Israels Dilemma

Im Moment habe ich immer noch viel um die Ohren, so dass ich selten zum schreiben komme. Trotzdem bekomme ich natürlich die Nachrichten und Berichte mit, so auch das Video des entführten israelischen Soldaten Gilad Shalit.

Eigentlich hatte ich nicht mehr damit gerechnet, dass Gilad noch am Leben ist, denn er befindet sich seit 3 Jahren in Händen der Hamas und die Erfahrungen vergangener Zeiten haben immer gezeigt, dass Israel seine Kinder meist in Holzkisten aus den Händen der Terroristen zurück erhält, während die Administration putzmuntere Spießgesellen in die Freiheit entläßt, die nicht lange brauchen, um wieder Terror gegen Israel und seine Bevölkerung durchzuführen.

Damit zeigt sich auch der Zwiespalt und das Dilemma in dem sich israelische Politiker, sowie die israelische Gesellschaft  seit jeher befinden.  Israels oberste Devise bestand darin, dass nie wieder jüdisches Blut unschuldig vergossen werden soll und die Erfahrungen die Israel machte, änderten die Ausrichtung diverser Spezialeinheiten, die zu jeder Zeit an jedem Ort der Welt zuschlagen können, hin zu Antiterroreinheiten.  Sei es, um wie im Falle Entebbe 1976, eine Befreiungsaktion 3000 Km entfernt durchzuführen, sei es, wie nach München 1972, die Operationen „Zorn Gottes“ und „Frühling der Jugend.“ durchzuführen, oder Geiseln aus der Hand arabischer Terroristen aus entführten Flugzeugen zu befreien. Und Rückschläge wie z. B. das Ma’alot-Massaker vom 15. Mai 1974 führten zur Gründung einer Spezialeinheit der Polizei, die ausschließlich für die Terrorabwehr im eigenen Land zuständig ist. Trotz der Stärken im Kampf gegen den Terror  zeigt es, wie anfällig Israel gegen Terrorismus ist und das Geheimdienste wie Mossad, Aman, Schabak (Sheruth haBitachon haKlali), sowie Aufklärungseinheiten, nicht die Übermenschen sind zu denen sie, meist durch die „kritischen Freunde Israels,“ gemacht werden. Die israelischen Dienste tappten völlig im Dunkeln und eine Kommandoaktion, bei der mutmaßliche Verstecke gestürmt wurden verliefen im Sande. Geheimdienstexperten vermuteten Gilad in Syrien, Libanon, oder Iran und wenn man etwas konkreter wurde, dann in Damascus. Er kann also überall sein und wenn das Netzwerk des Terrors funktioniert, sogar in einer Koranschule im hintersten Winkel von Pakistan. Keiner weiß es.

Und so, wie man sich nicht auf Vorhersagen verlassen kann, sowie die Stärken der Vergangenheit, so stellt sich auch im Falle Gilads wieder die Frage nach dem Preis. Was ist Gilad wert? Einen Terroristen? Zehn? Neunzehn? Oder Hundert? Die Prämisse Golda Meirs: „Keine Verhandlungen mit Terroristen, kein Nachgeben!“ wurden ständig im öffentlichen Leben diskutiert und führten teilweise, wie München, zu heftigen Reaktionen auf beiden Seiten. Während man sich durchaus einen Austausch vorstellen konnte, „Geiseln gegen Gefangene“ gab es auf der anderen Seite diejenigen, die eher auf dem Standpunkt standen, „sterben die Geiseln, sterben die Gefangenen und danach die Drahtzieher, auf dass sich ihre Nachfolger zweimal überlegen, ob sie israelische Bürger als Geiseln nehmen.“ Aber um Gilad nach Hause zu holen ist es jedes Risiko wert. Es zeigt, wie lebhaft die israelische Demokratie ist und es zeigt, wie moralisch sich Israel verhält, trotz des Risikos.

Es macht die Unterschiede zwischen einer demokratischen Gesellschaft und einer Diktatur deutlich, die sich den Hass auf die Fahne geschrieben hat und die tiefste Befriedigung und Erlösung im Tod nicht nur der eigenen Bevölkerung, sondern auch der israelischen Bevölkerung sieht. Israel hat nicht viele Gilads die es opfern, oder auslösen kann, die Hamas dagegen verfügt anscheinend über ein unbegrenztes Potenzial an freiwilligen Attentätern die ständig nachwachsen, egal wie viel Köpfe man abschlägt. Ich möchte nicht in der Haut israelischer Premiers stecken, denn egal wie, in so einem Fall wird man immer in einem moralischen Dilemma stecken und egal was man macht eine neue, fast unlösbare, Situation herbei führen. Dass dabei auch die üblichen „Kritiker“ ihren Senf dazugeben müssen, damit muß man dann, fast zwangsläufig, leben.

Man kann nur hoffen, dass Gilad, egal wie hoch der Preis auch sein mag, schnellstmöglich frei kommt.

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Ein Gedanke zu “Israels Dilemma

  1. Ich denke die Bereitschaft, einen hohen Preis für Gilads Freilassung zu bezahlen, liegt auch im Interesse der Moral der kämpfenden Truppe, da in Israel das Motto „no man left behind“ tatsächlich gilt, selbst wenn man nur Tote in schwarzen Holzsärgen heimholen kann. Und unausgesprochen schwingt natürlich die Botschaft mit: „Einer von uns ist soviel wert wie 500 von euch“. Was ja auch stimmt, denn ein wehrpflichtiger junger Mann, der kein Gesetz gebrochen hat, ist menschlich tatsächlich mehr wert als eine Horde gefangener Terroristen.

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