen. In beinahe jedem arabischen Land verdienen Männern dreimal so viel wie Frauen. So verdienten im Jahr 2002 in Algerien Frauen durchschnittlich 2 700$ und Männer 8 800$. In Bahrain waren es 8 000$ gegenüber 23 500$, in Oman 4 000$ gegenüber 18 2000$ und in Syrien 1 500$ gegenüber 5 500$.

Die Hauptursachen für die Probleme des Nahen Ostens beginnen bei der schlechten Regierungsform in der gesamten Region. Abgesehen von Israel ist jedes Land eine autoritäre Diktatur mit wenig Verantwortlichkeit und keinerlei Norm für „gutes Regieren“.

Außerdem liegt die Region im Brennpunlt der wachsenden Auseinandersetzung zwischen Gemäßigten und Extremisten, wobei der israelisch-palästinenssiche Konflikt nur ein Schlachtfeld darstellt. Jene Konfrontation umfasst sowohl die Acshe Iran-Syrien-Hisbollah-Hamas als auch den globalen Gotteskrieg im Sinne al-Qaidas.

Die genannten Tatsachen sind neben anderen für die sozialen, ökonomischen, politischen und religiösen Spannnungen in vielen Staaten des Nahen Ostens verantwortlich. Zahlreiche politische Führer und Regierungen der Region haben diese Spannungen nach außen gelenkt, oftmals gegen Israel und die westliche Welt.

Der israelisch-palästinensische Konflikt ist somit nicht der Kern der regionalen Instabilität, sondern ein Symptom eben dieser. Ihr Ursprung ist sehr viel komplexer, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. (Newsletter der israelischen Botschaft 15.10.07)

So sehr man diese Initiative schätzen mag, es bleibt abzuwarten, ob es wirklich zu einem Umdenken kommt, oder ob nicht wieder ein Schlaumeier dies als den Versuch der Rechtfertigung und zionistische Propaganda versteht. Das AIK dürfte man damit nicht überzeugen und auch die üblichen Hardcoreaktivisten haben ausser Israel und den USA nicht viel im Leben. Gescheiterte Existenzen halt, die versuchen aus ihrer Ausbildung Kapital zu schlagen.

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3 Kommentare leave one →
  1. Nikol permalink
    Oktober 20, 2007 10:47 pm

    Good point. And what do you think of, for example, Shoher’s attitude like here http://samsonblinded.org/blog/save-darfur.htm ?

  2. taylor1944 permalink
    November 4, 2007 1:27 am

    Nikol,

    sorry for my late answer. I’ve read your link today and i don’t know who this guy is, but he has no idea neither about Israel, nor about the Situation in Africa, or in this case especially in Sudan.
    I’ve never read such a piece of crap and i don’t know if he ever read Machiavelli -i guess i he didn’t-.
    „Janjaweed are not strictly Arab. Oops, Janjaweed are virulently anti-Islamic, and routinely deface mosques and burn Qurans.“
    They are islamic and they were supported by the Karthoum Regime since 1980. So why should Israel support them?

    „On the contrary, neither the West, nor Israel cared about Rwanda, and the concern about Darfur stems from mistake.“

    Just look at this Video. Israel never made any difference between humanity. Israel sent Medical Personal all over the World. That is the Fact

    Samson is real blind an really uninformed -i read his Blog right now, what a Donkey-

    Kind Regards

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