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Von Zäunen und Mauern

April 1, 2008

In den Kommentaren der FdoG stieß ich auf folgenden Kommentar.

Die Deutsche Leitkultur, wie die Israelische, geht davon aus, dass man Probleme mit Mauern lösen kann. Beide irren. Die Mauer von Jerusalem, 3 mal so hoch wie die Mauer von Berlin ist eine Schande für die Menscheit.

Das Problem dieses Zeitgenossen kann man allgemein beobachten. Mauern nimmt man allenfalls selektiv wahr und ist sofort Feuer und Flamme, wenn man Israel in Sachen Schutz seiner Bürger Menschenrechtsverletzungen unterstellen kann. Dabei vergisst man dass der Zaun -es ist keine Mauer- den Schutz der Bürger Israels vor Selbstmordattentätern gewährleisten soll und das macht er

Inzwischen spricht die Allgemeine Israelische Sicherheitsbehörde Shabak von einer „signifikanten Reduzierung“ von Selbstmordanschlägen, seit mit dem Bau der Sperranlage begonnen wurde.

Im Klartext sind die Selbstmordattentate auf Null zurückgegangen und hat damit seinen Sinn erfüllt. Nun sieht aber der Europäer und in diesem Fall ein Deutscher die Welt sehr selektiv. Letztes Jahr hieß es bei den Waisen von Zion

„Er wurde 2006 auf sechs Meter erhöht, ein Bauwerk aus Stahl, Beton und Stacheldraht: Alle 40 Meter ein Wachturm, Richtmikrophone, Scheinwerfer, eine Tränengasanlage, bis zu 1200 Grenzwachen und Militär.“

Damit war nicht der Zaun in Israel gemeint, sondern ein Bauwerk, dass bei den meisten Europäern völlig unbekannt sein dürfte und auch von keinerlei Interesse ist. Die Grenze der EU in Ceuta und Melilla ließ sich die EU 60 Mio. € an Steuergeldern kosten.

„Er ist acht Meter hoch und als Zwilling angelegt: Wer den ersten Zaun überwinden konnte, hat vermutlich genügend Aufmerksamkeit auf sich gezogen, dass man ihn am zweiten fassen kann. Auch für stärkere Anstürme ist er gerüstet; als vorigen Oktober mehrere Tausend Flüchtlinge ihn niederwalzen wollten, wurden acht von ihnen erschossen. Das erledigte die marokkanische Polizei, und wiederum klingt es zynisch und ist es nicht, zu sagen: für uns. „

Beschreibt im letzten Jahr die Süddeutsche das Bauwerk und stellt völlig zu Recht fest, „Auf welcher Grundlage – fragt nicht ohne Recht, aber auch nicht ohne Heuchelei die Regierung des Staates Israel – kritisiert die Europäische Union, die einen solchen Zaun errichtet, den israelischen Schutzwall gegen die Palästinenser? Wer immer einen Zaun baut, kann auf einen anderen zeigen, der es auch tut.“ Wobei es sich bei der Frage Israels nicht um Heuchelei handelt, aber eine Prise „Israelkritik“ muß ja in deutschen Medien immer mitschwingen, denn der Zaun verhindert ja keine Attentate, sondern soll unliebsame Menschen, die man in Europa nicht haben will, draußen halten und das läßt man sich halt was kosten.

Im Gegensatz zum israelischen Zaun, den man gerne auch Menschenrechtsverletzung seitens der israelischen Regierung sieht und lautstark nach Gerichtshöfen, oder UNO ruft, damit diese Israel doch endlich mal in die Schranken weist, geht die EU an ihrer Außengrenze nicht gerade zimperlich vor und scheert sich seinen Dreck um die Menschenrechte.

Nachdem 2005 bei dem Versuch die Grenze zu überwinden fünf Menschen den Tod fanden, forderte die EU-Kommission die Möglichkeit einer legalen Einwanderung in die Europäische Union. Davon ist bisher nur die Forderung erhalten. Im Gegenteil versucht man das „Problem“ vor Ort zu lösen und unterstützt die marokkanischen Behörden durch Geldzahlungen und Kredite, damit man von den Flüchtlingen unbehelligt bleibt.

Pro Derechos Humanos de Andalucia hat sich die Mühe gemacht und versucht die Flüchtlingsdramen in die Öffentlichkeit zu bringen.

Wie viele Menschen diese Überfahrt nicht überleben, kann nur geschätzt werden, denn nicht alle Todesopfer werden gezählt, da sie häufig unbekannt bleiben. Aber nicht alle sterben unbemerkt, und so gab die spanische Menschenrechtsorganisation APDH (Pro Derechos Humanos de Andalucia) die Zahl von Toten an, die bekannt sind. Insgesamt 921 Menschen überlebten die Überfahrt nicht. 732 mussten ihre Flucht bereits kurz nach dem Start an der afrikanischen Küste mit ihrem Leben bezahlen. 189 starben an der spanischen Küste. Nicht alle Todesopfer stammen aus Afrika, es waren auch fünf Asiaten darunter.
Die wirkliche Opferzahl wird auf über 3500 Tote geschätzt. Zu diesen zählt die Menschenrechtsorganisation auch diejenigen, die bereits den Weg durch die Sahara, in ihren Augen ein riesiges Sandgrab, nicht überlebt haben.
In diesem Jahr wurden bereit 89 Todesopfer an der spanischen Grenze gezählt. 2096 Flüchtlingen gelang es zwar Spanien zu erreichen, die meisten werden aber wieder abgeschoben. Die gefährliche Flucht war umsonst. Der Großteil der Flüchtlinge gingen auf den Kanarischen Inseln an Land, 624 in Andalusien, 113 erreichten Murcia und 41 die Balearen.

Man stelle sich den Aufschrei vor, der nicht nur die Medien gehen, sondern auch ettliche Internetseiten erfassen würde, wenn Israel sich so verhält, wie es die EU bei ihren Außengrenzen macht. Einige würden nicht nur Schaum vor dem Mund haben, sondern sich auch den Schlüpfer nass machen und von einem gezielten Genozid an der palästinensischen Bevölkerung schwafeln.

Aber so ist das halt, wenn man glaubt die Menschenrechte seien nicht teilbar, dann kann man gewiss sein, dass dies sehr wohl der Fall sein kann, wenn es um eigene Interessen geht. Und wird nicht auch immer vor einem ungehinderten Zuzug gewarnt, der Menschen nach Europa bringen könnte und die Löhne aufweichen? Hat doch schon der Lafontaine gewußt und vor den „Fremdarbeitern“ gewarnt die den Deutschen nicht nur die Arbeitsplätze wegnehmen, sich billiger anbieten und dann noch die Frechheit haben, ihre Kohle in die Heimat zu senden. Kein Wunder das viele die Augen zudrücken wenn es um Zäune geht.

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2 Kommentare leave one →
  1. April 9, 2008 3:25 pm

    It seems a vey nice web site but my German is not so good. Thanks.

Trackbacks

  1. Zäune und Europäische Scheinheiligkeit | DER MISANTHROP

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