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Das Reich des Bösen

Dezember 9, 2009

Früher, ja früher da war alles noch viel besser. Da ist man auch gerne hingefahren im Sommer oder im Winter. Danach hat man von dem kleinen putzigen Land geschwärmt und darüber wie lieb und nett diese Bewohner doch sind. So freundlich und hilfsbereit und alles so schön sauber, dass einem ein Schnitzel auf den Asphalt fallen und man dieses noch trotzdem essen konnte, im Gegensatz zu seinem südlichen Nachbarn, wo man schon beim anfassen einer Türklinke Herpes kriegen kann, oder schlimmeres. Oder die arbeitsfaulen westlichen Nachbarn, die lieber bei Rotwein und Käse den Tag verbringen. Ebenso die unfreundlichen Nordlichter, oder diese verschlagenen östlichen Nachbarn, bei denen ein Almdudler grad ein Vermögen kostet, wenn man es nicht Literweise beim Billa im Angebot ersteht.

Ja was war das früher alles schön. In der Schweiz.

Seit letzter Woche hat man den Eindruck gewonnen, es handelt sich bei den Einwohnern dieses Alpenstaates um eine Horde bösartiger Trolle die tief im schweizer Bergmassiv auf ihre Opfer warten. So ein unverschämtes Rotzvolk, selbst für ein Glas Leitungswasser, was wirklich sehr gut schmeckt, knöpfen sie einem das letzte Hemd ab. Und die Schokolade ist auch nicht so gut, war sie eigentlich noch nie und außerdem unverschämt teuer, wie alles dort. Unfreundlich und arrogant, so seien sie ja schon immer gewesen, nur ist einem das ja nie so aufgefallen. Aber seit letzter Woche weiß man womit man es bei den Schweizern zu tun hat. „Rechtsradikale“ meinte Axel Ayub Köhler auf Phönix seien die, welche für die Initiative gestimmt hätten und Aiman Mazyek forderte gar so lange abstimmen zu lassen, bis die Abstimmung wieder stimmt.

Innerhalb eines Wochenendes ist ein Volk auf der untersten Stufe der Parier angelangt und kaum ein Europäer möchte mit diesem, noch nicht mal verständlich sprechenden Volk, auf eine Stufe gestellt werden. Daniel Cohn Bendit forderte sofort einen Boycott der Schweizer und den sofortigen Abzug der Gelder von schweizer Banken. Ja selbst die schweizer Politiker überlegen ob sie nicht in’s Exil gehen und ihre Staatsangehörigkeit würden sie sogar gegen die von Burkina Faso tauschen, wenn sie damit nicht mehr als Schweizer kenntlich wären.

Eine komplette Medienfront bringt sich gegen die Schweiz in Stellung und selbst italienische Politiker, die es eigentlich mit allem nicht so ganz haben, rümpfen die Nase über ihre nördlichen Nachbarn und lassen das ganze noch in italienischen Gazetten notieren was sie von der Schweiz halten.

Nun waren die Plakate absolut geschmacklos und in der Tat wurde sachlich eigentlich kaum darüber debattiert um was es eigentlich geht, am allerwenigsten im Ausland, dass sich jetzt darüber echaufiert, dass die Schweizer nicht ihre Nachbarn gefragt haben. Eine Mehrheit der Schweizer haben sich für die Initiative entschieden, man muß es so akzeptieren und kann denen nur in’s Stammbuch schreiben die sich jetzt aufregen, dass es doch ein leichtes gewesen wäre, wenn man umfassend darüber informiert hätte. -Und bevor man in Deutschland mit dem Finger auf die Schweizer zeigt sollte man sich vor Augen halten, dass Ausländer da abgelehnt werden, wo es gar keine gibt. In der sächsischen Schweiz z.B. erzählen die Leute, dass die Ausländer ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen würden. Fragt man sie, wo denn die Ausländer sind, herrscht schweigen.-

Geht es um das Thema Islam dann sitzt man, wie Lizas Welt zu Recht schreibt, als Neutraler zwischen allen Stühlen und mag sich gar nicht mehr dazu äußern. Für die einen ist man Islamophob, wenn man darauf hinweist, dass der Islamismus ja nun nicht gerade die Sonnenseite einer Religion darstellt und für die anderen ist man „das Dhimmiliebchen“ wenn man nicht 1,6 Mrd. Menschen unter Generalverdacht stellt. Leidtragende sind meiner Meinung nach die Muslime, die in Europa leben, sich an der Gesellschaft beteiligen und die es wahrscheinlich leid sind, dass sie sich für jeden Durchgeknallten kollektiv entschuldigen müssen. Ich frage mich jedesmal, was um Himmels Willen ist denn an dieser Religion so unglaublich diskussionswürdig, dass jeder sofort in Ekstase gerät.

„Man muss darüber reden,“ wird nun wieder der Dialog mit den Muslimen beschworen. Mit welchen denn? Allenfalls die üblichen Verdächtigen werden eingeladen und erzählen wieder das was man eh weiß.  Man sollte sich eher um die bemühen die in Europa leben und angekommen sind. Mit denen die nichts mit Ehrenmorden am Hut haben, oder die Sharia ablehnen. Die gibt es nämlich auch und sind wahrscheinlich die Mehrheit, viele von denen sind auch als Muslime vor Muslimen geflohen, werden aber wieder pauschal unter Generalverdacht gestellt.  So lange man sich an einer radikalen Minderheit aufhängt und diese versucht auf Biegen und Brechen integrieren zu wollen, was diese Leute offensichtlich nicht möchten, so lange kann man Diskussionen führen bis Matthäi am Letzten. Es wird sich nichts ändern und die, welche man ständig zu Diskussionen einlädt, scheinen wenig Interesse daran zu besitzen da sie der Meinung sind, diese Leute gehen sie nichts an und gehörten wahrscheinlich auch nicht zum Islam.

Die Muslime sind hier, basta! Und sie haben ebenso ein Recht auf eine Moschee, von mir aus auch mit Minarett, wie jede andere Religionsgruppe auch ein Recht auf ein Gotteshaus hat. Und wenn jemand der Meinung ist er muß hier unbedingt seine Vorstellungen von Kultur ausleben wollen, die nun mal nichts mit Koran gemein haben, dann sollte der Gesetzgeber die rote Karte zeigen. Punkt aus. Nicht mal die tolerante USA toleriert dieses Verhalten, aber hier muß alles bis in’s Letzte ausdiskutiert werden.

Trotz allem, ein ungutes Gefühl bleibt. Was passiert eigentlich wenn plötzlich Hindus, Juden, oder Buddhisten das Ziel von Initiativen werden, weil einem das Gebaren nicht passt? Besonders von denen, die jetzt fröhlich in’s Islambashing einsteigen und es ja schon immer gewußt haben? Oha, da kommen dann wohl harte Zeiten auf die Schweizer zu.

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2 Kommentare leave one →
  1. Lars permalink
    Dezember 10, 2009 4:58 pm

    Vielen Dank für einen der wenigen Aufrufe auch mal differenziert an diese aufgebauschte Debatte heranzugehen.

    Und die Schneeflocken gefallen mir auch sehr gut!!

    • taylor1944 permalink
      Dezember 10, 2009 9:06 pm

      Hallo Lars,

      Vielen Dank für einen der wenigen Aufrufe auch mal differenziert an diese aufgebauschte Debatte heranzugehen.

      Leider wird sowas nie gehört, weil die Hysterie auf beiden Seiten seltsame Blüten trägt. Normalerweise äußere ich mich ungerne dazu, weil ich mit meiner Sicht auf den Islam und die Gläubigen wirklich zwischen allen Stühlen sitze.

      Und die Schneeflocken gefallen mir …

      Eine nette Tradition bei WordPress. Pünktlich zum Dezember fallen die Schneeflöckchen und da passe ich dann gerne meinen Header winterlich an.

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