Die Biedermänner

Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger Jahre erkannte man sie schon von weitem. Grell bunte Latzhose, Batikshirt, oder Norwegerpullover, Bundeswehrparka, rotes, oder gelbes Halstuch, Palituch. Dazu dann ausgelatschte Turnschuhe, oder Jesuslatschen. Das waren sie, die Buben und Mädel der Friedensbewegung. Die Mädels trugen Knöchellange Röcke und sahen aus, als hätten sie den Altkleidercontainer geplündert. Der Auftritt erfolgte meist im Rudel -wo einer war, da waren die anderen nicht weit- und natürlich wurde dann viel diskutiert. Am liebsten über die Amerikaner und ihren Präsidenten -keine Sorge, Jimmy Carter war für die ebenso ein Arschloch wie Ronald Reagan, wobei Reagan meist noch den Zusatz „Faschist“ erhielt-, oder über die Atomkraft, das Waldsterben und das System. Fuhren sie ein Auto, dann waren das völlig abgeranzte Kisten die dermaßen qualmten, dass der Aufkleber „80 dem Wald zuliebe“ eine Farce war und die Alleebäume auf der Stelle ihren Geist aufgaben. Ansonsten radelten sie mit Fahrrad -bevorzugt das Hollandrad-, zur Schule, zur Uni, zur Arbeit und penetrierten andere Verkehrsteilnehmer.

Fiel man ihnen in die Hände blutete man nach kurzer Zeit aus dem Ohr, da die Parolen und Statements immer die Gleichen waren. Man war lieber Rot als Tot, wollte die Schwerter zu Pflugscharen wissen -ein Slogan der DDR-Friedensbewegung, gerne am 1. Mai vorgetragen und bezog sich natürlich auf den Klassenfeind- und hielt die Bedrohung durch den Warschauer Pakt für gemeine imperialistische Propaganda. Natürlich, so war man der Meinung, müsse sich der Osten bewaffnen, angesichts der Waffenstarrenden Bedrohung durch die NATO. Die DDR hielten sie für das größte Friedenscamp der Welt und den Einmarsch der Roten Armee in Afghanistan für eine notwendige Befreiungsaktion. Gegen Israel war man damals schon und natürlich für die unterdrückten Araber, sowie alle unterdrückten Völker auf der ganzen weiten Welt.

Ein Teil von ihnen, die Grünen, zog mit Blumentopf in den Bundestag ein und man wurde gemeinsam älter, aber nicht weiser.

Ok, sie hören nicht mehr die Bots -die Elitetruppe-, Degenhardt, Wader, oder Zupfgeigenhansel. Die WG ist einer bürgerlichen Wohnung, Altbau, gewichen, statt Rauchbombe fährt man einen Volkswagen, natürlich voll ökologisch und statt Mensa sitzt man beim Italiener. Die Themen sind die Gleichen und auch an den alten Feinden hat sich nichts geändert, sowie an der Einstellung. Gute Ratschläge hat man immer noch parat und weiss, wie die Welt, ginge es nach ihnen, zu funktionieren hat. Friedensbewegt sind sie immer noch und Sammelbecken, wo man seinen Unsinn rausblasen kann, gibt es, dank Internet, mehr denn je. Die Uni Kassel zum Beispiel ist so ein Sammelbecken und bietet diesen alten Kämpen eine Plattform, genannt Friedensratschlag.

Die Welt zu Gast in Kassel könnte das Motto lauten, denn dort weiß man alles, kann man alles und hätte es diese wackeren Kämpfer 1933 gegeben, sie hätten die NSDAP mit klugen Sprüchen und Sitzblockaden gebremst. Da sie aber zu dem Zeitpunkt noch nicht existierten, suchen sie sich halt andere Themen und die sind, Siebziger/Achtziger Jahre sei Dank, die USA und Israel. Aus dem Warschauer Pakt von Gestern, sind Hamas, Hizb’ullah und Al Qaida geworden. Statt UdSSR, DDR, oder Kuba, heißt es heute PNA, Iran, oder China. Menschenrechtsverstöße nahmen sie damals schon selektiv wahr und daran hat sich bis Heute nichts geändert.

Um Merkels Besuch in Israel zu würdigen, griff man auf ein Interview mit Felicia Langer zurück, denn nichts legitimiert den Antizio, den Antisemitis die Israelkritik besser, als jemand der nicht nur Jude ist, sondern auch noch in Israel gelebt hat, quasi ein Sechser im Lotto. Das wäre nur noch zu toppen, wenn der Betreffende auch noch den Holocaust überlebt hätte. Damit kann Frau Langer zwar nicht dienen, aber immerhin ist sie bedeutender als ein Hobbyrentner und Selbsthilfekünstler, außerdem war Lord Grünhelmchen verhindert.

Und was die Felicia verkündet, das ist Balsam für die Seelen derer, die von Israellobby, Ostküste und Illuminaten jüdische Weltverschwörung in ihrer Meinung unterdrückt werden.

Befand sich Angela Merkel bei ihrem Israel-Besuch auf Adenauers Spuren?

Mir schien es, als wandelte die Kanzlerin auf den Spuren von George W. Bush. Adenauer hat so eine Politik der blinden Unterstützung, wie es Merkel tut, nicht betrieben.

Da scheint Frau Langer aber keine Ahnung zu haben. Die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel sind zwar immer noch problematisch -woran das wohl liegen mag- waren sie damals fast eine Sensation, denn die Vernichtung der europäischen Juden durch die deutsche Herrenrasse war gerade mal 16 Jahre her. Adenauer hat nicht erwartet mit Jubelstürmen begrüßt zu werden und Israel nahm zwar die Angebote der Administration wahr, aber in Israel selber war man nicht sonderlich begeistert. Sollte sie eigentlich wissen, aber ist schon ein Burner für den Interviewer und für die Friedensbewegten.

Merkel ist die erste deutsche Regierungschefin, die eine Rede vor der Knesset halten durfte. Wieso gestattete ihr dies der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert?

Deutschland schenkt Israel de facto U-Boote, gibt Millionen an Entwicklungshilfe und verzichtet darauf, Menschenrechtsverletzungen anzuprangern. Mit ihrem Auftitt belohnte sie Israel für dessen völkerrechtswidrige Politik. Seit Jahrzehnten missachtet das Land die Rechte der Palästinenser. Merkel hätte sich in Israel mit Friedensaktivisten treffen sollen, nicht nur mit Staatsmännern.

Ja das ist schon ein Ding. Nicht nur die Frage, sondern auch die Antwort. Dumm, dümmer, Langer kann man da nur sagen. Zum einen sind die Verträge für die U-Boote schon richtig alt, wer sich jemals die Mühe gemacht hat -Frau Langer hat das nicht und der Friedensratschlag erst recht nicht- weiss, dass die Lieferungen nichts außergewöhnliches sind, auch wenn Frau Langer hier versucht eine Sonderrolle zu konstruieren. Das ist Quatsch. Auch erhält Israel keine „Entwicklungshilfe.“ Die Zahlungen, welche an Israel geleistet wurden sind Grundlage des Luxemburger Abkommen, zwischen der Adenauerregierung und der Regierung Ben Gurions. De Facto war die Bundesrepublik zur Zahlung nicht verpflichtet, was für Langer und Konsorten natürlich die Lösung gewesen wäre. Erst bringt man die Juden um und verweigert dann die Konsequenzen. Sonst ist aber noch alles klar, oder? Und so hoch war die „Entwicklungshilfe“ mit Sicherheit nicht. Ansonsten ist es die alte Leier, Israel böse, Araber gut. Und natürlich hätte Merkel einen Besuch mit den Friedensaktivisten vereinbaren sollen. Mit dem Pornopaule aus dem Münsterland, der in der ganzen Biographie von Golda Meir nicht vorkommt, er aber Sicherheitsberater gewesen sein will und den anderen vom Strickclub. Der, welcher gerne vor den Kameras über Frieden und die Palästinenser spricht, abseits der Kamera die Palästinenser allerdings für minderwertig hält, wie mir zu Ohren gekommen ist.

60 Jahre nach der Staatsgründung Israels will Merkel nun ein „neues Kapitel“ in den Beziehungen aufschlagen. Wie müsste das Ihrer Meinung nach aussehen?

Merkel sollte den Israelis nicht nur Lippenbekenntnisse abverlangen, sondern die Räumung der besetzten Gebiete, die Schaffung eines palästinensischen Staates entsprechend des Völkerrechtes und die Einhaltung der Genfer Konvention. Dazu ist Deutschland auch aufgrund seiner Geschichte verpflichtet.

Ist im Gaza noch ein Israeli? Zynisch könnte man ja sagen, „ja der Gilat Shalit repräsentiert die Besatzungsmacht.“ Und was haben die daraus gemacht, im Gaza? Gar nichts, aber daran ist selbstverständlich Israel schuld. Erst ziehen die sich heimtückisch zurück, dann helfen sie der Bande noch und zum Schluss werden die doch glatt noch als Opfer hingestellt von der gleichgeschalteten Presse. Wie gut das es so mutige Menschen wie die Frau Langer gibt. Bestimmt ist schon der Yossi Shulef vom Mossad unterwegs. Kennt man ja, mutige Leute werden meist von der CIA, dem Mossad, oder den Zeugen Jehovas zur Strecke gebracht. Das Israel sich streng an das Völkerrecht hält und die UN-Resolution auch von Frau Langer nicht gelesen wird -ein Armutszeugnis für eine Rechtsanwältin- , das ist schon ein Ding. Und natürlich ist Deutschland durch seine Geschichte dazu verpflichtet das zu beenden, was die Nazis damals nicht geschafft haben, nämlich die Endlösung der Judenfrage. Danke Frau Langer für diese klaren Worte.

Merkel sagte kürzlich mit Blick auf den Iran: Bedrohungen gegen Israel sind auch Bedrohungen gegen uns …

Israel ist die viertgrößte Militärmacht der Welt, der militärische Arm der Amerikaner im Nahen Osten und besitzt nukleare Waffen. Die Bedrohung geht von Israel aus.

Klar, Livni, Olmert und andere sprechen täglich in den Nachrichten davon, dass der Iran endlich von der Landkarte verschwinden muss. Und bestimmt eines Nachts, wenn die Frau Langer und Kassel nicht zuschauen, dann fallen die Golanis im Iran ein und treiben die Armee bis zur afghanischen Grenze zurück. Atomtests in Israel sind ja sowieso an der Tagesordnung, da ist man schon dran gewöhnt. „Was ist denn das für ein Pilz Ehud? Och, das sind nur die üblichen Atomtests im Negev, Du weißt doch, morgen radieren wir den Iran aus. Ach dann ist ja gut, ich dachte schon an was ernstes, Selbstmordattentäter aus dem Gaza.“

Nun ist aber auch Israel steten Anschlägen, etwa von Hamas-Aktivisten, ausgesetzt.

Dies geschieht aus Frustration über die Besatzung, die ein Inbegriff von Gewalt ist und die Gewalt erzeugt. So lange die Palästinenser in Ghettos leben, können die Israelis nicht auf Frieden hoffen. Die Hamas-Bewegung stellt – ob es uns passt oder nicht – eine demokratisch gewählte Regierung und pragmatische Leute. Aber statt sie zu respektieren, hat Israel eine Mauer auf palästinensischem Boden errichtet, die die Menschen von medizinischer Hilfe, vom Wasser und Strom abschneidet.

Richtig. Ghetto ist ja mittlerweile die bevorzugte Interpretation. Und weil die da so frustriert sind, da killen sie halt Juden, ist normal. Andere saufen sich aus Frust in’s Koma. Kann man verstehen, muss man aber nicht. Und weil Israel trotz Frau Langers Statement nach wie vor alles in den Gaza liefert, sind die menschen da so frustriert, dass sie vor lauter Verzweiflung zu Kalashnikov und Kassamrakte greifen. Würde ich bei Frau Langer auch. Und der Pragmatismus der Hamas ist doch völlig in Ordnung. Pragmatisch wie sie sind möchten sie die Juden nicht gleich vernichten, sondern warten noch bis zum Endsieg, oder darüber hinaus. Ts, ts, warum das der Olmert nun nicht einsehen kann.

Für Juni hat Merkel in Berlin eine „Palästina-Konferenz“ geplant. Was erwarten Sie davon?

So lange Israel nicht zu Frieden und Gerechtigkeit mit den Palästinensern bereit sind, bleiben solche Konferenzen reine Spektakel. Annapolis hat das zuletzt gezeigt.

Zum Glück gibt es Felicia, die pragmatische Hamas und die Friedensleute in Kassel.

Aber damit gibt man sich in Kassel nicht ab. Am Deutschen Wesen soll schließlich die Welt genesen und so hatte man auch zu Tibet was zu sagen. Blutrünstige kleine Monster, den Juden vergleichbar, erpressen sie die gesamte Welt und bringen die friedliebende chinesische Regierung einfach so in Mißkredit, da muß man sich zu Wort melden Das machte dann der Engler Marcus. Sozialwissenschaftler und Journalist in Peking weiß er natürlich gleich wer Schuld an den ganzen Vorgängen hat und nicht nur die Spiele vermiesen will, sondern auch die Regierung fertig machen möchte. Dieser fiese feiste Obermönch und seine Clique. Statt sich zu freuen, müssen diese ganzen Opponenten alles madig machen und der Westen ist da natürlich ganz vorn mit dabei.

Für die deutsche Öffentlichkeit war der Fall schnell klar, etwas zu schnell vielleicht. Im Reich der Mitte herrscht eine menschenverachtende Diktatur, die um ihrer selbst willen über Leichen geht. Womöglich ist dies nicht die ganze Geschichte. Denn wir wissen bisher nicht wirklich, was genau in Tibet passiert ist. Die Region ist von der Welt abgeschnitten. Wir fragen – wodurch wurden die jetzigen Ereignisse ausgelöst? Wer sind die Aufständischen? Wer sind die Opfer, wie sind sie ums Leben gekommen? – und können nicht erschöpfend antworten.

Da hat sich in Tibet wahrscheinlich einer nur die Nase geschneuzt und irgendwas gesagt. Kennt man ja, einer sagt was, der andere versteht das nicht und schon ist die Schlägerei im Gange. Und man muß natürlich die Frage stellen, warum das Regime Menschenverachtend ist, was der Engler natürlich macht, denn eigentlich sind die ganz lieb, die von der KP.

Ein Massaker an friedlichen Demonstranten hat es vermutlich nicht gegeben. Im Zeitalter der Handyfotografie, in dem man über ausländische Proxyserver die Internetzensur umgehen kann, gäbe es davon Bilder. Zwar strecken die chinesischen Zensoren ihre krakengleichen Arme in alle Fugen der Gesellschaft. Allmächtig sind sie nicht mehr.

Deswegen wiesen sie auch alle Journalisten aus, denn irgendwie müssen die anderen ja irgendwo auch Schuld haben. Selbst wenn die Chinesen Drecksäcke sind, so einfach gehen die nicht da mal auf jemanden los. Da gehört schon mehr zu. Forderung nach einer Moshee, wie bei den Uiguren, oder beten mitten in Peking.

Was zu sehen ist, erinnert eher an Clichy-sous-Bois 2005 als an Tiananmen 1989, eher an die sozialen Unruhen in Frankreichs Banlieue als an Völkermord. Die bisher verfügbaren Bilder aus den Unruhezonen bezeugen eine massive Polizei- und Militärpräsenz, heftige Rangeleien zwischen Tibetern und Sicherheitskräften. Gewiss kann das Vorgehen der chinesischen Regierung nicht gebilligt werden. Ebenso wenig wie die drakonischen Strafen, die den Aufständischen drohen. Die Szenen aus Tibet lassen indes auch erkennen, wie sich Polizisten hinter Plastikschilden vor Steinen schützen. Man sieht wie Tibeter Scheiben einschlagen, Geschäfte plündern und chinesische Fahnen verbrennen. Man sieht brennende Häuser und qualmende Fahrzeuge. Dass Panzer oder Schusswaffen gegen Mönche oder tibetische Zivilisten eingesetzt wurden, lässt sich bislang nicht belegen.

Schließlich hat die Pariser Regierung ihr eigenes Territorium besetzt. In der Tat kann man von sozialen Unruhen sprechen, haben die Tibeter in ihrem eigenen Territorium nicht viel zu vermelden. Aber man muß das alles ein bisschen runterkochen. Man kann es auch nicht billigen wie die Ordnungsmacht vorgeht, aber Verständnis sollte man schon haben, schließlich gebärden sich die Tibeter wie die Wilden da und schlagen nicht nur Fensterscheiben ein, sondern werfen auch noch mit Steinen. Da kann man schon Verständis aufbringen.

Es liegt nahe, dass Tibeter die sich mit den Olympischen Spielen bietende Gelegenheit nutzen wollen, um noch mehr Aufmerksamkeit und Hilfe im Westen zu erheischen. Andererseits handelt es sich in Lhasa wohl auch um die spontane Rebellion perspektivloser Jugendlicher. Wie groß ihre Frustration sein muss, lässt sich dem Willen entnehmen, trotz des zu erwartenden Ausgangs den Kampf David gegen Goliath aufzunehmen.

Richtig. Die wollen nur die Spiele stören.

Und natürlich kann man in die Zukunft schauen und weiß, es ist doch ganz richtig, wenn Tibet weiter unter chinesischer Flagge bleibt, selbst wenn der Dalai Lama nicht von einer Unabghängigkeit, sondern nur von einer Autonomie spricht.

Was aber wäre, wenn Chinas Regierung dem Dalai Lama noch heute die Macht in Tibet übertragen würde? Es gäbe mit Sicherheit eine Restauration feudaler Verhältnisse wie in Bhutan, die Menschen wären bettelarm und hätten wenig zu sagen. Die Dominanz der Chinesen mag keine Alternative sein, aber nüchtern betrachtet kann es eine Zukunft für die Provinz nur als Teil Chinas geben. Immerhin wurde zuletzt beträchtlich in die Infrastruktur investiert, und der jüngste Gewaltausbruch schadet den Tibetern mehr als er ihnen nützt. Die Fronten verhärten sich, die Hardliner in der chinesischen Führung sehen sich gestärkt, Bemühungen um einen zivilisierten Umgang mit dem Konflikt werden erschwert. Eine aufgeregte, zu Übertreibungen neigende Berichterstattung im Westen verringert die Spielräume zusätzlich.

Die Infrastruktur nutzt zwar eher den Chinesen, aber da sollen sich die Tibeter mal nicht so haben. Das es genügend Auslandstibeter gibt, die zwar den Dalai Lama als geistiges Oberhaupt sehen, sich aber ein modernes Tibet ohne China vorstellen können und das nach westlichem Muster, mag sich der Journalist nicht vorstellen. Vielleicht Demokratie, wuuuhhh, unglaublich.

Und um den Bogen abzuschließen träumt man in Kassel von einer gerechten Welt, wo sich die Menschen gegenseitig massakrieren, die Menschenrechte mit Füßen getreten werden, aber in Kassel alles tutti ist.

Inge Höger findet es furchtbar, wenn sich Deutschland in der Welt beteiligt und versucht die Grundsätze von Demokratie und Menschenrechten in der Welt zu verankern, wo kommt man da auch hin.

Deutsche Soldaten kämpfen in aller Welt – liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde – wer von uns hätte sich das vor 10 Jahren träumen lassen.

Die waren schon vorher unterwegs, zum Beispiel in Somalia und auch an der Bundeswehrakademie wurden Offiziere aus Ländern ausgebildet, denen man nicht unbedingt das Prädikat unbedenklich zuschreiben würde.

Nach zwei Weltkriegen stand für die Mehrheit der deutschen Bevölkerung fest: „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!“ Die Menschen waren sich einig, dass von deutschem Boden nie wieder Krieg ausgehen solle und das deutsche Soldatinnen und Soldaten sich nicht an kriegerischen Auseinandersetzungen in anderen Ländern beteiligen dürfen. Im Grundgesetz wurde festgeschrieben, dass die Bundeswehr nur zur Verteidigung aufgestellt ist.

Da hat man gerne und ausgiebig die Nachbarn überfallen und massakriert. Den Zahn hat man dann gezogen und vom deutschen Boden ging in der Tat kein Krieg mehr aus. Geht es aber nach Frau Höger, dann sollte sich Deutschland am besten in Kleinstaaterei ergehen und sollen sich doch die anderen die Köpfe eindellern. Man ist ja Pazifist und lieber ist man rot als tot.

Inzwischen hat sich an der Meinung der Menschen im Lande nichts geändert, aber die Regierungen handeln gegen die Mehrheit der EinwohnerInnen.

Das ich kein Mensch bin, ist mir neu, ich bin nämlich sehr dafür, dass die Bundeswehr im Rahmen der Verträge handlungsfähig bleibt und dass auch andere Menschen in den Genuss von Demokratie, Menschenrechte und Meinungsfreiheit kommen. Und sei es auch nur in einer Form der Aufbauhilfe durch die Bundeswehr. Man kann bedeutend besser schlafen ohne größenwahnsinnige Potentaten.

Die Militarisierung der deutschen Außenpolitik geht in einem Ausmaß und einer Schnelligkeit voran, die sich weder die Friedensbewegung noch die deutsche Bevölkerung hätte träumen lassen. Immer sind auch deutsche Truppen mit dabei, wenn es um Kriege und Militäreinsätze überall auf der Welt geht. Knapp 7.300 Soldatinnen und Soldaten sind gegenwärtig an 11 Auslandseinsätzen rund um den Globus beteiligt.

Ist eigentlich der Sinn einer Armee. Aber mal ernsthaft, die Bürger in den alliierten Staaten waren auch nicht gerade glücklich darüber ihre Söhne gegen einen größenwahnsinnigen Deutschen und eine Soldateska mit Minderwertigkeitskomplexen in den Kampf zu schicken. Ohne diese Soldaten hätte es aber recht finster in Europa ausgesehen. Inge Höger hätte aber damals zusammen mit dem Friedensratschlag darauf drängen sollen, dass die Bundeswehr nicht gegründet wurde und die NATO ohne Deutschland hätte auskommen müssen, wobei der Anteil der Deutschen am Weltfrieden eigentlich eher gering ausfällt.

Mit den Verteidigungspolitischen Richtlinien Anfang der 90er Jahre wurde der Boden bereitet. Mit dem Krieg in Jugoslawien wurde dann Ernst gemacht. Immer noch befinden sich 140 Soldatinnen und Soldaten in Bosnien-Herzegowina und 2.680 im Kosovo. Das ehemalige Jugoslawien wurde in viele Einzelstaaten aufgeteilt und sowohl Bosnien-Herzegowina als auch das Kosovo sind EU-Protektorate.

Ja was ging uns das auch an. Besser die Augen verschließen als Stellung zu beziehen. Betrifft einen ja nicht.

Der Krieg ist noch lange nicht zu Ende, sondern wurde mit der von den USA und der EU provozierten Unabhängigkeitserklärung des Kosovo weiter geschürt.

Das ist ja auch eine Unverschämtheit, vor allem war doch an dem ganzen Dilemma Deutschland maßgeblich beteiligt. 1878 gab es doch auf Initiative Bismarcks den Berliner Kongress. Und wie können sich die Kosvaren einfach so unabhängig erklären.

Die einseitige Unabhängigkeitserklärung ist völkerrechtswidrig. Damit ist die Grundlage für den Einsatz der KFOR-Truppen entfallen.

Richtig, muß man nur noch den Kroaten, Slowenen, Bosniern und Montenegrienern erklären dass sie auch völkerrechtswidrig sind. Wenn schon, denn schon.

Nicht nur auf dem Balkan sind deutsche Soldatinnen und Soldaten im Einsatz. Seit Ende 2001 beteiligen sich deutsche Truppen an dem Krieg der USA gegen Afghanistan. Wenn es den 11. September nicht gegeben hätte, hätten die USA ihn erfunden, um den lange vorbereiteten Krieg in Afghanistan beginnen zu können.

Ja, weil Afghanistan nicht nur strategisch wichtig ist, sondern auch über enorme Bodenschätze verfügt und wie man weiss, führen die Amis ja nur wegen dem Öl überall Krieg. Demnächst, so munkelt man, fallen sie in Niedersachsen und Schleswig-Holstein ein. So eine Verschwörungsschwurbelei macht schon seit September 2001 die Runde und es gibt sogar Zeitgenossen die wußten schon nach 2001 was George W. Bush 1968 geplant hatte. Unglaublich aber wahr.

Deutschland beteiligt sich sowohl an Enduring Freedom, dem Kampf gegen den angeblichen Terror der Al Quida, als auch an der sog. Stabilisierungs- und Aufbaumission ISAF. In Wirklichkeit sind beide Einsätze nicht zu trennen. Sie werden von einem gemeinsamen Oberkommando geführt und kämpfen beide gegen Taliban oder Aufständische.

Nicht nur die Taliban sind voll lieb und zu Unrecht verkannt, auch bei Al Qaida handelt es sich in Wahrheit um einen religiös angehauchten philosophischen Haufen. Die Terroranschläge seit 1993 waren im Grunde genommen nur ein großes wissenschaftliches Experiment um die Religionskritik, denn eigentlich führen die USA ja Krieg gegen den Islam, ad Absurdum zu führen. Leider ist das Experiment fehlgeschlagen, weil die USA das nicht begriffen hat. In der Wissenschaft muß es halt auch mal Opfer geben. Al Qaida hat nie, im ganzen Leben nicht, Terroranschläge ausgeführt und die USA wollten ja nur das ganze Öl, in Afghanistan.

Die Friedensbewegten von damals sind zu stinknormalen Biedermännern/Frauen verkommen. Damals wie Heute spielen sie gerne mit Streichhölzern und würden die individuelle Freiheit gerne gegen Diktatur und Bevormundung eintauschen. Das sagen sie aber nicht so, sondern verpacken diese Wünsche gerne als Friedensbewegung. Daran hat sich nichts geändert und die Feinde sind gleich geblieben, nur die Freunde sind andere.

Advertisements

2 Gedanken zu “Die Biedermänner

  1. „Die DDR hielten sie für das größte Friedenscamp der Welt und den Einmarsch der Roten Armee in Afghanistan für eine notwendige Befreiungsaktion.“

    Da trügt dich deine Erinnerung. Ich weiß noch sehr gut, dass damals die „Friedensbewegung“ und die ihr ideologisch verbrüderten Deppenorganisationen sich sofort auf die Seite der afghanischen Gotteskrieger stellten (mit Ausnahme der moskautreuen Kommunisten unter ihnen). Schon damals zeichnete sich deutlich ab, dass die Liebe der deutschen Linken dem Völkischen und vermeintlich Authentischen galt, und damit der Barbarei. Und bevor das jetzt ausartet: Natürlich war die UDSSR eine widerliche imperialistische Despotie, aber verglichen mit ihren Feinden in Afghanistan waren die Kommis wahre Träger des Lichts der Zivlilisation. Und genau zu den Feinden der Zivilisation, zu den Vertretern der Barbarei, zog es schon damals die deutschen Friedensbewegten hin wie es die Motten zum Licht zieht, oder so wie es sie heute zur Hamas zieht.

  2. Ui, das kann sein. Ich bin bei dem Satz von einer lebhaften Diskussion ausgegangen, als man mir erklären wollte die Aktion der UdSSR sei zwingend notwendig, aber stimmt, die Buben und Madeln waren wirklich Moskautreu.
    Mittlerweile sind ja auch die Moskautreuen Anhänger von Hamas und Co. Wenn das der Lenin wüßte, dann würde er noch als einbalsamierte Leiche ganz rot werden vor Gram.
    Wäre eigentlich mal einen eigenen Post wert. Auch über die Entwicklung der Grünen. Damals, 1983, lernte ich den Herbert Fux kennen, der mir eine Lektion über die österreichischen Grünen erteilte. Dabei hatte ich weder mit den Grünen hier, noch anderswo jemals was am Hut.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s