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Das ewige Lied

Oktober 19, 2007

Der Fuchsbau und die Achse des Guten weisen Heute unter dem Titel „Das Titelblatt des Jahres“ und „Die Waffen-SS, eine Eliteeinheit in Farbe“ auf eine Sonderausgabe der DMZ hin, in der mal wieder das übliche Bild beschrieben wird.

Unter dem Titel „Die Waffen-SS – Sie waren dabei!“ veröffentlicht die Zeitung Bilder verschiedener Personen -unter anderem Günther Grass, Otto Beisheim und Franz Schönhuber– und glaubt im Einführungstext den ultimativen Tabubruch zu begehen, in dem sie fragt „ist die Zeit jetzt -61 Jahre nach Kriegsende- reif dafür, offen aus-zusprechen, daß die Waffen-SS eine militärische Eliteeinheit war und daß es keine Schande ist ihr angehört zu haben?“ und als Beweis, dass dieZeit für eine Diskussion reif ist, nicht nur verschiedene ehemalige Angehörige auflistet, sowie darauf hinweist „Das durchgängig farbige Heft, geschrieben von hochkarätigen Fachleuten, stellt eine Ausnahmetruppe vor, die -beim ehemaligen Gegner geachtet und bewundert- im eigenen Vaterland immer noch heftigste Diskussionen auslöst.“

Dass die Waffen-SS eigentlich für die deutsche Winterhilfe tätig und nur unterstützende Kampftruppe für die Wehrmacht war, kurz, alles proppere Jungs die einfach nur tapfer ihre Heimat verteidigt haben, aber gänzlich missverstanden wurden, ist nichts Neues und auch kein Tabubruch, selbst wenn vermeintliche Experten dies glauben und das Bild gerade rücken möchten. Seit Kriegsende laufen die Rechtfertigungs- und Geschichtsklitterungsversuche seitens der Kameradschaftsverbände, Geschichtsrevisionisten, notorischen ewig Gestrigen und neuen Rechten. „Die SS, dass unverstandene Wesen“ kann man glatt glauben, wenn man sich die Auseinandersetzungen so anschaut. Selbst der Pabelverlag hat schon mit seinen Landserbänden in den 70er und 80er Jahren versucht den Pathos der deutschen Landser aufrecht zu erhalten und mit Sonderbänden über Ritterkreuzträger und andere Ungustel eine Rechtfertigungsorgie für „tragische Helden“ veranstaltet.

Neu allerdings und wieder im Trend ist die Verharmlosung die manche an den Tag legen. Es ist wieder legitim zu sagen, „es war ja nicht alles schlimm,“ um sich dann zu beklagen, „leider darf man ja immer noch nicht viel sagen und muß halt immer an die Geschichte denken.“ Dabei sind die Bücherregale mit einschlägigen Büchern voll, denn im Prinzip darf man alles sagen und alles schreiben. Und würde man die Holocaustleugnung legitimieren, die Buchläden würden aus allen Nähten platzen über den rechten Dreck der sich dann über das Land verbreiten würde.

Geschichtsrevisionismus ist ein einträgliches Geschäft und vom angeblichen Präventivkrieg Hitlers gegen die Sovietunion, über die wahren Kriegstreiber und Kriegsgründe, bis hin zum Mythos, die Alliierten wären ja viel schlimmer gewesen, ist alles im Buchhandel vertreten, was nicht nur Opas Seele streichelt, sondern auch dem Enkel Befriedigung verschafft.

Die Debatte des vermeintlichen Tabubruches ist also nichts neues, sondern hat immer statt gefunden.

In den achtziger Jahren begann Ernst Nolte den sogenannten Historikerstreit in der großbürgerlichen FAZ. Nolte begann damit, Auschwitz und die Shoa in ihrer Einmaligkeit zu relativieren. Er verglich die Shoa mit den Verbrechen in der Sowjetunion unter Stalin. Im nächsten Schritt zweifelte Nolte die Zahl der ermordeten Juden an. Im dritten Schritt deutete Nolte die Shoa als „Notwehraktion“ gegen den Bolschewismus um. Es ist kein Zufall, dass Ernst Nolte ein begeistertes Vorwort zu dem Buch von Rogalla von Bieberstein „Jüdischer Bolschewismus Mythos und Realität“ schrieb.

Und damit ist auch die versuchte Verharmlosung der Waffen-SS nichts neues. Seit Jahrzehnten bemühen sich Revisionisten akribisch darum, die Waffen-SS von der allgemeinen SS und den Totenkopfverbänden zu trennen und diese als nachgerade harmlos darzustellen, oder ihre Mitglieder als Opfer der Zeit zu stilisieren, besonders wenn es um Kriegsverbrechen der Waffen-SS geht, die nicht anders handeln konnten.

Der Militärhistoriker Gerhard Schreiber räumte 1996 in seinem Buch „Deutsche Kriegsverbrechen in Italien, Täter, Opfer, Strafverfolgung“ mit den immer gleichlautenden Rechtfertigungen auf und erklärte auf einer Veranstaltung in Dortmund 2002 zum Thema Befehlsnotstand -darauf wird immer gern verwiesen dass man nicht anders hatte können-

„Für die wenigen Offiziere, die solche Befehle nicht ausführten, hatte ihre Verweigerung in keinem Fall nachteilige Folgen. Das überrascht nicht, denn jeder Wehrmacht- oder SS-Angehörige konnte sich auf § 47 Militärstrafgesetzbuch berufen, der es verbot, wissentlich einen Befehl zu befolgen, der ein „bürgerliches oder militärisches Verbrechen oder Vergehen bezweckte“. Außerdem durfte gemäß den „Zehn Geboten für die Kriegführung des deutschen Soldaten“, die jeder Wehrmachtangehörige in den Händen hatte, „kein Gegner getötet werden“, der sich ergab, nicht einmal der „Freischärler und der Spion“. Das mag erklären, warum sich bis heute – bei rund 1.600 untersuchten Fällen – kein einziger Fall nachweisen ließ, in dem ein Soldat oder SS-Mann wegen der Nichtausführung eines verbrecherischen Befehls in Befehlsnotstand geriet, das heißt, in eine Lage, in der ihm eine „gegenwärtige Gefahr für Leib oder Leben drohte“.“

Es wird sich also auch in Zukunft nicht verhindern lassen, dass es Zeitschriften wie die DMZ gibt, oder Pseudohistoriker, die versuchen ein angebliches Tabu zu brechen, was es nie gegeben hat und die auch weiterhin versuchen werden, mit Relativierungen die Greueltaten der Wehrmacht und Waffen-SS zu verharmlosen. Das sie auch dabei die übliche Standartfloskel verwenden -„Man darf ja nichts sagen. Andere haben auch Verbrechen begangen. usw“- sollte einen nicht davon abhalten diesen Gestalten jegliche Legitimation zu entziehen.

Kriegsverbrechen in Italien. Artikel in der Welt von 2006. Malmedy. Oradour sur Glane

 

 

 

 

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