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Wiener Zensurbehörde

August 18, 2009

Manchmal habe ich den Eindruck Österreich ist wirklich anders als andere Länder. Schon während meiner Zeit dort gab es Dinge, über die ich manchmal gewundert habe. Allerdings fand ich das Land klasse, hatte nie Probleme mit den Einwohnern, außer mit ein paar FPÖlern und hatte, wenn ich aus Deutschland kam, das Gefühl daheim zu sein.

Dabei war Wien für mich das Größte und ich fühlte mich geschmeichelt als mir jemand vorwarf, „wenn er nicht wüßte, dass ich ein Piefke bin, dann würde glatt annehmen ich wäre ein Wiener, weil ich genauso granteln würde.“ Der Wiener Humor kam mir natürlich entgegen und so lese ich lieber österreichische Schriftsteller, oder schaue österreichische Kabarettisten, weil nur diese einen schön fiesen Humor haben. Wie sagt man so schön, „mir taugt des.“ Mittlerweile ist mir das Land aber fremd geworden, ok, Skandale und Skandälchen gab es ja schon zu meiner Zeit dort, aber was so im Laufe der Jahre dort passiert, das erinnert mich manchmal eher an ein Land in Osteuropa, als an unseren direkten Nachbarn.

Florian Klenk, stellvertretender Chefredakteur der Wochenzeitung Falter -übrigens zu empfehlen-, ist nicht nur in seiner Zeitung ein streitbarer Geist, sondern betreibt auch ein persönliches Weblog, auf dem er auch nicht sonderlich mit seiner Meinung zurück hält und anscheinend des Öfteren sehr kritische Artikel über die Wiener Zentralgewalt schrieb. Ein Bekannter sagte mir dazu, „wenn man in den Miniterien a bissl Dreck un‘ a Leich‘ braucht, denn schaut man beim Klenk.“ So ist wohl zu erklären, dass ein übereifriger Beamter des Justizministeriums bei seiner täglichen Klenklektüre über einen Artikel stolperte der seinen Argwohn erregte. Flugs machte der Mann sich auf und erstattete seinem Vorgesetzten Rapport, „Chef ich weiß was…,“ woraufhin dieser wohl völlig die Fassung verlor und laut Heise, den kleinen Dienstweg einschlug und dem Provider erklärte was mit renitenten Serviceleistern passiert. In Österreich nichts ungewöhnliches, kennt dort anscheinend wirklich jeder jeden und manchmal reicht ein Telefonat um seinen Willen zu erhalten. So auch in diesem Fall, statt dass man dem Herrn sagte, er könne ruhig mal brausen gehen, rannte man dienstbeflissen in den Keller und kappte kurzerhand Klenks Weblog.

Nachdem der Fall Wellen schlug -keine Donauwellen-, wurde nicht nur der Blog wieder aufgeschaltet, nein man ist peinlich bemüht den Vorfall klein zu reden und spricht von einem blöden Zufall. Deppert halt. Seltsamerweise hatte man kurz vorher noch den Weblog mit der Begründung vom Netz genommen, dass die Internetseite, die der streitbare Journalist betreibt, „Teile von Computerkriminalität, Pornographie, Glücksspiel, Soziale Netzwerke -ganz verwerflich- und Pishing enthält“, also alles was man auf russischen Servern gewohnt ist, wenn man mal Internetabenteuer erleben möchte.

Gerade in der Zeit, als die FPÖ ab 1999 in der Regierung saß, gab es viele Vorfälle, bei denen die Behörden immer recht schnell in hektische Aktivität verfielen, damit so manche Leiche auf dem Friedhof der Namenlosen verschwand. Teilweise wurden auch Polizisten dazu mißbraucht als Freizeitdetektive Dossiers über „mißliebige Personen“ anzulegen. Zu denen gehörten auch Politiker der Opposition, also praktisch jeder der nach FPÖ-Sprech, „nicht für uns ist.“ Das allerdings hat schon eine neue Qualität, wenn eine Behörde willkürlich hingeht und Zensur betreibt, nur weil ihnen die Meinung nicht in Kram paßt. Nach der Agentenaffäre, praktisch eine Neuauflage vom „Dritten Mann,“ kommt nun die Zensuraffäre und Österreich kommt irgendwie nicht zur Ruhe.

Ich habe ja die Erfahrung gemacht, dass man in Österreich ohne diese Schmankerl irgendwie nicht auskommt. Vielleicht sollte man den Regierenden in Wien mal mitteilen, dass es auch eine Welt außen herum gibt, wenn man schon Leichen wegräumen möchte und dafür Ablenkungsmanöver braucht, dann ist es doch sinnvoller, wenn man immer einen Schuldigen im Ausland hat, oder auch mal in Klimahysterie macht. Dann wäre das mit Florian Klenk wahrscheinlich gar nicht aufgefallen.

Felix Austria!

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2 Kommentare leave one →
  1. August 19, 2009 4:14 pm

    Nicht nur geographisch beginnt der Balkan in Wien. Wobei einige Balkanländer mehr demokratische und rechtsstaatliche Kultur entwickelt haben als der Rumpf-k&k-Staat. Leider sind es genau jene Eigenschaften, die Österreich sympathisch machen, die zur Verluderung der Sitten führen, nämlich dieses ständige „wir wern kan Richter brauchn“, „nur ned hudeln“ oder die kärntnerische Version: „lei losn“. So angenehm ein gewisser Schlendrian und eine Neigung zum Unbürokratischen und zum Schmähführen und zum leichten Gesetzebiegen auch sind, so fatal wird es, wenn sich diese Eigenarten in Politik und Verwaltung einschleichen.

    • taylor1944 permalink
      August 19, 2009 8:28 pm

      Servas Lindwurm,

      schön das es Dir wieder besser geht und ich hoffe, dass Du diese Scheiß Krankheit überwindest. Persönlich war ich schon sehr betroffen und Deine Schritte verfolgt.

      Mit den Skandalen war ja schon zu der Zeit, als ich noch in Wien gearbeitet habe. Da war ja noch die FPÖ der Partner vom Mascherl. Und damals wurden dann ja Mitarbeiter der Executive für Spitzeldienste herangezogen. Auf der einen Seite war Empörung -Ich habe damals regelmäßig den Kurier und den Standart gelesen-, auf der anderen Seite das, was Du schon geschrieben hast. Man hatte eine lässige Handbewegung dafür übrig.
      Diejenigen die das ganz in Ordnung, oder „net so arg,“ fanden, hatten dann meist schon andere Schauplätze in der Schublade und wiesen generös daraufhin, dass es in Italien ja viel schlimmer sei, man also noch großes Glück hatte.
      Ich denke in der Causa Klenk wird man in offiziellen Kreisen auch wieder einen Vergleich ziehen und sagen, „In Bulgarien ist die Korruption so hoch.“ Und es wird nicht lange dauern, da hat man schon wieder das nächste Thema.

      Ich fand das Land immer recht spannend und muß sagen, es gibt nur wenige Länder wo ich gerne gelebt habe. Österreich steht da ganz oben -wirklich ein schönes Land und überwiegend angenehme Leute- Allerdings hat es mich immer gewundert, warum der Liberalismus in Österreich so gering ist. Entweder man war Pro, oder strikt Contra, für manchmal doch recht verwirrend. Und…..die Nationalratssitzungen hatten richtig Feuer, die habe ich mir öfters gegeben…herrlich.

      Viele Grüße und weiterhin gute Besserung
      Taylor

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