Wunschtraum

Junge, was für ein Traum. Nach dem ganzen Buhei der letzten Tage, Merkel in der Knesseth, Tibet und der Fürbitte der Juden, schlief ich vor ein paar Tagen ein und erwachte irgendwann nach Chr. in Carnuntum. Ich hatte ein schönes Anwesen, kümmerte mich um meinen Wein und huldigte dem Merkur. Ich war gerade so mit meinen Kindern, meinem Hund und den Lämmern beschäftigt, als plötzlich zwei Herren am Gartenzaun standen -Nicht sehr stylish, ein original Latifundium und dann ein Gartenzaun-. Beide trugen eine Kipa, einen Gebetsschal und hatten eine Aktentasche dabei. „Dürfen wir uns kurz über Gott mit Ihnen unterhalten?“ fragte der Eine und sein Begleiter kramte in seiner Aktentasche. „Kommt drauf an,“ sagte ich und fragte dann, „von welcher Glaubensgemeinschaft seid Ihr denn? Die Diener des Merkur? Sklaven des Jupiters? Die Schuhe der Nike? Oder die Schnapsnasen des Bacchus, um die übliche Amphorenlieferung zu holen?“

„Ich bin Rabbi Katz und mein Begleiter ist Rabbi Lemberger, wir sind vom jüdischen Missionszentrum in Jerusalem,“ stellte sich mein Gesprächspartner vor „und wir sind auf Missionsreise durch das römische Imperium um den Menschen das Wort G“ttes näher zu bringen.“ Da war ich dann doch erst mal platt. Jerusalem, das war doch dieses Provinznest in Syrien, wo dieser Jesus durchzog, dann gab es da die Aufstände gegen uns Römer, konnte man alles in den Nuntii Carnuntium nachlesen. Und jetzt standen die Aufständischen vor meinem Tor. „Wir wollten mit Dir über die frohe Botschaft reden,“ meinten die Beiden und hielten mir ein Papyrus entgegen. „Und was bringt mir das?“ Fragte ich und schielte auf meinen Hausaltar mit dem putzigen Merkur in der Mitte.

„Nun wir können Dir zwar nicht das ewige Leben bringen, also das, was die Christen versprechen, aber es gibt doch einige Vergünstigungen, wie zum Beispiel eine Reihe von Feiertagen, ein Platz im Tempel von Jerusalem, und bei Interesse sogar eine Synagoge direkt in der Nachbarschaft.“ „Und wie ist das mit anderen Göttern? Wisst Ihr, ich bin ja ein Anhänger des Merkur, also auf dem Markt in Carnuntum geht mein Wein wie geschnitten Brot. Die Leute sind ganz wild auf Wein von Maxcelsius.“ „Nun, den wirst Du wohl abgeben müssen den Glauben, aber wenn Dein Wein von einem Rabbiner abgenommen wird, dann kannst Du den an jeden Synagoge im ganzen Reich verkaufen.“ Business, wow. „Was muß ich dafür machen,“ fragte ich, schließlich waren wir ja Religionen immer offen. „Für den Gijur mußt Du 623 Gesetze lernen, dann solltest Du Dein Pilum beschneiden lassen und noch diverse Kleinigkeiten, bringt aber Vorteile.“

Bevor ich mich entscheiden konnte schlief ich wieder ein und erwachte in einem Gumpoldskirchener Heurigen. Ein Akkordeonspieler intonierte den Hoch-und Deutschländermarsch während ein Typ mit schwarzem Haar und einem langen schwarzen Bart nach einem freien Platz suchte. „Mensch“, dachte ich, „das ist doch der Herzl !“ Und während ich gerade winken wollte, da setzte sich der Gründer der zionistischen Bewegung an meinen Tisch. „Mann, Herr Herzl, ich bin ein großer Bewunderer von Ihnen. Ihren Roman „Alt-Neuland“, mehrfach gelesen und auch Ihre Rede vor dem Zionistenkongress…..Chapeau!“

„Zionistenkongress? Roman? Ich bin Journalist mein Herr, kein Märchenerzähler!“ Hatte ich was verpasst? Mich vielleicht getäuscht? Aber Herzl beharrte darauf, dass ich irgendwie falsch in meinen Annahmen liegen würde. „Aber Herr Herzl, gibt es den Antisemitismus nicht? Und die Affäre Dreyfuss? Und überhaupt?“

„San‘ Sie narrisch ‚word’n,“ herrschte er mich an. „Sie sollten sich mal ein Geschichtsbuch kaufen. Antisemitismus, wo leben Sie denn?!“ Ich war doch mehr als verwirrt und versuchte einen zaghaften Einwand. Dann erklärte ich ihm die letzten Jahrhunderte wären an mir vorüber gelaufen. Skeptisch schaute er mich an, bestellte sich einen Veltliner und fing an zu erzählen. „Sie erinnern sich an die römische Besatzung im Nahen Osten? 70 n. Chr. schlugen die Zeloten die römischen Besatzer in der Nähe von Massada. 135 versuchten die Römer erneut Fuß zu fassen und wurden vernichtend geschlagen.“

„Und was ist mit Jesus?“ fragte ich ihn. „Sie meinen diese Sekte der Christen? Die sich auf diesen Rabbiner aus Bet Laim berufen? Ja die sind schon lustig wenn Sie mich fragen. Na ja, auch die muß es geben.“ Ich erzählte ihm dann die Version die ich kannte und Herzl schüttelte ungläubig mit dem Kopf, „Antisemiten die sich gegen die Juden wenden? Guter Mann, das ist ja wohl hahnebüchen, kennen Sie denn nicht den Codex Jerusalem? Nach dem zweiten Krieg gegen die Römer begannen sich die Leute für den jüdischen Glauben zu interessieren und das Rabbinat in Jerusalem entschloss sich zur Missionierung um diese Gunst der Stunde auszunutzen. Tausende von Talmudschülern waren seitdem in der Welt unterwegs, selbst in die neue Welt brachte man das Judentum. Haben Sie das denn nicht gewusst?“ Ich war echt fertig. Herzl erklärte mir dann noch, das Zentrum der Welt läge in Jerusalem. Das Oberrabinat würde sich um fast 2 Mrd. Juden in der Welt kümmern. Die Christen wären eine kleine Sekte und meine Frage nach den Muslimen konnte er auch beantworten. Nach dem Tod dieses Mohamed hätten die Juden der Welt den Vormarsch gestoppt, obwohl Israel schon fast verloren war. „Ein Rabbiner in Lemberg hatte damals eine Vision und rief die Gläubigen der Welt zur Verteidigung auf.“

„Aber an die Nazis müssen Sie sich doch erinnern!“ Herzl schaute nur mitleidig und bestellte dann für mich noch einen Zweigelt. „Nazis, was für ein Schmarr’n“ vernahm ich sein brummen und schlief wieder ein. Noch einmal wachte ich auf und ging aus dem Haus. Da wo die evangelische Kirche stand, stand jetzt eine Synagoge. Ich war völlig verwirrt. Daheim schaltete ich sofort den Fernseher ein und die Nachrichten brachten eine Meldung aus Jerusalem. „Na also,“ dachte ich, „Alles beim Alten!“ „Der Oberrabiner Shlomo Weizheim traf sich Heute mit dem Dalai Lama in der mongolischen Hauptstadt Ulaanbatar und betonte die Gemeinsamkeiten der jüdischen und buddhistischen Religion. Bei dem Treffen warnte er erneut die iranische Führung und erklärte Religion dürfe keine politische Rolle spielen. Juden und Buddhisten hätten eine eine ältere Rolle und betrachten die Ambitionen Teherans als Form eines pubertären Jugendlichen. Teheran solle das nicht vergessen. Der Dalai Lama ergänzte das Judentum und der Buddhismus seien universell.“ Dann wachte ich endgültig wieder auf und es war wirklich alles beim alten. Die Hamas erklärte gerade sie würde Israel nie anerkennen und bis zum letzten kämpfen wollen. Westliche Korrespondenten forderten wiederholt Israel dazu auf, endlich in Verhandlung mit der Hamas zu treten und selbsternannte Friedensfreunde beklagten sich lautstark über die „unverhätnismäßigen Reaktionen“ der Israelis, denn so schlimm sei der Raketenbeschuss ja gar nicht und die Vernichtungspläne von Ahmadinedjad völlig fehl interpretiert.

Auf der einen Seite war ich dann doch froh wieder alles beim alten zu wissen. Auf der anderen Seite war das irgendwie doch ein schöner Traum. Statt 13 Mio. Juden 2 Mrd und zu wissen, man ist so stark dass niemand es je gewagt hat sich daran zu vergreifen. Schade eigentlich. Moses hätte sich damals mal bessere Marketingstrategen suchen sollen, dann wäre Heute vieles einfacher.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Wunschtraum

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s