Sporadisch

Zu schreiben und zu sagen gäbe es genügend, aber da ich nach dem Tod meiner Mutter im letzten Monat immer noch mit der Auflösung der Wohnung beschäftigt und mich langsam mehr und mehr wundere, wird es im Moment auch weiterhin nur sporadisch zugehen.

Gewundert habe ich mich Gestern über die „Eingliederungsmaßnahme“ von Arbeitslosen. Ich weiß ja nicht wie das in anderen Städten mit diesen Sozialkaufhäusern funktioniert, wo aus Haushaltsauflösungen Möbel und Kleidung angeboten wird. Hier mußte ich mir anhören, was meine Eltern eigentlich für einen Schrott gekauft haben. „Nee, Herr Taylor, also so einen massiven Wohnzimmerschrank den kriegen wir ja nie verkauft und die Kleinmöbel, na also ich weiß nicht – Herr Taylor stand doch etwas verwundert da -, was sollen wir denn mit den Betten? Und überhaupt.“ Wenigstens erbarmte man sich und nahm die Kleidersäcke mit, so habe ich mir einen Weg erspart und muß mich nicht mit überfüllten Humanacontainern rumschlagen. Einer dieser Mitarbeiter sah etwas seltsam aus und ich ich will ja nichts sagen, wurde aber den Verdacht nicht los, dass er nach der Arbeit in Bomberjacke und Springerstiefel schlüpft und auch den einen, oder anderen markigen Spruch loslässt. Sein Blick verriet schon, dass Ausländer nicht unbedingt zu seinen Freunden zählen. Aber ok, das tangiert mich natürlich nicht und auch sein Sozialkritischer Kommentar.

Alles in allem waren die trotz der Tatsache, dass sie wenig Lust hatten, noch ganz in Ordnung. Seltsamer mutete ein Interessent an, der mir offen erklärte, er wäre auf Hartz IV, bekäme eigentlich die Sachen geschenkt und würde diese dann auf dem Flohmarkt verkaufen. Die Leute wären da immer mit einverstanden, denn schließlich hätte er ja den Aufwand, sprich mieten eines Kleintransporters, ausräumen der Wohnung und erwähnte nebenbei, was er da noch Schätze gefunden hätte. Ich mochte gar nicht erst fragen, ob die ARGE auch von seinen Freizeitaktivitäten weiß, denn ich konnte mir nicht vorstellen, dass er, außer seinem 1 Eurojob, mehr angeben würde. Bei vielem fragte er, ob er das geschenkt haben könnte und dackelte, nachdem ich mich erbarmte und ihm ein Modellauto, sowie ein altes Radio schenkte, wieder vom Hof. Stieg in seinen gebrauchten Kombi und ward nie wieder gesehen.

Gut, nutzt man halt die Gelben Seiten und sucht…richtig, Entrümpelungen. Während eine Firma permanent nicht erreichbar war, erklärte mir eine Firma, sie wüden nur ausgesuchte Stücke nehmen und das wäre nicht dabei, „ham‘ Sie nicht was aus’m Biedermeier? Oder so alte Gläser? Ach alte Bücher! Ach nee, wenn „Mein Kampf“ nicht dabei ist, damit locken Sie keinen hinterm Ofen vor, aber so Nazisachen die laufen trotzdem prima. Ach, haben Sie nicht, achso Landserbände im Keller, aus der Kindheit noch, nee. Irgendwie so Erstausgaben? Nee, dann ist das nichts.“ Und eine weitere Firma erklärte direkt am Telephon wie teuer das alles wird und man könnte frühestens im September mal vorbeikommen.

Eigentlich wollte ich ja danach im OBI eine Axt besorgen und alles kurz und klein schlagen, jetzt werde ich aber meine Garage vollpfropfen und wenn mein Nachbar samt Auto auf die Straße muß, interessiert mich nicht.

Nett war auch der Vermieter. Meine Eltern haben 38 Jahre in der Wohnung gewohnt und das Haus wahrscheinlich ein paar mal abbezahlt -Mein Vater hatte mal nachgerechnet und kam zu dem Schluß, dass er für das Geld auch die Burg Eltz hätte käuflich erwerben und renovieren können-. Eine Woche nach dem Tod meiner Mutter erklärte der Vermieter er hätte schon einen potenziellen Nachmieter und hat sich dann schon mal die Schlüssel geben lassen.

Aber ich gebe nicht auf und bestimmt schreibe ich auch wieder regelmäßig.

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3 Gedanken zu “Sporadisch

  1. Hallo,

    zu den Sozialkaufhäusern:

    In unserer Stadt nehmen Caritas und Diakonie alles. Und falls die keinen Verwendung haben sollten (was ich noch nicht erlebt habe) gibt es noch andere Einrichtungen, die das gerne übernehmen.

    Ich stöbere übrigens selbst auch gerne in den „Kaufhäsusern“ der Caritas/Diakonie, weil ich da viele Dinge finden kann, die in sehr gutem Zustand sind. Und man trifft interessante Leute…

    Grüße
    Bernd

  2. Hallo Bernd,

    hier gibt es das von einem sozialen Träger und die waren absolut uninteressiert. Diakonie wäre noch ein Tip, aber da rufe ich am Besten im Nachbarort an, bevor ich, wie Jack Nicholson die Axt aus dem keller hole und Brennholz mache.
    Am meisten gekekst hat mich ja, dass ich mir die Füße platt gesessen habe, die dann irgendwann außerhalb des Zeitfensters aufschlugen und nach 5 Minuten verschwunden waren.

    Ich mag das Kaufhaus eigentlich auch, habe da mal einen wunderschönen Schreibtisch aus dem Art Deco entdeckt, aber leider keinen Platz gehabt..heul.

    Viele Grüße
    Taylor

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