Which Way South Africa?

Nun hat also der ANC und damit Jakob Zuma -vom Stern auch als der schwarze Berlusconi bezeichnet- die Wahlen gewonnen.

Hat man im Vorfeld die Zeitungen in Süd Afrika verfolgt, dann schien es so, als würde die Opposition um Helen Zille, die Bürgermeisterin von Kapstadt, das Rennen machen und die Wahl für sich entscheiden. Dem war aber nicht so und auch wenn man das verfehlen der Zweidrittelmehrheit durch den ANC schon als Signal sieht, so werden die Probleme in Südafrika auch weiter bestehen und zeigen einmal mehr wie sehr die Bürger an ihren Helden hängen, wie es auch die AZ in Namibia schreibt. Ich bin allerdings nicht der Meinung, dass die politische Meinung abseits der Ethnien langsam aufweicht. Ok, die Opposition hat an Boden gut gemacht, aber Helen Zille und die Opposition haben trotz allem einen extrem schweren Stand in Südafrika.

Der ANC hat immer noch die Schlüsselpositionen inne und seine Politiker beherrschen es meisterhaft die politische Debatte in Südafrika zu ihren Gunsten zu lenken und sei es mit unfairen Mitteln. Helen Zille mußte auf ihrem Weg zur Bürgermeisterin viele Schwierigkeiten überwinden. Die Mitglieder des ANC waren praktisch mit ihren Stühlen in Kapstadt verwachsen, obwohl sie für die BürgerInnen nicht wirklich viel gemacht haben. Dafür waren sie aber sehr innovativ als es darum ging die Macht zu erhalten. Da gab es persönliche Einschüchterung, Diffamierung und Pressekampagnen. Als das nichts nutzte verfiel der ANC in Aktionismus und setzte plötzlich Gesetze um, die seit über 10 Jahren auf Durchführung warten mußten. Genutzt hat es zum Glück dann nicht und Hellen Zillen, sowie ihre Partei konnten sich durchsetzen und endlich ein „Südafrika für alle schaffen.“ Unter dem ANC, so meine Beobachtung, schien es eher darum zu gehen, nachdem man die Macht hatte, hetzt auch einmal von den Honigtöpfen zu naschen. Und wenn man sich in Südafrika umschaut, dann hat sich aus den vollmundigen Versprechungen von damals nicht viel erfüllt.

Die AIDS-rate ist eine der höchsten in ganz Afrika. Laut der AZ sterben immer noch bis zu 300.000 Südafrikaner an AIDS, weil die Regierung das Problem nicht nur negiert, sondern auch durch recht zweifelhafte Äußerungen glaubt das Problem in den Griff zu bekommen. Und das auch nur, nachdem die Bevölkerung in Süd Afrika ihrem Ärger Luft gemacht hat. Man hat mit den Menschen nur gespielt. Die Arbeitslosenquote liegt stellenweise immer noch bei bis zu über 40%, besonders in den Town Ships, die trotz Ankündigung nach dem Ende der Apartheid, immer noch existieren. Viel getan hat man auch nicht sonderlich in den Town Ships. Das hat die Apartheid nicht und auch keine schwarze Regierung, im Gegenteil hat man den Leuten das Leben dort unnötig erschwert.

Es mag zwar Leute geben die sich positiv über die Entwicklung in den Townships äußern und wirklich glauben, dass es nun überall Strom, fließend Wasser und praktisch Manna im Überfluß gibt. Die Realität sieht leider immer noch anders aus. Nachdem die Stromkonzerne die Preise erhöht haben -trotz Versprechungen der Regierung- wurden ganze Stadtviertel einfach gekappt, weil die Leute die Rechnungen nicht zahlen konnten. Die Folge, man versorgt sich selbst und legt geradezu abenteuerliche Leitungen kreuz und quer, damit die Versorgung aufrecht erhalten bleibt. Das gab es zwar auch unter der Apartheid, aber es ist schon ein Armutszeugnis für eine schwarze Regierung, die eine Verbesserung der Lage versprach. Fließend Wasser gibt es nur sporadisch. Die Gewaltkriminalität ist extrem hoch, nicht nur in den urbanen Zentren, sondern auch in den Townships. Besonders die Gewalt gegen Frauen hat zugenommen, was wahrscheinlich eine Folge der Arbeitslosigkeit ist. Vergewaltigungen gelten immer noch als Kavaliersdelikt und die Gefahr, mit HIV infiziert zu werden, ist extrem gestiegen. Und, was mich persönlich am meisten abstößt, ist die Tatsache, dass man der Meinung ist, Gewalt gegen Frauen sei ein Kavaliersdelikt.

Die sozialen Probleme in Südafrika sind nicht gelöst, sondern haben sich verlagert und gerade Angehörige des ANC sind mit dabei, wenn es darum geht einen Popanz für die Probleme aufzubauen, wie beispielsweise die Flüchtlinge aus Zimbabwe. Obwohl man im Moment nicht mehr viel hört, werden die Flüchtlinge immer noch wie Freiwild gejagt. Meist wird man den Tätern noch nicht habhaft und wenn, dann dürfen sie durchaus mit einer milden Strafe rechnen.

Südafrika ist mitten in der Zerreißprobe und das seit dem Ende der Apartheid. Der Wunsch und das Ziel eine Gesellschaft ohne Schranken ist in weite Ferne gerückt. Dabei ist Süd Afrika ein verdammt reiches Land an Bodenschätzen und wäre durchaus in der Lage auf Grund der Infrastruktur und der zahlreichen Firmen einen Platz ganz vorne zu erzielen. Was daraus gemacht wurde ist einfach nur grausam. Ich glaube auch nicht, dass die WM im nächsten Jahr eine Initialzündung geben könnte, dazu müßte sich die Regierungspartei um 180 Grad wandeln und der ANC, oder besser die Teile, die als pragmatisch bezeichnet werden können, eine neue Revolution anzetteln und diesen ganzen korrupten und betonierten Apparat zum Einsturz bringen. Das allerdings halte ich für unwahrscheinlich und teile die Einschätzung vieler. Man hängt an den alten Helden, wie das Beispiel Zimbabwe zeigt. Natürlich mögen viele schwarze Südafrikaner das Joch überwunden haben und sich jetzt zur Mittelschicht zählen. Der Großteil allerdings lebt immer noch in der alten Armut und wenn es nicht gelingt diese mitzunehmen, dann steht dem Land ein Flächenbrand bevor, dagegen war der Aufstand von 1976 ein Kindergeburtstag.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s