Chinesisch Süss-Sauer

Da wurden wohl die friedvollen chinesischen Machthaber Opfer der gemeinen und defätistischen Uiguren. Und weil China nicht nur eine aufstrebende Wirtschaftsnation ist, sondern auch eine Demokratie -Mehr oder weniger, auf jeden Fall jetzt auch mit ohne Wahlen-, hat man halt von seinem Recht Gebrauch gemacht und in der autonomen Provinz Xingjiang gezeigt wie man auf friedvolle Weise das Problem löst.

140 Tote, so die offiziellen Berichte und mehr als 800 Menschen wurden verletzt. Wieviel verhaftet wurden läßt sich im Moment noch nicht sagen, denn wenn von „hunderte“ berichtet wird, dann kann man da ruhig noch eine „Null“ dran hängen, denn wählerisch ist man nicht gerade. Anlaß dürfte laut der FAZ die, um es in Parteichinesisch auszudrücken, „Umgestaltung Kaschgars“ gewesen sein. Und mit der Umgestaltung ist man in Peking nicht gerade wählerisch -außer es handelt sich um Touristenattraktionen im Stammland-, wenn es darum geht den autonomen Republiken zu zeigen, wie man sich ein China der Moderne vorstellt. Da wird mal eben der Vorplatz vor dem Palast in Lhasa zu einem Aufmarschgebiet der Jungen Pioniere betoniert, oder halt in Xingjiang alte Kulturgüter dem Erdboden gleich gemacht, damit Platz für Wohnhäuser ist. Äußert man eventuelle Bedenken gegen die Pläne, dann ist man halt ein Volksschädling.

Das Vorgehen Pekings gegen Demonstranten ist auch gleich dadurch gedeckt, dass China im Zuge des 9/11 neue „Terrorgesetze“ eingeführt hat, die man dehnbar für und gegen alles einsetzen kann -Praktisch der Gummiparagraph der DDR-. Und natürlich ist für Peking das böse Ausland, in diesem Fall die Exil-Uiguren, an dem ganzen Schuld. So sollen, wie könnte es auch anders sein, die Uiguren im Ausland ihre Landsmänner/frauen  zum Sturz aufgehetzt haben. Und mit Sicherheit wird auch der Eine, oder andere Schlaukopf auf die Idee kommen und auf die Autonomie Xingjiangs verweisen und wie toll es doch den Uiguren in ihrer Provinz geht. Normalerweise würde Peking hingehen und einfach mal eben eine Million Chinesen aus anderen Provinzen nach Xinjiang umsiedeln, aber das hat bisher nicht so richtig geklappt und die Uiguren bilden die Mehrheit dort. Vor allem sind die Uiguren sunnitische Muslime und viele von ihnen nehmen ihren Glauben ernst, was von Peking zwar manchmal still geduldet, aber nicht toleriert wird, besonders wenn Forderungen kommen, dass mehr Moscheen enstehen sollten damit der Religion, die immer noch einen gewissen Stellenwert besitzt, nachgegangen werden kann. Peking sah das damals nicht so und im Zuge der neuen Gesetze wurden einfach mal kurzerhand 251 Uiguren, deren einzige Verbrechen darin bestand mehr religiöse Freiheiten zu fordern, eingesperrt.

Erstaunlich das gerade unter Muslimen die in ihren  Ländern gerne auch mal ein Barbeque mit Fahnen und Botschaften  westlicher Staaten veranstalten, so ruhig sind. Auch hier in Deutschland habe ich bisher noch nie irgendwelche Proteste gesehen, wenn es darum ging gegen China zu protestieren und mehr Rechte für die Minderheiten in China zu fordern. Wenn allerdings ein Sack Mehl im Gaza umfällt, oder israelische Bürger von der Hizb’ullah beschossen werden, dann ist die Friedensbewegung aus linken/rechten und islamischen Friedensfreunden Hand in Hand auf der Straße und protestiert gegen den Terrorstaat Israel, der die Bevölkerung in Gaza verhungern läßt und dabei ist einen neuen Völkermord im Libanon zu begehen. Da werden dann auch Schilder geschwenkt, die die Juden gerne im Gas sehen würden und der „Ich kann mich nicht um alles kümmern“ Ahrendt läuft zur Höchstform auf, während Claudia Karas wütende Brandbriefe an alle Zeitungen verfasst und darin von der zionistischen Lobby faselt, die natürlich jede Meinung in Deutschland unterdrückt. Steinberg wirft seine Großeltern in den Ring und die Tochter gibt exklusive Telefoninterviews diversen Provinzsendern.

Was jetzt noch fehlt, das ist ein Colin Goldner der in der Jungen Welt erklärt, dass an den Unruhen in Xingjiang mit Sicherheit die Propaganda des Dalai Lama schuld sein muß, schließlich hat der schon als Drei Jähriger Swastikas in den Sand gemalt. Und von Vince Ebert sekundiert wird, der im Dalai Lama im speziellen und den Uiguren im allgemeinen, ein Hindernis für die aufstrebende Wirtschaftsnation China sieht.

Und irgendwann werden die Uiguren und ihre Probleme wieder in der Versenkung verschwinden und man sieht die üblichen einsamen Gestalten in Gestalt von Falun Gong Anhängern, Tibetern, oder Uiguren, die vor der chinesischen Botschaft stummen Protest begehen.

Mehr zu den Uiguren und Länderbericht

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2 Gedanken zu “Chinesisch Süss-Sauer

    • Hallo,

      bisher hat er sich dazu noch nicht geäußert. Junge Welt und ND, normalerweise an vorderster Front, waren in ihren Berichten auch eher zurückhaltend.

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