Der Prozess

Bis auf den letzten Platz war der Gerichtssaal gefüllt, schließlich wollte sich niemand diese Sensation entgehen lassen. Ursprünglich sollte der Prozess in Kairo statt finden, mußte aber auf Grund der internationalen Brisanz verlegt werden. Nach einigem Tauziehen und nachdem die Berner Regierung erklärte, die letzte Völkerwanderung hätte sich negativ auf das ökologische System der Schweizer Berge ausgewirkt -es wuchs kein Enzian und Edelweiss mehr-, entschied die UNO den Prozess, das Volk von Ägypten gegen Moses und das Volk Israel, in Den Haag durchzuführen.

Die Vorgeschichte

Kennen wir alle, oder die meisten halt. „Und die Israeliten hatten getan, wie Mose gesagt hatte, und hatten sich von den Ägyptern fsilbernes und goldenes Geschmeide und Kleider geben lassen. 36Dazu hatte der HERR dem Volk gGunst verschafft bei den Ägyptern, daß sie ihnen willfährig waren, und so nahmen sie es von den Ägyptern zur Beute. 37Also zogen die Israeliten aus von Ramses nach Sukkot, sechshunderttausend Mann zu Fuß ohne die Frauen und Kinder. 38Und es zog auch mit ihnen viel fremdes Volk, dazu Schafe und Rinder, sehr viel Vieh. 39Und sie backten aus dem rohen Teig, den sie aus Ägypten mitbrachten, ungesäuerte Brote; denn er war nicht gesäuert, weil sie aus Ägypten weggetrieben wurden und sich nicht länger aufhalten konnten und keine Wegzehrung zubereitet hatten. 40Die Zeit aber, die die Israeliten in Ägypten gewohnt haben, ist hvierhundertunddreißig Jahre. 41Als diese um waren, an eben diesem Tage zog das ganze Heer des HERRN aus Ägyptenland.“

Das heißt die Integration war gescheitert. Die Juden hatten keine Lust, weiter ohne Arbeitsplatzgarantie und Mindestlohnzusage 16 Std. am Tag, 7 Tage die Woche zu arbeiten und gründeten den Histadrut mit Moses als ihrem Gewerkschaftsführer und Aaron als seinem Stellvertreter. Kurz vor dem Pessach erklärten die beiden dass die Verhandlungen mit der Arbeitgeberseite gescheitert seien und es somit keinerlei Grundlage für ein weiteres Verweilen in ägyptischen Diensten gäbe -Der Slogan, „Am Schabbat gehört der Papi MIR!“ stammt aus dieser Zeit und war eine der Forderungen-. Nach einer außerordentlichen Sitzung und Abstimmung über die Tagesordnungspunkte „Weiterführung des Generalstreiks, „ oder „Arbeitsniederlegung und Auzug aus Ägypten“ entschied man sich mehrheitlich für den Auszug, da Gott die Zusage gab, dass er sich während der Reise um die ganze Mischpoke kümmern würde. Rafi der Buchhalter rechnete den noch ausstehenden Lohn aus und Moses entschied, man solle sich den ausstehenden Lohn selbst holen, bevor man einen Schuh macht. So geschah es also, dass sich das Volk Israel kollektiv auf den Weg aus Ägypten Richtung Sinai machte um sich nach 40 Jahren wieder in Israel niederzulassen.

Die Anzeige

Dr. Nabil Hilmi, Dekan der juristischen Fakultät der Universität von Al-Zaqaziq stiess bei einem Seminar über die Arbeitsgesetze unter Pharao Tutmosis als erster auf einen Text, der die eigenmächtige Lohneinziehung der Juden zum Thema hatte. „Ich war entsetzt,“ erklärte er gegenüber Band of Brothers auf Nachfrage,„hatten wir denn nicht alles getan, damit sich die Juden in Ägypten wie zu Hause fühlten?“ Empört weist er auf einen Papyrus und liest Paragraph 12 des Arbeitsvertrages zwischen Ägypten (Arbeitgeber) und Juden (Arbeitnehmer) vor; „Die Ägypten AG, kurz Arbeitgeber, erklärt, die täglichen Peitschenhiebe zur Hebung der Moral von 24 auf 12 zu senken und erlaubt einem Vorsänger, der noch von der Arbeitnehmervertretung der Juden zu benennen ist, ein Repertoire von heimatlichen Liedern vorzutragen, damit die Arbeitsleistung gesteigert werden kann. Weiter betonen wir den Bau eines Kulturhauses zu befürworten, damit sich die Arbeitnehmerschaft ganz wie in der Heimat fühlen kann.“

„Und dann das,“ wütend schlägt er mit der Faust auf einen weiteren Papyrus, ein Flugblatt herausgegeben vom örtlichen Vertreter des Histatrud Ramses Süd. Ein gewisser Ehud, offensichtlich der Vorsitzende, ruft darin auf die noch ausstehenden Lohnzahlungen außergerichtlich einzufordern und empfiehlt diese ganz einfach mitzunehmen. Das Flugblatt schließt mit den Worten, „die imperialistische Ausbeuterklasse in Form des Vorsitzenden Pharao weigert sich uns Minedstlöhne zu zahlen. Arbeiter, das lassen wir keinesfalls mit uns machen! Die Ägypter wollen nicht zahlen? Dann packen wir unseren Krempel und gehen! Arbeiten können wir überall!“

„Da konnte ich nicht mehr anders und erstattete umgehend Strafanzeige gegen die Juden, wir leben ja nicht unter den Osmanen, oder den Engländern. Es gibt schließlich eine Zivilisation und Gerichte in diesem Land. Ich will ja nun nicht unbedingt dass die alle in Haft müssen, aber Schadenersatz müssen sie zahlen. Gesetz ist Gesetz.“ Nachdem in der Schweiz lebende Ägypter weiterer Dokumente habhaft werden konnten, reichte Dr. Hilmi eine Klageschrift beim Amtsgericht Kairo Mitte ein da seiner juristischen Auffassung nach Kairo quasi die Hauptstadtnachfolge darstellt und somit für Zivilrechtliche Klagen zuständig sei.

Die Ermittlungen

Staatsanwalt Dr. Abdelasis elAlamein gründete umgehend die Sonderkommission „Pharaonengold“. Leiter dieser Sonderkommission wurde der erfahrene Polizeibeamte Hamid al Saawi. Gegenüber der Presse erklärte er, „in 40 Jahren Polizeidienst ist mir so eine Sauerei noch nicht untergekommen. 320 Tonnen Gold wurden so einfach aus ägyptischen Haushalten gestohlen. Die Ermittlungen werden sich schwierig gestalten, da es nicht ganz einfach ist nach 5758 Jahren noch lebende Zeugen zu finden. Mein Team und ich sind aber zuversichtlich, auf Grund der umfangreichen Aktenlage den Tathergang rekonstruieren zu können und für den leitenden Staatsanwalt auzubereiten, damit dieser die Klageschrift aufsetzen kann.“ Erster Anhaltspunkt der Ermittlungen war ein Protokoll der Polizeibehörde Theben Innenstadt. Der Kolonialwarenhändler Ramses zeigte darin den Diebstahl folgender Gegenstände an:

Ein Waffeleisen. 157 Amphoren „Pharao Premium Lager“. 260 Ochsenkarren vom Typ Gizeh GLS -Bremsschuh, Hintergeschirr, Blattfederung und flexible Zugvorrichtung für 1, 2 oder 4 Ochsen geeignet-.
800 Säcke Weizen und Getreide. Diverses Tongeschirr aus der Werkstatt des Thesis. 260 Ochsen. 36 Kühe. 126 Lämmer, sowie Ziegen und Schafe. 80 Goldstücke. Außerdem wurde der Hofhund, der auf den Namen Sphinx hört, von den Einbrechern entführt.

Die damaligen Ermittlungen der Polizeibehörde oberes Ägypten ergaben, „das etwa gegen 04:30 (Thebener Zeit) ein oder mehrere Personen das hintere Tor aufgehebelt haben müssen und gezielt, ohne einen Laut zu verursachen, innerhalb kürzester Zeit das Beutegut verstaut hatten und sich über die Pyramidenallee, Richtung Nilring davon machten. Zeugen wollen beobachtet haben, wie mehrere Personen, alle als Ägypter verkleidet, um ca. 02:00 Richtung Kolonialwarenladen unterwegs waren. Auf Nachfrage eines misstrauisch gewordenen Anwohners, der sich über den lauten Krach in der Strasse beschwerte, antworteten sie, sie wären auf dem Weg zur Nachtschicht. „Schliesslich,“ so soll einer der Einbrecher gesagt haben, „baue sich so eine Pyramide ja nicht von allein und die Ägypter wären sich ja zu fein diese Arbeiten zu machen.“ Der Zeuge verabsäumte es allerdings die Behörden zu informieren und wurde seinerzeit zu Sechs Monaten Zwangsarbeit am unteren Nillauf verurteilt.“

Tage später gingen diverse Anzeigen aus allen möglichen Teilen Ägyptens ein und offenbarten das Ausmass dieses dreisten Raubes der in der Geschichte einmalig blieb. Der Pharao liess damals alle verfügbaren Kräfte zur Verfolgung der dreisten Täter aufbieten und übernahm persönlich die Ermittlungen, sowie die Fahndung. „600.000 Menschen können sich ja nicht einfach so in Luft auflösen,“ soll er gesagt haben. Allerdings mußte die Verfolgung durch widrige Umstände am Roten Meer aufgegeben werden. Bei der Verfolgung starben diverse Staatsdiener, wobei der Verlust des Serganten Abul ganz besonders tragisch war. Neben seinen 2 Frauen, von denen eine im 7 Monat schwanger war, hinterliess er 18 Kinder. „Diese Juden,“ gab seine Nebenfrau Hatschepsut zu Protokoll, „genügte es ihnen nicht Gold, Silber und Getreide zu rauben? Mußten sie mir noch meinen treu sorgenden Ehemann nehmen? Und den Kindern den lieben Papi? Jeden Tag fragt die kleine Hanifeh, „Mama, wann kommt Papa nach Hause und bringt der Papi auch was mit?“ Ich kann immer nur darauf antworten, „bald Schätzchen, wenn er die bösen Juden verhaftet hat.“

Entscheidend in den Ermittlungen war aber eine Notiz einer kleinen Polizeistation am Rande der Wüste Sinai. Während einer regelmäßigen Karawanenkontrolle nahmen die Beamten den fliegenden Händler Hamid K. in Gewahrsam. Bei Hamid K., einem Händler aus Babylon, der regelmäßig die Route Babylon-Theben bereiste, wurden diverse Gegenstände sichergestellt, die als Diebesgut identifiziert werden konnten. K. erklärte auf Druck, er wäre in der Wüste auf eine Gruppe gestoßen, die sich ihm gegenüber als Pauschaltouristen aus Ägypten vorstellten. Der Reiseführer, -laut Personenbeschreibung, ein Mann um die 40, ca. 1,70m groß, Vollbart und leichter Glatzenansatz- erklärte ihm gegenüber man sei auf dem Weg in die Sommerfrische. K. erklärte in seiner Eidesstattlichen Versicherung

Ich habe mich echt gewundert. Ich war gerade auf dem Weg nach Theben und hatte mit meinen Kamelen die Raststätte Sinai Süd hinter mir gelassen, als auf der Höhe dieser Felsformation, die so aussieht wie ein Fußkrankes Krokodil, plötzlich eine riesige Rauchsäule auftauchte. Im ersten Moment dachte ich an einen Großbrand und bekam große Angst, dann tauchte plötzlich hinter der Säule eine riesige Menschenmenge auf und ein Typ in Mantel und einem Wanderstab in der Hand kam auf mich zu. Der Typ stellte sich mir als Moses vor und erklärte er und die Reisegruppe seien Israelis auf dem Weg zum jährlichen Kuraufenthalt. Warum sollte ich da Verdacht schöpfen? Mir fielen zwar seine Wanderplaketten am Stab auf, aber ich dachte echt das wäre einer dieser Wandervögel die in Scharen durch die Wüste pilgern. Außerdem kauften sie mir den halben Laden leer. So gute Kunden habe ich in den letzten 20 Jahren nicht gehabt. Da war mir das alles egal, so gut geht es mir nämlich auch nicht, das ich da noch Vorbehalte hätte. Ich habe schließlich eine Frau und 8 Kinder. Dann die Steuern, Wegezoll und so kauflustig sind die Ägypter auch nicht. Die Kamele wollen versorgt sein, dann sind da noch die monatlichen Abgaben an die Handelskammer. So toll sind die Zeiten nicht.

Den Männern der Polizeistation gelang es insgesamt 50 Tonnen des geraubten Goldes sicher zu stellen. Für seine Freiheit und den Gewerbeschein versprach Hamid K. vor Gericht gegen die Juden auszusagen, sollte es zu einem Prozess kommen. Des weiteren versprach man ihm, ihn in das Zeugenschutzprogramm zu integrieren, falls er auch weiterhin kooperiere.

Nach 6 Monaten trat al Saawi vor die Presse und erklärte die Ermittlungen für beendet. „Wir haben über 10.000 Akten ausgewertet. Zahlreiche Zeugenaussagen gesichtet und waren Tag und Nacht im Einsatz. Ich habe Heute unser Ermittlungsergebnis dem leitenden Staatsanwalt übergeben und denke das in den nächsten Monaten der Prozess statt finden kann.“

Die Anklage

Dr. el Alamein legte dem Amtsrichter eine 380 Seiten umfassende Anklageschrift vor. Die Hauptpunkte umfassten unter anderem Vertragsbruch, Diebstahl, Entführung, Entziehung durch Flucht und Totschlag von 3600 Justizbeamten. „Wir können ein Mordmotiv nicht eindeutig nachweisen, aber es bleibt bei dem Widerstand gegen die Staatsgewalt der Vorwurf, dass die Juden bewusst den Tod dieser tapferen Männer in Kauf nahmen. Ob es eventuell nur eine unterlassene Hilfeleistung gewesen war die zum Tod führte müssen die Richter klären.“ 2 Tage später übergab ein Gerichtsbote die Klageschrift dem amtierenden israelischen Botschafter der diese sofort dem Außenministerium in Jerusalem zusandte.

Die Reaktion

Die israelische Außenministerin Tzipi Livni hielt das ganze erst für einen Scherz und rief umgehend ihren ägyptischen Amtskollegen Ahmed Abu Al-Rait in Kairo an. Al-Rait bedauerte die Klage, wies aber daraufhin, dass das Justizwesen in Ägypten unabhängig sei und empfahl, um das ganze nach Möglichkeit nicht hochkochen zu lassen, man möge doch eine Gegenklage einreichen. „Sie werden sehen Frau Kollegin, vor Gericht wird sich das ganze dann in Wohlgefallen auflösen.“ Zwei Tage später befasste sich eine außerordentliche Sitzung der UNO Vollversammlung mit diesem Thema und der UNO Botschafter Syriens forderte eine scharfe Resolution gegen die Regierung in Jerusalem. „Diese Juden haben nichts gelernt. Schon vor 5000 Jahren wurde das ägyptische Kulturvolk, dem wir viele wundervolle Dinge verdanken, schamlos in ihrer Gutmütigkeit von diesen zionistischen Kulturverbrechern ausgenutzt.“ Dem weiteren Ruf nach Sanktionen gegen Israel, eingebracht vom usbekischen Vertreter, schlossen sich der Iran, Syrien, Pakistan, Kuba und weitere Staaten an. Hugo Chavez erklärte in einer Fünfstündigen Direktschaltung es sei eine Unverschämtheit wie diese Juden seit Tausenden von Jahren agieren würden. „Nicht nur die Ägypter beraubt, auch den Heiland an’s Kreuz geschlagen.“ Seine Rede schloss er mit den Worten, „das Volk von Venezuela unterstützt sämtliche Sanktionen gegen das Regime in Jerusalem. Sollte es zu einem Embargo kommen ist Venezuela sofort bereit Truppen zu entsenden, damit dies auch überwacht und eingehalten wird.“ Der deutsche Botschafter mahnte zur Ruhe und der Völkerrechtler der PDS, Norman Paech erklärte, „bisher haben wir keinen Einblick in die Klageschrift. Vom Völkerrechtlichen Standpunkt aus gesehen ist die Regierung in Tel Aviv aber als Nachfolgerin der Gewerkschaftsführung haftbar zu machen, schließlich handele es sich um Juden und damit ist die Situation klar. Allerdings bleibt die Frage, wie sieht es mit der Verjährung aus? Da Tel Aviv sich aber bisher gegenüber den Palästinensern so unnachgiebig gezeigt hat, sollte die Völkergemeinschaft hier nicht klein bei geben und ein Exempel statuieren. Besinnen wir uns auf Nürnberg.“

So kam es wie es kommen mußte. Nachdem sich die UNO Justiz der Sache annahm wurde die Klage vom zuständigen Amtsgericht Kairo übernommen und nach langem Hin und Her an den Internationalen Gerichtshof in Den Haag abgegeben.

Ende Teil1

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