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Dezember 19, 2008

Antwort vom Taylor: An den unbekannten Sucher der über den Suchbegriff „Rasieren sich Zionisten den Bart“ auf diesen Blog gekommen ist sei gesagt, „ja, Zionisten rasieren sich! Manche täglich, manche alle zwei Tage und es gibt Zionisten die rasieren sich nie.“

Ist aber nichts schlimmes wenn man sich über den Zionismus informieren möchte, weil man Zionismus anscheinend mit orthodoxen Juden gleich setzt. Selbst Moshe Zuckermann hat gewisse Schwierigkeiten in der Definition und wirft das alles in einen Topf. Für jemanden der sich gegen die Vereinnahmung von „Israel-Kritikern“ wehrt, gab er ein ziemlich umfangreiches Interview im ehemaligen Propagandablatt der SED und offenbarte das man auch als Soziologe zu manchen Themen besser schweigen sollte, oder sich aussucht, wem man ein Interview gewährt und wem nicht.

1.) Ist der Zionismus nie eine Gruppe gewesen, oder eine homogene Gruppe. Der Zionismus war so vielfältig wie jede Interessenvertretung auch. Selbst auf dem ersten zionistischen Weltkongress 1897 in Basel prallten unterschiedliche Denk- und Handlungsweisen aufeinander. Ja nicht einmal die Ziele, außer einem eigenen jüdischen Staat, waren klar erkennbar. Für Theodor Herzl war es eigentlich egal wo „der Judenstaat“ entstehen sollte, ihm ging es nach der Affäre Dreyfuss darum eine Heimstatt für die europäischen Juden zu finden, um dem europäischen Antisemitismus zu entgehen. Aus dieser Überlegung und dem Kongress gingen verschiedene Richtungen hervor die als Zionismus bezeichnet wurden.  Der religiöse Zionismus (Misrachi), der marxistisch geprägte Zionismus (Poalei Zion), die eher sozialdemokratische Richtung (Hapoel Hatzair), der revisionistische Zionismus, in Form und Gedanken von Ze’ev Jabotinsky und der eher liberale/pragmatische Zionismus. Wenn Zuckermann erklärt er sei „Nicht-Zionist“ dann sollte er eigentlich erklären was das eigentlich sein soll, wenn er auf der anderen Seite schon für einen Staat Israel steht, „Ich bin kein Antizionist. Ich sehe mich als Nicht-Zionisten. Antizionisten sind diejenigen, die meinen, der Zionismus hätte nie in die Welt kommen dürfen. Für mich stimmt das so nicht. Spätestens nach Auschwitz wurde der Staat Israel zu einer historischen Notwendigkeit.“ Auch wenn er in seiner weiteren Antwort bezweifelt dass Juden in Israel sicherer leben könnten, sollte er sich vor Augen führen, dass man wohl nirgendwo sicherer ist vor den üblichen Ressentiments als in Israel. Polizeifahrzeuge vor den Synagogen habe ich zum Beispiel nicht gesehen.  Das Problem ist nicht der Staat Israel, sondern die Vollspacken die sich immer noch ausmalen den Holocaust zur Vollendung führen zu können. Als Soziologe sollte ihm der Spruch, „es kann der frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt“ doch eigentlich bekannt sein. Und selbst wenn Israel weggefegt wird, so ist damit nicht der Antisemitismus vom Tisch, im Gegenteil.

2.) Nach der Staatsgründung trat der Zionismus in den Hintergrund. Die primären Ziele, Gründung eines eigenen jüdischen Staates, wurden erreicht und die Ziele des Zionismus änderten sich und traten ganz in den Hintergrund. Man mag darüber streiten ob die Alijah eine Form des Zionismus darstellt oder nicht. Sieht man auf die Entstehung und Entwicklung kann man sagen, dass es eine Form des Zionismus darstellt, denn mit der Alijah schuf man Juden in aller Welt die Möglichkeit in „ihr Land“ einzuwandern. Erst nach 1967 entstand eine Auferstehung des ursprünglichen zionistischen Gedankens, nämlich die Besiedelung des historischen Israels. Die Regierung Eshkols war damit völlig überfordert, denn schließlich war das Ziel Land gegen Frieden. Zuckermann negiert, dass weder Eshkol, noch die nachfolgenden Regierungen einen Verhandlungspartner hatten mit dem sie hätten verhandeln sollen. Nach Khartoum zeigten weder Ägypten noch Jordanien jegliches Interesse an Verhandlungen mit Israel. Zuckermann unterschlägt das sowohl die Westbank als auch der Gaza von 1949 bis 1967 von den beiden Ländern annektiert wurden und auch gar nicht die Bereitschaft vorhanden war, weder von den dort lebenden Arabern noch von den beiden Staaten, einen weiteren arabischen Staat zu gründen. Ob der nun Palästina oder Takatukaland geheißen hätte ist dabei völlig irrelevant. Auch die Tatsache dass die dort lebende Bevölkerung gar nicht auf die Idee kam einen eigenen Staat zu erhalten fällt völlig unter den Tisch. Die PLO hatte auf ihrer Gründung 1964 ja auch nicht die Westbank oder Gaza auf der Agenda, sondern wollte das „zionistische Gebilde“ von der Landkarte tilgen. Mich wundert immer wieder, dass die Zeit von 49-67 völlig ausgeblendet wird. Vor allem wundert mich, dass ausgerechnet Israelis diese Zeit wie eine dunkle Epoche behandeln. Man kann zwar nicht lückenlos Babylonien nachweisen, und das liegt etwas mehr zurück, aber man sollte eigentlich in der Lage sein 20 Jahre des 20. Jhr. nachzuweisen. Komisch das Zuckermann dies nicht zur Kenntnis nehmen möchte, aber hey, das ist ok, es gibt ja sogar Leute die allen Ernstes glauben die NVA hätte das sozialistische Deutschland vom Hitlerfaschismus befreit.

3.) Israel hat die Gebiete nicht „okkupiert“ sondern in einem Verteidigungskrieg erobert. Das ist nun einmal so: wenn ich Streit anfange und eine auf die 12 bekomme dann darf ich mich nicht wundern, wenn sich einer breit macht. Ich glaube nicht, dass das Neue Deutschland in Revisionismus verfällt und eine Wiederangliederung Ostpreußens, Schlesiens und Sudetendeutschland an die Bundesrepublik in ihre Agenda aufnimmt. Im Falle der Westbank und des Gazastreifens reißen sie sich aber förmlich ein Bein aus und würden sogar die Vernichtung eines Staates in Kauf nehmen, damit ihr Antizionistisches Weltbild wieder im Lot ist. Dabei vergessen die Altvermufften, dass es ja ihr Glorifizierter Staat war der Anfang der Achtziger Jahre „Blut gepisst“ hat und auf Brustwarzen der Jewish Agency entgegen gekrochen kam in der Hoffnung, dass das „Ostküstensyndikat“ doch ein gutes Wort bei israelischen Unternehmen einlegt damit diese den maroden Versuch eines Sozialismus finanziell am Leben erhalten. Dafür war es dann zu spät, was offensichtlich auch nur die Schuld des imperialen Judentums sein kann, das überall seine Hand im Spiel hat.

Zuckermann wäre gut beraten, wenn er sich als Soziologe demnächst mit seinen „Freunden“ beschäftigt und sich überlegt, warum Frieden im Nahen Osten ein schwieriges Geschäft ist. Vielleicht kommt er dann auf die soziologische Formel, dass zu einem Frieden immer zwei Partner gehören und wenn der eine Partner gerne ein Territorium vom Libanon bis Eilat haben möchte und darauf wie ein trotziges Kind besteht, es für den anderen Partner schwierig ist diesen Wunsch zu erfüllen, wenn er nicht einer gewissen Todessehnsucht nachhängt. Sollte er Fragen zu dem ganzen haben, dann sollte er mal einen deutschen Supermarkt aufsuchen und sich das Drama an den Kassen anschauen, wenn Mütter, mit pädagogischer Rückendeckung, ihrem Nachwuchs erklären, dass ein Überraschungsei nicht gekauft wird, woraufhin der Nachwuchs in hysterisches Schreien verfällt und solange die Luft anhält bis er blau anläuft. So in etwa läuft es zwischen Israel und den Autonomiegebieten ab. Während Israel alles versucht, damit die palästinensische Seite zufrieden ist, hält man auf der Gegenseite so lange die Luft an, bis man blau anläuft und Israel wieder einlenkt.

Eshkol hat einen Fehler gemacht, er hätte die Westbank und Gaza zu israelischem Gebiet erklären sollen und die dort lebenden Araber zu israelischen Staatsangehörigen erklären, dann wären Schwätzer wie Zuckermann beschäftigungslos. Und wenn sie dann die Luft anhalten bis sie blau anlaufen, dann kann man sie auch platzen lassen. Da Eshkol das alles nicht gemacht hat, gibt es halt die guten Israelis die wie ein Wanderpokal durch deutsche Medien gereicht werden und dem größten Antisemiten auch noch erklären, dass er ja nur ein kritischer Freund eines kleinen Landes ist. Avnery zum Beispiel hätte 1962 auch erklärt, dass Eichmann nur ein Gefangener des Systems gewesen ist und gar nicht anders konnte, als Rädchen im Getriebe, die Endlösung bürokratisch zu planen.

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One Comment leave one →
  1. Dezember 20, 2008 12:58 pm

    Ein interessanter Einblick in die jüngste Geschichte Israels.
    Ich bedaure nur die viele Polemik in dem Artikel, da ich da dann sehr viel Wut wahrnehme, aber gleichzeitig die Seriosität des Schreibers anzweifle und dies schadet dann wohl wiederum dem Frieden im Nahen Osten.
    Hannah Arendt hat von Eichmann in Jerusalem von der Banalität des Bösen geschrieben. Eine sehr treffende Bezeichnung.

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