Nach der Wahl ist vor der Wahl

Zunächst eigentlich die gute Meldung: Der befürchtete Linksruck ist ausgeblieben. Auch wenn die Linke noch zulegen konnte blieben, laut Experten, die SPD Wähler überwiegend daheim. Ich glaube zwar nicht, dass die SPD mit den Linken koaliert hätte, aber wenn ich mir das Wahlergebnis der Linken im Saarland anschaue, wo der Lafontainebonus seit 2005 anscheinend immer noch anhält und die Linke knapp hinter der SPD gelandet ist, dann bin ich mir da nicht so sicher.

Die schlechte Nachricht: Das Merkeltier wird auch weitere vier Jahre im Amt bleiben. Nicht das ich daran gezweifelt hätte, aber irgendwie hatte ich die stille Hoffnung, dass die Vernunft in der CDU die Oberhand gewinnen wird und Merkel noch in der Wahlnacht absetzt. Aber leider war das nur ein frommer Wunschtraum. Nun wird es weitere vier Jahre Politik nach Kohl’scher Machart geben, außer die FDP schafft es sich mit ihrem wirklich Superergebnis in den Verhandlungen durchzusetzen. Frau Merkel mag ja durchaus sympathisch sein, aber ich halte sie für die schlechteste Politikerin, da hat ja die Künast noch mehr Pep.

Ob Westerwelle nun Außenminister wird, das wird man sehen, persönlich hoffe ich es nicht. Mir wäre es natürlich angenehmer wenn Alexander Graf Lambsdorf in die Bundespolitik wechseln würde, aber ich bin nicht die Parteispitze. Lasse ich mich also überraschen und vielleicht ist der eine, oder andere, den ich so im Hinterkopf habe in der Regierung vertreten und schafft es liberale Vorstellungen durchzusetzen.

Was mir bei dieser Wahl wieder unangenehm aufgefallen ist, das waren die Wähler die vor mir das Wahllokal betreten haben. Da bin ich extra fix nach der Formel Eins Übertragung zum Wahllokal gegangen und hatte vor mir direkt wieder ein Pärchen, dass offensichtlich erst einmal ausgiebig den Wahlzettel studieren mußte und wohl per SMS den Telephonjoker einlöste. Ich hatte die Beiden als Linkswähler eingeschätzt und war der Meinung, dass die Entscheidung eigentlich recht fix sein würde. Als sich beide aber in der Kabine niederließen und erst einmal ausgiebig den Stuhl in Position brachten, da schwante mir übles. Und so kam es denn auch. Gefühlte Stunden verbrachte ich im Wahllokal und wollte schon rufen, „nun macht mal hinne! Wir essen zeitig!“ als sich eine gewisse hektische Aktivität breit machte. Anscheinend hatte der erste gefunden was er auf dem Zettel gesucht hatte und dann auch angekreuzt -„Sag mal, CDU, wer ist das eigentlich? Ach Merkel ist die Kanzlerin? Die kenn ich gar nicht und wie ist die so? Und SPD hat nichts mit Sovjetunion zu tun. FDP? Ach das sind die Liberalen und warum sind die Gelb? Ach Scheiß, ich mach da mal mein Kreuz, kenn die zwar nicht, aber egal. Wir seh’n uns dann später beim Peter!“-. Bei mir ging das alles in Nullkommanix und bekam einen merkwürdigen Blick von dem Oberbär im Wahllokal. Nun gibt es ja genügend Möglichkeiten sich umfassend zu informiern, sei es Wahlsendungen, Internet, Wahl-O-Mat, Medien, oder Werbesendungen der Parteien. Man braucht eigentlich nicht Stunden um sich mal eben in der Kabine zu informieren und dann eventuell den Zettel ungültig zu machen. Das ist mir jetzt schon ein paar Mal passiert, dass es offensichtlich Leute gibt, die zwar zur Wahl gehen, aber anscheinend keinen Plan davon haben was sie wählen sollen. Das erinnert mich immer an den Spot beim großen Preis als Wum und Wendelin über die Wahl sprechen und Wendelin erklärt, dass er eigentlich gar nicht so recht wußte, was man wählen kann. Und da er alle Parteien sympathisch fand hat er auf seine Wahlzettel geschrieben: CDU/CSU: Vielleicht, SPD: Möglicherweise und FDP: Wahrscheinlich -Ja liebe Kinder, damals hatten wir nur 3 Parteien im Bundestag und die FDP, das war laut Ephraim Kishon die Partei, deren Mitglieder sich in einer Telephonzelle versammeln konnten, die aber so wichtig war, dass CDU/CSU und SPD regieren konnten, aber nicht ohne die FDP. Die Zeiten haben sich ja nun geändert-

Nächstes Jahr wählt NRW, von daher kann man nur abwarten was eine neue Regierung bis dahin auf den Weg bringt. Wenn Frau Merkel aber so weiter macht wie sie aufgehört hat und die FDP sich die Butter vom Brot nehmen läßt, dann kann man in Trübsinn verfallen. 16 Jahre Kohl haben mir gereicht, ich brauche kein Kohl light.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Nach der Wahl ist vor der Wahl

  1. Pingback: Alexander Graf : Biographie, news, Fotos, Videos

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s