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Ehen vor Gericht

September 14, 2009

So in etwa lautete der Titel des gestrigen Abends mit Frank Walter und Angela Merkel-Steinmeier. Ich habe es nicht verfolgt, sondern mir nur in den Zeitungen durchgelesen, was ich „verpasst“ habe, nämlich nichts.

Das ganze muß wohl so abgelaufen sein, als würde ein Promipaar zum ersten Mal über die bevorstehende Trennung mit den Klatschreportern von ARD/ZDF, RTL und SAT1 sprechen. Es fehlten nur noch Pro7, Gala und Bunte. Das Promipaar plauderte über eine Ehe mit Höhen und Tiefen, aber da man es eventuell noch einmal versuchen möchte, zumindest als Freunde weiter durch das Leben schreiten, schloß man ein Gentlemen’s Agreement und plauderte in ruhigem Ton, so wie es sich für gute Freunde gehört, über die Stärken und Schwächen des Anderen. Dass dieser z.B. die Vase von Mutti hat fallen lassen, dabei wäre das ein wunderschönes Hochzeitsgeschenk gewesen und der Partner hält vor, dass er immer derjenige war der kochen und den Haushalt führen mußte, während der/die Partner/in ständig unterwegs gewesen ist. Verfolgt wurde das von einer Moderatorenschar die man als alles bezeichnen kann, aber mit Sicherheit nicht als kompetent.

Bei Maybritt Illner z.B. , da brauche ich schon meine Betablocker wenn ich die Frau nur im Fernsehen sehe. Sie ist der Prototyp des  gehätschelten Möchtegernpromis, der ständig irgendwo auftaucht und sich zu Themen äußert von denen er nichts versteht, aber der Meinung ist er wäre unheimlich Oberschlau. Nun taucht sie zum Glück zwar nicht überall auf, aber einmal die Woche reicht für ein ganzes Leben. Das was sie in ihrer Sendung anscheinend bis zum Überdruss beherrscht, Leute mitten im Redefluß zu unterbrechen, hat sie wohl auch gestern wieder zelebriert und ihre Bemerkung der „Tigerenten Koalition“ dürfte wohl nur sie selbst erheitert haben.

Frank Plasberg, Pseudoflaggschiff der ARD, glaubte wohl er sei bei „Hart aber Fair“ und über die anderen Beiden breite ich lieber den Mantel des Schweigens. Statt dessen bin ich froh, dass ich nicht zur schreibenden Zunft gehöre, so konnte ich mir die Simpsons und im Anschluss Team America anschauen und mußte nicht vor dem Fernseher kleben, um danach meine grenzenlose Abneigung in die Tasten zu hauen.

Was ich mich vor allem gefragt habe: Warum muß man unbedingt in Deutschland ein „TV Duell“ haben? Vor allem, wenn zwei Parteien vier Jahre Tasse und Teller geteilt haben? Was haben denn die Fernsehjournalisten erwartet? Ich kann ja nachvollziehen, dass es Fernsehjournalisten danach giert ein amerikanisches TV-Format auf deutsche Verhältnisse zu adaptieren (damit man sichGrößer fühlen kann, ohne Einlagen in den Schuhen), aber in den USA haben bisher noch nie Republikaner und Demokraten miteinander Tisch und Bett geteilt. Außerdem ist das politische Verständnis amerikanischer Fernsehjournalisten ein ganz anderes und die Kontrahenten gehen ganz anders miteinander um. In Italien oder Frankreich brennt das Studio weil die Typen in der Politik ganz andere sind. Das kann man nicht vergleichen.

Steinmeier ist ein Bürokrat und Merkel eine Bürokratin, die mit einem Pragmatismus versuchen die Dinge zu regeln. Ich persönlich finde das nicht sehr spannend und erinnere mich mit Wehmut an Elefantenrunden, als SPD auf CDU einschlug, die CSU am liebsten SPD und FDP als Vaterlandsverräter an die Wand gestellt hätte und die FDP versuchte die Wogen zu glätten. Das war Spannend, das hatte Feuer und da waren auch Beleidigungen an der Tagesordnung. Die Zeiten sind aber vorbei, was wir statt dessen haben, das sind Fernsehmoderatoren die sich für so Großartig halten, dass sie jetzt schon mit den Hufen scharen, damit sie sich wieder in’s rechte Licht rücken können. Das sind die Politiker mit Ausnahmen nicht mehr. Von daher hätte man vielleicht doch Boris Becker in’s Studio setzen sollen, der dann über die Schwangerschaft seiner Frau geplaudert hätte. Das wäre zwar für die vier „Rabauken“ langweilig gewesen, aber für den einen oder anderen mit Sicherheit sehr spannend.

Ps.: Ich hätte das Duell eh nicht gebraucht, weil ich schon weit vor der Wahl weiß was ich wähle. Außerdem dachte ich man wählt eine Partei und ihr Programm, nicht irgendeine Schlaftablette.

Pps: Erstaunlich, gerade erfahre ich, man kann Anhand von 400 Personen sagen wen Deutschland möglicherweise wählen könnte, wäre Obama Kanzlerkandidat. Da war Team America lustiger.

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One Comment leave one →
  1. September 15, 2009 4:30 pm

    Tja, bei der Bundestagswahl gibt es beides: Die Partei und ihr Programm in der Zweitstimme, die Schlaftablette mit der Erststimme – allerdings nicht die Schlaftablette, die im Fernsehen zu sehen war.
    Und weil die Parteiprogramme eh keiner mehr kennt, muss man sich im Qualitätsmedium halt mit den Schlaftabletten zufrieden geben. Schließlich wollen die ja Kanzler/in werden.

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