Der Prozess (Teil 2)

Die Vorbereitung

Nachdem sich die UNO der Sache zwischen Israel und Ägypten annahm wurde man doch leicht unruhig in Jerusalem. Dass die UNO ein „besonderes Interesse“ am israelischen Staat hatte, war man ja schon gewohnt, dies allerdings war etwas völlig neues und stürzte das Justizministerium in hektische Aktivitäten. Auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz wirkte Daniel Friedmann, der israelische Justizminister, um Jahre gealtert. „Das ganze ist in der Geschichte der Völker einmalig,“ sagte er den Pressevertretern „und stellt uns vor eine ganz neue Situation. Wir werden das ganze natürlich sorgfältig prüfen und haben unsere besten Leute mit der Sache betraut.“

Natürlich war das ganze Wasser auf die Mühlen des Likud und Bibi liess es sich nicht nehmen seinerseits eilig vor die Presse zu treten und verkündete, „das ist ein Rabenschwarzer Tag für Israel und ich habe es immer gesagt, nachgeben lohnt nicht. Wenn nichts passiert und wir verlieren, dann können wir froh sein, wenn wir gerade mal den Strand von Haifa besitzen. Das ist alles die Schuld von Olmert und diesem Eitan.“

In Ägypten kam es zu einer spontanen Kundgebung vor dem Justizpalast. Neben den üblichen Standartverwünschungen -„Tod den Juden,“ „Tod den USA,“ „Tod dem Westen“- sah man auch sinniges wie zum Beispiel, „Endlich! Morgen kann ich mir einen Porsche kaufen. Hilmi und dem Pharao meinen Dank!“ Die Hamas liess sich nicht lumpen und karrte 300.000 Sympathisanten nach Gaza-City. Ismail Haniyeh machte fast unter sich vor Freude und rief seinen Anhängern zu, „Wir sind alle Ägypter! 5700 Jahre mussten wir auf Gerechtigkeit warten und seht, man hat uns nicht vergessen! Morgen werden wir in einem Triumphzug in Jerusalem einrollen und dann diese zionistischen Vasallen der Fatah zum Teufel jagen.“ Zur Freude liess der Djihad Islamie ein Feuerwerk in Form von Kassamraketen auf israelisches Gebiet feuern, wobei eine Rakete vom Kurs abkam, das Haus des Gemischtwarenhändlers Hamad A. in Bait Hanun durchschlug und den Esel, sowie den 72er Toyota Corolla der Familie auf der Stelle tötete. Glücklicherweise befand sich ein Team der BBC gleich vor Ort und zwei Stunden später konnte man lesen, wie die Überreaktion der Israelis auf den zu erwartenden Prozess aussah. Am nächsten Tag las man in der internationalen Presse von einem Massaker der israelischen Streitkräfte. „Aus einer Nichtigkeit heraus und als Reaktion auf eine Kulturveranstaltung in Gaza-City beschoss die israelische Armee verschiedene Postionen im Gazastreifen. Bei dieser Aktion traf ein Mörsergeschoss einen Wolkenkratzer in Bait Hanoun und legte diesen in Schutt und Asche. Laut Pressebrichten starben 120 Zivilisten bei diesem Beschuss den der Militärsprecher der israelischen Armee wie üblich dementierte.“ Auf einem Photo sah man Hamad A. und in der Bildunterschrift las man, „Der 79jährige Gemischtwarenhändler Hamad A. steht vor den Trümmern seiner Existenz. Ein gebrochener Mann der alles verlor, was er sich mühsam, unter israelischen Repressalien aufgebaut hat.“

Auch in anderen Teilen fanden spontane Jubelkundgebungen statt die eine unbändige Freude der Bürger an den Tag legten und die Kassen der Fahnenbesitzer klingeln liessen. Neben dem obligatorischen Davidstern und den Stars and Stripes war der Phanatsie keine Grenze gesetzt. In Damaskus sah man sogar die brennende Fahne von Nordfriesland. In den Niederlanden erklärte Hajo Meyer er habe es schon immer gewusst, das Ende des Judentums sei gekommen und Neudeck pflichtete ihm bei, „Die starre und unnachgiebige Politik der zionistischen Regierung in Tel Aviv gegenüber den Palästinensern ist die massgebliche Ursache dafür, dass das Judentum, so wie er es Heute kennt morgen nicht mehr vorhanden ist.“

Unbeeindruckt machte sich der internationale Gerichtshof daran den Prozess nicht nur vorzubereiten, sondern auch durchzuführen. Die Regierung in Den Haag erklärte unterdessen die Niederlande zum Sperrgebiet da sie einen Massenansturm fürchtete, der unter Umständen „Holland fluten“ könnte. Selbst Ahmadinedjad durfte nicht kommen.

Der Prozess

Endlich war es soweit und das Gericht in den Haag öffnete zur ersten öffentlichen Sitzung seine Pforten. In der Causa „Das Volk von Ägypten gegen Moses und das Volk Israel“ hatte man insgesamt 1500 Zeugen angeschrieben, von denen allerdings kein einziger kam, da es sich um Augenzeugen handelte und diese halt nicht mehr greifbar waren. Statt dessen kamen allerdings diverse Gutachter zu Wort die von Adam und Eva über Mesopotamien bis hin zum Integrationsprozess der Juden in Ägypten referierten. Jedes gestzte Komma wurde pflichbewusst von den anwesenden Pressevertretern an die Agenturen weiter geleitet.

Schon zum Beginn erhob der ägyptische Vertreter in einer flammenden Rede den Vorwurf des schweren Diebstahls, des Mordes und diverser anderer Delikte gegen die Juden. Dabei vergass er nicht auf das schwere Schiksal der arabischen Nation hinzuweisen. Mehrfach mußte die Verhandlung unterbrochen werden, da er von Weinkrämpfen geschüttelt seine Rede nicht fortsetzen konnte. Besonders bei der Schilderung der Sieben Plagen zur Durchsetzung der Forderungen seitens der Juden gegen den armen Pharao, schlug so manchem Zuschauer der Atem in die Augen. Und als er seine Rede mit der hinterhältigen Eroberung der israelischen Armee 1967 und 1973 schloss, weinte selbst der Richter. „Hohes Gericht! Ich fordere nichts weiter als Gerechtigkeit! Gerechtigkeit über das begangene Unrecht dieser undankbaren Juden gegen die Großherzigkeit und Gastfreundschaft der Ägypter vor 5700 Jahren! Deshalb flehe ich Sie auf Knien an -er setzte schon zur Geste an, unterliess es aber, da er auf Grund einer Knieverletzung beim Wasserpfeifenheissrauchen gehandicapt war- verurteilen Sie diese Verbrecher -damit wies er auf die Beklagten- zu einer Zahlung von Einer Trillionen Dollar. Damit der arabischen Welt Gerechtigkeit widerfährt und wir uns wieder, nach all den Jahrzehntelangen Demütigungen, im Spiegel betrachten können.“

Der anwesende Ehud Olmert schien um Jahre gealtert und Frau Livni zählte in Gedanken schon die Schekel als das israelische Justizministerium seine Geheimwaffe einsetzte und seinen Trumpf auspielte. Kein geringerer als die lebende Legende Avigdor Lipschitz erhob sich von seinem Platz, setzte seine Lesebrille auf, strich noch einmal über seinen Bauch, räusperte sich und setzte dann zu seiner Verteidigungsrede an.

„Hohes Gericht, verehrte Anwesende! Natürlich sind wir schuld. Warum auch nicht? Man neidet uns in der westlichen Welt das wir Adam und Eva gepachtet haben. In der Schöpfungsgeschichte kommen wir zwar nicht vor, aber wir haben das Copyright. Schliesslich war Moishe, um den es hier unter anderem geht, kein Ägypter, kein Syrer, kein Iraner und kein Araber. Er war nicht mal Palästinenser. Moishele war noch nicht mal ein Sabre sondern wuchs in der Diaspora auf. Man konnte noch nicht mal ein Kind bekommen und mußte zu Tricks greifen, damit man seinen kleinen Stammhalter wieder bekam. So sah das damals aus. Kaum das wir uns irgendwo niedergelassen haben kam irgendein Volk daher, mit dem Anspruch auf die Weltherrschaft, und hatte nichts besseres zu tun als uns einfach als Gastarbeiter in die Fremde zu führen. Heute kommen die Menschen freiwillig nach Israel, vor 5700 Jahren nahm man uns unfreiwillig einfach mit. Eine Entschädigung haben wir dafür niemals erhalten -Dann legte er dem Gericht eine Lohnaufstellung mit Zins und Zinseszins vor-. Wir zogen damals so durch die Lande und wurden für die Großmannssucht einfach mißbraucht und als Sklaven gehalten. Beklagt haben wir uns nicht. Im Gegensatz zu den Völkern Heute hatten wir nicht das Privileg in unseren eigenen vier Wänden wohnen zu dürfen, denn ständig kam irgendeiner daher und verschleppte uns. Die Babylonier, die Römer, dann die Kreuzfahrer. Wir sind gar nicht auf die Idee gekommen vor irgendein Gericht zu ziehen und irgendjemanden zu verklagen, wir sind nämlich kein großes Volk. Allerdings sind wir ein Volk das viele Neider hat. Besonders in den letzten 2000 Jahren unterstellt man uns wahre Höchstleistungen. Allein die Römer die über ein Imperium von England bis Syrien verfügten fürchteten uns so sehr, dass sie die meisten von uns in alle Winde verstreuten und hat Israel dafür Italien als Rechtsnachfolger verklagt? Die Christen, die für sich einen Anspruch auf einen Juden erheben unterstellten uns alle möglichen Grausamkeiten, die sie komischerweise den Juden, die in ihrem neuen Testament vorkommen nicht zutrauen würden. Ok, Judas mal ausgenommen. Und die Muslime fühlen sich von uns veräppelt weil wir Mohamed nicht als Propheten sehen. Wir haben also 2 Religionen gestiftet und beide neiden uns offensichtlich den Erfolg den wir in der Geschichte gehabt haben. Jesus zum Beispiel war ja kein Hindu, oder Buddhist und selbst Buddha hat innerhalb des Buddhismus verschiedene Strömungen geschaffen ohne das da irgendwelche Vorbehalte gelten würden. Im Gegenteil hält man Buddha für einen freundlich grinsenden kleinen Dicken, der irgendwo auf einem Felsen sitzt. Damit konnten wir nicht dienen und Volksaufstände, wie unter den Römern, hat es zu allen Zeiten in allen Teilen gegeben, ohne das jemanden interessieren würde, aber einem Juden kreidet man Heute noch Massada an. Über die Jahrhunderte haben wir uns besser in die früheuropäische und früharabische Geschichte integriert als irgendein Wanderarbeiter. Wir haben Kulturen beeinflusst was man uns Heute auch noch ankreidet. Während andere Herrscher ganze Völkerscharen ausgerottet haben saßen wir irgendwo in einem Viertel und ließen uns meucheln. Nun gibt es für uns seit 1948 eine Zuflucht wo wir einfach irre sein dürfen, ohne das irgendeiner sich darum kümmern würde und selbst das neidet man uns von Anfang an.

Wir haben nie einen Prozess geführt. Weder verklagen wir Ägypten noch den Irak oder Italien. Wir sind vor kein Gericht gezogen und haben Klage gegen die europäischen Staaten geführt, obwohl es Grund genug gegeben hätte. Wir wollen einfach nur unsere Ruhe haben und selbst das ist nicht möglich. Kaum das die hochverehrte UNO beschlossen hatte einen israelischen und einen palästinensischen Staat zu gründen fiel man nach unserer Staatsgründung über uns her. Von daher sind wir es irgendwann leid. Sie können uns hier und heute gerne verurteilen und ich versichere Ihnen wir werden nicht nur eine Gegenklage über die Lohnforderungen einreichen sondern darüber hinaus das Gericht von Morgens bis Abends beschäftigen und das Sieben Tage die Woche. Ich habe hier mal so auf die Schnelle alles aufgeschrieben was man so vorbringen könnte -Wuchtet einen Stapel Akten auf den Tisch des Gerichts- Das reicht um Sie die nächsten Jahre zu beschäftigen, so dass Sie für andere Dinge keine Zeit mehr haben werden. Und das ist keine Drohung, sondern unser gutes Recht, dass für alle gilt. Terroristen haben ja auch Rechte, da sollte dies doch wohl auch für den Staat Israel gelten den man ja für alles verantwortlich macht“

Das Gericht zog sich dann zur Beratung zurück und kam überraschend schnell zu der Erkenntnis sollte man der Klage des ägyptischen Vertreters statt geben wären die Gerichte völlig überlastet und man hätte weniger Zeit für andere Dinge wie zum Beispiel Modellbau mit den Kindern.

Einen Tag später gaben die Richter bekannt,„die Klage wird abgewiesen! Wir sind zu der Überzeugung gelangt dass es völlig ausreichend ist, wenn sich UNO und die Gremien täglich mit den Israelis beschäftigen, da müssen wir uns nicht auch noch mit täglichen Klagen „der Israelis“ beschäftigen. So viel Zeit hat auch das Gericht nicht.“

Nachtrag

Alles fiktiv, angeregt durch die Gehirnwindungen eines Professors der offensichtlich in seiner juristischen Fakultät nicht ausgelastet ist. Allerdings ist zwar einiges überspitzt dargestellt, hat aber einen realen Hintergrund.

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