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NS Vergleich

März 20, 2009

Anscheinend geht es nicht mehr ohne. Ein NS Vergleich muß in Debatten, Diskussionen und Kommentaren anscheinend immer vorkommen, egal wie unsinnig er auch ist. Und wenn man könnte, dann würde man wahrscheinlich eine deutsche Luxuskarosse mit dem Slogan bewerben, „so sicher wie ein Tigerpanzer.“

In der Debatte um die Steuer- und Bankoasen hat der schweizer Nationalratsabgeordnete Thomas Müller über Finanzminister Peer Steinbrück erst gesagt, „Peer Steinbrück, das darf man in aller Offenheit sagen, definiert das Bild des hässlichen Deutschen neu“ und legte nach, „Er erinnert mich an jene Generation von Deutschen, die vor sechzig Jahren mit Ledermantel, Stiefel und Armbinde durch die Gassen gegangen sind.“ Statt die Aussagen zu relativieren reagierte er ziemlich ungehalten und setzte noch einen drauf,

Die Gestapo war in Deutschland ja auch nur eine Elite. So einer wie Steinbrück erinnert mich eben daran. Es ist sein ganzes Auftreten: Er ist kompromisslos, rücksichtslos und überheblich

Nun ist Steinbrücks Äußerung, in der er die Schweiz mit einem Indianerreservat verglichen hat, schon mehr als schwachsinnig, aber anscheinend ist man nicht mehr in der Lage argumentativ dagegen zu halten, sondern muß sofort die NS-Zeit aus dem Ärmel ziehen und einen Vergleich herstellen um damit seinen Kontrahenten einen einzuschenken. Wohl wissend, dass das NS-Regime ein einmaliges Ereignis in der Geschichte Europas bleiben wird -wobei ich jetzt nicht die Verbrechen Stalins klein reden will-, werden Vergleiche dieser Art als Totschlagargument benutzt, denn das Gegenüber kann sich meist nur schlecht dagegen wehren. Steinbrück könnte höchtens einen drauf setzen und seinerseits Herrn Müller vorwerfen, dass die Schweiz ja damals munter profitiert hat. Das allerdings wird er wohl nich machen.

Wenn Herr Müller, wie er selber behauptet, eigentlich kein Problem mit „den Deutschen“ hat, sondern nur ein persönliches mit Herrn Steinbrück, dann frage ich mich, warum er zum einen einen Minister mit den Nazis vergleichen muß und zum anderen auf seinen Aussagen beharrt. In der Debatte um Steueroasen und Bankgeheimnis geht es in der Tat recht harsch zu, aber von den Schweizern habe ich eigentlich immer den Eindruck gehabt, dass man in dieser Debatte recht entspannt ist und sich nicht dazu herab läßt jemanden derart zu beleidigen.  Vor allem rückt, wie der Schweizer Soziologe Kurt Imhof feststellt, die Schweiz jetzt richtig in den Focus der Öffentlichkeit, „Je ­stärker sich das hochschaukelt, umso mehr ist die Schweiz im Fokus. Wer Geld in der Schweiz parkiert hat, bekommt Angst. Der guckt auf die Wildwest-Rhetorik, bewertet die Stärkeverhältnisse und erwartet den Informa­tions­austausch bezüglich Bankguthaben. Dabei müssen wir ein Interesse daran haben, dass das Geld möglichst hier bleibt.“

Ob allerdings die Schweizer schneller und öfter zu NS-Vergleichen greifen weiß ich nicht, aber Thomas Müller hat den schweizer Banken keinen Gefallen getan und ich finde es völlig unter aller Sau, wenn man rethorisch so blöd ist und ständig auf der NS-Zeit rumreiten muß. Es zeigt mir, dass man aus der Vergangenheit nichts gelernt hat und offensichtlich glaubt, dass das Regime zwar schlimm war, aber doch nicht so schlimm, dass man nicht Parallelen mit der Gegenwart ziehen könnte.

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