Kampf gegen Armut

Im Jahr 2000 beschloss die UNO, wenn sie sonst schon nichts zu Stande bringt, doch wenigstens die Armut in der Welt bekämpfen könnte.  Also richtete man den Milleniums-Gipfel aus und die Staats- und Regierungschefs beschlossen, mit feierlichem Ernst, man würde bis zum Jahr 2015 nicht nur die extreme Armut halbieren, die Kindersterblichkeit um zwei Drittel verringern, sondern auch eine allgemeine Grundschulbildung erreichen. Mit wem man dies erreichen wollte, dazu sagte die UNO damals nicht viel, sondern ließ sich anscheinend von Fernsehserien wie Startrek, oder einem Musical wie Hair inspirieren.

Viel erreicht hat man auf jeden Fall nicht, was einen auch nicht sonderlich wundern dürfte wenn man sich die Mitgliedsländer so anschaut. Wer bei anderen eine Offene Gesellschaft einfordert und auf Menschenrechte pocht, besonders gerne fordert man dies für Demokratien ein,  hat es im eigenen Land meist nicht so eilig diese auch für seine eigenen Leute umzusetzen -der Menschenrechtsrat läßt grüßen- und lehnt sich gerne zurück –„Milleniumsgipfel 2000 und ich war dabei!“-. Kein Wunder also dass das Urteil im Jahre 2005 eher ernüchternd ausfiel

Nach dem gegenwärtigen Trend würden im Jahr 2015 immer noch 827 Millionen Menschen in extremer Armut leben, 380 Millionen mehr, als die internationalen Ziele vorgeben. Weitere 1,7 Milliarden Menschen würden von weniger als zwei US-Dollar pro Tag leben. Auch vom Ziel, die Kindersterblichkeit spürbar zu verringern, sind die Staaten weit entfernt. Ginge es weiter wie bisher, würde erst 2045 das Ziel erreicht, 30 Jahre später als versprochen. Für schätzungsweise 41 Millionen Kinder würde diese Verzögerung dem Bericht zufolge den Tod bedeuten.

Für die UNO zwar ein Grund zur Besorgnis, aber da der gute Wille zählt, legte man das Thema erst einmal auf’s Eis und sich anderen Themen zu -Israel zum Beispiel- bis man in diesem Jahr mal wieder an die Ziele erinnert wurde. Dummerweise machte man bei der UNO 1992 den 17. Oktober zum „Internationalen Tag zur Überwindung der Armut“ und wird seit dem Gipfel nun umso nachdrücklicher an die Ziele erinnert. Zerknirscht stellte Ban Ki Moon in diesem Jahr fest

 Die afrikanischen Länder südlich der Sahara leiden nach UNO-Angaben nach wie vor am schlimmsten unter Armut, Seuchen, Kindersterblichkeit und mangelnder Schulbildung. In einer Erklärung zum Welttag gegen die Armut bedauerte UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon, dass in diesem Teil Afrikas nicht ein einziges Millenniumsziel erfüllt worden sei.

und suchte sich nun Verbündete in der IT-Branche.

Die Vereinten Nationen und die IT-Konzerne Google und Cisco haben sich im Kampf gegen die Armut verbündet: Sie starteten eine gemeinsame Website, auf der die Fortschritte beim Kampf gegen die Armut in der Welt verfolgt werden können. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, Google-Earth-Cheftechnologe Michael Jones und Cisco-Vizepräsident Carlos Dominguez setzten den sogenannten MDG-Monitor am Donnerstag in New York in Gang. Die Website soll es unter anderem verschiedenen UN-Behörden, Regierungen, Entwicklungshilfe-Experten und Nichtregierungsorganisationen ermöglichen, die Erfolge bei der Halbierung der weltweiten Armut bis zum Jahr 2015 zu kontrollieren.

Für mich sieht das eher nach blindem Aktionismus aus, denn wenn seit 1992 keine Besserung eingetreten ist und der Gipfel, samt Schwüren, nichts bewirkt hat, dann wird ein Monitoring wohl auch nicht viel bringen. Die Menschen die es betrifft werden wohl kaum im Internet nachschauen. Ihre Regierungen haben wenig Interesse daran, das ihre Bürger in einer freiheitlichen Gesellschaft leben können, die Chancen für alle bietet, ohne Ansehen der Zugehörigkeit und den Gruppen im Westen, die schnell eine Demonstration gegen den G8 Gipfel organisieren können, aber beim Thema Darfur  auffällig still sind, ist das ganze schnuppe. Da weder die USA, noch Israel involviert sind haben sie keinen Grund sich lautstark und kritisch zu äußern. Sollte allerdings Bush zum Kampf gegen die weltweite Armut aufrufen darf man sicher sein, dass eine Gruppe wie Attac zum weltweiten Protesttag aufruft, da es Bush logischerweise nur um ÖL geht.

Am 17. October 2008 findet der Tag gegen Armut wieder statt, mal sehen welche Aktion dann wieder gestartet wird. Vielleicht sollte man wirklich die US-Regierung in’s Spiel bringen, wenigstens erhält das Event dann eine gewisse Aufmerksamkeit der westlichen Berufsdemonstranten.

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