Gejammer

63 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg und 60 Jahre nach der israelischen Staatsgründung gedenken und feiern Europäer sowie Nordamerikaner die Staatsgründung Israels.

Die Nakba, die Vertreibung und Entrechtung eines ganzen Volkes, wird verschwiegen. Im Gegenteil, man hat kein bisschen Verständnis dafür, dass die Palästinenser sich wehren und sich mit dem an ihnen begangenen Unrecht nicht abfinden wollen. Und doch, Unrecht bleibt Unrecht, auch nach sechzig Jahren.

Meint der Fuad Hamdan. Und der kennt sich aus. Der ist nämlich ein authentischer Augenzeuge, d.h. der kann auf einen Flüchtlingslager-Hintergrund verweisen. Das ist in etwa so, wie ein Jude aus Israel mit Holocausthintergrund und einer Aversion gegen Israel. Wird immer wieder gerne genommen und man nimmt diesen Leuten jedes Wort unbesehen ab.

Leider irrt der Herr Hamdan aber und die SZ scheint sich in den heimischen Medien auch nicht so wirklich auszukennen, denn ausgerechnet in Europa ist man immer schnell bei der Hand mit Schuldzuweisungen. Während man Israel in einer Art Bewährungshelfer versucht auf die Sprünge zu helfen, misst man die Araber in den Autonomiegebieten mit völlig anderen Maßstäben. Terroranschläge werden verharmlosend als verzweifelte Aktionen bezeichnet, während gezielte Aktionen der Tzahal gegen die Terroristen zu „agressiven Maßnahmen“ hochstilisiert werden, welche die Spirale der Gewalt in’s Unermessliche steigern würden. Verweigert die Hamas die Durchfahrt von Hilfsgütern in den Gaza, dann trägt daran die Regierung in Jerusalem die alleinige Schuld, denn würden die Politiker in Israel endlich beschließen die Bude zu schließen -einige glauben wirklich bei Israel handelt es sich um eine Art Industriekomplex-, dann könnte man sich in Europa endlich darüber freuen, dass Frieden herrscht auf der Welt. Schließlich gehen alle Konflikte der Welt einzig auf die Gründung des Staates Israel vor 60 Jahren zurück, praktisch die Ur-Mutter aller Konflikte seit Karl dem Großen.

Warum nun die Araber es nie auf die Reihe bekommen haben einen Staat zu gründen, schließlich hatten sie 1947 und von 1948-1967 die Gelegenheit dazu, das erklärt er nicht und das wurde bisher in Europa auch von niemandem hinterfragt. Die Araber in den Autonomiegebieten sind für die Europäer halt immer noch die „edlen Wilden“ aus Karl May, oder aus dem Film „Lawrence von Arabien“. Auch schwebt so manchem die romantische Vorstellung Rodolfo Valentinos vor, wenn er an die Autonomiegebiete denkt.

Hamdan sollte lieber froh sein, denn soviel Zustimmung und Sympathie verteilen die Europäer eher selten. Da müssen die Israelis schon echt schwer dran arbeiten, um in Sachen PR den Nerv zu treffen. Da helfen weder Eis am Stiel noch Bühnenstücke, oder Filme von Ephraim Kishon. Der SZ und dem Durchschnittseuropäer genügt es aber allemal, wenn das Gejammer von der großen Katastrophe angestimmt wird. Besonders in Deutschland erinnert man sich dann gerne an die großen Vertreibungen aus Ostpreußen, Oberschlesien und den Sudeten.

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2 Gedanken zu “Gejammer

  1. Pingback: street art tel-aviv 2008 « Raumzeit Philolog

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