Heute vor 70 Jahren (Update)

Am 01.09.1939 überfiel die Deutsche Wehrmacht Polen. Am Ende des Krieges hatte Polen insgesamt 6 Mio Menschen verloren.

Die polnische Geschichte war zum Zeitpunkt des Angriffs noch relativ jung, denn Polen, so wie wir es kennen, entstand am Ende des 1. Weltkriegs nachdem das Deutsche Kaiserreich und die K. u. K. Monarchie zerbrachen und Platz machten für neue Länder in Europa. Ihre Freiheit mußten sich die Polen im Laufe der Geschichte teuer erkaufen, denn einige Male wurden die Polen verraten und mit einem Federstrich fremden Mächten zugeschlagen. Nach dem Polnisch-Sovietischen Krieg von 1920 dauerte das polnische Experiment 19 Jahre. Nach dem Einmarsch waren die Polen wieder von fremden Mächten besetzt. Hätten die Engländer und Franzosen konsequenter gehandelt und Polen nicht mit leeren Versprechungen im Regen stehen lassen, wäre Deutschland gestoppt worden. Selbst eine veraltete Armee, wie die französische, hätte vom Westen aus Deutschland in die Flanke fallen können und Hitler hätte es sich mehrfach überlegt, ob er Städte im Ruhrgebiet wieder dem französischen Erzfeind überläßt. Statt dessen hieß die Devise in Paris „Sterben für Danzig?“ und die Geschichte nahm ihren Lauf.

Wäre Churchill zu dem Zeitpunkt schon M.P. gewesen, er hätte es durchgezogen, denn die Chancen standen zu dem Zeitpunkt noch mehr als günstig.

Worauf man in Polen mit Recht stolz sein kann, das ist nicht nur der tapfere Kampf, sondern die Bereitschaft vieler Polen die nach England fliehen konnten, an der Befreiung Europas mitzuwirken und noch mehr Menschen zu opfern. Polnische Einheiten kämpften in Nordafrika, auf Sizilien und waren maßgeblich am Kampf um Monte Cassino beteiligt. Es waren polnische Einheiten die Monte Cassino befreiten und es war ein Pole -Kazimierz Gurbiel- der am 18. Mai 1944 die polnische Flagge auf dem Monte Cassino hisste.

Es waren polnische Einheiten die mit in der Normandie gelandet sind und französische Städte befreiten. Polnische Soldaten waren an der Zerschlagung des NS-Regimes in Deutschland beteiligt.

Der Tag ist von Bedeutung, besonders wenn man bedenkt, dass wir in einem geeinten Europa leben, ohne Krieg und es zwischen Polen und Deutschland zur Aussöhnung kam. Es waren die ehemaligen Feinde die die Hand ausstreckten und Menschen wie Willy Brandt die zur Versöhnung beitrugen. Von daher sollten es sich die Vertriebenenverbände hinter die Ohren schreiben, dass die Zeiten des Jammerns über Gebiete, die die heutigen Funktionäre höchtens noch vom Hörensagen kennen, vorbei ist. Wenn jemand an die Vertriebenen aus dem Sudetenland oder Oberschlesien erinnern will und der Meinung ist, er bräuchte dafür ein Museum, dann soll er einen Keller, oder eine Lagerhalle anmieten. Da kann er dann erinnern bis in alle Ewigkeit. Vor allem sollte er sich daran erinnern, wie man die Bevölkerung in Polen und in Tschechien behandelt hat. Das die Vertreibung blutig war und mit vielen Opfern verbunden, bestreiten weder Polen noch Tschechen. Aber weder die Polen, noch die Tschechen haben den Krieg begonnen. Ich heule auch nicht den Buden in Posegnirk, Klein Gnie und Gerdaun nach, das hat selbst meine Familie nicht. Ich trauere lieber um meinen polnischen Opa den man zum Volksdeutschen umetikettiert hat und den ich nie kennen lernen durfte.

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7 Gedanken zu “Heute vor 70 Jahren (Update)

  1. Hey Taylor,

    danke vielmals für diesen, aber auch all die anderen Artikel in den letzten Jahr(en).

    Ich wollte schon des Längeren einmal nachfragen; aber erst nach diesem Artikel heute würde ich doch wirklich gerne wissen, welche Bücher/Studien du konsultierst hast um dich dem 2. Weltkrieg (möglichst als Ganzes behandelt) von militär-historischer Seite zu nähern, was könntest du als Lektüre empfehlen?

    Danke,

    Lars

    • Hallo Lars,

      vielen Dank für das Kompliment.

      Empfehlen kann ich Wolfram Wette, Prof. Manfred Messerschmidt, Gerhard Schreiber, Basil Liddel Hart und Janusz Piekałkiewicz. Dann -lach nicht- über die Invasion habe ich mir damals Paul Carrel gekauft, da kannte ich den noch nicht. Als ich wußte wer das ist, habe ich dann bei anderen nachgeschaut, aber Carrel hat, trotz der etwas seltsamen Sprache, die Ereignisse der Landung in der Normandie korrekt wieder gegeben. Man muß halt zwischen den Zeilen lesen und den Schmonzes über die Wehrmacht ausblenden. Dann habe ich die Biographien von Churchill, Montgomery (The Memories of Field Marshall Montgomery) und „Patton’s Third Army at War,“ sowie Omar N. Bradley „A Soldier at War“ gelesen. Über Eisenhower gibt es das Buch von Stephen E. Ambrose.
      Über Israels Kriege das Buch von Chaim Herzog „Kriege um Israel.“ Herzog schreibt von der Gründung und dem Unabhängigkeitskrieg bis 1982 Libanonfeldzug. Für mich eigentlich das Buch überhaupt, da Herzog die Hintergründe, Schlachtverläufe und Nachwirkungen beschreibt. Dazu sind dann auch Karten- sowie Bildmaterial vorhanden (sehr zur Freude von F.D. Rosenfeld). Über Israels Geheimdienste empfehle ich Rafik/Melman „Every Spy a Prince.“ Rafik und Melman beschrieben die Gründung und Aktionen der israelischen Geheimdienste und sparen auch nicht mit Kritik.
      Zum Thema Kreuzzüge Walter Zöllner und Alain Demurger und natürlich Claire Sterling über den internationalen Terrorismus. Das Buch von Claire Sterling ist zwar Anfang der 80er Jahre erschienen, aber gerade wenn es um PFLP und PLO geht sehr zu empfehlen. Bisher konnte Sterling auch keiner widerlegen und ich habe nur eine Kritik gelesen die eher polemischer Natur war.
      Über die Apartheid „Die Zeit ist Schwarz“ von Joseph Lelyveld.

      Ich hoffe ich konnte ein paar Anreize geben.

      Viele Grüße
      Taylor

  2. „Nach dem Polnisch-Sovietischen Krieg von 1920 dauerte das polnische Experiment 29 Jahre. “

    Das waren NUR 19 Jahre. Bis zum 1/17. Sept. 1939. Keine 29 Jahre. Bitte korrigieren.
    Gruß
    Joram
    jeszcze Polska nie zginela poki my zyjemy!

    • @ Joram,

      Das waren NUR 19 Jahre

      Upps, stimmt, da war ich schon mit den Gedanken woanders.
      Ich habe es korrigiert. Vielen Dank für den Hinweis.

  3. Vielen Dank fuer die sehr ausfuerhliche Antwort. Da werde ich mich dann mal durcharbeiten.

    Ich habe den Zweiten Weltkrieg fast ausschliesslich von der Perspektive der Genozidforschung her betrachtet, mit dem militaergeschichtlichem Minimum, dass man selbstverstaendlich auch dafuer braucht.

    Ja, schmunzeln musste ich schon als du Paul Carell vorschlugst, aber wenn du meinst das es relativ ‚faktentreu‘ ist, dann werde ich mir das doch gerne als zeitgenoessische Betrachtung vornehmen.

    Gruss,
    Lars

  4. Da ist mir doch gerade bei der Suche nach mehr Details ueber Paul Carell etwas Merkwuerdiges auf en.Wikipedia aufgefallen:

    ‚Schmidt also claimed that the invasion of the Soviet Union was a preemptive attack to forestall an attack by the Red Army, which has strong credibility (sic!!).‘

    Da bin ich dann natuerlich ganz schnell auf die de.Wikipedia gegangen. Nicht nur scheinen die beiden Artikel voneinander abgeschrieben zu haben (fragt sich wer von wem…), aber bei dem deutschen fehlt der letzte qualifizierende Teil:

    ‚Der Angriff auf die Sowjetunion sei ein Präventivschlag gewesen, um einem bevorstehenden Angriff der Roten Armee zuvorzukommen.‘

    Interessant, oder?

    • Hallo Lars,

      ‘Der Angriff auf die Sowjetunion sei ein Präventivschlag gewesen, um einem bevorstehenden Angriff der Roten Armee zuvorzukommen.’

      Interessant, oder?

      Man merkt, gerade beim Thema Sovietunion, dass Carell ein Revisionist war. Er wurde zwar von Historikern mehrfach widerlegt, aber Carell beharrte soweit ich weiß, bis zum Ende auf diese These. Er hat ja auch die Verbrechen der Wehrmacht und SS nicht schöngeredet, sondern schlichtweg unterschlagen so dass man den Eindruck hatte die Wehrmacht und SS waren alles Chorknaben. Das Buch über die Invasion ist von daher auch so zu lesen, dass man es einfach über die Chronologie liest, denn auch da hat Carell so seine Schwierigkeiten gehabt. Aber nach querlesen mit anderen Quellen hat er den Ablauf korrekt wieder gegeben.

      Ich kannte ihn halt damals nicht als ich Bücher über die Invasion gesucht habe und so Anfang/Mitte der 80er Jahre lebten halt noch die, welche der Meinung waren, „es war nicht alles schlecht unterm Führer.“ Leider gibt es wieder Historiker, auch in Deutschland, die die These von dem angeblichen Präventivschlag aufgreifen und wider besseren Wissens verbreiten.

      Viele Grüße
      Taylor

      Ps.: Über die SS gab es ja zum Glück Kogon und Höhne

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