Keine Erleuchtung

Am 10. März war Jahrestag. Vor 50 Jahren, genauer am 10. März 1959 erhoben sich die Tibeter gegen die chinesische Besatzung. Vince Ebert scheint davon nichts mitbekommen zu haben und entweder ist es Satire, oder er meint es ernst, wenn er auf der Achse des Guten schreibt, „Ohne sich freilich dafür zu interessieren, dass viele Free-Tibet Organisationen von den USA großzügig mit Millionenspenden unterstützt werden, weil die Propagandamaschine Dalai Lama ein probates Mittel ist, um der aufstrebenden Wirtschaftsmacht in China zu schaden.“

Ebert, der sich offensichtlich darüber ärgert, dass der Dalai Lama 3 Tage in Frankfurt verbringen wird, zeigt die typische Überheblichkeit mancher Zeitgenossen in diesem Land, die sich gern und ausgiebig zu Themen äußern müssen von denen sie im Grunde genommen keine Ahnung haben. Es steht ihm natürlich frei sich kritisch zu äußern, nur wenn man einzig Colin Goldner als Information aufbieten kann und ansonsten nichts anzubieten hat, dann sollte man vielleicht einfach schweigen und nicht auch noch fröhlich sein Halbwissen durch die Gegend werfen, das wirkt mittlerweile nur noch lächerlich.

Der Dalai Lama bezeichnet sich nicht als „Ozean des Wissens,“ das ist einfach nur Quatsch. Er wird von den Tibetern als Ozean des Wissens bezeichnet. Man kann sich darüber lustig machen, das Scheiße finden, aber dann sollte man die Konsequenz besitzen und alle Superlative über Personen kritisch beäugen. Allein das Medienecho über Michael Jackson erweckte in mir den Anschein, als würden wir in einer antiken Sagenwelt leben und Achilles wäre gerade vor Troja gefallen. Das war ja schon an Peinlichkeiten nicht zu überbieten. Dass das Thema Tibet, oder der Dalai Lama von Spinnern vereinnahmt wird, das ist ja nun nicht seine Schuld, oder die Schuld der Tibeter. Aber offensichtlich scheint das bei Ebert der Fall zu sein, der sich im Grunde nur auf Goldner beruft, der schon dermaßen vorgeführt wurde, dass Goldner sich gerne dem bedient, was er vermeintlich zu bekämpfen sucht, der Verschwörungstheorie, wenn er von friedliebenden Chinesen erzählt, die vom blutrünstigen tibetischen Mob durch Lhasas Straßen gejagt wurden, ohne das es dafür einen Anlaß gegeben hätte. Und dann sogleich zu seinem Lieblingsthema kommt, die Verehrung der Tibeter für Nazis und des Dalai Lamas Nähe zu ihnen.

Nun es stimmt, dass eine Expedition der Nationalsozialisten in Tibet den Ursprung der Arier vermutet hat und der Reichsführer SS Heinrich Himmler eine Expedition in den Himalaya befahl. Kein Wissenschaftler hat das jemals bestritten, denn die Unterlagen sind ja vorhanden, nur hat sich keiner der  Lamabasher die Mühe gemacht die Quellen auch zu lesen. Für eine angebliche Sympathie zwischen Tibetern und Nationalsozialisten gibt es keinen Beleg, im Gegenteil – Der Leiter der Expedition, Ernst Schäfer, schrieb begeistert: „anmassendes, niederträchtiges Geschmeiss“ (über die Sherpas) und „Abstossenden Zwerginnen ähnlicher als menschlichen Wesen, sind sie das ekelerregendste an Weiblichkeit, was ich je zu Gesicht bekommen habe . . . Ein wahrer Abschaum der Menschheit!“  (Über Nomadenfrauen). Und der Dalai Lama war im Übrigen zu dem Zeitpunkt Drei Jahre alt. Offensichtlich setzt man in diesem Fall voraus, dass ein Dreijähriger über den Intellekt und die Weisheit eines Erwachsenen verfügen muß und somit durchaus in der Lage war -wie übrigens die Tibeter auch- dass es sich um ein verbrecherisches Regime gehandelt hat. Geradezu seherische Fähigkeiten müßten diese gehabt haben.

Auch der Feudalismus ist eine alte Kamelle die immer wieder als Beleg dafür herhalten muß, wie böse, abgefeimt, niederträchtig und hinterhältig die Tibeter und ihre Mönche waren. Nun war der Feudalismus zu dem Zeitpunkt fast überall auf der Welt beheimatet und wer sich die chinesische Geschichte mal durchliest, der legt sie dankend weg, denn chinesische Kaiser konnten mal eben tausende von Sklaven bei Großprojekten verheizen, wenn ihnen danach war und regierten auch willkürlich. Bisher habe ich in der Causa Tibet auch nur wenige getroffen, die vom Shangri La phantasierten, vielleicht habe ich mich auch mit den falschen „Tibetfans“ unterhalten. Jeder, einschließlich der Leute die sich beruflich mit Asien und Tibet im speziellen auseinandergesetzt haben, haben die Zustände in Tibet überhaupt nicht bestritten, aber und das ist Entscheidend, die Geschichte Tibets durchaus mit anderen Feudalsystemen, gerade in Asien, verglichen, was durchaus legitim ist. Allerdings nicht für die Kritiker, die unbedingt einen Völkermord tibetischer Mönche an der eigenen Bevölkerung herbeischreiben und das wie ein Mantra betonen. Schon der 13. Dalai Lama (Vorgänger des Jetzigen) begann die Zustände in Tibet zu ändern und das Land zu reformieren. Sein Nachfolger, der Heutige Dalai Lama, führte das ganze als Jugendlicher fort.  Natürlich kann man ihm vorwerfen, dass er ein Altnazi ist, weil er freundschaftliche Beziehungen zu Heinrich Harrer gepflegt hat, klar, denn wenn man was finden muß, dann wühlt man halt so lange, bis man was findet und sei es auch nur ein Bild von Stalin mit Widmung. Mich führt diese Bessenheit zu der Annahme, dass offensichtlich einige in diesem Land einen ganz großen Spleen haben. Man kann das schon nicht mal mehr als Exzentrisch bezeichnen.

Und natürlich darf das Märchen vom „Gottkönig“ nicht fehlen. Nun hat der Dalai Lama schon recht früh erklärt, genauer in den 60er Jahren, dass er sich durchaus vorstellen könnte, dass Tibet eine parlamentarische Demokratie ist, in der er nur eine religiöse, aber keine politische Rolle spielt. Anscheinend wollen aber diejenigen, die keine Ahnung haben und den Mann unbedingt in die Rolle eines potenziellen Massenmörders rücken möchten, davon nichts wissen. Er hat ja sogar gesagt, dass Tibet eine autonome Provinz in China sein sollte, aber das hätte er auch einem dickbäuchigen Buddha in einem vietnamesischen Kloster sagen können. „Die Experten“ wollen davon nichts wissen und negieren auch die Tatsache einer Exilregierung, die sich aus gewählten Tibetern rekrutiert und nicht ernannt wurde. Was man anderen generös zugesteht, das verkehrt man beim Dalai Lama in’s Gegenteil. Man ist sich nicht mal zu blöd den Einmarsch der Chinesen in Tibet zu rechtfertigen. Während man Interventionen mit Zähnen und Klauen verteidigt, wenn es nur die Richtigen trifft, so findet man es völlig in Ordnung und glorifiziert noch den Einmarsch der Chinesen als Fortschritt. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob einer überhaupt die Geschichte Chinas unter Mao kennt, der das als Fortschritt preist. Mit Sicherheit waren meine Lehrer und auch die Autoren die ich gelesen habe, entweder tibetische Agenten, vom CIA bezahlt, oder Vertreter anderer westlicher Geheimdienste und des KGB, die einfach nur den Chinesen schaden wollten. Aber 1950 war China dermaßen rückständig. Da war nix mit Industrienation, im Gegenteil wurden die Tibeter gezwungen ihre Besatzer zu ernähren, da Peking nicht in der Lage war seine Soldaten zu versorgen. In der Tat eine große Leistung einer Wirtschaftsnation, die selbstverständlich ein Hort der Menschenrechte, der Demokratie, Liberalität und der Freiheit ist.  Ach was schreib ich, China ist das Shangri La der Libertären Gesellschaft in der halt einige Ethnien stören. Die Uiguren zum Beispiel sind ganz froh Chinesen zu sein und feiern das fast täglich. Allerdings nicht in der Moshee, weil das ist verboten, neben einigen anderen unbedeutenden Dingen. Und wer sich nicht daran hält und gerne mal den Freitag in der Moshee verbringen möchte, der landet schneller im Gefängnis in der höheren Lehranstalt als ihm lieb ist.

Ein weiteres Highlight in Eberts Text ist seine Kenntnis vom Buddhismus. Ich habe ja nichts dagegen, wenn man keine Ahnung hat, oder das alles ablehnt, aber dann soll man sich vorher besser informieren, oder eine handfeste Satire schreiben. So ist das noch nicht mal lächerlich.  „Den Buddhismus“ gibt es nicht. Es mag als Oberbegriff noch tauglich sein, aber auch im Buddhismus gibt es verschiedene Strömungen und Richtungen, so dass eine Richtung nicht der anderen gleicht. Es ist auch völliger Quatsch zu behaupten, dass “ er eine Lehre ohne Gottheit ist.“ Natürlich glaubt man nicht an einen Schöpferg“tt, sowie im Christentum, trotzdem gibt es eine Vielzahl von G“ttheiten im tibetischen Lamaismus. Man könnte das wissen, wenn man sich informiert, aber anscheinend findet man es angenehmer Leute, die sich zu der Einen oder anderen Richtung bekennen, pauschal als esoterische Spinner abzukanzeln, die nicht mehr alle Latten am Zaun haben. Aus purem Unwissen, oder weil er einfach dumm ist, behauptet er, der tibetische Buddhismus hätte was mit Rassenideologie zu tun: „Salopp gesagt, besagt der tibetische Buddhismus: Wenn Du dich in Deinem Leben gut verhalten hast, wirst Du als Delphin, Günter Jauch oder Schweizer wiedergeboren, wenn nicht, dann als Flughörnchen 9LiveModerator oder Ostdeutscher. Dieses Weltbild ist jedoch alles andere als human. Denn es besagt, dass Menschen in sozialem Elend selbst an ihrem Schicksal schuld sind, da sie offensichtlich in einem früheren Leben ein schlechtes Karma erworben haben. Umgekehrt sind sozial hochstehende Menschen zurecht auf dieser Position, da sie im früheren Leben ein gutes Karma angehäuft haben. Da ein Auf- bzw. Abstieg im aktuellen Leben nicht möglich ist, ist es eine perfekte Ideologie, um Vorurteile und Rassenunterschiede zu zementieren.“

Merke: Wenn Du etwas nicht magst, aber möchtest, dass auch andere das nicht mögen, dann werfe einfach mit Dreck und stelle eine Behauptung, oder einen Bezug zur NS-Zeit auf, das wirkt immer.

Karma ist ein zentraler Begriff im Buddhismus. Er bedeutet nicht Schicksal, sondern das Zusammenwirken von Ursache und Wirkung: Jeder ist für sein eigenes Leben verantwortlich. Dieses Verständnis ermöglicht es, durch bewusstes Handeln Eindrücke im Geist aufzubauen, die zu Glück führen und künftiges Leid vermeiden.

Damit hängt jedoch keine gleichgültige Einstellung gegenüber dem Leid anderer zusammen, denn ein Buddhist geht davon aus, dass alle Menschen ständig aus dem Streben nach Glück heraus handeln. Der Grund für leidbringende Handlungen wie Töten, Diebstahl, sexueller Missbrauch oder Betrug liegt darum nicht in etwaiger „Bosheit“, sondern darin, dass sich die Handelnden der Gesetzmäßigkeit von Ursache und Wirkung nicht bewusst sind.

Wer Leid erlebt, hat sich also die Ursachen dafür in der Vergangenheit selbst geschaffen. Dies ist jedoch aus Unwissenheit geschehen und kann jetzt nicht mehr rückgängig gemacht werden. Darum sollte ein Buddhist unvoreingenommen und couragiert helfen, wo immer es möglich ist.

Im Vajrayana lässt sich Karma, das noch nicht in Form von Erlebnissen reif geworden ist, verändern: positives kann verstärkt, negatives abgebaut werden.

Was Ebert mal so salopp behauptet, ohne die buddhistischen Texte gelesen zu haben, ist also völliger Nonsens. Man wird nicht als Delphin wiedergeboren, weil es das Karma so will, sondern man wird so wiedergeboren, dass man „sein Leid“ überwindet. Siddharta Gautama kam aus einem reichen Haus und hat halt erkannt, dass, jetzt salopp ausgedrückt, Reichtum und Macht Scheiße sind, wenn es Menschen gibt, die Leiden müssen. Siddharta war nicht nur angewidert von seinem Leben, sondern suchte einen Sinn darin das zu überwinden. Wobei das Nirvana die höchste Stufe der Sinnsuche darstellt. Die Erkenntnis kann man sofort erhalten, oder man wird halt im Kreislauf geboren, bis man alles überwunden hat.

Man mag das für dämlich, idiotisch, kindisch, oder debil halten, dann müßte man konsequenterweise alle Religionen und Philosophien hinterfragen. Man mag natürlich auch Religion pauschal ablehnen. Wenn man aber meint, man wäre liberal, dann sollte man anderen Menschen ihre Religion zugestehen und ich halte es mit dem Alten Fritz, so lange diese nicht zur Bedrohung werden. Mich hat auf jeden Fall noch kein Buddhist belästigt. Und der Dalai Lama bedroht auch nicht die freiheitlichen Rechte anderer -meine bisher noch nicht-, egal was man von ihm halten mag.

Quellen:

Jens Schlieter, Texte von Klemens Ludwig, Christopher Peter und Jürgen Ritter über die ExpeditionKlemens Ludwig, Radical Party über Tibet,

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12 Gedanken zu “Keine Erleuchtung

    • Hallo Tobi,

      yepp, das war schon eine lustige Diskussion. Vor allem das Beharren auf einen Autor der Jungen Welt -einer Zeitung die die meisten nicht mal mit der Kneifzange anfassen-.
      Viele Grüße
      Taylor

  1. Grüß Dich Taylor,
    recht hast Du, aber vielleicht sollte man den „Spaßmacher“ nicht zu ernst nehmen 🙂 (ich lache beispielsweise oft über Kabarettisten, ohne dass ich deren Meinung übernehme.
    Zur BTW-Diskussion:
    Übler sind eher Regime- und Diktaturweichspüler. Deren ganze Arroganz zeigt sich auch darin, dass sie es ebenfalls nicht schaffen ein Wort für die Uiguren oder Myanmars Aung San Suu Kyi zu finden. Das „Burmesiche Schweigen“ eint bedauerlicherweise oft die Dalai-Lama Fans und dessen Gegner – und mich auch, habe ich doch verpasst etwas zu ihren 64zigstem aufzustellen:
    http://64forsuu.com/index.php

    Zu deinen Einspruch in BTW fiel mir noch etwas ein: Man mag vom Katholizismus halten was man will, aber am Zusammenfall des Kommunismus haben Karol Wojtyla und Stefan Wyczynski einen verdienstvollen Anteil und man wird ihnen wohl kaum gerecht, wenn man sie am Katholizismus vor dem 2.Vatikanischen Konzil misst, aber in diese Zeit fiel ihre theologische Ausbildung. Und ebenso verhält es sich vermutlich zwischen dem Lamaismus von annodazumal und den Dalai Lama heute.
    Auch der Verweis auf die undemokratische (tibetanische) Exilregierung war ein Witz. Als der freigewählte Lech Walesa zum Staatspresidenten gewählt wurde, erhielt seine Insignien vom ungewähltem Chef der Exilregierung und nicht von seinen eigentlichen Amtsvorgänger Jaruzelski.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Ryszard_Kaczorowski

    und
    Tschüß

    • Hallo Flowerkraut,

      schön von Dir zu hören, bzw. zu lesen.
      Ich gebe zu, dass Myanmar weniger auf meinem Schirm liegt. Ich gebe zu, dass ich mich wenig über die Lage dort informiere und nur von Zeit zu Zeit Auung San lese. Zu Tibet, China und Asien bin als Jugendlicher gekommen als ich mal mit Exiltibetern über eine Jugendgruppe Kontakt hatte. So wuchs dann auch mein Interesse an Asien im Allgemeinen und Tibet, Japan, Vietnam und Süd Korea im Besonderen. In Japan hätte ich auch sehr gerne gearbeitet, aber da mir japanisch zu kompliziert war, schlug ich ein Angebot aus -ein paar Brocken sind noch hängen geblieben-. Damals war es noch schwieriger verlässliche Informationen zu bekommen, meist hatte man Glück über Taiwanesen, Hong Kong Chinesen, Macao Chinesen oder Tibetern etwas mehr zu erfahren. Wobei man zugeben muß, dass man auch diese Informationen vorsichtig betrachten mußte.
      Allerdings gebe ich gerne zu, dass mich sowohl die übertrieben Dalai Lama Verehrung als auch dieses hysterische Lamabashing nervt und dieses „Buddhismus ist der Dalai Lama“

      Ich denke Johannes Paul II. hat den Stein in’s rollen gebracht, ohne Zweifel und es ist in Bezug auf den Dalai Lama einfach unfair, wenn man seine Vorstellunge pauschal ausblendet. Er hat oft genug auf einen „Staat Tibet“ verzichtet und Peking mehr als einmal angeboten, dass Tibet eine vollständig autonome Provinz in China wird über die Peking zwar die Oberhoheit behält, aber wirtschaftlich, sowie kulturell unter tibetische Verwaltung mit einem eigenen Parlament, von den Tibetern gewählt, gestellt wird. Peking hat das alles vom Tisch gewischt, wobei es weniger um Punkte wie Wirtschaft, oder Kultur ging, sondern mehr Demokratie.

      Na ja, ich glaube nicht wirklich dass Walesa Wert darauf gelegt hätte von Jaruzelski „geadelt“ zu werden, ebenso wie Jaruzelski wahrscheinlich gekotzt hätte, wenn man das von ihm verlangt hätte.
      Für die Exiltibeter war es zumindest wichtig, dass sie im Ausland repräsentiert werden -jetzt abseits vom Dalai Lama, der sich eher als Mönch, weniger als Politiker sehen möchte-, aber wenn das Land schon nicht interessiert, interessiert eine Regierung ohne Macht auch nicht sonderlich, zumal ja, wie Du selber schreibst, Diktaturenweichspüler sofort aufjaulen und Peking sofort die Drohgebärde auspackt.

      Liebe Grüße
      Taylor

  2. Mein Wissen über Südostasien ist eigentlich viel bescheidener. Drei, vier seriöse Bücher ( deren Inhalt ich teilweise bereits wieder vergessen habe, und ein geschenktes Dalai-Lama-Buch lese ich seit ungefähr fünf Jahren zu Ende 😉 ), eine knappe Handvoll von intensiven Gesprächen mit Chinesen, Vietnamesen und Tibetern und ein paar Fernsehberichte. Aber eins wissen wir aus unserer europäischen totalitären Vergangenheit: Die Regime lügen wo es ihnen passt, sie verleumden ihre Gegenspieler, sie erfinden eine eigene Wirklichkeit, haben eine eigene hochkorrupte Nomenklatura und tun alles dafür ihre Gegner zu diskreditieren und zu kriminalisieren. Und wer das nicht weiß, brauch gar nicht erst über China, Pjöngjang oder Ranggun und östliche Weisheit zu philosophieren. Auch nicht über Mugabe, Mubarak und Mullah Omar und wie sie alle heißen.
    Die Beispiele Taiwan, Südkorea und Japan zeigen, dass es auch keine „asiatische Werte“ gibt, die demokratischen Reformen diametral entgegenstehen. Die Internetseiten der Opposition verfolge ich – in unregelmäßigen Abständen und wenn ich sie denn überhaupt kenne- eigentlich recht gerne, selbst wenn sie keine neutralen Quellen sind. Aber es ist ja gerade das Ziel der Machthaber diese Stimmen mundtot zu machen, und selbst neutrale Artikel zitieren diese Meinungen fast nie. Oder nur dann wenn die „Suppe“ mal wieder so richtig hochkocht und die Medienredaktionen und Politiker mal wieder alles verschlafen haben. Selbst wenn wir alle wissen, dass es in China oder wo auch immer schon einmal viel schlimmer zuging, so sollen „sie“ damit nicht durchkommen.

    Bis demnächst mit spitzgeschlitzten Augen und ebensolchen Ohren
    \\ //

    • Hallo Flowerkraut,

      Mein Wissen über Südostasien ist eigentlich viel bescheidener. Drei, vier seriöse Bücher ( deren Inhalt ich teilweise bereits wieder vergessen habe, und ein geschenktes Dalai-Lama-Buch lese ich seit ungefähr fünf Jahren zu Ende 😉 ), eine knappe Handvoll von intensiven Gesprächen mit Chinesen, Vietnamesen und Tibetern und ein paar Fernsehberichte.

      Über den Dalai Lama habe ich ein paar Bücher gelesen, aber die Bücher in denen er selber zu Wort kommt, die sind meistens schwer verständlich.

      Aber eins wissen wir aus unserer europäischen totalitären Vergangenheit: Die Regime lügen wo es ihnen passt, sie verleumden ihre Gegenspieler, sie erfinden eine eigene Wirklichkeit, haben eine eigene hochkorrupte Nomenklatura und tun alles dafür ihre Gegner zu diskreditieren und zu kriminalisieren. Und wer das nicht weiß, brauch gar nicht erst über China, Pjöngjang oder Ranggun und östliche Weisheit zu philosophieren. Auch nicht über Mugabe, Mubarak und Mullah Omar und wie sie alle heißen.

      Leider passiert aber genau das immer wieder. Manchmal frage ich mich, ob die Leute, die totalitäre Staaten und ihre Potentaten verteidigen, der Demokratie, oder der Freiheit irgendwie überdrüssig sind, oder ob es sich einfach nur um Opportunisten handelt. Mitläufer, selbt in fremden Staaten, hat es ja immer gegeben.

      Die Beispiele Taiwan, Südkorea und Japan zeigen, dass es auch keine „asiatische Werte“ gibt, die demokratischen Reformen diametral entgegenstehen.

      Da gibt es einige Länder. Auch Thailand ist eine Demokratie, selbst wenn das Militär eingreift, um die Demokratie wieder herzustellen. Die Führung in Peking hat eher Angst, dass die Demokratie aus dem Ruder läuft -obwohl die Korruption eh schon sehr hoch ist- und das Reich zerbricht, weil sich die Minderheiten, ähnlich der Post-CCCP für die Eigenständigkeit entscheiden, wobei die Post-Ära ja einige schillernde Staaten und Regierungschefs hervorgebracht hat und das nicht im positiven Sinne, wenn man sich Weißrussland anschaut.

      Die Internetseiten der Opposition verfolge ich – in unregelmäßigen Abständen und wenn ich sie denn überhaupt kenne- eigentlich recht gerne, selbst wenn sie keine neutralen Quellen sind. Aber es ist ja gerade das Ziel der Machthaber diese Stimmen mundtot zu machen, und selbst neutrale Artikel zitieren diese Meinungen fast nie. Oder nur dann wenn die “Suppe” mal wieder so richtig hochkocht und die Medienredaktionen und Politiker mal wieder alles verschlafen haben.

      Zu China gibt es ganz gute Blogs im Internet. Leider sitzen einige davon im Ausland und es ist manchmal schwierig Fiktion und Realität zu trennen. Für Blogs in China ist es nahezu unmöglich eine Gegenmeinung zu veröffentlichen. Wie Du schon richtig schreibst, die werden mundtot gemacht. Lustigerweise hat sich Peking ja diesmal selber ein Ei gelegt mit ihrer Politik der „offenen Berichterstattung.“

      Selbst wenn wir alle wissen, dass es in China oder wo auch immer schon einmal viel schlimmer zuging, so sollen „sie“ damit nicht durchkommen.

      Damit werden sie aber leider auch diesmal durchkommen. Wenn ARD und ZDF schon eine Sondersendung über Michael Jacksons Beerdigung machen und das durch die GEZ finanziert, dann scheint irgendwas falsch zu laufen. Wahrscheinlich gab es auf Phönix dazu auch eine Diskussion.

      Bis demnächst mit spitzgeschlitzten Augen und ebensolchen Ohren

      Es gibt Vulkanier und Romulaner?

      Gruß
      Taylor

  3. Also Taylor ist es nicht so – frei nach dem persischen Weisen Omar Kayyam: Werden wir nicht als unförmiger Bork geboren, randalieren als Romulaner durch unsere Kindheitstage, streben später nach Vulkanischer Weisheit, um dann, wenn es soweit ist, als lächelnder Buddha das irdische Schachbrett wieder zu verlassen? 😀
    Btw, warum gibt es sowenig Lachen in den Religionen und unter den Religiösen?

    Spaß beiseite und weiter im Themenwechsel, chinesische Blogs lese ich fast überhaupt nicht (bzw. ich kenne keine interessanten) einige iranische schon. Mohammed Abtahi, schrieb vor einigen Jahren von einer „langen Nacht“, die dem Iran bevorstünde. Nun ja, seit einigen Tagen steht dort dies …
    “Mohammad Ali Abtahi, former vice president during Mr. Khatami’s presidency and the advisor to Mr. Karroubi in the presidential election had been arrested today (Tuesday). Whenever he gets released, he will write here on his website.”
    http://www.webneveshteha.com/en/
    Das Regime scheint immer mehr seine eigenen Kinder zu fressen. Allerdings kann auch ein solches Regime im Gegensatz zu BaniSadres Ansicht noch eine lange Lebenszeit haben. Wenn es dann irgendwann einmal implodiert, so hoffentlich bevor unser kleiner Lügenjihadist AhmadStrangelove zum Final Countdown ansetzt.

    • Scusa me Flowerkraut,

      komme erst jetzt zum antworten

      Also Taylor ist es nicht so – frei nach dem persischen Weisen Omar Kayyam: Werden wir nicht als unförmiger Bork geboren, randalieren als Romulaner durch unsere Kindheitstage, streben später nach Vulkanischer Weisheit, um dann, wenn es soweit ist, als lächelnder Buddha das irdische Schachbrett wieder zu verlassen? 😀

      Wir sind Brot! Widerstand ist zwecklos!

      Btw, warum gibt es sowenig Lachen in den Religionen und unter den Religiösen?

      Weil wahrscheinlich die meisten Religion für soooooo wichtig nehmen, das sie zum lachen in den Keller gehen. Obwohl…ich habe mal einen Rabbiner getroffen der einen Witz nach dem anderen brachte. Ich wußte nicht mal dass er Rabbiner ist. Und einen Priester in Italien. Der hatte auch kein Problem das Sommerfest der PCI (Kommunistische Partei Italiens) in seinem Kirchgarten auszurichten. Als ich ihn fragte, ob das nicht ein bisschen Unlogisch ist meinte er nur, „Ach was, im Himmel sehen wir uns eh alle wieder und dann wird abgerechnet.“
      Ansonsten sehe ich das genauso wie Du. Ich denke, dass Religionen den Anspruch erheben genau zu wissen, was vor Urzeiten war und dementsprechend interpretieren. Irgendwie gruselig.

      Spaß beiseite und weiter im Themenwechsel, chinesische Blogs lese ich fast überhaupt nicht (bzw. ich kenne keine interessanten)

      Hier lese ich öfters mal rein. Lebt anscheinend in London. Manchmal bin ich allerdings nicht sicher welche Position er eigentlich vertritt.

      Das Regime scheint immer mehr seine eigenen Kinder zu fressen. Allerdings kann auch ein solches Regime im Gegensatz zu BaniSadres Ansicht noch eine lange Lebenszeit haben. Wenn es dann irgendwann einmal implodiert, so hoffentlich bevor unser kleiner Lügenjihadist AhmadStrangelove zum Final Countdown ansetzt.

      Ich denke dass die Tage der Mullahs im Iran gezählt sind. Vor zwei Jahren habe ich einen Bericht über die Subkultur in Teheran gelesen. Jugendliche und Intelektuelle organisierten sich im Untergrund und privaten Wohnungen. Hörten westliche Musik, diskutierten über westliche Werte und wie man das auf den Iran übertragen könnte. Sie organisierten Partys -auf einigen gab es sogar geschmuggelten Alkohol und Hasch, keine Ahnung woher- und schufen sich eine Parallelwelt. Wäre der Westen konsequenter, dann würde das den Menschen im Iran helfen. Wirtschaftlich und politisch ist der Iran am Boden, da beißt die Maus kein Faden ab. Ob allerdings Ahmadinedjad wirklich zum Armageddon bereit ist -er hofft ja auf den Mahdi-, ist schwer zu beantworten. Er wird wohl weiter versuchen sich einen Einfluß mit Geld zu erkaufen, leider gibt es ja genug Opfer der langjährigen Wirtschaftskrise im Iran. Man kann nur hoffen, dass der Iran die Kurve bekommt…..es wäre ein Segen für die ganze Region und würde wahrscheinlich eine Kettenreaktion auslösen.

    • Hähä, Abdullah Herres Lieblingsverein „Jihadwatch“ ist auch so ein obskurer Haufen. Ich vermute mal da schreiben so ein paar Pickelbuben die jedem Diktator einen Rimjob verpassen, so lange dieser nur gegen die bösen „Musels“ ist. Jihadwatch sieht ja auch an jeder Straßenecke einen bösen Taliban.

  4. Danke für die Antwort, Taylor!
    Ich werde den chinesischen Link evtl. gelegentlich verfolgen, jetzt mich aber erst einmal auf eine Sommerauszeit vorbereiten. Ansonsten sehe ich die Dinge im Iran ungefähr so ähnlich, wie Du es beschrieben hast, bin mir dabei aber nicht immer so sicher und dann tippe ich etwas frecher. Auf jeden Fall trifft es eh keine Waisenkinder.

    Wünsche Dir noch schöne Sommertage!

    Flowerbrot 😀

    • Hallo Flowerbrot :-))

      dann wünsche ich Dir einen schönen Urlaub und erhol Dich gut.

      Viele Grüße
      Bread Taylor :-))

      Ps.: Mr President hat zu China einen sehr guten und interessanten Artikel geschrieben.

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