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Pooth in Not

Mai 5, 2008

Und wieder meldet sich eine Bank die Herrn Pooth gerne und freigiebig einen Kredit in Höhe von zwei Millionen Euro gewährt hat. Die Landesbank Rheinland-Pfalz prüft nun, nachdem der Versuch eines Vergleichs gescheitert ist, rechtliche Schritte gegen Franjo Pooth. Auf rund 15 Mio. Euro sollen sich die Schulden belaufen die der „Vorzeigeunternehmer“ produziert hat und damit „mehrere Hundert“ Gläubiger zurückläßt, die nur hoffen können, wenigstens einen Teil ihrer Forderungen ersetzt zu bekommen. Sicher ist das allerdings nicht.

Franjo Pooth, Anhängsel von Deutschlands bekanntester Laberbacke Verona Pooth, ehemals Feldbusch, wollte wohl nicht im Schatten seiner prominenten Gattin stehen und gab sich gern als großer Geschäftsmann der, seine Frau als Aushängeschild nutzend, seine Firma als Product Placement bei verschiedenen Talkshows bewerben ließ und Umsatzzahlen zum Besten gab, die eigentlich jeden seriösen Bänker zum nachdenken hätten anregen müssen. Statt dessen wollte man sich offensichtlich auch ein bisschen im Glanz sonnen, den so ein prominentes Paar mit sich brachte. Ein Bild in der Gala, der Bild, der Bunten, oder ganz tief unten in der Yellow Press. Ob es so sinnvoll ist, in einer Zeitung abgebildet zu werden, die förmlich in den Mülltonnen der Schönen und Reichen wohnen und ihre Leserinnen mit Schlagzeilen erfreut wie, „Prinzessin Máxima: Ist ihre Ehe in der Krise?“ waren offensichtlich für manche, die jedem Mittelständler alle möglichen Steine in den Weg legen, Legitimation genug den Safe zu öffnen. Jetzt ist der Katzenjammer groß.

Man fragt sich ob die wirklich so blöd waren, aber, wenn man sich die Summe anschaut, dann waren sie das. Zwei Millionen aus Rheinland-Pfalz, 1,8 Millionen von der Commerzbank, eine Million von der Sparkasse für, ja für was eigentlich?

2003 gründete Franjo Pooth die Firma Maxfield GmbH die sich dem Vertrieb von MP3 Playern -Max Tiburon-, Telekommunikation -Max Onyx Handy, Max DECT Phone-, Navigation, DVD Playern usw. verschrieben hatte. Progressiv tat man so, als würde man das Rad neu erfinden und sah sich schon als Globalplayer welcher der Firma Apple im Bereich MP3 das Wasser abgraben würde. Dabei, so die CT, waren die Geräte technisch eher Hausmannskost. Mehr als 300% Umsatzsteigerung und 2005 einen Umsatz von 30 Mio. Euro verkündete Maxfield. Das sind Zahlen die anscheinend niemand überprüft hat, auch wenn, laut Bitcom, der Umsatz in diesem Bereich 2006 bei rund 640 Mio. lag, halte ich persönlich den Umsatz für eher utopisch.

Allerdings und daran scheint sich nichts geändert zu haben, sind manche Kreditinstitute irgendwie völlig blind, wenn ihnen einer die schönsten Märchen erzählt. Vielleicht haben sie aber auch gedacht, „wenn es in die Hose geht, die Pooth verdient genügend Geld und kann die Risiken locker abfangen,“ und am am Ende dreht ihnen Verona eine lange Nase, denn sie muß für die kaufmännischen Fähigkeiten ihres Gatten nicht in die persönliche Portokasse greifen. Mich erinnert die ganze Geschichte an die große New Economy Blase Anfang 2000, als so manche Firma sich aufmachte mit Hilfe der Banken die große Finanzwelt zu erklimmen.

Wer erinnert sich noch an die Firma Gigabell? Während der Liberalisierung des Telephonmarktes schossen Firmen wie Pilze aus dem Boden, um der Telekom die Kunden abzuwerben. Eine dieser Firmen war damals die Gigabell in Frankfurt. Gegründet von einem gescheiterten Schlagersänger machte das Unternehmen nicht nur Schlagzeilen, weil es der erste Grabstein der New Economy wurde, sondern zeigte auch, wie manche Bankberater völlig losgelöst mit Geldern umgehen. Daniel David/Rudolf Zawrel hatte zwar kein Konzept, aber eine ungefähre Vorstellung wie seine Firma aussehen sollte. Für die damaligen Banken war das aber alles kein so großes Problem und man gab dem dynamischen Jungunternehmer gerne Kredit. Nicht nur das, pushte man das Unternehmen und erzählte ihm, so richtig top ist man nur, wenn man als Börsennotiertes Unternehmen fungiert. Gerade in dieser Zeit sei das ganz besonders wichtig und schob Gigabell noch ein bisschen Kapital nach, schließlich, so das Kalkül, würde ein Börsengang die Kredite um ein doppeltes wieder einfahren. Es kam wie es kommen mußte. Die Gewinne blieben aus und aus dem Millionengeschäft entwickelte sich ein Millionengrab. Der „Vorstandsvorsitzende“ besorgte sich noch ein bisschen Kapital, „Morgen geht es richtig los“ und schickte, bevor er nach Spanien verschwand, seinen Insolvenzantrag via Fax an das Frankfurter Gericht. Damals war das Geschrei groß und der Insolvenzverwalter Dirk Pfeil fragte sich allen Ernstes wer eigentlich bei den Banken tätig ist. Sein Fazit fiel vernichtend aus

„Ich rätsele noch immer, worin die Leistung der Emissionshäuser besteht.“ Die Kreditinstitute – darunter HSBC Trinkaus & Burkhardt und die DG Bank – sowie PR-Firmen und Berater hätten sich mit immensen Honoraren beim Börsengang die Taschen voll gestopft. Eine vernünftige Buchprüfung sowie eine Betreuung der Unternehmen scheine dagegen zweitrangig. Nur mit Hilfe verbliebener Vorstände, die sich im Streit von Gigabell-Chef Daniel David (bürgerlich: Rudolf Zawrel) lossagten, habe sich Pfeil einen Überblick über die Schieflage verschaffen können.“

Daniel David räumte zwar seinerzeit persönliche Fehler ein, fand es allerdings auch etwas übertrieben, denn schließlich war Gigabell ja nicht besser, oder schlechter als andere Firmen auch.

Das bringt mich auf den Leserbrief eines Mittelständlers der sich 2005 zur einem Artikel über die Schwierigkeiten des Mittelstandes äußerte. Leider kann man den Leserbrief online nicht mehr finden und ich kann also nur aus dem Gedächtnis schreiben, weil ich diesen Bericht sehr bemerkenswert fand.

Der gute Mann besaß einen Betrieb in der Metallverarbeitung. Der Betrieb lief nicht schlecht und war seit einem halben Jahrhundert Familienbetrieb. Sorgen, Nöte, oder Klagen gab es nicht und ein angesehener Betrieb halt in einer kleinen Stadt mit einer netten Bank, nebst Berater. Alles war tutti, auch wenn es einen Engpaß gab, so stand seine Bank doch Treu und Fest zu ihm. Schließlich kannte man die Firma. Irgendwann, das war so Mitte 2005 erhielt die Firma einen größeren Auftrag der nicht nur Arbeitsplätze sichern würde, sondern auch zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen hätte und der Firma, nach einer Flaute, auch wieder einen gesicherten Umsatz verschafft hätte. Allerdings und das war das Problem, ging es um eine Vorfinanzierung der Produktion die den finanziellen Rahmen überstieg. Also verschaffte man sich einen Termin bei seiner Bank, schließlich war man ja schon seit einer Ewigkeit Kunde, und außerdem versprach einem die Mittelstandsfinanzierung ja auch Hilfe bei solchen Dingen. „Ja, man ist ja zufrieden, dass sich der wackere Unternehmer sofort an seine Bank wendet,“ ließ man andeuten, „aber er müsse ja auch bedenken, dass es sich bei dem Auftraggeber um ein ausländisches Unternehmen handele,“ und darüber, so die Argumentation, habe man ja gar keine Details und außerdem,“ wäre ja in den letzten Monaten ja auch nicht alles Gold im Unternehmen gewesen, da müsse er schon Verständnis dafür haben dass man so ein riskantes Unternehmen ablehnen würde. Aber als Kunde wäre er immer willkommen.“ Zwei Tage später bestellte man ihn in einem persönlichen Brief ein, damit man ein paar Dinge der geschäftlichen Zusammenarbeit klären könne. Im Glauben, man hätte sich das noch einmal überlegt wurde der gute Mann bei seiner Bank vorstellig und man teilte ihm mit es wäre doch besser, er würde sich nach einer anderen Bank umsehen und kündigte ihm kurzerhand das Geschäftskonto. Ich weiß gar nicht mehr, ob er den Auftrag ausführen konnte. Bezeichnend finde ich die Kriterien die bei Kreditvergaben an Mittelständler oder Existenzgründer angelegt werden. Je hochtrabender die Pläne und je glanzvoller der Name setzen bei den Banken die Alarmsirenen völlig aus und man finanziert jede Luftblase. Nachher ist der Jammer groß und ist um Schadensbegrenzung bemüht. Vor allem ist man, wie der gefeuerte Sparkassenchef, sehr entäuscht -Wer so dämlich ist, sollte nicht entäuscht sein-.

Verona ist eher wütend, denn Ehe und Geschäft sind zwei verschiedene Dinge. Und ich sehe mich in meiner Einschätzung bestätigt was deutsche Banken angeht. Allerdings plädiere ich, wie im Fall Schneider, Schmider, oder jetzt auch Pooth dafür, dass man die Akteure straffrei läßt. Denn wer so fahrlässig wie die Banken mit Geld umgeht und Mittelständler fast um die Existenz bringt, bei windigen G’schaftlhubern aber alle Hebel in Bewegung setzt um diese mit Finanzmitteln zu versorgen, der sollte sich vielleicht mal einem Verhaltentüv unterziehen. Aber der nächste Skandal, oder das Skandälchen dürfte nicht lange auf sich warten lassen.

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