Kein Applaus für Brumlik

Micha Brumlik hat es im Moment echt schwer. Erst Henryk M. Broder und dann Lizas Welt haben sich die letzten Wochen mit Brumliks seltsamen Äußerungen beschäftigt. Dabei hat Brumlik sich eigentlich bisher immer sehr vernünftig geäußert und ich muß gestehen, dass ich ihn eigentlich recht gern gelesen habe und auch seine Ansichten im Großen und Ganzen teilte.

Aber anscheinend ist es wirklich so, dass er irgendwie auf die Nachfolge von Wolfgang Benz hofft und neuer Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung wird, immerhin wird Brumlik dieses Jahr 62 und hat somit noch gut 5 jahre bis zur Rente, da muß man anscheinend vorsorgen und wirkt in seinen Äußerungen manchmal recht wunderlich.

In der Märzausgabe der Jüdischen Zeitung kommt er auf Lösungsansätze zum Antisemitismus, bei denen ich mich frage, ob man Brumlik möglicherweise geklont, oder ihm was in den Kaffee geschüttet hat, weil er in diesem Artikel genau die Argumentation benutzt, die gerne benutzt wird, wenn es um das Thema Antisemitimus geht und wie man dem Problem entgegen treten kann. Dabei und das fällt mir immer wieder auf, betrachtet man den Antisemitismus wie eine Krankheit die man mit dem entsprechenden Medikament heilen kann. Auch Brumlik scheint dieser Ansicht zu sein, wenn er schreibt

Das Grundgefühl einer unheimlichen Bedrohung, die durch den Israel-Palästina-Konflikt auf die mit Israel in vielen Hinsichten eng verbundene Judenheit in der Diaspora übergreift, sollte dort angegangen werden, wo es herkommt – am Nahost-Konflikt.

Und weiß natürlich auch wie man das ganze mit Hilfe der Psychologie lösen kann

Denkbar ist – um eine psychologische Deutung zu riskieren – dass die Angst und die Ohnmacht angesichts dieses Konflikts nach einem Ausweg, einem leicht handhabbaren und fassbaren Problem suchen, das man angehen kann, ohne dabei etwas zu riskieren: zum Beispiel in Duisburg – oder China.

Brumlik sollte es eigentlich besser wissen. Der Antisemitismus existierte schon, da war von Israel noch keine Rede. Der Antisemitismus existiert nicht auf Grund des Nahost-Konfliktes, oder wegen der Existenz eines kleinen Staates, sondern trotz der Existenz eines kleinen Staates und wegen der Existenz des jüdischen Glaubens. War der Antisemitimus vor der Gründung Israels Ausdruck einer Abneigung gegen Juden und nur diffus vorhanden, da einem die Religion nun mal nicht auf der Stirn geschrieben steht und der Nationalsozialismus den Antisemitismus als extremste Form gegen alles was „möglicherweise“ jüdisch sein könnte gerichtet hat und von willigen Helfern umgesetzt wurde, bot und bietet Israel die Möglichkeit seiner diffusen Abneigung ein Gesicht zu geben. Und auch der Antizionismus ist nicht anderes als Antisemitismus, da kann man sich noch so winden wie ein Wurm am Haken.

„Der Jude“ hat ein Gesicht bekommen in Form von Flagge, Hymne und Landesgrenzen. Ein Kollektiv, das man für alles Übel in der Welt verantwortlich machen kann, da hier die Mehrheit der Juden auf engem Raum beisammen sind. Und wenn man sich die antisemitischen Stereotype, die sich keineswegs gewandelt haben, betrachtet, dann ist es eigentlich egal, ob der Nahost-Konflikt nun gelöst ist, in welcher Form auch immer, oder nicht. Es ist immer noch „en Vogue“ antisemitische Stereotype zu benutzen, sei es dass man unterstellt „der Jude“ würde immer noch die Finanzen der Welt beherrschen und wäre somit an der globalen Krise schuld und würde von dieser profitieren, oder man Israel bezichtigt der Staat würde einen Völkermord an den Palästinensern begehen. Antisemitismus äußert sich auch nicht mehr anonym hinter vorgehaltener Hand mit Floskeln, sondern die Akteure gehen ganz offen damit um und sind sogar bereit ihren Namen und ihre Adresse einzusetzen, wenn es darum geht „Kritik“ an Michel Friedman, dem ZdJ, Henryk M. Broder, oder an der israelischen Botschaft zu üben. Und auf den „Friedensdemos“ die zur Solidarität mit den angeblichen Opfern eines „modernen Holocaust“ aufrufen findet man keine völlig vermummten Gestalten, sondern Personen die ihre Abneigung auch in die Kameras der Presse halten.

Es ist also Quatsch zu behaupten die Lösung liegt im Nahen Osten. Anschläge auf jüdische Einrichtungen hat es in den letzten 50 jahren immer gegeben. Ob Synagogen, Friedhöfe, Altersheime, oder Geschäfte und Restaurants und das geschah in Zeiten, wo der Staat Israel nicht um seine nackte Existenz gekämpft hat und die „besetzten Gebiete“ von den arabischen Nachbarn besetzt waren und die Besatzer kein Interesse an einer „palästinensischen Republik“ hatten. Nachdem die Regierung Adenauer und der junge jüdische Staat sich auf Entschädigungszahlungen geeinigt hatten kam es zu Anhäufungen von Schmierereien an jüdischen Einrichtungen in der Bundesrepublik. Friedhöfe wurden geschändet und notorische Antisemiten, die noch nicht mitbekommen hatten, das mit 1945 auch der NS-Staat erloschen war, schrieben Brandbriefe an Spiegel, FAZ usw. Das war in den 50er Jahren und der Staat Israel lebte in einer Phase der relativ entspannten Ruhe. Da Brumlik, im Gegensatz zu mir, sehr viel älter ist, müßte er das eigentlich wissen. Mein Oma hat mir das so in den 70ern erzählt und da war ich noch ein kleiner Bub, später dann habe ich dann auch entsprechenden Nachweise gefunden. Brumlik betreibt die übliche Bauchpinselei, wenn er das Argument übernimmt, nur eine Lösung im Nahen Osten würde das Symptom des Antisemitismus bekämpfen. Es würde gar nichts.

Aber das ist nicht die einzige seltsame Sichtweise die er sich angenommen hat. Beim Thema islamischer Antisemitismus übernimmt er kritiklos die Argumente einer Gesellschaft die allen Ernstes glaubt der radikale Islamismus und der dort propagierte Antisemitismus wären ein kulturelles Phänomen, dass man nur daurch erklären kann, dass die hier lebenden Migranten sich entwurzelt fühlen und ihre soziale Agonie nur in Form von Antisemitismus äußern können. Als Soziologe müßte sich Brumlik eigentlich damit auseinandergesetzt haben. Aber anscheinend hat er das nicht. Meine Erfahrung in über 20 Jahren ist eher negativ und läßt sich nicht an Koran, oder Islam festmachen, sondern an der kulturellen Identität die es offensichtlich einer Minderheit der Migranten unmöglich macht Selbstkritik zu äußern. Sie gefallen sich in der Situation des „Opfers“ und nehmen gerne die Erklärungsversuche westlicher Intelektueller auf die ihrerseits Mahner und Kritiker gern und schnell in die rassistische, oder rechte Ecke rücken, wenn diese genau diese Probleme ansprechen, nämlich mangelnde Selbstkritik.

Ich habe mich mit vielen Arabern unterhalten und dabei immer versucht so objektiv wie möglich zu sein. Ich wollte so verständnisvoll wie möglich sein und habe am Ende mein Fazit gezogen, dass die Mehrzahl derer, mit denen ich Kontakt hatte, absolute Vollpfosten waren. Die waren nett, ok, weil die einen Deutschen als Teil des Experiments betrachtet haben, dass versucht hatte die Juden auszurotten. Die Freundlichkeiten schlugen aber schnell in Abneigung um, wenn sie erkannten, dass Deutsch nicht gleich Deutsch ist. Die eigenen Unzulänglichkeiten schoben sie den ehemaligen Kolonialherren zu, die ihrer Meinung nach an den Umständen im eigenen Land die Schuld hätten. Das es durchaus ehemalige Kolonien gab, die ihr Schicksal zum positiven gewendet haben, das kam in ihrer Welt nicht vor. Und wenn dann das Thema Israel auf den Tisch kam, dann erkannte man recht schnell, das der Antisemitismus wie eine Seuche zur Infizierung beitrug und eben keine vorübergehende Laune ist. Selbst Araber aus den Autonomiegebieten verdrängten die Rolle der arabischen Nachbarn und gefielen sich als Opfer der Israelis, der Kolonialherren, der westlichen Welt und der UNO die, ihrer Meinung nach, eine zionistische Organisation ist. Wenn ich die Sprache auf Jordanien, oder Ägypten brachte, dann wurde sofort abgeblockt und Israel wurde als Schuldiger ausgemacht die in 60 Jahren verhindert haben, dass die Palästinenser ihren eigenen Staat haben. Dabei hätten sie nur zugreifen brauchen. Sie haben es bis Heute nicht gemacht und sie werden es auch die nächsten Hundert Jahre nicht machen.

Brumlik mag sich also freuen, wenn er sagt

Mehr als 15 Prozent muslimischer Jugendlicher legen antisemitische Einstellungen an den Tag. Die vermeintliche Schreckensbotschaft entpuppt sich bei näherem Hinsehen als gute Nachricht, als ausgesprochene Erfolgsmeldung, bedeutet sie doch im Umkehrschluss, dass 85 Prozent dieser Jugendlichen nicht antisemitisch eingestellt sind. Und das bei einer Population, die, was Arbeitsmarkt und Ausbildung betrifft, in besonderer Weise unter Druck steht und einer schlecht integrierten Unterschicht angehört.

Nur wirft er hier so ziemlich alles in einen Topf, denn: Die mehr als 15% belassen es nicht bei Worten, sondern setzen das physisch um, was die Alten psychisch in die Welt setzen. Da kann man ziemlich schnell als Jude Opfer werden, wenn man in einer Berliner U-Bahn mit einer Kippa auf Migranten aus dem arabischen Raum trifft, den Davidstern am Hals trägt, oder einfach nur jüdisch aussieht. Diese Erkenntnis hatte schon der damalige Präsident des Berliner Verfassungsschutz. da hält man sich nicht groß mit nächtlichen Schmiereien an jüdischen Friedhöfen auf, oder der verbalen Attacke gegen vermeintliche Juden, sondern geht handgreiflich zu Werke. Und ob das nun 1%, 5%, oder 15% sind, das ist völlig irrelevant.

Und es handelt sich auch nicht nur um Palästinenser die hier an der Gesellschaft gescheitert sein sollen, sondern es handelt sich um einen Querschnitt aus dem arabischen Raum. Das sind Leute die noch nie in den Autonomiegebieten waren, die überhaupt nicht aus den Gebieten kommen, ja die noch nicht mal auf irgendwelche familiären Wurzeln zurückgreifen können. Das sind Jugendliche die es ganz einfach toll finden, wenn man gegen „die Juden“ vorgehen kann. Und ob Irael existiert oder nicht das ist denen völlig Latte. Man könnte natürlich wohlwollend einfügen das die gegen alles sind. Was mir allerdings auf die Nerven geht, das ist Brumliks Erklärungsversuch für das verhalten. Man merkt das er Soziologe ist.

Integration muß immer von einem selbst kommen. Wenn ich keine Lust habe mich in die Gesellschaft zu integrieren, dann kann ich nachher nicht darüber jammern, wenn ich keine Chancen habe. Es gibt genügend Beispiele erfolgreicher Integration von Leuten die angekommen sind. Das sind Menschen die aus unterschiedlichen Teilen der Welt gekommen und hier in Deutschland gelandet sind. Türken, Spanier, Italiener, Kroaten, Serben, Tunesier, Marokkaner, Iraner, Afghanen, Pakistanis, Nigerianer. Menschen die es einfach mal besser haben wollten und dafür auch alles unternommen haben in der neuen Heimat Fuß zu fassen. In den USA käme niemand auf die Idee sein eigenes Scheitern auf die Gesellschaft abzuwälzen. Aber in Europa werde ich das Gefühl nicht los, dass man sich selbst für das scheitern der anderen verantwortlich wähnt. Und mal ehrlich, wenn ich keine Lust habe eine Schule zu besuchen und alle Verantwortung auf Eltern, oder das Umfeld abwälze, dann bin ich schlicht und ergreifend ein Idiot. Tradition, Ehre und Verantwortung ist die Ausrede der Unfähigen.  Brumlik irrt, wenn er behauptet, dass die Migranten, die dem Antisemitismus frönen unter Druck stehen würden. Sie wollen ganz einfach unter Druck stehen und reden sich mit irgendwelchen Floskeln raus, die ganz gerne übernommen werden.  Übrigens sind weder der Islam, noch der Koran schuld an der Entwicklung, das nur am Rande.

Antisemitismus in Deutschland wird gar nicht behandelt. Es gibt allenfalls Lippenbekenntnisse und ob in China ein antisemitisches Werk in Umlauf kommt, ein Antisemit aus Duisburg zum Boycott israelischer Waren aufruft, oder im Keller die Schaufel umfällt ist dabei völlig wurscht. Alarmismus herrscht in Deutschland nur von Zeit zu Zeit, dann werden Ausschüsse einberufen, man kommt zu der Überzeugung das Antisemitismus böse ist, reist in den Iran damit die Wirtschaftskrise nicht gar zu arg wird und mahnt zur Besonnenheit und ein, an sich, wirklich guter Soziologe verfällt in den allgemeinen Trott in der Hoffnung seine Jahre bis zur Rente noch angenehm gestalten zu können.

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16 Gedanken zu “Kein Applaus für Brumlik

    • Hallo Ruth,
      ich kann bei der Aussage natürlich nur auf meine Erfahrungen mit Arabern zurückgreifen. Wahrscheinlich war das ein bisschen missverständlich. Ich habe mal Muslime aus dem afrikanischen Raum kennen gelernt die mir eine vollkommen andere Auffassung von Islam und Koran gezeigt haben, als ich das mit Arabern erlebt habe -damit will ich nicht 220 Mio. Araber über einen Kamm scheeren, sondern nur meine Erfahrungen schildern-. Die meisten Araber beriefen sich auf den Koran, aber wenn ich dann in die Tiefe gegangen bin habe ich festgestellt, dass die den Koran gar nicht gelesen haben. Die haben die Sichtweise einfach nur übernommen und das nachgeplappert, was ihnen vorgesagt wurde. Auf Grund der Erfahrungen kam ich zu der Überzeugung, dass es wohl eher ein kulturelles Problem ist und weniger mit Islam, Koran, oder arabisch-muslimisch zu tun hat.
      Ein Freund nannte das mal „Machokultur.“ Einen Mischmasch aus Verschwörung, Mannbarkeitswahn, Minderwertigkeitskomplexen, Unaufgeklärtheit und vermeintlicher Religiösität.

    • Hallo Ruth,

      ich habe es aus dem Spamfilter gefischt. Ich kenne Manfreds Korrektheiten, wer von der großen Weltverschwörung der Antideutschen faselt und glaubt die würden insgeheim an der Auslöschung des deutschen Volkes arbeiten und allen Ernstes glaubt die Jungle World würde mit Islamisten zusammen arbeiten und hätte auch nichts gegen Antisemitismus, den kann ich beim besten Willen nicht ernst nehmen.
      Ich schau mir aber gern die Links an.

  1. Hallo, Taylor, wenn ich sehe, was Du von meiner Kritik an den Antideutschen kapiert hast, frage ich mich nur eines:

    Was ist eigentlich die Steigerung von „Vollpfosten“?

    • Hallo, Taylor, wenn ich sehe, was Du von meiner Kritik an den Antideutschen kapiert hast, frage ich mich nur eines:

      Was ist eigentlich die Steigerung von “Vollpfosten”?

      Sorry, bei Philosemiten verliere ich manchmal den Überblick und werfe die in einen Topf.

      Der geistige Landesverrat, der darin liegt, Deutschfeindlichkeit als positiven Wert darzustellen, ist nicht einfach eine private Marotte, sondern bedeutet, eine genozidale Ideologie zu propagieren.

      Das ist doch von Ihnen, oder nicht?

      Im Moment sind Sie die Steigerung des Vollpfosten und das Stdium der Links zu Ihren „pseudowissentschaftlichen“ Ergüssen überzeugt mich bisher noch nicht so ganz. Ich schwanke zwischen Tränen in den Augen vor Lachen und ungläubigen Staunen, dass ein „Politikwissenschaftler“ so einen Nonsens schreibt. Ich weiß zwar nicht wo Sie studiert haben, aber im Moment neige ich zu der Ansicht, einen Rechtsanwalt zu konsultieren…..man weiß ja nie.

  2. Taylor,

    man muss nicht jeden Gedanken uebernehmen, damit eine Beschaeftigung mit den Gedanken eines anderen sinnvoll ist.

    Welche Argumente in seiner Auseinandersetzung mit dem Islam findest Du denn unrichtig? Oder welche Auslassungen oder falschen Gewichtungen verzerren das Bild? Ad hominem gilt als schlechter Stil, nicht zuletzt, weil es erlaubt, sich gar nicht erst mit der Sache auseinanderzusetzen, sich aber trotzdem als ueberlegen zu praesentieren.

    Ich denke, dass Manfred die Gefahr durch anti-deutsche Ideologie uebertreibt und deswegen zu scharf reagiert. Ich kann ihn aber nicht widerlegen und ehrlich gesagt, interessiert mich die innerdeutsche Befindlichkeit auch weniger.

    • Hallo Ruth,

      entschuldige meine späte Antwort, aber meine Herzprobleme haben mich den ganzen Tag geplagt. Bevor ich allerdings in’s Bett gehe, wollte ich noch kurz antworten.
      Sein Blog ist schon per se schwierig zu lesen, da er viel Text auf geringe Breite bündelt. Aber das ist nicht so wichtig.
      Im Grunde schreibt er das, was andere schon vor ihm geschrieben und plappert einfach nur nach. Ich habe nicht wirklich das Gefühl, dass er sich ernsthaft mit dem Islam, oder den Menschen beschäftigt hat. Er unterstellt z.B. eine Überlegenheit des Chistentums, weil dieses, angeblich, besser mit der Demokratie vereinbar ist, der Islam aber nicht. Das heißt also Norani Othman und Bassam Tibi verstehen weniger vom Islam, als der Herr Manfred, weil die ihm widersprechen. Es gibt auch genügend Beispiele von Muslimen die nicht nur die Demokratie propagieren, sondern sogar partizipieren.
      Was nun die Islamisierung betrifft, könnte ich schon wieder Pickel kriegen. Es gibt keine Islamisierung in Europa und selbst wenn die Muslime hecken wie die Kninks würden sie es wohl kaum schaffen die Mehrheit zu erreichen. Ich habe eine Zeit ehrenamtlich im Betreuungsbereich gearbeitet und habe da auch viele Muslime kennen gelernt. Mit ihrer Religion hatten die wenig am Hut, was ich allerdings auch getroffen habe, das waren Eltern, die in ihrer Religion verhaftet waren und allen Ernstes glaubte, dass eine psychische Krankheit von Allah gesandt sei, in Form eines Djinns. Und da muß ich sagen, dass Aufklärung Not tut, aber diese Form, wie ich sie in den letzten zwei jahren verstärkt erlebe, dass man einfach Menschen ausgrenzen möchte auf Grund ihrer Religionszugehörigkeit geht mir gewaltig auf die Nerven. Ich halte von Religion nichts, mir ist es wurscht an was jemand glaubt, oder glauben möchte. Er/Sie können auch einen Apfelbaum anbeten. Ich bin auch der Meinung das Kritik erlaubt sein sollte und erlaubt sein muß, aber, sollte die Kritik differenziert sein und das ist Islamkritik nur in den seltensten Fällen. Das Kritik an der Religion auch die Solidarität mit reformerischen Kräften erfordert passiert nur dann, wenn diese reformerischen Kräften die eigenen Interessen unterstützen. Israel wird in dieser Causa nur als „Bollwerk gegen den Islam“ betrachtet. Und wenn eine Minderheit den Islam mißbraucht, dann nehme ich nicht die Mehrheit in die Pflicht, ich bin ein Radikalliberaler und dachte mein Blog hätte meine Position zum Islam klar gemacht.

      Was die Antideutschen betrifft, ist das keine Ideologie. Antideutsch ist im Moment das Totschlagargument derer geworden die sich im „fishing for compliments“ befinden und sich „gegenseitig“ in einer Israelsolidarität übertrumpfen möchten. Das ist schon recht niedlich anzuschauen. Aber auch die Palästinafreunde, die schon Schwierigkeiten haben die Autonomiegebiete auf der Karte zu finden, bezeichnen jeden als Antideutschen, der sich solidarisch zu Israel erklärt. Für die ist selbst Charlotte Knobloch eine Antideutsche.
      Wenn man sich dazu äußert, dann sollte man eigentlich auch wissen was das ist. Und das ist nicht der Fall. Da wird die kritische Linke, die von Adorno und Horkheimer beinflußt wurde mit Verbrechern gleich gesetzt. Und dass das BfV sich mit denen beschäftigt wird dann als Beleg genommen, dass es sich um Weltversschwörer handelt, was für ein Nonsens. Ich müßte dann schon per Geburt Antideutsch sein, nicht nur ist in mir halb Europa versammelt, ging mir Patriotismus schon als Kind auf die Nerven.

  3. Pingback: Ägypten, das Land der Pharaonen

  4. Hallo Taylor,

    bitte pass‘ gut auf Dich auf! Herzprobleme klingt ziemlich ominoes.

    Wie gesagt, kann ich die innerdeutsche Situation nicht beurteilen.

    Was den Islam betrifft, so sehe ich keinen Widerspruch zwischen Deinen Erfahrungen und Manfreds theoretischen Ansaetzen.

    Mir scheint nicht, dass alle Religionen in ihrem Einfluss auf Menschen identisch sein koennen. Wenn Du Dir die Geschichte des Islams anschaust und seine „blutigen Grenzen“, dann scheint da schon ein aggressiver Bodensatz zu sein. Selbst Bernard Lewis, der nun wirklich nicht verdaechtigt wird, islamophob zu sein, schreibt in diversen seiner Werke am Rand (weil er auf das Thema nie explizit eingeht), dass die Situation auch im mittelalterlichen Christentum nach unserer Wertung „besser“ gewesen sei, hinsichtlich Stellung der Frau, wirtschaftlicher Freiheit, Rechtssicherheit.

    • Hallo Ruth,

      bitte pass‘ gut auf Dich auf! Herzprobleme klingt ziemlich ominoes.

      Vielen Dank für den Rat. Ich bin Anfang letzten Monats operiert worden und muß leider Medikamente damit, damit sich die Pumpleistung erhöht. Blöd wenn man immer aktiv war und plötzlich nicht mehr so darf -vor allem von einem Arzt gemaßregelt wird-.

      Das Problem ist nicht die Islamkritik an sich. Viele Leute fühlen sich plötzlich als Islamexperten, oder zum Islamkritiker berufen und sind nicht in der Lage zu differenzieren. Islam ist halt nun mal nicht Islam und nicht jeder Muslim ist ein Muslim, so wie selbsternannte Kritiker dies gern hätten.

      Es stimmt was Lewis sagt. Ich sehe das Problem ähnlich wie Norani Othman

      Aufgrund des historischen Bruchs hat sich unter Muslimen die irrige Ansicht verbreitet, dass der Laizismus aus dem Westen importiert worden ist und dass wir einen glorreichen islamischen Staat dagegensetzen können.

      Das was wir erleben und sehen, ob das brennende Fahnen sind, brennende Botschaften, oder der Mob auf den Straßen, wird von einer Minderheit herbeigeredet und befürwortet. Das sind Leute die irgendwo im Mittelalter hängen geblieben sind -Und wenn ich mir die Geschichte der Hexenverfolgung aus dem Bücherregal nehme, dann erkenne ich sogar Parallelen-. Eine Diskussion ist unmöglich, sogar gefährlich, da diese Leute an ihrem Dogma kleben wie die Fliege an der Marmelade. Aber man kann diejenigen stärken, die dem ganzen Überdrüssig sind.

      Vor fast 20 Jahren habe ich mal eine junge Muslima aus Saudi Arabien getroffen, die studierte in London und war in Deutschland, um ihre Familie zu treffen. Sie trug westliche Kleidung, besuchte alle Einrichtungen und schaute sich sogar die Kirchen an. Kurz war für alles offen und es war angenehm sich mit ihr zu unterhalten, weil sie auch witzig und lustig sein konnte. Zwei Tage später kam ihre Familie an und die Frau war wie ausgewechselt. Plötzlich trug sie Burkha, schaute mich nicht mal mehr an im Beisein ihrer Familie, sprach nicht und hielt sich im Hintergrund. Irgendwann traf ich sie dann kurz allein und sie erzählte mir halt von der Tradition, die es ihr verbieten würde sich „westlich“ zu geben. Ich hielt das für erheblich schizophren, also habe ich versucht dahinter zu kommen, warum sich jemand um 180 Grad wenden kann. Vor allem habe ich auch Muslima, z.B. aus Marokko, kennen gelernt die zwar Kopftuch trugen, sich zu ihrem Glauben bekannten, trotzdem aber keine Berührungsängste hatten.

      Und noch ein Beispiel. Als China in den 60er Jahren versuchte die sovietische Vorherrschaft im arabischen Raum zu brechen, betrieben die Chinesen im Südjemen eine Propaganda vom Feinsten und verbreiteten das Gerücht, dass die arabischen Staaten den Sechs-Tage-Krieg nur verloren haben, weil die Sovietunion die Israelische Armee mit allem versorgte, was diese zum Sieg benötigten hätten. Es war natürlich Quatsch, wie wir wissen, aber die Propaganda zeigte Wirkung und kurz nach dem Krieg zog ein Mob durch Aden und steckte die sovietische Botschaft in Brand -unter anderem auch die Bundesdeutsche Botschaft-.
      Nun stellt sich die Frage liegt es am Islam, oder an denen die eine Religion mißbrauchen? Warum hat ein Muslim im Senegal eine andere Auffassung und käme im Leben nicht auf die Idee sein Leben einem Djihad zu widmen, während in einer anderen Gegend der Todeskult anscheinend die Erfüllung darstellt?

      Es gab eine Aufklärung im Islam, das ist allerdings schon ewig lange her und es gab sehr gute Philosophen, die sich mit dem Koran, dem Islam und Mohamed auseinander gesetzt haben, dann allerdings kam der Stillstand. Während sich das Christentum, erst mit Luther und anderen -Hus, Zwingli, ja selbst Anglikaner- weiter entwickelte und mit der Aufklärung in eine „moderne Richtung“ entwickelte, war das im Islam, so halt nicht der Fall. Hinzu kommt, dass der Islam das arabische als „heilige Sprache“ betrachtet und gar nicht auf die Idee kommt das zu hinterfragen. Da plappern Leute in der Türkei Koransprüche nach, die sie gar nicht verstehen. Im Judentum besteht dazu ein lebhafter Austausch, selbst wenn Hebräisch die „Glaubenssprache“ ist. Ok, Christen und Buddhisten haben es einfacher. Aber in jeder Synagogengemeinde, in jedem Rabbinersminar findet ein reger Austausch und eine Diskussion statt. Judentum und Christentum sind in sich sehr moderne Glaubensauffassungen. Genau das fehlt dem Islam. Der Islamismus, so wie wir ihn kennen, ist das Ergebnis eines Stillstandes. Hier vermischen sich krude politische Vorstellungen, völlig überholte kulturelle Traditionen. Das ist ein absolutes Mischmasch, aber, der Islamismus hat den Vorteil, dass er die nichtvorhandenen Reformen für sich vereinnahmen kann.
      Hinzu kommt, dass nicht nur die Strömungen im Islam untereinander uneins sind, sondern auch die Muslime an sich, völlig uneinig. Ein Türke würde im Leben nicht darauf kommen und in einer arabischen Moshee beten. Ein Sunnit betritt keine schiitische Moshee und Schiit würde eher zu den 72 Jungfrauen gehen, als das er sich mit einem Aleviten einläßt.

      Eine Reform kann nur aus dem Islam kommen, aber, und das ist meine bescheidene Meinung, sollte der Westen die Reformer, die es ja gibt, mehr Unterstützung angedeihen lassen und nicht in einen Kotau vor diesen vollidiotischen Ewiggestrigen Islamisten einknicken und glauben die wären der Islam.

      Was nun abschließend Manfred und „die Seinen“ betrifft: Im Grunde sind sie die zweite Seite einer Medaille. Ihnen geht es nicht um Kritik, sondern nur darum Stimmung zu betreiben. Für sie sind alle Muslime generell verdächtig und das unterscheidet sie von Leuten wie Kelek, oder beispielsweise Broder. Broder weiß sehr genau zu unterscheiden, das wissen diese Leute nicht. Broder weist, manchmal polemisch und überspitzt, auf die Auswüchse hin.
      Ich hingegen spreche ausschließlich aus meinen eigenen Erfahrungen die ich mit Muslimen gemacht habe und kann für mich nur sagen, dass ich mit Muslimen aus dem arabischen Raum die Erfahrung gemacht habe, dass es weniger um den Islam, sondern ausschließlich um irgendwelche strunzdummen Traditionen ging, die mit der Religion vermischt wurden. Das die Araber vor 1000 Jahren eine Blutspur im Namen der religion durch den Nahen Osten bis Nordafrika gezogen haben sprciht natürlich gegen den Islam. Aber wir leben nicht mehr vor 1000 Jahren und 1,6 Mrd. Muslime kann man nicht mal ebenso über einen Kamm scheeren und ihnen irgendwelche Gräueltaten unterstellen.

  5. Lieber Tayor,

    zunaechst einmal gute Besserung. Ich wuensche Dir, dass Du bald wieder aktiv sein kannst oder aber, dass Du den Charme eines langsameren Leben kennenlernst.

    Ich denke, das Judentum und Christentum haben eine Menge Widerspruechlichkeit in sich. Die staendige Auseinandersetzung damit tut beiden Religionen gut. Der Islam dagegen wurde als geschlossenes System konzipiert.

    Die Aufdroeslung, was arabische Stammenskultur und was Islam ist, halte ich fuer wenig sinnvoll. Jahrhundertelang haben beide sich gegenseitig durchdrungen und von aussen koennen wir bestimmt niemandem sagen, was zu seinem Glauben gehoert und was nicht.

    Ich meine immer noch, dass Du Manfred unrecht tust, nicht zuletzt von Du ihn einem Kollektiv zuordnest. So wie ich ihn kennen, ist er eingefleischter Individualist und hat weder die Seinen noch gibt es Seinesgleichen. Er spricht auch nicht ueber die Muslime, sondern immer ueber den Islam als System.

    • Hallo Ruth,

      man kann auch langsam leben? Das Problem ist in meiner Familie wohl erblich und seitdem ich die Medikamente nehmen muß, habe ich plötzlich Wasser im Fuß…auch nicht schlecht.

      Judentum und Christentum sind lebendige Religionen, das erlebe ich ja ständig, wenn ich mich mit Bernd (Castollux) unterhalte. Was dem Islam fehlt, das sind wahrscheinlich diejenigen, die diese Religion mit Leben erfüllen, vielleicht kommt das ja noch irgendwann noch. Im Moment, da gebe ich Dir Recht, ist es nicht nur als ein geschlossenes System konzipiert, ist es zum großen Teil ein totes System, weil Interpretationen nicht gemacht werden.

      Man tut sich von außen immer schwer. Ich habe zwar den Koran gelesen -das erste Mal kurz nach der islamischen Revolution im Iran-, halte das Buch aber für Auslegungssache. Mich wundert es halt, dass man über Talmud, oder NT diskutieren kann, die Suren im Koran aber „quasi nicht verhandelbar“ sind.

      Viele Grüße
      Taylor

  6. Taylor,

    ich habe mir sagen lassen, dass Langsamkeit viel Charme habe. Selber habe ich vorlaeufig keine Moeglichkeit, das auszuprobieren. In ein paar Jahren sollte es ruhiger werden, dann stelle ich es mir schoen vor, mal in Ruhe Kaffee zu trinken, auf dem Balkon dicke Buecher zu lesen (anstatt sie beim Kochen in einer Hand zu halten, prompt fallen, die Suppe ueber den Herd spritzen, den Lappen anbrennen zu lassen, usw.)

    Zur Nicht-Verhandelbarkeit des Koran: Wenn Du Deine Vorbehalte gegen Manfred einfach mal beseite legst und diesen Text http://www.korrektheiten.com/2007/10/24/warum-das-christentum-zur-demokratie-passt-der-islam-aber-nicht-teil-ii-islam/ nur auf seine Argumente hin liest, meinst Du nicht, dass hier brauchbare Argumente und Gedanken zu finden sind, warum das so ist?

    • Hallo Ruth,

      ich will ja mal nichts sagen, aber einmal, nur ein einziges Mal, da konnte ich das ausprobieren. Das ist schon über 20 Jahre her und ich genoß die Rekonvaleszenz. Bücher lesen, Beine hochlegen und die Seele baumeln lassen. Vor allem waren es auch noch die Sommermonate, da ließ ich Bart und Haare sprießen -ich sah aus wie ein Taliban- und vergnügte mich an den Wochenenden auf Holländischen Campingplätzen mit Ein-Mann-Zelt, Tzahalschlafsack, Gaskocher und Heineken. Danach ließ ich mich ein Jahr im Land meiner Ahnen nieder. Das war wirklich eine schöne Zeit, aber seit ein paar Jahren hechel ich dem Mammon hinterher. Vielleicht sollte ich mal wieder eine feste Anstellung suchen, ganz doll krank werden und als Rekonvaleszent auf den Spuren der Vergangenheit wandeln.
      Vielleicht solltest Du das auch mal machen und Deine Schweizer Gene einfach mal unterdrücken :-)))

      Auf jeden Fall werde ich noch mal bei meinem Hausarzt aufschlagen, denn irgendwie kann es ja nicht sein, dass ich auf einmal Wasser im Fuß habe, nachdem ich die Medikamente schlucke. Und eine Apotheke im Haus wie meine Oma, mein Vater und meine Mutter hatten wollte ich eigentlich verhindern. Nachdem meine Eltern verstarben konnte ich mit den Medikamenten ganz Mali auf Monate hinaus versorgen.

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