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Vor 90 Jahren

November 5, 2007

Die Oktoberrevolution

Die Zeit vom 04. November 1917 bis zum 08. November 1917 (nach dem gregorianischen Kalender vom 22. – 25. Oktober)  lässt bei linken Ewiggestrigen -ja die gibt es auch- regelmässig den Harnspiegel steigen, wenn sie sich an die Oktoberrevolution erinnern. Da sich das ganze nun zum Neunzigsten Mal jährt, sollte man den runden Geburtstag nutzen und einen kritischen Blick auf das Ereignis werfen, besonders wenn es immer noch Personen gibt, die nicht nur den Untergang des Sovietreichs bedauern, sondern auch das späte scheitern der Weltrevolution.

Hexenpower konnte im Kommentarbereich des ORF ihre Rührung kaum zurück halten und schrieb zum Jubiläum

Die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken und
die Kommunistische Partei der Sowjetunion sind das größte Vermächtnis, das Lenin der Menschheit hinterlassen hat.
Lenin schuf die Partei der Bolschewiki, führte sie durch drei Revolutionen zur Leitung des Sowjetlandes und stand an der Spitze des ersten sozialistischen Staates der Welt.
Der Genius Lenins eröffnete Sowjetrußland und der gesamten Menschheit den Weg in eine neue historische Epoche.
Leniid Illitsch Breschnew sagte in seiner Rede aus Anlaß des 100. Geburtstages von Wladimir Illitsch Lenin: Der Maßstab des Denkers Lenins und seiner Taten war so gewaltig, er hat die herangereiften Erfordernisse seiner Epoche so tief erfaßt und ausgedrückt, daß seine Ideen bis auf den heutigen Tag eine mächtige Waffe in den Händen der Kämpfer für das Glück der Völker sind. Es gibt keinen Winkel auf der Welt, wo der Name Lenin nicht als flammender Appell zum Kampf gegen Unterdrückung, Rechtlosigkeit und Ausbeutung, als Symbol der kämperischen Einheit, als Unterpfand des Sieges in der historischen Schlacht für den Triumph der kommuistischen Ideale erschallen würde.

Danke Herr Generalsekretär der UdSSR Leonis Illitsch Breschnew !
Danke Wladimir Illitsch Lenin !
Danke Sowjetrußland !
Danke Sowjetunion vor 1991 !
Danke Sozialistisches Österreich !

Danke Linke Welt !

Mit diesem Kommentar bestätigt sie mein Vorurteil über „linke Salonrevoluzzer,“ die glauben wenn sie die Bücher von Marx, Lenin, Engels und Trotzki in der Hand hatten wären sie schon mit Intellekt geschlagen.  Die Zeit nach der Oktoberrevolution war der Anfang zahlreicher dunkler Kapitel der „sozialistischen Errungenschaft“  mit zahlreichen Opfern und man kann den Sozialismus in der UdSSR durchaus mit Faschismus und Nationalsozialismus vergleichen, in der Tat eröffnete Lenin einen Weg in eine „neue historische Epoche“ schließlich war der Sozialismus ein totalitäres System, auch wenn Lenin ab 1921 einen staatlich reglementierten Kapitalismus zuliess, nicht um eine Katastrophe abzuwenden, sondern aus politischem Kalkül, um nicht den letzten Rückhalt zu verlieren. Und so konnte man sich als Retter der Hungerkatastrophe darstellen, was für eine Leistung.

Die ganze Oktoberrevolution war nichts weiter als ein Jahrmarkt der Eitelkeiten. Berufsrevoluzzer die es im Leben auch mal zu etwas bringen wollten und sei es nur als Messias der unterdrückten Massen. Für die russische Gesellschaft war es dagegen der Wechsel vom Regen in die Traufe. Unter den Zaren war nur der Adel von Wert, während  die Bevölkerung nur als unterprivilegiert dahin vegetieren durfte und vom Adel und Klerus seinen Beitrag zum Erhalt abliefern. Unter den Sozialisten wurden sie dann völlig gleich geschaltet und das wird dann Heute noch als Errungenschaft gepriesen.

Besonders in der Zeit von 1918 bis 1953, bewegte man sich auf besonders dünnem Eis. Jeder Winkel des privaten Lebens wurde bis in’s kleinste Detail durchleuchtet und wenn man zufällig jemandem auf der Straße begegnete der in Ungnade gefallen war, so konnte dies für einen selbst durchaus in der Verbannung enden.

Personenkult

Nicht nur die Rechten betreiben einen Personenkult um Typen wie Hitler, Mussolini, Franco oder Dollfuss, auch ewig Linke werden nicht müde zu betonen wie toll doch Lenin, Trotzki, oder Stalin waren. Besonders Trotzki wird immer als der weisse Ritter der Revolution gefeiert, der nicht so schlimm war, sondern von Stalin  gemobbt wurde.

2005 schrieb die Sozialistische Alternative voller Begeisterung über Trotzki, er war ein Kämpfer gegen Kapitalismus und Stalinismus – für Sozialismus und vergisst dabei, dass Trotzki nicht besser war als die anderen. Er mag zwar Stalin unterschätzt haben, aber Trotzki wußte sehr wohl, wie man die Macht der Bilder für sich nutzen kann -sieht man an der sozialistischen Alternative- und wie man, ganz subtil, Angst und Schrecken verbreitet. Dies verhindert aber nicht die Verklärung und Klitterung.

Der begeisternde Redner Trotzki organisierte und mobilisierte die Rote Armee, die die junge Sowjetunion nach dem Sturz des Kapitalismus  in den darauf folgenden Jahren des Bürgerkrieges erfolgreich verteidigte.

Die Bolschewisten stürzten nicht den Kapitalismus, sondern das Zarentum und seine adeligen Anhänger. Und Trotzki mag zwar die rote Armee organisiert haben, in den Methoden eines mittelalterlichen Despoten unterschied er sich jedoch nicht. Die rote Armee ging ebenso grausam gegen Bevölkerung und den Gegner vor, wie die weiße Revolution. Beide unterschieden sich keinen Deut. Allerdings geht es dabei weniger um eine Beweihräucherung Trotzkis sonder eher um eine versuchte Kapitalismuskritik

Kapitalismus bedeutet heute weltweit Armut, Massenarbeitslosigkeit, Umweltzerstörung, Rüstung und Kriege. Die Herrschenden dieser Welt fürchten zu recht, dass das Totenglöckchen für dieses wahnsinnige Profitsystem geläutet hat, sobald die Menschen eine Alternative zu diesem System sehen. Deshalb versuchen sie alles, um die Oktoberrevolution und die Idee des  Sozialismus zu verleumden.

Was das nun mit der Oktoberrevolution und Trotzki zu tun hat, darüber kann man rätseln, denn zum Umsturz hat nicht der russische Kapitalismus geführt, der ja eigentlich auch nicht vorhanden war. Länder wie Cuba, Nordkorea, Zimbabwe, oder China, also alles Länder die sich als sozialistische Erben begreifen, werfen eher die Frage auf, woher man beim SAV eigentlich die Erkenntnis nimmt. In diesen Systemen gibt es eine Nomenklatura die alles besitzen, während der Rest der Bevölkerung sehen kann wo er bleibt. Und nicht der Kapitalismus bedeutet weltweite Armut sondern ein System von totalitären Regimen und Machthabern die sich ausschließlich um das eigene Wohl kümmern. Das gibt es im Kapitalismus ebenso wie im Sozialismus, wobei der Kapitalismus immer noch das Instrument der demokratischen Selbstverwirklichung bietet. Ansonsten erinnert die Aussage an den Politunterricht der ehemaligen DDR. Dort war man der Meinung der Kapitalismus könne nur durch Rüstung und Kriege existieren. Der Kapitalismus benötigt den Krieg um sein Überleben im System zu sichern war eine Erkenntnis. Das ausgerechnet der so menschenfreundliche Sozialismus die Intervention zur Staatsdoktrin erklärt hat ignoriert man immer wieder. Ob das Engagement der Cubaner in Afrika, die Durchsetzung hegemonialer Interessen der UdSSR in Ungarn, der CSSR, oder Afghanistan. Sobald sich die Erkenntnis durchsetzte, das Demokratie und persönliche Freiheit eine bessere Alternative zu Gleichschaltung und totalitaristischer Auffassung waren, ging der Warschauer Pakt nicht gerade zimperlich gegen oppositionelle Gruppen vor und diffamierte diese als reaktionäre Handlanger des kapitalistischen Imperialismus.

Daran hat sich nichts geändert: „Sie behaupten, der Stalinismus sei die logische Fortsetzung der Politik der Bolschewiki unter Lenin und Trotzki gewesen. Allein die Tatsache, dass an erster Stelle die Verteidiger der Ziele der Oktoberrevolution, die „Trotzkisten“, und am Ende Trotzki selbst, die Opfer der stalinistischen Diktatur wurden, straft diese Behauptung Lügen.“ Hätte Trotzki den internen Machtkampf gewonnen, er wäre ebenso gegen seine Gegner vorgegangen wie Stalin.

Die Oktoberrevolution ist rückblickend absolut nicht zu verherrlichen. Die einzige Alternative zu Regimen, ob sie sich nun auf den Sozialismus berufen, den Zaren, oder den Führer, ist eine liberale Demokratie.Von daher kann man aus dem Jubiläum durchaus eine Lehre ziehen, als Demokrat dafür zu sorgen, dass weder Sozialismus, noch Faschismus Gesellschaftsfähig werden.

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  1. classless Kulla

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