Teuerungsrate

Seit meiner Kindheit mag ich französische Autos. Ich war damals 6 Jahre alt, da verliebte ich mich in eine Eiergelbfarbene Renault Dauphine. Ich wurde zwar von den anderen Kindern ausgelacht, aber das war mir egal und zeigt, schon damals hatte ich einen gewissen francophilen Hang.

Lange Zeit fuhr ich einen Renault und war top zufrieden mit meinem Töff-Töff. Belmondo, so hieß mein Gefährt, brachte mich kreuz und quer durch deutsche Lande und das europäische Ausland ohne murren. Sogar die berüchtigte A21 vom Steinhäusl nach Vösendorf meisterte er ohne Probleme. Da wo sogar tschechische Lastwagen eine Rauchbombe hinter sich herzogen und wimmernd liegen blieben, zog er ohne zu zögern den Berg hoch. Leider mußte ich den dann verkaufen und nutzte die Vorzüge eines Firmenwagens mit dem Stern auf der Motorhaube. Gut, man war in nullkommanullnix in Frankfurt, aber irgendwie fehlte das gewisse Etwas.

Anfang diesen Jahres schlug ich dann zu und kaufte mir, alle schüttelten nur den Kopf, einen Citroen älteren Baujahres. Gaston, in Anlehnung an Gaston La Gaffe, ist zwar alt, aber er hat Charme, außerdem ein Franzose. Gut nicht so rassig wie ein Alfa, oder ein Fiat und auch nicht so ein Gentleman wie ein Jaguar, aber er fährt…..ok er fuhr bis letzte Woche.

Letzten Montag waren Gaston, mein Hund und ich unterwegs. Wir hatten ein fröhliches Lied auf den Lippen als Gaston plötzlich ein seltsames Geräusch von sich gab. Es machte nur tsing, britzl, zisch, wiiii und umpfh. Ich also sofort rechts ran und nachgeschaut. Nach kurzem Blick stellte ich fest, „Sch… Keilriemen gerissen.“ Zum Glück war es kurz vor meinem Haus und Gaston schaffte es, wie die Protagonisten der Formel 1, noch in die Garage. Am nächsten Tag natürlich die Werkstatt über den Infarkt informiert und mal so gefühlt was denn die Reparatur eines Keilriemens kosten würde. Nach kurzem Schweigen kam die Antwort, „100€, halbe Stunde warten.“ „Wow,“ dachte ich und brachte am nächsten Morgen Gaston dorthin. Der Meister nur so, „so das war dann jetzt alles und ich schau mal kurz auf Ihr Auto Herr Taylor.“

Mir schwante schon übles als er erst nach 15 Minuten wiederkam. Er so, „äääähhh, ich glaub es wäre ganz gut…also wenn Sie mal kurz kommen könnten.“ Ich so, „jetzt sagen Sie nicht Schnuffibär ist platt.“ Und er so, „äähh, Schnuffibär? Nee, nee kommen Sie einfach mal mit.“

Ich bin dann hinter ihm her und er macht dann mit Bedutungsschwerer Miene die Motorhaube auf. „Schauen Sie mal“ und zeigt mit dem Finger in den Motorraum. Ich folgte also dem Finger und er fing direkt an zu erklären, „also, das ist der Keilriemen…also da hat der mal gesessen. Der hat dann den Zahnriemen beschädigt und -dabei legte er einen Blick auf als wollte er sagen, „Alter, is‘ besser, wenn’ste dem Motor ’ne Kugel durch Block jagst“- wenn Sie hier mal schauen unten einen Teil der Motorabdeckung beschädigt.“ Eigentlich hätte ich einen Schnaps gebraucht, um das zu verdauen. Aber ich war tapfer und habe nur gefragt, „wieviel?“ Er so, „wieviel was?“ Ich so, „was kostet das.“

Sofort wieselte er in’s Büro, bediente virtuos die Rechenmaschine und blätterte mit der freien Hand in irgendwelchen Ordnern. Dann erhellte sich sein Gesicht und gab mir eine Hausnummer, „das würde 350€ kosten.“ Ich überschlug das ganze kurz, von 100 auf 350, auch nicht schlecht und gab grünes Licht. Er noch, „also die Sachen müssen wir erst bestellen. Wenn Sie Glück haben is‘ der Wagen Freitag fertig.“ „Geil,“ dachte ich, „Tauwetter für Dicke und das Auto kaputt.“ Laufen in der Gluthitze dreimal am Tag, damit der Wuff sein Geschäft erledigen kann. Wir haben zwar den Wald fast hinter dem Haus, müssen halt immer laufen und sobald der Hund stehen bleibt, sieht man sofort die Hausbewohner hinter den Gardinen hervorschauen, „Einen Haufen Alter und Du bist tot. Und wehe die Töle pisst dahin, dann Kopf ab.“ Also immer einen Dauerlauf einlegen und während der Hund sich die Latschen im Bach kühlt schwitzt man vor sich hin.

Während ich mich auf die autolose Zeit eingerichtet hatte wurde mein Hund immer unzufriedener und warf mir verschlagene Blicke zu. Freitags kam dann der erlösende Anruf dass das Auto noch nicht fertig sei, weil noch ein Bauteil fehlt, ok kein Problem. Wochenende auch ohne Auto und Einkäufe schleppen. Am Montag rief die Werkstatt an und erklärte triumphierend dass das Auto noch nicht fertig sei und, also man will ja mal nichts sagen, aber wenn schon dabei ist müßte man eigentlich auch die Wasserpumpe tauschen, also die sei da und es wäre ja nur ein Handgriff, praktisch im Vorbeigehen. Wäre auch nicht viel teurer, nur 100€ Euro mehr, dafür aber ein fast neuer Motor und, das dürfte ich ja nicht vergessen, ist die Wasserpumpe nicht mehr die Beste und wenn der Riemen mal so richtig zieht, dann könnte die Pumpe kaputt gehen. Was heißt kaputt, die wäre glatt im Stande und würde die Motorhaube durchschlagen, dann das Fenster……den Rest wolle man jetzt nicht so sagen, „wollen Sie mal ein paar Bilder sehen?“

Heute war der Wagen fertig. Ich dahin und danach um 450€ ärmer. Das nenne ich mal Teuerungsrate. Dafür läuft der Wagen aber wieder wie eine Eins. „Ach Herr Taylor, wollte ich nur mal anmerken, in 3 Monaten is‘ ja TÜV und da müßten noch so diverse Kleinigkeiten gemacht werden. Wirklich nichts Großes, soll ich Ihnen das mal eben ausrechnen?“

Mal schauen welcher Endbetrag in 3 Monaten am Ende rauskommt, sind nämlich alles nur Kleinigkeiten, schnell gemacht und quasi im Vorbeigehen. Vielleicht schaue ich mal nach einem günstigen Schrauber der das dann erledigt. Wollte ich nur mal eben anmerken.

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