Kamelle

Karneval ist zwar schon vorbei, aber seit der Abwrackprämie habe ich den Eindruck, dass Bauer, Prinz und Jungfrau den Karneval verlängert haben. Schon die Entscheidung fand ich recht merkwürdig, um das mal vorsichtig auszudrücken, aber eine Aufstockung und Ausweitung, „um die Wirtschaft zu stärken,“ wie offensichtlich ein Teil der Deutschen glaubt, ist so dermaßen hirnrissig. Auf so eine Idee kann man offensichtlich nur als deutscher Politiker kommen. Über Ostern las ich einem Forum einen Teilnehmer der sich zu der Aussage versteifte -er arbeitet anscheinend in der Autoindustrie-, die Automobilindustrie in Deutschland wäre schließlich „die Schlüsselindustrie“ und müsse, angesichts der weltweiten Krise, gestärkt werden. Es wäre also nur konsequent, wenn die Regierung dies durch die Abwrackprämie macht. Er fände das gut und wer das schlecht findet sei ja nur neidisch, an seinem Schicksal selber schuld und überhaupt wäre diese ständige Meckerei typisch deutsch. Ich hatte beim lesen so den Eindruck, als würde Deutschland überhaupt nur aus Autos und Zulieferern bestehen. Und wenn nicht die Autoindustrie, dann die Banken.

Nun ist zwar die Automobilwirtschaft immer noch an der Spitze der Exportgüter, gefolgt allerdings vom Maschinenbau. Danach kamen chemische Erzeugnisse. Und während der Export im KFZ-Bereich einbrach, stieg er in Maschinenbau und Chemie. Für mich ist diese Abwrackprämie ein Protektionismus, dessen Wirkung ein Schuß nach hinten war und keineswegs geeignet die Wirtschaft  anzukurbeln, oder Arbeitsplätze zu sichern. Denn deutsche Automobilfirmen sind ja noch nicht mal Nutznießer des ganzen, wie Frontal21 berichtete.

So erklärte Prof. Ferdinand Dudenhöffer:

Allein bei VW, die Polos und die Fox, die kommen nicht aus
Deutschland, sondern aus der Auslandsproduktion. Und
noch mal, wenn jetzt alle deutschen Autobauer im normalen
Geschäft 65 Prozent Marktanteile haben, aber bei der
Abwrackprämie nur 35 Prozent Marktanteile haben, dann
sieht man, dass die Abwrackprämie das Preisgefüge zerstört,
und deshalb eine Schräglage, eine Wettbewerbsverzerrung,
im Prinzip ein staatliches Importdumping in Deutschland
auslöst.

und Frontal ergänzte:

Das belegen auch die Zahlen. Besonders ausländische
Importmarken profitieren von der Prämie. So verzeichnet Suzuki
bei den Neuanmeldungen gegenüber 2008 ein Plus von 280
Prozent, Fiat von 219 und Hyundai von 144 Prozent.
Bescheidener der Erfolg bei den Deutschen. VW erreicht nur plus

36 und Opel plus 27 Prozent. Die deutschen Edelmarken BMW und Mercedes verkauften seit Einführung der Abwrackprämie
sogar weniger Autos.

Hinzu kommt die Vernichtung von Werten die z.B. den Preis von Altmetall nach unten ziehen und global gesehen höchstens die afrikanischen Händler erfreuen dürfte, die in Europa unterwegs sind und Ersatzteile Containerweise auf den Schrottplätzen erstehen. Diese verkaufen sie dann an ihre Kunden auf den Märkten in Tansania, Kenia, Nigeria, oder Kamerun. Für die Besitzer heimischer Schrottplätze war der Handel mit den Schwarzafrikanern immer ein lohnendes Geschäft. Vor allem wechselte das eine, oder andere Altfahrzeug den Besitzer und landete in den Savannen Schwarzafrikas. Das dürfte wohl erst einmal vorbei sein.

Das mag auf den ersten Blick stimmen – doch tatsächlich werden
in Zukunft weniger in Deutschland produzierte Autos auf
deutschen Straßen fahren – der Abwrackprämie sei dank.
So liegt bei den mit der Prämie bestellten Autos der Marktanteil
von Opel bei rund zehn Prozent. Doch es wandern fast doppelt so
viele Opel in die Schrottpresse. Acht Prozent der Käufer
entschieden sich für Ford, doch 13 Prozent ließen ihren Ford
verschrotten. Und 14 Prozent verkauften VW stehen 23 Prozent
verschrottete gegenüber. Das heißt, viele Käufer steigen von
deutschen auf ausländische Wagen um.
So stehen bei Schrotthändler Dieter Schaefer massenweise
deutsche Fabrikate auf dem Hof und warten auf ihre Vernichtung.
Und vernichtet werden damit auch enorme Werte. Denn in ihrem
Kaufrausch geben die Deutschen Altfahrzeuge weg, für die sie
weit mehr hätten kassieren können als die 2500 Euro
Abwrackprämie.

Denn die Fahrzeuge müssen komplett vernichtet und auf ein handliches Maß zusammengepresst werden, damit man dann auch in den Genuß der Prämie kommt. Davon profitiert außer dem potenziellen Autokäufer, dem Autohandel und ausländischen Herstellern niemand. -Kia z.B. war vor der Prämie eine Automarke an der man einen großen Bogen vorbei gemacht hat- Und was noch schlimmer wird, das wird dann das böse Erwachen danach und der große Katzenjammer. Selbst wenn argumentiert wird, dass durch den zusätzlichen Verkauf der Staat über die Mehrwertsteuer Gewinn machen würde mag das sein. Nur wenn der Budenzauber vorbei ist, dann fehlen auch die Einnahmen.

Doch im Ernst. Die Rechnung mit der Umweltprämie geht nur auf den ersten Blick auf. Richtig ist, dass der Staat für die letzte Fahrt zur Schrottpresse 2500 Euro zahlt und 19 Prozent Mehrwertsteuer für den Neuwagen erhält. Bei den meisten Autos dürfte er damit zunächst das Geld tatsächlich wieder hereinholen. Doch dieser Betrag wird ihm später fehlen, wenn entsprechend weniger Fahrzeuge verkauft werden. Wer sein altes Auto mit Hilfe des Staates in ein neues verwandelt hat, schlägt so bald nicht wieder zu. Der Fiskus kann das Mehrwertsteuergeschäft nicht beliebig oft machen.

Und nebenbei bemerkt, was passiert mit den anderen Branchen? Bekommt jeder Bürger einen Einkaufsgutschein, wenn der Einzelhandel massive Einbrüche beklagt? Werden chemische Produkte mit einem Sonderbonus belegt? Erhält man, wenn man sein Auto anmeldet, von der Zulassungbehörde einen Koffer mit chemischen Produkten, damit man sein Neutöfftöff auch in Schuß halten kann? Bekommt jeder Interessierte eine Druckmaschine? Und gibt es die Abwrackprämie demnächst auch auf Containerschiffe.

Wo beginnt die staatliche Hilfe und wo endet sie? Hier werden Steuergelder einfach mal eben verbrannt für eine Aktion die nichts bringt. Wenn der Staat schon glaubt, er müsse sich in den Markt einmischen, dann sollte dabei sinnvolleres entstehen und nicht die Subvention eines einzelnen Industriezweigs die den Angestellten nichts bringt.

Rainer Brüderle  hat Recht wenn er schreibt:

Auf dem Rücken der Steuerzahler werde der „teuerste Wahlkampf aller Zeiten in Deutschland“ ausgetragen. „Für den Subventionswettlauf in einem Teil der Automobilbranche müssen alle anderen bluten“

Allerdings glaube ich nicht, dass die FDP sich nach der Wahl noch daran erinnert und bei einer schwarz/gelben Regierung statt der SPD, oder CDU, den nächsten Unsinn Merkels mitträgt. Es gab in Deutschland mal excellente Marktwirtschaftler auch in der Regierung, wo sind die eigentlich geblieben?

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