God save the Queen

Auf der Achse des Guten hat David Harnasch einen Werbespot mit John Lydon verlinkt.

Johnny Wer? Wird man jetzt fragen, aber wer ihn kennt, den wundert nichts mehr. John Lydon, besser bekannt als Johnny Rotten ist mittlerweile 52 und nicht nur ein bisschen alt, sondern auch ein bisschen dicklich geworden -liegt vielleicht an der Butter. Der Werbespot zeigt mir zumindest wie schnell die Zeit vergangen ist und wie alt man geworden ist.

1973 beschlossen Steve Jones, Paul Cook und Warwick Nightingale eine Band zu gründen, was im damaligen England nichts ungewöhnliches war. 1974 stieß dann der geniale Glen Matlock zur Gruppe, denn was ist eine Band ohne jemanden, der auch in der Lage ist einen Song zu schreiben. Nachdem dann Malcolm McLaren 1975 die Gruppe als Manager übernahm und John Lydon als Sänger zur Gruppe stieß suchte man noch nach einem „griffigen Namen.“ McLaren, der schon alles mögliche gemacht hatte und als Modedesigner in London einen Laden namens „Sex“ gegründet hatte stülpte der Band den Namen  „Sex Pistols“ über. Man kann jetzt darüber streiten, ob McLaren die Gruppe erfunden hat. Da allerdings Jones, Cook und Nightingale offensichtlich als „Partyband“ durch die Londoner Szene gezogen sind kann man ihm durchaus zugestehen, dass er den Bandnamen erfunden hat.

Weder haben McLaren, noch die Pistols den Punk erfunden, den gab es schon vorher, aber die Sex Pistols haben dem Punk in Europa zur Explosion verholfen, obwohl man die englischen Verhältnisse, die Punk „salonfähig“ machten, nicht auf den Rest Europas übertragen konnte. Punk war kein Lebensgefühl, Punk war eine Einstellung zum System. Groß Britannien war in den Siebziger Jahren ein wirtschaftlicher Scherbenhaufen. Bedingt durch Streiks und eine hohe Inflation stieg auch die Arbeitslosigkeit, so dass Hochschulabsolventen der Weg in die Arbeitslosigkeit offen stand. Dieses Klima schuf den Punk und zahlreiche Bands die diesen Zustand thematisierten. Zunächst aber dümpelten die Pistols vor sich hin und hatten ihre Auftritte in diversen kleinen Clubs, bei denen die Gage meist aus Freigetränken bestand. Ein Zustand der nicht nur für die Mitglieder, sondern auch für den Manager höchst unbefriedigend waren.

1976 kam ihre Single „Anarchy in the UK“ raus und brachte den Pistols bedingt durch einen Fernsehauftritt einen Achtungserfolg in den englischen Charts ein, sowie einen Rauswurf bei der Plattenfirma EMI, denn bei EMI wollte man schon vom Erfolg profitieren, aber bitte politisch korrekt und nicht mit einer Gruppe die zum Umsturz aufrief. Die Pistols revanchierten sich  auf dem Album „Never mind the Bollocks“ mit dem Titel EMI.

Matlock, der die ständigen Querelen mit Rotten leid war verließ Anfang 1977 die Band und man nahm sich Sid Vicious als Ersatz. Vicious war nicht einfach nur verrückt, laut Insidern war er absolut Bösartig, besonders wenn er auf der Suche nach dem nächsten Schuß war. Für McLaren ein Glücksgriff des „Badboy Image.“ Überhaupt war McLaren zu dem Zeitpunkt ziemlich umtriebig denn kein Plattenlabel wollte die Band unter Vertrag nehmen und zahlte lieber die Abfindung als sich die Finger zu verbrennen. Einzig Virgin war bereit die Gruppe unter Vertrag zu nehmen – schon ein Witz, denn mittlerweile ist Virgin Teil der verhassten EMI. McLaren, dem es eher darum ging genügend Geld zu ziehen, gelang 77 der Husarenritt. Zum 25jährigen Thronjubiläum der Queen charterte er ein Ausflugsschiff und über die Themse dröhnten die Sex Pistols und ihr „God save the Queen.“ Der Skandal war geboren und die Band ab da lebende Legende. Die BBC weigerte sich den Song zu spielen und trotzdem verkaufte sich das Album „Never mind the Bollocks“ sowie das Lied wie geschnitten Brot in England. Es war wohl das erste Mal in der britischen Musikgeschichte das ein Song auf Grund eines Boycotts einer staatlichen Rundfunkstation durch Mundpropaganda so einen Erfolg gehabt hat. Selbst das harmlose „Something Else“ wurde bei „Top of the Pops“ zwar gespielt, die Musiker selbst allerdings durften nicht auftreten und so tänzelte das BBC-Ballett zu den Klängen.

1978 war dann Schluß und die Band löste sich auf. Johnny Rotten, der sich wieder bürgerlich Lydon nannte, widmete sich seinem Projekt P.I.L. und hatte damit einige Erfolge. Persönlich halte ich dabei Rise für ein absolutes Highlight im Schaffen von PiL.

Jones und Cook machten nach dem Ende der Sex Pistols gemeinsame Sache und auf dem Sampler „Flogging of a dead Horse“, der quasi als Sampler zum Film „The great Rock’n Roll Swindle“ erschien, singen sie gemeinsam mit Ronald Biggs und preisen Ian Paisley, Idi Amin und Martin Bormann. Völlig durchgeknallt. Vicious ging in die USA und brachte erst seine Freundin und dann sich um, hinterließ zwei Lieder und ging den Weg allen irdischen.

McLaren wurde von den Pistols erfolgreich verklagt, was ihm aber nicht viel machte denn er hatte ein Gespür für musikalische Trends. Erst machte er den HipHop bekannt, ging dann in die Oper und machte Vogue zusammen mit Bootsy Collins populär und brachte in diesem Zusammenhang zwei Meisterwerke auf den europäischen Markt: Deep in Vogue und Waltz Darling.

Lang ist das alles her, aber da der Titel „God save the Queen“ lautet, sollte man natürlich auch die Pistols zu Wort kommen lassen und wenn es stimmt das sich Cook, Jones und Lydon wieder ganz lieb haben, dann werden die alten Männer demnächst wirklich ein Album veröffentlichen, man darf also gespannt sein.

Aber hier jetzt…..The Sex Pistols „God save the Queen“

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2 Gedanken zu “God save the Queen

  1. „Never mind the Bollocks – here´s the Sex Pistols“ ist eines der besten Alben der Rockgeschichte. Da kann Johnny „Rotten“ werben, wofür er will, das ändert nix mehr daran. Nur Neil Young, der ja die famosen Zeilen sang:

    Ain’t singin‘ for pepsi
    Ain’t singin‘ for coke
    I don’t sing for nobody
    Makes me look like a joke

    und der einst sogar Herrn Lyndon mit den Zeilen „The king is gone but he´s not forgotten / This is the story of Johnny Rotten“ unsterblich machte, wird mit einer gewissen Verachtung auf das ehemalige Musikphänomen blicken….

  2. Ich habe mir das Album damals von meinem Taschengeld gekauft, sehr zum Unwillen meiner Eltern und der Mitschüler -die hörten eher so Slade, Bay City Rollers, Kiss oder Supertramp-, dann in den Achtzigern verliehen und da war es für mein Album. Irgendwann habe ich dann eine CD gefunden und erworben. Flogging of a Dead Horse habe ich 80 oder 81 gekauft und steht zum Glück noch im Schrank, natürlich neben dem Album Genesis Live von 1975.
    Die Pistols sind auf jeden Fall mit diesem Album in den Olymp aufgestiegen, denn komischerweise erinnert sich jeder aus meinem Umfeld an das Album.

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