Hand in Hand

Sabeh ist Palästinenserin, was ja nun im Nahen Osten nichts ungewöhnliches ist, dass man auf eine Palästinenserin trifft. Auch das Sabeh Lehrerin ist, selbst wenn es Zeitgenossen gibt die behaupten Palästinenser wären ungebildete Fellachen, ist auch nichts ungewöhnliches.

Ungewöhnlich ist, dass Sabeh Lehrerin in Kafr Kara an der Arabisch-Jüdischen Schule „Brücke über den Wadi“ ist. „Bridge over the Wadi“ Dokumentarfilm von Barak und Tomer Heymann zeigt den Alltag in einer Schule, in der neben jüdischen Kindern auch arabische Kinder unterrichtet werden, damit das Misstrauen zwischen Juden und Arabern in der nächsten Generation abgebaut wird. Eine wirklich sinnvolle und gute Sache. Auch den Dokumentarfilm fand ich gut, bis auf diese Lehrerin, die bei mir einen mehr als faden Beigeschmack hinterlassen hat.

Das Kinder grundsätzlich anders miteinander umgehen ist bekannt und viele Initiativen bemühen sich, dass Kinder aus Konfliktgebieten ihr Gegenüber als ganz normales menschliches Wesen wahrnehmen. In Irland gab es die „Peacecamps“ in denen katholische und protestantische Kinder den Umgang miteinander pflegten, die EU betreibt ein Peacecamp mit Jugendlichen aus unterschiedlichen Regionen. Da sitzen Israelis neben Palästinensern, Russen neben Tschetschenen, oder Bosnier neben Serben. Das sind aber, ebenso wie in Kafr Kara, Kinder aus Familien die offen und liberal sind. Und das Lehrpersonal rekrutiert sich aus Leuten die völlig neutral sind. Das ist in Kafr Kara nicht der Fall. Die Lehrer sind entweder Israelis, oder Palästinenser und jeder mit seiner Sicht. Wobei die israelischen Lehrer meiner Ansicht nach völlig wertfrei agierten.

Sabeh allerdings, die palästinensische Lehrerin, tat dies nicht. Die ganze Zeit hatte ich das Gefühl, als würde jemand versuchen den Kindern einzutrichtern das die Juden generell böse sind und die Palästinenser generell die Opfer darstellen. Ich habe zwar keine Kinder und auch nie als Lehrer gearbeitet, aber wenn meinen Kindern jemand erzählen würde, „Dein Opa ist ein Verbrecher,“ dann würde derjenige, der dies verbreitet, einen Tritt in den Hintern bekommen. Die Kinder um die es da ging waren zwischen 7-10 jahre alt, also noch nicht in der Lage geschichtliche, oder politische Vorgänge richtig einzuordnen. Ich gehe mal davon aus, als Lehrer sollte man dies nicht nur berücksichtigen, sondern auch wissen.

Hier allerdings keine Spur von Pädagogik. Mit der Brechstange machte die gute Frau den jüdischen Kindern klar, dass die „jüdischen Eroberer“ Schuld am Leid der Palästinenser tragen und nutzte den Tag der „Naqba“ die Kleinen in einen Gewissenskonflikt zu stürzen. Einerseits der Unabhängigkeitstag, ein Tag der Freude für Israel, auf der anderen Seite Bilder der angeblichen Vertreibung. Von Fakten völlig befreit ging sie direkt in die Vollen. Auf Lastwagen seien die Palästinenser gepfercht worden und dann weggebracht -auf Deutsch würde man sagen, „die wurden deportiert“-. Das dies nicht ganz den Tatsachen entspricht, spielt keine Rolle. Auch die Behauptung, „die Juden hätten die Palästinenser vertrieben, um die Mehrheit zu erhalten,“ ist völliger Unsinn, zeigte aber, zur Freude, Wirkung bei den Kleinen. Um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen sollten die Kinder doch bitte einen Brief an ihre verantwortlichen Führer schreiben. Irgendwann kam dann das israelische Pendant dazu und machte dem Treiben ein Ende.

Danach dann Manöverkritik. Sabeh die sich in die Ecke gedrängt fühlte unterstrich meine Erfahrungen. Sie fand die Kritik als ungerechtfertigt und erklärte sie würde ja schließlich jeden respektieren, auch wenn sie das Gefühl hätte nicht respektiert zu werden -Ok, welcher Lehrer hat nicht das Gefühl- und schließlich könne sie ja schlecht ihre Gefühle immer hinten an stellen. Bei mir wäre das der Punkt gewesen der guten Frau die rote Karte zu zeigen. Allein wenn mir ein Kind sagt, „Adolf Hitler war genau so ein Führer, wie Bush einer ist,“ haut mir voll in die Magengrube. Aber hier ist man geneigt Konfliktlösung zu betreiben und auf der einen Seite saß das israelische Lehrpersonal, mit dem Versuch Kritik als Kritik zu üben, während auf der anderen Seite einzig nur die angegriffene Lehrerin reagierte und den Tränen freien Lauf liess.

Leider wurde die Frage nicht gestellt wie sie sich fühlen würde, wenn das jüdische Personal von den arabischen Kindern verlängt hätte, Briefe an Hamas, Fatah, Djihad Islamie, oder Al Aqsa zu schreiben. Auch wurde nicht gefragt wie das mit den Massakern an Juden 1921 (Jaffa), 1929 (Jerusalem, Safed, Hebron) war, oder die Schändung des Josephgrabes. Ebenso unterblieb es zu fragen, warum Kafr Kara Ziel von Anschlägen war, denen nicht nur Israelis, sondern auch Araber zum Opfer fielen, was letztendlich zu dieser Schule führte. Und der Süden Israels wurde ausgeklammert. Mit all diesen Dingen wurde die Lehrerin, im Gegensatz zu den jüdischen Kindern, nicht konfrontiert. Das sprach eher für die israelischen Lehrkräfte die versuchten nach Möglichkeit so neutral wie möglich zu sein. Man vermied den arabischen Kindern zu erzählen, „Eure Mischpoke sind auch alles Völkermörder.“

Projekte wie „Bridge over the Wadi“ sind wichtig, aber Leute die diese Projekte als Möglichkeit zur Indoktrination begreifen sind eher gefährlich. Und da liegt der Unterschied. In Israel versucht man trotz Mißtrauen irgendeine Möglichkeit zu finden. Vielleicht sollte man auf palästinensischer Seite auch mal mit diesen Projekten anfangen und Kinder nicht als wandelnde Sprengstoffgürtel verkleiden.

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Ein Gedanke zu “Hand in Hand

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