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Hugo antwortet

Oktober 17, 2007

Lieber Mahmoud,

vielen Dank für deinen Brief, ich habe mich echt gefreut.

Mensch, da hast Du ja die Woche über echt Scheisse am Hacken gehabt, wenn ich deinen Brief so lese. Dabei war doch dein Besuch bei den Gringos ein voller Erfolg. Allein die Studenten haben sich doch sehr gefreut und hingen ja geradezu an deinen Lippen. Ich habe mir extra die Sendung auf meinem neuen DVD-Recorder aufgezeichnet. Das Ding habe ich mir im Supermercato am Marktplatz gekauft. Du weißt ja, ich habe gern Kontakt zu den jungen Mädchen zum Volk und bin extra ganz früh zur Eröffnung. Der war so spottbillig, da habe ich gleich mehrere gekauft. Einen für mich, dann für ein paar Bekannte, die Familie und für meine Freunde (Deiner müßte nächste Woche bei dir eintreffen). Wirklich echt klasse, der Recorder.

Auch deine Rede vor  der UNO habe ich mir natürlich aufgenommen -Übrigens der DVD-Recorder hat sogar eine Bedienungsanleitung in russisch, chinesisch und Farsi, ist das nicht geil?-. Was ich allerdings nicht ganz begriffen hab, bist du jetzt schwul? Oder kennst du nur einen Schwulen? Was ist eigentlich mit deinem Friseur? So ganz astrein erschien der mir nicht. Ständig fummelte der mir im Gesicht rum und dann immer dieses lachen, also du kannst mir erzählen was du willst, aber ich glaube der hat was mit einer deiner Angestellten. Da ist doch die mit dem dunklen Tschador, da solltest du mal aufpassen, denn so Verhältnisse am Arbeitsplatz gefährden die Moral.

Ach ja, also das mit der Rede. Ich bin da ja immer skeptisch wenn die da so übersetzen tun. Deswegen glaube ich, dass die das falsch übersetzt haben, so offen und freizügig wie dein Land ist. Auch das mit dem Atomkraftwerk. Ich habe mir das doch selber angeschaut, war doch alles in Ordnung. Aber da sieht man mal, diese Gringos und ihre Lakaien, ständig haben die irgendwas anderes. Mir haben die ja auch vorgeworfen ich wäre ein Antisemit. Ich weiß ja nicht mal was das ist. Ich habe extra noch mal in der Bibel  nachgeschlagen, da steht aber nix drin. Juanita meint ein Antisemit wäre jemand der kein semitisch beherrscht. Ist ja auch logisch. Anti heißt ja dagegen, also eine Verneinung und da ich semitisch nicht beherrsche dann bin ich natürlich ein Antisemit. Ich weiß nicht wie die immer darauf kommen.

Ui, muß ich dir unbedingt erzählen. Ich war ja am Wochenende in Kuba und habe da meinen Ziehopa Fidel besucht, du weißt schon, der, der so aussieht wie eure Mullahs, nur ohne Mütze. Mann habe ich mich gefreut. Wir haben da so ein bisschen geplaudert -liegt ja immer noch im Krankenhaus, also Krankenversorgung auf Kuba 1a kann ich nur sagen- und dann hat mir Fidel noch Geschichten über Che Guevara erzählt. Ich war ja damals zu klein, als diese impertinenten Amerikaner den hinterrücks erschossen haben, aber als Kind habe ich einen Che Comic bekommen, mit Widmung. Obwohl mein Papi wohl nachgeholfen hat. Als er mir das gab sagte er, „Hugolino, eines Tages bist du auch mal ein so großer Mann wie Ernesto.“ Der Besuch und die Geschichten waren so schön, das wir am Ende noch ein Lied auf Che gesungen haben und uns danach so richtig blümerant zu Mute war. Ich habe da echt geweint wie ein kleiner Junge und auch Fidel hatte richtig voll das Pipi in den Augen. Der hat den ja noch richtig gut gekannt. Am Sonntag rief er dann noch in meiner 12stündigen Livesendung an -war schon eine gute Idee alles zu verstaatlichen. Diese Drecksäcke von RCTV haben meine Sendung ja ständig mit ihrer Werbung unterbrochen. Angeblich damit die Leute auch mal auf’s Klo gehen konnten. So eine Frechheit-, ich war so überrascht. Auch die Zuschauer in den hinteren Rängen waren plötzlich hellwach. Echt toll.

Sag mal dieser Nasarbajev, was ist das eigentlich für ein Vogel? Der sah ja nicht gerade freundlich aus. Gefreut habe ich mich ja für dich, dass du doch eigentlich ganz gute Freunde hast. Die haben dir ja sogar den Rücken gestärkt und Wladimir hat dich ja sogar verteidigt. Der war ja echt wie eine Furie als er erklärte, „wer meinem Kumpel an die Wäsche will, der muß erst mal an mir vorbei.“ Donnerwetter hätte ich von dem nicht erwartet. Dachte immer das ist so ein Weichei. Da wirst du die Idioten im Land doch verschmerzen können. Übrigens verschmerzen. Wir bräuchten hier schon den einen oder anderen Erntehelfer, allerdings müßte ich mal mit Rafael telefonieren. Ich glaube der braucht noch ein paar Rohrleger für die Ölpipeline. Ach ja und Evolino braucht für sein Gas irgendwelche Experten. Du weißt ja, ich interessiere mich da nicht wirklich für. Hauptsache der Ofen heizt, der Herd ist warm und mein Auto hat Benzin. Ich hör mich da mal rum und sag dir dann Bescheid. Evolino ist übrigens dieser kleine Dicke aus Bolivien. Superfussballer. Müssen wir unbedingt mal wieder machen, so ein paar Bälle auf die Torwand jagen. Ich wäre ja gern Trainer unserer Nationalmannschaft, aber da haben die schon gemurrt.

So mein lieber, ich muß jetzt auch mal los. Erst habe ich Bibelstunde mit Pater Alfonso, geht da um die Kommunion. Danach schreibe ich weiter an meinem Buch „Hugo für alle Lebenslagen“ und muß noch die Sendung für Sonntag vorbereiten. Und den Liederabend mit Tante Rosalia im Altersheim sollte ich nicht verpassen. Die Alte ist noch topfit. 83 ist die, aber die schlägt einen linken Haken, der haut selbst einen Bullen um, die hat mich mal verprügelt. Mein lieber Schwan.

Bis zum nächsten Mal. Liebe Grüße an dich und deine Frau

Hugolino

Ps.: Was ist das eigentlich immer mit diesem Holocaust und warum interessierst du dich so dafür? Ich werde da mal den Pater Alfonso fragen

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