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Der Kämpfer mit dem Davidstern

Mai 14, 2009

Gestern habe ich mir den Film “ Das Comeback“ mit Russell Crowe im Fernsehen angeschaut und fand den Film eigentlich sehr gut. Der Film erzählt Episoden aus dem Leben des Boxers Jim Braddock, der 1935 in einem Kampf um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht den amtierenden Weltmeister Max Bear nach Punkten schlug und zeigte, dass persönlicher Wille und mentale Stärke manchmal wahre Wunder bewirken können, denn Jim Braddock wurde von den damaligen Sportjournalisten auf Grund seiner Verletzungen schon längst abgeschrieben und schlug sich, bis zu dem Kampf, mehr schlecht als recht durch’s leben.

Was mir allerdings bei der Darstellung des Max Bear aufgefallen ist und was auch als Kritik in Wikipedia steht, das ist diese wirklich einseitige Darstellung von Bear. Da ich mal ein Anhänger des Boxsportes war, schließlich ist man als Kind in den Siebziger Jahren mit Muhamed Ali und Joe Frazier aufgewachsen und mich auch mit den ganzen Heroen beschäftigt habe, kenne ich die Biographie Bears einigermaßen. Bear war kein großartiger Techniker, aber zu dem Zeitpunkt, als Bear boxte, da waren das die wenigsten. Meist kam es auf die Nehmerqualitäten an und den Instinkt zum richtigen Zeitpunkt den entscheidenden Schlag zu setzen, damit man seinen Gegner ausknockte. Teilweise waren wirklich richtig üble Schläger im Ring unterwegs, die ohne Deckung auf ihren Gegner einprügelten.

Ein Boxer wie Joe Lewis stellte die Wende dar und er war so etwas wie ein „Gentlemanboxer.“ Instinkt, Reflex, gutes Auge und der Willen zeichneten Lewis aus. Er war schnell auf den Beinen, hatte eine exzellente Deckung und besaß einen harten Punch, um seinen Gegner auszuknocken. Das alles hatte Max Bear nicht unbedingt, aber er war ein absolut fairer Boxer und wirklich kein Schläger. Im Film wird er aber dazu gemacht und man unterstellt, dass er Frankie Campbell absichtlich tot geschlagen hätte. Dem ist aber nicht so. Bear erkannte, dass Campbell gegen ihn absolut keine Chance hatte und in der berühmten fünften Runde, hätte der Ringrichter eigentlich den Kampf sofort abbrechen müssen, da Campbell nicht mal mehr in der Lage war die Deckung oben zu halten und die Schläge Bears abzuwehren. Bear traf Campbell mehrmals schwer am Kopf, so dass dieser bewußtlos zusammen brach und an der Schwere der Verletzungen verstarb. Für Bear war das ein Albtraum. Nicht nur der Kampf, auch die damalige Presse hatte sich auf ihn eingeschworen und unterstellte Bear Tötungsabsicht.

Nun weiß jeder, der mal selber geboxt hat, das Boxen ein Risiko darstellt und in der heutigen zeit hätte wahrscheinlich kein Ringarzt Campbell das Boxen erlaubt, aber die 30er Jahre waren halt noch eine andere Zeit. Bear auf jeden Fall, hat alles mögliche unternommen und sich um die Familie Campbells gekümmert, damit seine Frau und die Kinder finanziell versorgt sind. Der Film unterschlägt das, ebenso unterschlägt der Film, dass Bear auch dagegen kämpfen mußte, dass sein Vater Jude war. Auch wenn Bear es nach dem jüdischen Gesetz nicht war, so hatte er doch damit zu kämpfen. Rahabilitieren konnte er sich erst, als er am 8. Juni 1933 gegen Max Schmeling antrat. Für Max Bear war das kein Kampf Boxer gegen Boxer, für Bear war das der Kampf David gegen Goliath, schließlich wußte Bear schon was in Deutschland los was. Bear wußte, dass die Nationalsozialisten systematisch gegen die Juden vorgingen, schließlich stammte seine Familie aus Deutschland und Bear konnte die Berichte über Deutschland gut verfolgen. Für ihn war es die Zeit zu zeigen, dass ein Jude die Herrenrasse bis in ihre Grundfesten erschüttern konnte und um das zu demonstrieren ließ er sich auf seine Boxershorts den Davidstern sticken. Als Zeichen für seinen Vater und als Zeichen für die Juden.

Der Kampf war recht einseitig -ich habe ihn mal in einem Beitrag über die Schwergewichtsweltmeister im Fernsehen gesehen-, selbst wenn Schmeling nicht austrainiert war, wie Wikipedia schreibt, so war Schmeling wahrlich kein Aushängeschild. Bear war übrigens auch nicht austrainiert. Allerdings beherrschte Bear den Kampf und war Schmeling nach Strich und Faden überlegen. Bear kämpfte zeitweise ohne Deckung, war aber dabei schnell genug und wich den Jabs Schmelings geschickt aus, um seinerseits einen Treffer zu landen. Leider gelang es Bear nicht Schmeling auszuknocken und der Kampf endete durch technischen K.O. Für die Herrenrasse, die Schmeling zum Nationalsozialistischen Helden, Übermenschen und praktisch Terminator hochstilisiert hatte, war das Ergebnis ein Debakel. Da kam so ein kleiner frecher New Yorker -Bear kam aus Nebraska- Judenbengel und schlug die Reinkarnation allen germanischen.

Schmeling hatte danach keinen leichten Stand gegen die Presse in Deutschland. Erst als er Joe Lewis schlug wurde er wieder zum Helden, was sich allerdings recht schnell änderte, als „der Neger“ Schmeling auf die Bretter schickte.

Bear allerdings machte den Davidstern auf seiner Hose zum Talismann und trug den Davidstern bei jedem seiner Kämpfe. Gegen Braddock verlor er nach Punkten und der Film macht aus ihm einen arroganten Snob. Das war er mit Sicherheit nicht, denn genau wie Braddock hatte es Bear nicht sehr leicht in der Weltwirtschaftskrise zu bestehen. Er hatte allerdings den Vorteil, dass er aus seinen Kämpfen keine schweren Verletzungen davon trug und so nicht endlos pausieren mußte, sondern durch das Boxen und die kleinen  Kämpfe um Geld schneller Anschluß fand.

Das hat mich an dem Film geärgert, dass man Bear wie ein Monster dargestellt hat. Leider starb er 1959 an einem Herzinfarkt viel zu früh, aber Bear konnte noch den Notdienst rufen und seine Situation exakt schildern. Erst als die Rettungskräfte eintrafen verstarb er.

Wer mehr wissen möchte, Wikipedia hat ein paar Links zusammen gestellt, aber wer das amerikanische Google bemüht, dürfte noch mehr finden. Die Geschichte von Bear habe ich, wie erwähnt, aus einem Buch über die Schwergewichtsweltmeister im Boxen, welches ich so Anfang der Achtziger erworben habe, da ich Muhamed Ali sehr schätzte.

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