Aber Hallo!

Die SZ gehört für mich zu den Zeitungen in Deutschland, bei denen ich immer den Eindruck habe, da sitzt jemand im Keller und würfelt die Orakelsteine. Gerade bei außenpolitischen Themen werde ich das Gefühl nicht los. Vielleicht bin ich aber zu subjektiv und die Jungs und Mädels machen einen prima Job, schließlich ist es nicht ganz einfach, komplexe politische Themen mit Hilfe von Wiki, Meyer’s Lexikon, Märchen für Erwachsene und dem Buch „Wie werde ich Hellsichtig in 30 Tagen“ in die Zeitung zu bringen. Da muß man echt hart für arbeiten. Und weil das nicht immer ganz leicht ist und die Auslandkorrespondenten lieber in Sonne liegen, hat man das Outsourcing für sich entdeckt. Outsourcing ist cool, da muß man nicht selber schreiben, nein da lässt man andere schreiben. Clever, gell?

Und weil die SZ anders als andere Medien ist, hat man sich überlegt, man läßt da mal einen Ami was schreiben. Aber nicht so einen Doofkopp wie den Bush, weil den findet man blöd, sondern so einen richtig coolen Amerikaner, den alle lieb haben, also auch die, die alles Böse in den USA verorten und glauben, in Area 51 sitzen ein paar Aliens und spielen Schach -was die Amis aber nie zugeben würden. Und da Bill Clinton zur Zeit mit Hillary die Magical Mystery Tour absolviert, hat man sich einen Native American gesucht. Jemanden den wirklich alle lieben, also die Leser der SZ in Deutschland, der nicht so grinst wie der Lama und der ständig in der Welt rumreist und überall Frieden macht. Außerdem war er Präsident, mag die Israelis nicht -und Juden wahrscheinlich gleich gar nicht und dazu noch Friedensnobelpreisträger. Die besten Voraussetzungen also das zu sagen, was man hier ja nicht sagen darf, geschweige denn schreiben.

Und so bekam der senile alte Tattergreis Jimmy Carter das Privileg der Welt zu erklären, wie die Lage im Nahen Osten aussieht. Nun gehen andere Renter Tauben vergiften im Park, nerven arme Jugendliche, oder betreiben Internetportale. Jimmy ist da aus einem ganz anderen Holz geschnitzt und sein Alter ermöglicht es ihm auf Seniorenkarte durch die Welt zu fliegen. „Die Tragödie der Palästinenser“ erinnert irgendwie an Secret TV wenn man auf Seite 1 lesen kann, „Lesen Sie auf der nächsten Seite, was Jimmy Carter bei einem Treffen mit Führern der Hamas erfuhr und welches Vorgehen er für Gaza empfiehlt …“

Viel ist es nicht, wenn man schon den ersten Teil gelesen hat. Also in der Kurzfassung, Israel alles Völkermörder, Gaza völlig unterdrückt und Menschen liegen verhungert in den Straßen -wobei ich mich immer noch wundere, wenn ich arabisches Fernsehen schaue, wieso die Menschen im Gaza alle so wohlgenährt sind? In den Siebzigern hat man uns Kindern immer Bilder von Biafra und Vietnam gezeigt, die sahen nicht so propper aus-. Bombenterror darf auch nicht fehlen, weil mit Bombenterror kennt man sich in Deutschland prima aus. Die waren zwar nicht dabei, aber wenn schon erzählt wird wie das in Dresden war, dann weiß der informierte Leser sofort Bescheid. So schreibt er, „Israelische Bomben und Raketen schlagen in regelmäßigen Abständen in dem umschlossenen Gebiet ein und verursachen gleichermaßen hohe Verluste unter militanten Kämpfern und unschuldigen Frauen und Kindern.“ Richtig Jimmy! Jeder Israeli baut in seinem Keller mal eben eine Rakete zusammen, weil die IDF es irgendwie nicht schafft der Lage Herr zu werden und fährt eben schnell mit der Familie an die Mauer, auch das Bollwerk genannt, zum Gazastreifen und schießt zur Belustigung ein paar Raketen über den Zaun.

Aber er ist natürlich nicht einseitig und war auch in Sderot. Da ist natürlich die Lage eine ganz andere, „Bei einer vor kurzem abgeschlossenen Reise durch den Nahen Osten habe ich versucht, ein besseres Verständnis der Krise zu gewinnen. Einer meiner Besuche galt Sderot, einer Gemeinschaft von etwa 20.000 Menschen in Südisrael, die häufig von aus dem nahe gelegenen Gaza abgeschossenen rudimentären Raketen getroffen wird.“ Häufig ist halt nicht regelmäßig, kann auch hin und wieder bedeuten. Und die Raketen sind ja wohl ein Witz, da ist Opa Emmerichs V2 Rakete, die er Sylvester 1999 vom Stapel ließ, schon ein ganz anderes Kaliber. Pflichtbewußt verurteilt er natürlich die Angriffe, um dann die Opfer in Sderot als belanglos hinzustellen. 13 Opfer in Sieben Jahren. Was ist das schon, soviel sterben in New York in 10 Minuten und im Gaza alle sieben Sekunden, allein durch den regelmäßigen Raketen- und Bombenterror. Nun haben seit 2005 4000 Raketen Sderot getroffen. Und nicht nur war die Zahl der Toten höher, sondern auch die Zahl der Verletzten, aber da kann man Israel froh sein, wenn so eine Lichtgestalt schon den Terror die Angriffe verurteilt.

Auf der zweiten Seite schreibt Jimmy dann wie er sich mit den Vertretern der Hamas getroffen hat und so richtig böse wurde.

In der Folge traf ich mich mit Führern der Hamas, und zwar sowohl mit einer Delegation aus Gaza als auch mit Vertretern der obersten Führung in Damaskus, Syrien. Ich äußerte ihnen gegenüber dieselben Vorwürfe und drängte darauf, dass sie einen einseitigen Waffenstillstand erklären oder mit Israel eine gegenseitige Vereinbarung abstimmen sollten, um für einen längeren Zeitraum alle Kampfmaßnahmen in und um Gaza einzustellen.

Und als dann die Antwort kam, da war der Jimmy aber froh, besonders nachdem man ihm die Lage in Ganz Palästina, also in den Gebieten, die man so gerne hören möchte, erklärten

Ihre Antwort war, dass frühere derartige Maßnahmen ihrerseits nicht erwidert worden seien, und sie erinnerten mich daran, dass die Hamas zuvor auf einem Waffenstillstand für ganz Palästina – also für Gaza und das Westjordanland – beharrt hatte, den Israel abgelehnt habe. Die Hamas habe dann einen öffentlichen Vorschlag für einen gegenseitigen, auf Gaza beschränkten Waffenstillstand gemacht, den die Israelis in Erwägung gezogen, aber dann ebenfalls abgelehnt hätten.

Ja, das ist so wie die Geschichte mit den Blümchen und den Bienen und das glaubt der Jimmy, denn schließlich hätten ja alle arabischen Staaten sich zur uneingeschränkten Anerkennung Israels bereit erklärt. Wo das denn sein soll weiß ich nicht, aber vielleicht gibt es ja auch andere Araber, oder man hat ihm erklärt das ein Araber irgendwo Israel anerkennt. Die Hamas macht das zwar nicht, aber das ist ja alles nur ein Übersetzungsfehler, kennt man ja vom Mahmoud, der meint ja auch nicht alles was er sagt, selbst wenn darauf drängt.

Und darin erkennt er dann Fortschritte, auch wenn die, um die es eigentlich geht, nämlich Hamas, keineswegs Israel anerkennen wollen und einen Gottesstaat vom Libaon bis Eilat auf israelischem Gebiet errichten möchten. US-News hat Jimmy Carter auf Platz 11 der schlechtesten amerikanischen Präsidenten gesetzt, American Thinker hat ihn zum Primus Interpares erklärt und das mit Recht. Das einzige was ich ihm zu Gute halte, in einem Wirtschaftprojekt verhalf er mir zwar nicht zu einer guten Note, aber zu einer Menge virtuellem Geld. Unter seiner Regierung war der Dollar so schwach, dass ich die Aufgabe, 100.000 DM sinnvoll zu investieren -Aktien- in Dollar investiert habe und da dies vor der Präsidendtschaftswahl gewesen ist, habe ich kurz nach Reagens Sieg meinen Einsatz verdoppelt.

Interessanter als Carters Artikel werden aber die Kommentare. Man hat den Eindruck, es wären die Gullideckel geöffnet. Neben Pseudoarabern, die im Gaza ein- und ausgehen-oder dort leben-, sowie die Flüchtlingslager der Westbank aus dem FF kennen, gibt es natürlich die Teilnehmer, die jetzt endlich mal das sagen können, was sie vorher nie sagen durften und immer die Furcht hatten für ihre Äußerungen irgendwann, wenn nicht getötet, aber zumindest in Guantanmo landen würden. Die haben zwar schon vorher ihren Blödsinn geäußert, aber irgendwie nimmt die Bedrohung jedesmal zu und da ist man natürlich froh, wenn ein Ausländer das sagt, was sie schon seit 33 wissen. Die größte Bedrohung geht vom Juden aus. Das wußte schon der Adolf und wurde dafür ja auch ermordet. Und natürlich darf das Lob an die SZ nicht fehlen, die sich der jüdischen Lobby so wacker entgegen stellt, schließlich sind die Medien natürlich alle manipuliert und schon so mancher Journalist fand sich, verschnürt als Päckchen, auf dem Grund der Isar, des Rheins, der Weser, oder Spree wieder, wenn er die „unangenehemen Wahrheiten“ aussprach.

Und selbstverständlich muß ja mal irgendwann Schluss sein mit dieser Holocaustkeule, schließlich sind die israelis ja noch schlimmer als die Nazis. Da sind so einige Kommentatoren richtig froh und stricken insgeheim schon an der Legende, wenn Jimmy Carter nichts mehr schreibt, oder irgendwann stirbt. Daran kann dann nur der Jude schuld haben, anders geht es in Deutschland irgendwie nicht.

Ist halt immer das Gleiche.

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6 Gedanken zu “Aber Hallo!

  1. Servas Lindi :-)),

    vielen Dank für Dein Lob. In Felix Austria sind die Kommentarzeilen ja auch wieder voll von den „Allwissenden.“ Ich habe da immer den Eindrucl, als hätte man das Forum von austria.com auf die Zeitungen übertragen.

  2. Jimmy Carter ist vielleicht (wohlwollend gesprochen) ein naive American, aber sicherlich kein (in der politisch korrekten Bedeutung des Begriffes) „Native American“. Wäre er einer, würde das die Autorität von Häuptling Taube Erdnuss als Anwalt der Opfer US-zionistischer Ausrottungspolitik immens erhöhen.

    Ist schon mal jemandem aufgefallen, wie sehr die Nobelpreise bestimmter Kategorien in letzter Zeit auf den Hund kommen?
    Literaturnobelpreis: Elfriede Jelinek
    Friedensnobelpreis: Jimmi Carter, Jassir Arafat, Mohammed el-Baradei. Wobei ich zugebe, dass niemand wissen konnte, wohin Carter sich noch bewegen würde, als er damals das israelisch-ägyptische Friedensabkommen initiierte.

  3. „Wäre er einer, würde das die Autorität von Häuptling Taube Erdnuss als Anwalt der Opfer US-zionistischer Ausrottungspolitik immens erhöhen.“

    Welche Opfer meinen Sie? US-Zionistisch, meinen Sie eventuell damit die USA und Israel (just for the record)? Und wer wird Ihrer Meinung nach „ausgerottet“?
    Den Friedensnobelpreis hat Carter ja im Grunde für gar nichts bekommen, denn das Friedensabkommen hat er nicht initiiert, auch wenn dies immer wieder behauptet wird.

  4. @ Taylor:

    Bei den Opfern US-zionistischer (= US-amerikanischer und israelischer) Ausrottungspolitik handelt es sich in des Häuptlings Augen und in den Augen mit ihm Gleichgesinnter sowie derer, die sein Treiben propagandistisch verwerten natürlich um die Palästinenser (und nicht etwa die amerikanischen Ureinwohner).

    Ich selbst sehe das nicht so. Mir ist auch diese Diktion nicht zu eigen. Vielmehr benutze ich die Phrasen der USA- und Israel-Feinde in ironischer Absicht.

  5. Hallo Abdul_Alhazred,

    die Bezeichnung von mir war bewußt gewählt. Man liebt Typen wie Carter denen man „Bodenständigkeit“ unterstellt. Was mich immer sehr wundert, dass jetzt genau die Leute Carter zujubeln, die ihn während seiner Amtszeit in Bausch und Bogen verdammt haben. Besonders sein Engagement in Teheran, Operation Eagle Claw und seine eher halbherzigen Bemühungen, waren für manche ein Affront. Besonders die Pseudolinken, die in Chomeni einen neuen Lenin sahen, verfluchten Carter. Und Heute rollen sie ihm den Teppich aus.
    Das Problem der Palästinenser ist, dass sie in sich selbst gefangen sind und von einer korrupten Bande von Schwachköpfen in einem Daueropiumrausch gehalten werden. Zu dieser Situation verhilft auch dieser alte und völlig senile Carter, wenn er der Hamas unterstellt wie lieb die sind.

    Was den Nobelpreis für Frieden betrifft. Man braucht nur ein bißchen in der Öffentlichkeit zu stehen, zur richtigen Zeit am richtigen Platz in die Kamera grinsen und dabei ein paar Kinder liebkosen -ganz wichtig eine weiße Taube, zur Not kann man auch ein Meerschweinchen nutzen-, dann muß man noch irgendwas machen, dass die UNO in Tränen ausbricht und schon wird man nominiert.
    Sadat hatte den Preis verdient, aber Arafat?

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