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Antizionismus ohne Antizionisten

Mai 30, 2009

Auf dem Blogform-Projekt Readers Edition können Bürger zu allen möglichen Themen ihre Gedanken zu allen möglichen Themen veröffentlichen. Manche Beiträge sind ganz gut, manche verortet man eher in tiefen Kellern der Verschwörungstheoretiker und bei einigen Beiträgen kann man sich nur wundern.

Heute fand ich bei meiner Suche einen Beitrag, der schon etwas älter ist. Der Autor möchte mit seinem Beitrag Aufklärung leisten über Antisemitismus und Antizionismus und bezeichnet beides als dumm. Eigentlich ganz propper. Liest man aber genauer, dann stellt man fest, dass der Autor es eigentlich ärgerlich findet, dass man immer noch über Antisemitismus redet und dass es Beides vielleicht geben mag, der Antisemitismus aber harmlos ist und es Antizionisten gar nicht gibt. Schließlich, so lautet schon die Überschrift: Israelkritik, Antisemitismus und Antizionismus. Ich überspringe seine Ausführungen, die teilweise etwas seltsam anmuten, denn er meint zwar er kennt „Antisemiten,“ aber eigentlich sei das ja ein Problem im 3. Reich gewesen und Heute einfach unvorstellbar: „Mit Antisemitismus kann man im Deutschland von heute wirklich keinen Blumentopf gewinnen, geschweige denn politischen Einfluss. Weil wir mit solchen Ressentiments nun wirklich “nichts am Hut haben”, fühlen sich viele von uns zu Unrecht bedrängt, wenn uns Deutschen pauschal immer wieder vorgehalten wird, der Antisemitismus käme wieder verstärkt zum Vorschein.“

Da ist man erstaunt und fragt sich, wozu es eigentlich ein Zentrum für Antisemitismusforschung und ein Fritz Bauer Institut gibt, wenn, wie der Autor behauptet, man damit ja nichts gewinnen kann und politischen Einfluss gleich gar nicht. Und wieso Bücher die die Juden im Visier haben so hochgejubelt werden, wenn es doch den Antisemitismus nicht gibt, erklärt er auch nicht. Aber er möchte dass doch endlich diesen ungeheuerlichen Unterstellungen endlich aufhören und geht in die Offensive: „Was allerdings unbezweifelbar und unübersehbar zum Vorschein kommt, ist der der Ärger Vieler über die selbsternannten Wächter über das deutsche Volk, die meinen ständig mit erhobenem Zeigefinger herumlaufen zu müssen, damit ja nie wieder ein Holocaust von “Menschen deutscher Rasse oder Nation” ausgeht..“

Niemand erhebt den Zeigefinger, noch gibt es irgendwelche Wächter die „das deutsche Volk“ geißeln würden, im Gegenteil ist die Situation so, dass man es als durchaus legitim empfindet, sich abfällig über Juden äußern zu müssen, oder verklausuliert über das „Finanzkapital“ herzieht. Und wenn es den kritisierten Antisemiten zu bunt wird, dass man sie als das bezeichnet was sie sind, dann ziehen diese vor Gericht und können, unter Umständen, auf einen Richter treffen der das ähnlich sieht. Den Zentralrat der Juden erkennt man dabei als besonders ärgerliche Komponente und würde diesem gerne einen Maulkorb verpassen, weil man in dieser Institution nicht nur eine 5. Kolonne vermutet, sondern auch eine unerträgliche übermäßige Einmischung zu erkennen glaubt. Dabei ist der Zentralrat erstaunlich ruhig und man muß schon öffentlich richtig Gas geben, dass sich die Damen und Herren zu Unmutsäußerungen hinreißen lassen. Auch das „personifizierte Böse,“ Michael Friedman, auch als der Hitman des ZdJ bezeichnet, war schon in der Vergangenheit nicht sehr laut, aber man fühlte sich durch sein Auftreten und seine Fragen gestört.

Und weil das alles so ist, wie der Autor meint, fühlt er sich dann auch gestört: „Die unablässige Befassung mit dem Thema durch die Moralhüter, die botmaßigen Politiker und die stromlienienförmig gleichgeschalteten Medien indessen nervt.“

Zur Hochform läuft er dann beim Thema Atizionismus auf, den er zwar dämlich findet, aber auch hier der Meinung ist, dass es zwar Antizionismus geben könnte, aber ihm beim besten Willen nicht einfallen möchte, wer denn ein Antizionist ist. Er, so kommt man schnell zur Erkenntnis, glaubt jedenfalls keiner zu sein. Schließlich übt er ja nur Kritik „am Besatzungsregime“ und der zionistischen Welteroberung: „Die dort lebenden Palästinenser wurden nicht gefragt. Vielmehr wurde das Land weitgehend von ihnen “ethnisch gesäubert”. Nachdem Israel sich im Sechstagekrieg von 1967 gegen den Versuch seiner arabischen Nachbarn, die Israelis “ins Meer zu treiben” durchsetzte, hat Israel sich weite besetzte Gebiete praktisch einverleibt und ist dabei, ganz offen auch den Rest zu annektieren.“

Antizionismus findet er falsch, übt sich aber in offenem Antizionismus. Schließlich wurde „das Land“ -welches?- ethnisch gesäubert. Nun ist es einmal Fakt, dass die in Israel lebenden Araber zum Bleiben aufgefordert wurden. Natürlich gab es auch Vertreibungen, das bleibt nicht aus, aber die vom Autor herphantasierte ethnische Säuberung gab es nicht. Ilan Pappe, Alibijude aller Antisemiten, ging damit ja hausieren, dass die Juden in Palästina das jüdische Mandatsgebiet ja „ethnisch gesäubert“ hätten und selbst als Historiker nachwiesen, dass Pappe ein stinkender Lügenbär ist, den man im Mittelalter geteert und gefedert hätte, beharrten seine Anhänger auf die Integrität Pappes und weinten sich die Taschentücher nass über die vermeintliche Verschwörung gegen ihr Idol. Pappe hingegen ging in’s Exil und fühlt sich seitdem als Opfer einer dunklen Verschwörung.

Auf welche Quellen sich der Autor beruft geht aus dem ganzen Artikel nicht hervor, allerdings beweist er, dass er im Prinzip keine Ahnung hat, aber das stört ihn auch nicht sonderlich. Er ignoriert, ob absichtlich oder aus Unwissenheit, dass es vor der Gründung Terror auf beiden Seiten gab und der Terror ursprünglich von arabischen Extremisten ausging. Der Autor verschweigt, dass mit der Gründung des Staates Israel der Überfall auf den jungen Staat begann, in der Absicht, diesen zu zerstören. Er hat keine Ahnung von der Historie des Nahen Ostens, hätte er die, dann wüßte er, dass sich die Araber im englischen Mandatsgebiet nicht als Palästinenser sahen und auch, zum Teilungsplan selber, über keinen Sprecher verfügten der zu- bzw. hätte absagen können. Statt dessen übernahmen diese Rolle Vertreter der arabischen Liga, die kein Interesse an einem Judenstaat hatten und kein Interesse an einem Staat für die im Mandatsgebiet lebenden Araber.

Der Autor hat auch keine Ahnung von den Vorgängen 1967 und der Zeit danach. Er erkennt zwar noch das Recht auf Selbstverteidigung des israelischen Staates an, aber was er über die Zeit danach schreibt ist einfach nur an den Haaren herbeigezogen. Israel hat sich die Gebiete nicht einverleibt, völliger Blödsinn, sondern erobert, was Völkerrechtlich einen Unterschied bedeutet. Niemand käme auf die Idee, was er ja noch in der Lage ist zu erkennen, eine Räumung des Sudetenlandes, Ostpreußens, Pommerns, oder Oberschlesiens zu fordern. Im Gegensatz dazu bot Israel der arabischen Liga die Räumung an, allerdings mit der Forderung Land gegen Frieden. Diese Forderung der Regierung Eshkols wurde  auf der Konferenz von Khartoum -vom 29. August  bis zum 01. September 1967abgeschmettert, „Keine Anerkennung Israels! Keine Verhandlungen mit Israel! Kein Frieden mit Israel!“

Dem Autor ist auch nicht bekannt, dass es nicht nur genügend Verhandlungen mit den Vertretern der PA gab, die an der Unwilligkeit der palästinensischen Seite scheiterten. Wenn man also permanent von Israel fordert alles zu tun, damit die Palästinenser ihren Staat erhalten, betreibt man nichts anderes als Antizionismus. Denn die ständige Forderung hat mit Kritik nichts zu tun. Zu Verhandlungen gehören immer zwei und wenn man schon aus dem Versailler Vertrag die Ansicht konstruieren möchte, Hitler hätte ja nicht anders gekonnt als sich dagegen zu wehren, so ist man in Bezug auf den Nahen Osten der Meinung, dass die Palästinenser nicht anders können, als sich zu verweigern. -Zwar schreibt der Autor das nicht, aber die Argumentation kenne ich langsam-

Auch unterschlägt der Autor die Tatsache, dass der Gazastrip seit 2005 geräumt ist, es ist also eine böswillige Unterstellung und schlicht und ergreifend Antizionismus, wenn er behauptet Israel wäre dabei sich den Rest -von was?- einzuverleiben. Es hätte durchaus die Möglichkeit bestanden schon mal „Staat“ zu üben. Er findet zwar Antisemitismus und Antizionismus doof, ist aber, wenn man seinen Artikel liest, selber einer, denn er glaubt, dass die Juden und ihre Helfer zuviel Einfluß hätten und verwahrt sich dagegen. Er glaubt, dass Israel nicht nur ethnische Säuberungen im großen Stil begangen hat und dabei ist sich das gesamte Gebiet einzuverleiben, sondern auch die Palästinenser  systematisch unterdrückt. Das ist keine „legitime Kritik“ sondern plumper Antizionismus.

Niemand hat was gegen Kritik, nur warum muß man ausschließlich Israel kritisieren wollen und in Israel sitzen genügend Kritiker der eigenen Politik und Regierung, dazu muß man nur nach Jerusalem reisen, sich in ein Cafe an der Dizengoff in Tel Aviv setzen, oder den Schachspielern am Strand von Haifa lauschen. Denen ist es nämlich egal was die Regierung in Jerusalem beschließt, für die Mehrheit in Israel dürften die meisten Politiker Arsniks sein, die einfach nur das Volk veräppeln, selbst wenn die Regierung in Jerusalem beschließen würde, dass an jedem Schabat alles kostenlos ist, würde man vermuten, dass die wahrscheinlich schon soviel mit den Steuern verdient haben, dass sie das Volk nur beruhigen wollen und mit Sicherheit würde jemand vermuten, dass die Regierung damit über eine Erhöhung des Briefportos, einer Heirat Netanyahus mit einer arabischen Prinzessin, oder einem Übertritt Liebermans zum Islam hinwegtäuschen möchte. Gründe findet man immer.

Zum Abschluß aber noch ein Highlight aus den Kommentaren. Da schreibt ein Juri Below, der besser mal einen Deutschkurs besucht hätte, völlig losgelöst über den Begriff Antisemitismus. Das entbehrt nicht einer unfreiwilligen Komik. Below, der so ziemlich alles ist, vom Journalisten, über Webdesigner bis zum Rentner und der sein Interview mit Eva Herrmann an ca.230 Zeitungen angeboten hat, was aber komischerweise abgelehnt wurde -seine Definition- sagt über sich: „Ich bin nicht besonders judenfreudlich, obwohl ich in Israel mit lokalen Judenhassern schon konfrontiert. Wenn man in Immigrationsbehörde der USA die Zahlen über jüdischen Emigranten summiert dann kommt man nicht zu großen Zahlen wie in New York produziert sind. Bei uns in Hessen in Bad Arolsen sich befeindete „Holocaust Mutter“ – Internationale Suchdienst der IRK verfügt nur über 43.000 Vermissten. Also nicht umsonst der jüdische Prof. Norman Finkelstein die Holocaust-Industrie geschrieben und im Auschwitz der Tafel wurde noch mal zum 3xMal seit Geburt von Holocaust in 1979 schon wieder geändert: mit dem Verweis auf 1.5 Mio statt früheren mit 4 Mio. In allen 27 Bänden der Nürnberger Tribunals gibt es kein Wort über 6.000.000 auch Auschwitz Prozesse in Frankfurt 1963-1965 komischerweise auch nicht über Gaskammer gesprochen…“

Da wäre ich ja nie drauf gekommen. Da hätt‘ man mich jetzt rütteln und schütteln können. Es zeigt aber zweierlei: 1.) Das Antisemiten/Antizionisten am Geruch erkennen, wem sie unbedingt Beifall und Solidarität zollen müssen. 2.) Die Autoren sich noch so abstrampeln können, damit sie dem Beifall aus „der falschen Ecke“ entgehen, diesem aber meist nicht entkommen können und sich selbstkritisch fragen sollten, „bin ich ein Antisemit und bin ich Antizionist,“ um sich dann einfach dazu bekennen. Das wäre nur ehrlich, denn wenn schon eine gewisse Klientel das instinktiv begreift, muß man sich über Kritik nicht wundern. Da kann man sich winden wie ein Wurm am Haken.


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