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Krieg im Kopf

Oktober 22, 2007

Vor 30 Jahren am 18. Oktober 1977 endete der deutsche Herbst, der am 05. September mit der Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer begonnen hatte und mit der Ermordung Schleyers am 18. Oktober endete. Die Bilanz von über einem Monat, 6 Menschen wurden von Verbrechern ermordet, die sich in einem Akt des Größenwahns als politische Kämpfer betrachteten und glaubten sie müssten die Bürger der Bundesrepublik mit Waffengewalt befreien. Teilweise glauben auch Heute noch einige der ehemaligen, der bewaffnete Kampf sei gerechtfertigt gewesen und sehen es auch als durchaus legitim an, sollten sich heute wieder Wirrköpfe zusammen finden und von einem politischen Ziel faseln, es völlig in Ordnung ist, wenn mal wieder ein paar Bomben explodieren.

Drei Verbrecher wurden während der Geiselbefreiung in Mogadishu erschossen und 3 begingen in Stuttgart-Stammheim Selbstmord. Für die damalige Bundesregierung ein recht zweifelhafter Erfolg, denn nicht nur wucherte eine Legendenbildung um die Bande, sondern es enstanden auch verschiedene Verschwörungsgeschichten die beweisen sollten, dass die Bunderegierung, oder zumindest die Justizbeamten, in die Selbstmorde involviert gewesen seien.

Erinnern kann ich mich noch lebhaft an die Debatten und die ständigen Verkehrskontrollen in und um Bonn. Sobald man in die Nähe der US-Botschaft, der amerikanischen Siedlung, oder der Regierungszone kam, wurde man kontrolliert. Aber das war es im Grunde genommen nicht was mich als Jugendlichen zu zwei Erkenntnissen gebracht hat. Die erste Erkenntnis, mir sind die Palästinenser eigentlich völlig wurscht, denn wer Krieg gegen ein anderes Land führt -und München war nicht nur eine weitere Kriegserklärung an Israel, sondern auch eine Kriegserklärung an Deutschland und die restliche Welt- sollte sich in moralischen Dingen bedeckt halten und keinerlei Anspruch auf irgendetwas besitzen. Die zweite Erkenntnis von damals, Extremisten mögen sich zwar politisch nennen, sie sind es aber nicht, sondern einfach nur eine Bande von Verbrechern die glauben ein ganzes Land in Geiselhaft nehmen zu können. Von der ersten Erkenntnis habe ich mich weitesgehendst gelöst, denn die Menschen in den Autonomiegebieten, oder den Flüchtlingslagern können nichts für Wirrköpfe, allerdings gebietet es der Verstand diesen zu widerstehen. Von der anderen Erkenntnis werde ich mich nie lösen, egal ob diese sich als Linke, Rechte, oder „Drüberdrunter“ verstehen. Ich mag da für mich auch gar nicht differenzieren, denn wenn ich das mache, dann könnte ich, so pervers das ist, auch einem Ted Bundy unterstellen, er hätte eine Libertäre Einstellung besessen und seine Mordopfer seien ihm, in der Ausgestaltung seiner Lebensvorstellung, einfach nur die Quere gekommen. Und mit seinen Taten und Ritualen an den Leichen wollte er einfach nur ein Signal setzen.

Aus den Erfahrungen von damals allerdings scheint man nicht viel gelernt zu haben. Vor allem scheinen viele vergessen zu haben, wie die Bundesregierung damals vorging um sich zu wehren. So war der Begriff Rasterfahndung damals in aller Munde und löste in der Gesellschaft Proteste aus, denn nicht wenige mutmassten, die Regierung könne diese Fahndung auf alle Teile der Bevölkerung ausdehnen. Dabei ging es damals noch vergleichsweise harmlos zu, aber betrachtet man die Entwicklung über die 30 Jahre hat sich nicht allzuviel geändert. Die eine Seite wirft Schreckgespenster an die Wand und redet von Orwell’s Realität, während die andere Seite versucht die Massnahmen zu rechtfertigen und trotz Terrorattentaten, auch nach 1977, die Terrorgefahren noch nicht so ganz eingesehen hat und nach 2001 plötzlich aus dem Koma erwacht wieder auf Aktionismus setzt.

Unter dem Titel „Terrorziel Deutschland“ sendet das ZDF am Dienstag eine Reportage über den islamistischen Terror und fragt

Wer sind die jungen Gewalttäter? Wie geraten sie hinein in das Netzwerk des Terrors? Woher stammt ihr Hass? Und wie kann man sie aufhalten?

Fragen die nichts Neues sind, die man sich vor 30 Jahren schon gestellt hat und die man nun wieder, unter anderen Gegebenheiten, aufwärmt.

Sie kommen mitten aus der deutschen Gesellschaft, an der sie ihre Wut auslassen wollen über die angebliche Ungerechtigkeit, die ihnen und ihren Gesinnungsgenossen in Deutschland und in der Welt widerfährt.

Schon RAF und 2. Juni kamen mitten aus der Gesellschaft. Spiesser die sich auf der einen Seite auch ungerecht behandelt fühlten -einige waren der Meinung die Bundesrepublik sei ein Postfaschistischer Staat- und auf der anderen Seite auch ihre Wut auslassen wollten. So wie die Islamisten versuchte auch die RAF ihren Aktionen den Stempel der politischen Sache aufzudrücken. Es handelt sich um gescheiterte Existenzen -Ulrike Meinhof mal ausgenommen- die anscheinend das Bedürfnis haben in’s Rampenlicht der Gesellschaft zu kommen. Es genügt ihnen nicht Zivildienst in einem Krankenhaus, oder Altersheim zu leisten, sondern muß spektakulär und zerstörerisch sein.

Die modernen Terroristen finden dabei vermeintlich im Islam ihr Heil. Bezogen auf die Konvertiten die man verhaftet hat behaupte ich einfach mal, sie stolperten auf der Suche nach dem Sinn ihres Lebens über den Islam. Sie hätten sich auch einer Erweckungskirche anschließen können, den Zeugen Jehovas beitreten, oder einer der zahlreichen anderen Glaubensgemeinschaften. Sie hätten auch der AUM-Sekte beitreten können. Bei der Mitgliederzahl hätten sie nicht nur eine Position in den vorderen Reihen erhalten, sondern auch ein Signal setzen können. Statt dessen aber treten sie dem Islam bei, besser dem Islamismus. Es sollte also nicht Brot und Butter sein, sondern eine Spur radikaler.

Früher reiste man in den Libanon, oder nach Jordanien, heute ist das Ziel Pakistan. Dabei geht es auch nicht darum den Sinn des Lebens zu finden, sondern darum, wie man möglichst groß raus kommt. Weder ist es Wut, noch der Hass der sie umtreibt, sondern eine gescheiterte Existenz, die als Kämpfer für den Djihad, doch noch etwas bringen soll. Bei den Hardcoreislamisten -damit meine ich die, welche aus dem Islam kommen und nicht konvertiert sind- geht es aber um etwas völlig anderes. Islamisten unterscheiden nicht zwischen Muslimen und Nichtmuslimen. Würden sie das tun, dann gäbe es keine Terroranschläge im Irak, Afghanistan oder anderswo. Ihnen geht es darum einen Gottesstaat herbeizubomben. Ähnlich wie die Taliban ist ihr Denken darauf ausgerichtet die Uhr zurückzudrehen. Anschläge auf den Westen sollen dazu dienen den Einfluss zurückzudrängen. Spanien zog seine Soldaten, nach den Anschlägen von Madrid, aus dem Irak zurück. Andere Staaten folgten, ob nun im Irak, oder Afghanistan. Deutschland ist ebenso ein Ziel, wie jedes andere europäische Land. Es geht eben nicht, wie so mancher Schwurbler behauptet darum einen Gottesstaat in Europa zu errichten. Die westlichen Staaten sollen sich nach Möglichkeit komplett aus der Region zurück ziehen. Und um dies zu erreichen ist ihnen auch der vermeintliche Krieg in Berlin, London, Paris oder Rom recht.

Der Krieg findet im Kopf statt und dieser erklärt ihnen, der westliche Einfluss, sowie die zionistische Weltverschwörung verhindern ein Leben in völliger Religiosität. Auch wenn Islamexperten jetzt erklären diese Leute hätten nichts mit dem Islam zu tun und wären keine Moslems, dann liegen sie falsch. Religion ist immer Auslegungssache. Wenn jemand glaubt Gott wohnt in einem Apfelbaum und betet diesen an, dann werde ich ihn schwerlich davon abbringen. Diese Leute sind überzeugt davon die „wahre Religion“ zu vertreten. Es liegt also an den Vertretern und Mitgliedern des Islam diesem entgegen zu wirken. Und sie sollten, statt ständig ihre Verantwortung auf andere zu delegieren, sich über ihre Religion Gedanken machen, denn wenn der Westen sich völlig zurückzieht und gegenüber islamistischen Gruppen einknickt, weil die Differenzierung fehlt, steht die arabische Welt dem irgendwann allein gegenüber und ob da dann noch Repressalien greifen ist mehr als zweifelhaft.

Der Westen allerdings sollte dringend aus dem deutschen Herbst gelernt haben. So wie pseudolinke Gruppen die PLO, PFLP und andere romantisiert haben und sich solidarisch mit einem Volk erklärten, dass im Grunde genommen an seiner Situation selber Mitschuld hatte, so solidarisieren sie sich mit den Islamisten und sehen diese als eine moderne Volksbefreiungsbewegung. Das sie damit Marx, Lenin, oder Trotzki konterkarieren kommt ihnen gar nicht in den Sinn. Sie dienen dem modernen Verbrechertum -nichts anderes sind Terroristen- als nützliche Idioten und bilden eine Parallelgesellschaft zu den Neonazis. Schon der Führer wußte die Qualitäten durchaus zu schätzen, obwohl deutsche Muslime in der Zeit nicht gerade viel zu lachen hatten.

Es liegt also an der Gesellschaft, ob im Mittleren Osten, oder im Westen, ob sie einer Minderheit die Herrschaft geben möchte und sollte sich die Frage stellen, was für einen Stellenwert Demokratie und freiheitliche Werte besitzen. Die Politik sollte sich die Geschichte vor 30 Jahren genau anschauen und aus den Erkenntnissen von damals eine Lehre ziehen. Und die politische Linke sollte sich stärker, als sie es bisher getan die Frage gefallen lassen, ob sie eine totalitäre Gesellschaftsordnung -darum geht es dem politischen Islamismus- toll findet, oder ob sie die Ziele der Demokratie nicht doch besser findet und sich vielleicht mal stärker und öffentlich von ihren Wirrköpfen distanziert. Dies sollten sich auch die Muslime überlegen, denn der Terror geht nicht von Christen, Buddhisten, Juden, oder Hindus aus, sondern es sind Mitglieder aus ihren Reihen die ohne Ansehen der Religion Terror verbreiten und damit mehr den Muslimen schaden als dem Westen.

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One Comment leave one →
  1. Dezember 25, 2007 4:56 pm

    Frohe Weihnachten

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