Geiler Opa

In seinem Habitus erinnert er zeitweise an den Duce, oder an einen dieser Operettendiktatoren aus Südamerika, die man bei Tim & Struppi, oder Spirou et Fantasio bewundern konnte.

Allerdings ist er nicht so gefährlich wie der Duce, aber manchmal lustiger als die Comicvorlagen. Ich dachte ja die Italiener müssen verrückt sein, als sie Silvio Berlusconi wieder in’s Amt hievten, aber mittlerweile ist mir klar, sie sind es nicht, sondern lieben offensichtlich tragische Gestalten, Skandale und Skandälchen so sehr, dass sie sich ein Leben ohne Silvio nicht vorstellen können. Wie mir mal ein Bekannter am Telephon auf meine Frage sagte, warum um Himmelsillen wieder Berlusconi sein mußte, „wir können nicht mit, aber wir können auch nicht ohne ihn.“ Und so ist il Caimano, wie er in Italien genannt wird, oder El Macaroni (Argentinien) seit Wochen wieder in seinem Element und wirbelt nicht nur die Innenpolitik, die Außenpolitik und sogar noch die Klatschpresse Italiens gehörig durcheinander.

Gern läßt er es ja krachen und nachdem er den Opfern des Erdbebens rund um l’Aquila empfahl, sie sollten das Ganze wie einen Campigurlaub sehen, legte er kurze Zeit später nach und beschwerte sich über die Beschwerden aus dem Erdbebengebiet, dass bisher so gut wie nichts gemacht wurde. Berlusconi, um eine starke Floskel nie verlegen, empfahl seinen verärgerten Landsleuten sie sollten sich mal nicht so anstellen, schließlich gäbe es genug leerstehende Wohnungen in der Gegend. Die könne man schließlich nehmen und gab den Ratschlag, „kaufen Sie ihre Möbel bei IKEA. Dort können Sie für wenig Geld eine komplette Wohnungseinrichtung erwerben.“

Kracher bietet Berlusconi am laufenden Band, so sagte er über Barrack Obama, „jung, hübsch und gebräunt.“ Überflüssig zu erwähnen, dass Obama bisher noch nicht in Rom war, obwohl Italien Soldaten im Iraq und Afghanistan hat und sich auch vor der Küste Somalias engagiert. Obwohl der Spruch harmlos ist, denn 2006 sagte er über China unter Mao es wäre ein Gerücht, dass die KPC Kinder gegessen hätte, denn jeder wisse, „dass sie in China zu Zeiten von Mao die Kinder nicht gegessen, sondern gekocht haben, um damit die Felder zu düngen.“ Vor einer Woche dann lieferte er mal wieder einen Höhepunkt, als er die Flüchtlingslager auf Lampedusa mit Konzentrationslagern verglichen hat. Damit warb er bei einem Treffen mit Barroso um eine schnellere Abschiebung afrikanischer Flüchtlinge nach Lybien. „Er wolle nicht bösartig sein, aber er müsse sagen, dass die Auffanglager „Konzentrationslagern ähneln.“ Würden die Asylanträge der Flüchtlinge bereits in Libyen geprüft, bliebe ihnen die „Unannehmlichkeit“ erspart, in einem Lager in Italien eingesperrt zu werden.“

Kein Fettnäpfchen dass von Silvio nicht zielsicher angesteuert und getroffen wird, selbst wenn sich dieses Fettnäpchen in einem Verlies der Engelsburg befinden würde, Silvio findet es mit leichtigkeit. Zurück aber noch einmal zum Erdbebengebiet rund um l’Aquila, so verlegte er kurzerhand das geplante Treffen der G8 in die Gegend: „Berlusconi nannte diese Entscheidung für L’Aquila als Gipfelort „ein positives Signal für die mehr als 60.000 Menschen in den provisorischen Zeltstädten“. Zudem könnten so 220 Mio. Euro gespart werden.“ Mit den 220 Mio. meinte Berlusconi den Sicherheitsaufwand, „denn“, schloß er in einer unnachahmlichen Logik, „So würden Globalisierungsgegner es doch wohl nicht wagen, in der vom Erdbeben geschundenen Stadt auf den Putz hauen zu wollen. Damit sei die Lage vollkommen „unter Kontrolle“.“

Vernünftig geht bei ihm eh nicht, selbst wenn er mal Recht haben sollte, wie z.B. über das italienische Parlament. Italien leistet sich den Luxus eines Zweikammersystems mit ca. 1000 Abgeordneten, so genau wissen das nicht mal die Abgeordneten selber und legendär sind die zahlreichen Geschichten über Abgeordnete, die über die Wahlperiode blieben und im Parlament einen Herzinfarkt erlitten, oder an Altersschwäche gestorben sind und man das erst bemerkte, als man durch den penetranten Geruch aufgeweckt wurde. Radikal möchte er es verkleinern, im Prinzip eine richtige und weise Entscheidung, aber Silvio wäre nicht Silvio, wenn er den „linken Kanalratten“ -wie er mal die Opposition bezeichnete- nicht sofort ein Ultimatum für seine Pläne stellen würde. Praktisch Highnoon in Rom. Dazu wollte er dann das Volk aufhetzen.

Und nachdem es nun seiner Ehefrau reichte und sie die Scheidung eingereicht hat, rätselt Italien, hat der geile Opa, oder hat er nicht an der 18jährigen Noemi Letizia rumgefummelt. Seiner Nochgattin Veronica Lario, immerhin 20 Jahre jünger wie Silvio, war’s letztendlich egal und sie eröffnete medial den Rosenkrieg. Natürlich kann sich dann ein echter italienischer Mann das nicht gefallen lassen und so bekam Silvio mal wieder einen seiner berühmten Tobsuchtsanfälle. Nicht nur eine linke Verschwörung witterte er, sondern auch einen gewissen kommunistischen Einfluß der seiner Frau eingetrichert habe, er wäre untreu. Nun fordert er eine öffentliche Entschuldigung seiner Nochgemahlin, die ihm wahrscheinlich den Stinkefinger zeigen wird, denn Berlusconi ist bekannt dafür, dass er einen Faible für Jung, Jünger am Jüngsten hat. Mara Carfagna, die Frau die für ihr Aussehen einen Waffenschein braucht, wurde ja unter Silvio Ministerin für Gleichstellungsfragen. Als Rechtsanwältin fand sie keine Stelle und wurde Moderatorin und von Silvio entdeckt, der so von ihr angetan war, dass er im Überschwang der Gefühle offenbarte, „wäre ich nicht verheiratet, würde ich Sie sofort heiraten.“

Die Frage, die sich einige Kommentatoren in Italien stellen ist, wann die nächsten Wahlen sein werden, denn im Moment läuft der Europawahlkampf und Berlusconi möchte diesen natürlich gewinnen und das nicht mit schlechten Umfragewerten, seinen Skandalen und Skandälchen, der Schlammschlacht mit seiner Frau, dem Disput mit der Justiz und einer beginnenden Verschlechterung der Wirtschaftslage, die dank eines guten Bankensystems -ja das gibt es- bisher noch nicht voll durchgeschlagen ist. Sollte dies aber der Fall sein, dann dürften die Tage gezählt sein, denn die Italiener mögen ja humorvoll sein, aber sie sind auch eines Berlusconis schnell überdrüssig sollte dieser sie nicht zum lachen bringen.

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