Das Alibi

Jeder kennt die Szene aus dem Krimi. Der Kommisar verhört die üblichen Verdächtigen und kommt irgendwann zwangsläufig zu der Frage, „wo waren Sie zur Tatzeit?“ Entweder bricht der Verdächtige jetzt zusammen, oder er kontert mit der Antwort, „da war ich da und da,“ oder „da war ich allein im Bett.“ Ein guter Kriminalist setzt spätestens dann die Frage nach, „gibt dafür irgendwelche Zeugen?“ „Ja, meine rechte Hand war mit im Bett!“ Kennen wir. Tausendmal gesehen, meist fiebert man mit, oder leidet, je nach Sympathie, mit dem Verdächtigen auf der verzweifelten Suche nach seinem Alibi.

Geht es um Israel, haben es Antisemiten, Antizionisten, oder kurz „die Kritiker,“ einfach das passende Alibi zu präsentieren. In Form des Alibijuden kommt sofort und willig der Zeuge herbeigesprungen, um dem Kritiker die Legitimation seines Treibens zu bescheinigen. Die Liste derer die sich auf Grund ihrer Herkunft, oder Religion dazu berufen fühlen ist lang. Wie „Kai aus der Kiste“ springen sie in die Medien und erklären zur Freude aller die es schon immer gewußt haben, wie Recht diese mit ihrer Kritk haben und werden dabei nicht müde zu betonen, dass sie per Geburt das Recht dazu besitzen, Israel an den Pranger zu stellen.

Einer der gerne und reichhaltig Generalabsolution erteilt, sobald man ihm die Frage stellt wie sein Verhältnis zu Israel ist, ist Alfred Grosser. Grosser, 1925 in Frankfurt geboren, beruft sich immer gern auf seine Herkunft und wird dabei nicht müde zu betonen, dass er als Sohn jüdischer Eltern das Recht dazu hat, die Politik Israels zu kritisieren. Dabei haben er und seine Eltern mit dem Judentum soviel zu tun, wie Lew Dawidowitsch Bronstein, besser bekannt als Leo Trotzki. Wie im Falle Trotzki’s Antisemiten nicht müde werden zu betonen, dass die russichen Juden ja auch Täter gewesen sind während der russischen Revolution, so sind Grosser und andere, die ihr jüdisch sein wie ein Gütesiegel benutzen, stets bei der Hand wenn es der Legitimation bedarf, Israel in die Nähe eines Apartheidstaates zu rücken, der, ungeachtet der Vergangenheit, die Palästinenser wie Menschen zweiter Klasse behandelt und selber schuld am wachsenden Antisemitismus in der Welt ist.

So wie man den Kritikern der Kritiker ständig vorwirft Vertreter der zionistischen Lobby zu sein, die mit der Auschwitz- und Antisemitismuskeule durch die Welt gehen und angeblich jeden, der glaubt sich kritisch äußern zu müssen, mundtot machen will, so kann man im Falle Grossers und anderer von einer „Kosher Nostra“ sprechen. Sie glauben mit ihrem jüdisch sein die Rechtfertigung zu besitzen, Antisemiten zu bescheinigen, dass diese keine Antisemiten/Antizionisten sind, sondern allenfalls kritische Kritiker, die ja nur mal eine Frage stellen.

Henryk M. Broder fragt auf der Achse des Guten, „Was aber hat A.G. mit Israel oder den Juden zu tun?“ und ergänzt, „Seine Eltern haben Deutschland 1933 verlassen, weil sie sich als Freimaurer bedroht fühlten, er wurde katholisch erzogen und weder bei Kol Nidre in einer Synagoge oder jemals im Cafe Tamar in Tel Aviv gesehen.“
Dabei ist die Antwort ganz einfach, „dass ich unter anderem Jude bin,“ ist die schlichte Rechtfertigung. Ob die Behauptung stimmt, Palästinenser werden an der „Mauer“ gedemütigt, oder dass die Siedlungen in der Westbank nur für Israelis sind ist dabei völlig irrelevant. Die Tatsache das dies ein Jude sagt und dazu noch öffentlich in einer von den Zionisten und ihren Helfern kontrollierten Medienwelt muß einfach stimmen.

Grosser sind die Umstände völlig egal. Es interessiert ihn nicht. Es interessiert auch die anderen der Kosher Nostra nicht. Für sie und ihre Mündel ist Israel der Dorn im Fleisch des anständigen Menschen und das muß man auch sagen dürfen. Punkt. Und um das zu untermauern behauptet er, „Es ist nach wie vor so, dass sich Deutsche zu allem Möglichen kritisch äußern dürfen, aber nicht zu Israel.“ Kein Mensch verbietet es den Deutschen sich zu Israel äußern zu dürfen -das übliche Totschlagargument-, allerdings stellt sich die Frage, warum muß der Deutsche sich kritisch zu Israel äußern und warum ist der Deutsche in seiner Kritik an Regierungen so wählerisch?

Es ist ja nur ein Teil der glaubt sich äußern zu müssen und als Rechtfertigung die verkorkste Kindheit von 33-45 angibt. Dabei interessiert es den Rest der Welt einen Scheissdreck was in Deutschland zwischen 33-45 passiert ist, denn die haben ganz andere Probleme als die psychopathologischen Störungen verbrämter Deutscher die eher ein Fall für die Psychoanalyse als für die Medien sind. Nur die Deutschen glauben sie müßten mit ihrer Meinung die Welt, in diesem Falle Israel, beglücken. Wo waren die eigentlich als die chinesische Regierung gegen die Demonstranten auf dem Tian’anmen-Platz vorging. Wo sind diejenigen die sich angeblich zu allem möglichen kritisch äußern, wenn es um Tschetschenien geht? Und warum fahren diese „Kritiker,“ die nicht müde werden zu betonen, wie gefährlich der Grenzzaun zwischen Israel und den Palästinensergebieten für den Frieden im Nahen Osten ist, nicht mal nach Ceuta und Melilla? Statt dessen posieren sie auf israelischem Gebiet für die Kameras und beklagen sich hinterher wie unmenschlich die israelische Soldateska gegenüber palästinensischen Attentätern agiert, wenn diese am Grenzübergang fest genommen werden. Von so einer Behandlung können Regimekritiker im Iran, in Russland, China, oder Zimbabwe nur träumen. Selbst ein Oppositioneller in Venezuela würde sich wie im Paradies fühlen, wenn ihn die IDF fest nimmt.

All diese Fragen stellen sich halt nicht. Statt dessen glauben diese Verwirrten, wenn Israel nur endlich kapitulieren würde, dann würde nicht nur der Frieden im Nahen Osten Einzug halten, denn schließlich ist der Staat Israel selber an dem ganzen Dilemma Schuld, sondern es würde auch keinen Antisemitismus mehr geben und der Antizionismus wäre mit der Auflösung des Staates Israel anachronismus. Da gäbe es dann auch keine Rechtfertigung mehr Israel wegen jeder Kleinigkeit zu verurteilen und man könnte in Deutschland mehr Denkmäler bauen und vor der Welt erklären, „seht her, wir haben aus unserer Geschichte gelernt.“

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