Sie sind Hip, sie sind cool und sie wollen die „jüdische Mehrheit“ in den USA repräsentieren, die anders sind als AIPAC, oder ein Bingoabend im Mt. Herzl Altersheim in Florida. Sie essen keinen Bagel, sondern Burger, ihre Kinder besuchen keine Talmudschule und die Synagoge sehen sie höchstens an den Feiertagen.
Als mir F.D.R. von J Street berichtete, da dachte ich zuerst, es handele sich bei dem Namen um eine Neuauflage der Jumpstreet, halt nur im Gewand des 21. Jahrhunderts. Dann habe ich festgestellt, dass sich J Street im letzten Jahr gegründet haben, strategischerweise während des Wahlkampfs in den USA und sich das Ziel auf die Fahnen geschrieben haben die Außenpolitik der USA gegenüber Israel zu ändern. Sie wollten ein Gegengewicht zu AIPAC bilden dem, ihrer Meinung nach, „dunklen Einflüsterer“ amerikanischer Präsidenten und setzten, als liberale Juden, natürlich auf Barack Obama. Der fand den Support zwar ganz angenehm, zog aber trotzdem lieber einen Besuch bei AIPAC vor. Das hinderte J Street aber nicht daran sich weiter als alternative Lobbygruppe zu verstehen die laut Eigenwerbung: „J Street was founded to promote meaningful American leadership to end the Arab-Israeli and Israeli-Palestinian conflicts peacefully and diplomatically. We support a new direction for American policy in the Middle East and a broad public and policy debate about the U.S. role in the region,“ sich als Quasi Gegenlobby begreift, der „nur und ausschließlich“ das Wohl Israels am Herzen liegt, aber der Meinung ist, man steuere nicht nur im Weißen Haus, sondern auch in Jerusalem in eine falsche Richtung die in die Katastrophe führt.
Natürlich versteht sich der Gründer Jeremy Ben-Ami als Zionist, dem das Wohl Israels natürlich sehr am Herzen liegt, aber er versteht sich auch als amerikanischer Patriot und sieht es als Amerikas Pflicht an, dass die Administration in Washington mehr Druck auf die Regierung in Jerusalem ausüben soll, damit es endlich Frieden gibt. Natürlich sollte es Israel überlassen bleiben mit wem sie da verhandeln, Hauptsache, sie verhandeln und am liebsten mit einer geeinten Regierung aus Hamas und Fatah. Schließlich, so sein Resümee, würden diese sich zum Glück wieder annähern.
Auf mich macht er und die ganze Gruppe den Eindruck von weltfremden Juden, die irgendwo fernab in den hintersten Winkeln der USA leben und glauben, Israel wäre irgendwie eine Raumbasis auf dem Mond. Im Prinzip sind er und seine Gruppe nicht weniger schlimm als die radikale Siedlerbewegung aus den USA, die in Israel eingefallen sind und noch nationaler eingestellt sind, als es ein Lieberman je sein könnte. J Street versteht nicht, dass es nichts zu verhandeln gibt, so lange nicht das Problem der Anerkennung, sowie das Problem der radikalen Gruppen gelöst ist. Sie begreifen auch nicht, dass die Hamas überhaupt nicht dazu bereit ist auch nur einen Zentimeter ihrer Maximalforderung abzurücken. Ihr Status Quo bedeutet ein Palästina vom Libanon bis Eilat, das ist ihr Friedensvorschlag und diesen versuchen sie mit Terrorakten zu beschleunigen.
Deutlich, dass J Street offensichtlich nicht so genau über die Lage in Israel informiert ist, wird das in dem Interview zwischen Jeffrey Goldstein und Jeffrey Ben-Amir. Auf die Frage Goldsteins, wie sich Ben-Amir erklärt, dass die Raketenangriffe seit dem Einmarsch der israelischen Armee in den Gaza aufgehört hätten erklärt dieser, dass vorher ja gar kein Angriff mit Raketen statt gefunden hätte, Hamas also nicht den Waffenstillstand verletzt hat: „When there was a ceasefire for four and a half months, from June until early November of last year, there were zero rockets.“
Überhaupt scheint man bei J Street sehr naiv mit dem Thema Naher Osten umzugehen und es beschleicht mich der Verdacht, dass es den Leuten weniger um Israel, sondern mehr um ihr Ansehen geht. Vor allem hat man bei J Street wenig Probleme damit sich als „nicht exclusiv jüdisch“ zu bezeichnen, um Geld von Gruppen zu beziehen, die eher ein eigenes Interesse im Nahen Osten verfolgen und denen Israel wohl völlig Schnurz ist. J Street spielt für diese Gruppen die Rolle des willigen und billigen Büttels, den man mittels Geld auf seine Linie bringen kann, denn nicht wenig arabische Gruppen, grade in den USA glauben, dass die USA zu sehr auf die Interessen Israels Rücksicht nimmt und damit, ihrer Meinung nach, die Interessen der arabischen Staaten nicht berücksichtigt, sowie ihre Politiker vor den Kopf stößt.
In Israel selber dürfte diese Gruppe auf wenig Interesse stoßen, schließlich hat man in Israel weltfremde Träumer und man legt auch wenig Gewicht auf die Meinung amerikanischer Juden im fernen Amerika. Außerdem sieht man die Sache dort pragmatischer als man sich das in den USA träumen läßt. Natürlich sind die Israels für eine Zwei-Staatenlösung, aber sie sind realistischer in ihrer Einschätzung. Fragt man Israelis, so hört man öfters, „warum verlangt man, dass wir uns mit denen an einen Tisch setzen sollen die unseren Tod wollen?“ Die Frage ist, was bekommt man für Zugeständnisse und nach der Euphorie in den 90ern ist davon nicht mehr viel geblieben. Es gibt sogar Israelis, die würden den Palästinensern die Siedlungen samt Inhalt schenken, glauben aber nicht, dass dann wirklich Ruhe wäre. Da Ben-Amir oft und viel in Israel ist und dort anscheinend auch für NGO’s arbeitet, dann sollte er die Meinung in Israel kennen. Und er sollte eigentlich auch eine Ahnung von den Machtverhältnissen in den PA-Gebieten haben. Man muß also wirklich schon eine Rosarote Brille aufhaben, wenn man das nicht weiß, oder zur Kenntnis nehmen will. Natürlich, keine Frage, hat Israel in der Vergangenheit viele Fehler gemacht, aber man sollte vielleicht auch mal die Palästinenser in die Pflicht nehmen und das vermeidet auch eine angeblich „Pro-Israelische“ Organisation wie J Street.
Die Palästinenser hätten ihren eigenen Staat haben können. Sie wollten es nicht. Sie hätten darauf drängen können, dass sowohl Jordanien als auch Ägypten einen Palästinenserstaat ausrufen, es ist nichts passiert. Man hatte die einmalige Chance in den 90ern, zumindest hätte man Friedenswilligkeit zeigen und einen Staat aufbauen können, statt dessen setzte man auf Terror und vertrieb die Gemäßigten Kräfte. Die Frage, warum Israel es schaffte mit Ägypten Frieden zu schließen, obwohl Anwar al Sadat ein erklärter und bekennder Antisemit war und Begin auch nicht grad eine Ruhmesgröße, stellt sich nicht (Und nein, es war nicht Jimmy Carter der das so „toll gemanaged hat, er stand dem eher im Weg und wegen ihm wäre das Ganze fast noch gescheitert). Ebenso unterhält Israel Kontakte zur arabischen Welt, für die Palästinensischen Führer offenbar kein Grund mal nachzudenken, warum das so ist.
J Street bietet leider nichts weiter als das übliche Programm. Ok, sie unterscheiden sich in der Formulierung von den Schreihälsen der Organisationen „Jewish Voice for Peace“ und „LA Jews for Peace,“ die auch schon mal darüber nachdenken, warum man als Jude nicht mal zur Haddsch nach Mekka pilgern sollte und sich ansonsten für ein Palästina, ohne Israel und ohne Juden stark machen, aber die Ziele mögen die Gleichen sein. Auch dürfte die Frage im Raum stehen, wie verhält sich der Zionist Ben-Amir sollten diese radikalen Gruppen J Street übernehmen und ihre Meinung zum Nahen Osten Konsens werden?
Vor allem kann er dann seine Vorschläge zur Diplomatie gegenüber dem Iran getrost vergessen. Es gibt genügend Juden, die würden dem Iran das Uran sogar liebend gerne bearbeiten, damit es nicht allzulange mit der Bombe dauert. Spontan fällt mir das Neturei ein.
Dank an FDR für den Hattip Und danke für die gelungene Satire zum einjährigen Bestehen der J Street
Obtained: J Street Conference Schedule
Satire alert: A friend emails with a sneak peak at the first day’s schedule for the J Street conference:
J street schedule of events.
8:00 AM: Should Israel join the Arab League? How a Jewish
demographic majority in Palestine hinders Israel’s regional
diplomacy. Daniel Levy9:00 AM: Panel discussion on Jews and the Hajj. Why don’t more
Jews make the pilgramage to Mecca?
Rabbi Michael Lerner
Sheikh Yusuf Qaradawi
Farfur the Hamas Bunny (invited)10:30 AM: The Octopus and its tentacles: Jeffrey Goldberg’s blog
silences us all. Stephen Walt12:00: Why don’t more pro-Israel groups boycott Israel?
Naomi KleinBonus Panel: 4:00 PM: What about the American occupation?
Perspectives on Palestine from Native America.
Leonard Peltier (by video) Ward Churchill John Echohawk
Oder hört mehr Musik aus Israel. Da das Wochenende ansteht ein paar Tips zur Aktion „Boycott dem Boycott“
1.) Dudi Sharon ist einer der angesagtesten D.J’s aus Tel Aviv. Dudi arbeitet nicht nur mit heimischen Künstlern, sondern ist auch international angesagt. Sein Stil ist ein Mix aus House, Dance und Trance, gepaart mit orientalisch/arabischen Tönen.
2.) Offer Nissim, auch ein D.J. aus Tel Aviv legt häufig in den USA, Canada und Mexico auf.
3.) Wahrscheinlich ist Israel das einzige Land in dem Transsexuelle akzeptiert werden und auch Stars werden können. Eine davon ist Jouel
4.) Bei Kim bin ich mir nicht ganz sicher
5.) Bei Itzik Kalla bin ich mir ganz sicher. Itzik ist die Geheimwaffe aller israelischer Geheimdienste. Itzik, geboren als Sohn kurdischer Juden in Jerusalem, singt in hebräisch, kurdisch und arabisch. Wahrscheinlich ist Itzik der einzige israelische Künstler den man heimlich im Gaza auf seinen MP3 Player lädt. Ich mag zwar, was den Stil betrifft, eher den Rai und bin ein großer Bewunderer von Khaled -habe auch fast alle Alben von ihm-, aber Itzik Kalla ist auf dem besten Weg seinen Platz einzunehmen. Ich mag die Musik, aber an Didi und Aisha (damit hat Khaled sein absolutes Meisterwerk geschaffen und ist unsterblich) wird er niemals rankommen.
Kaufen kann man das alles natürlich auch bei Israel Musik.
Nun steht sie also, die Schwarz-Gelbe Koalition und es gibt ein paar Überraschungen, was die Personalfrage betrifft.
Für mich die größte Überraschung: Philipp Rösler wechselt von der Leine an die Spree und vom Wirstchaftsministerium in’s Gesundheitsressort. Gönnen kann man ihm das auf jeden Fall, denn in Niedersachsen konnte er sich in der kurzen Zeit nicht groß in Szene setzen. Ob das Gesundheitsressort ein paar Nummern zu groß ist bleibt abzuwarten. Fakt ist, dass Philipp Rösler aus dem Metier kommt, denn schließlich ist der Doktor der Medizin und auf Herz und Gefäßerkrankungen spezialisiert. Auch wenn er noch sehr jung ist -obwohl das relativ ist und kein Kriterium darstellen sollte- denke ich, dass er die richtige Person für die Aufgabe ist und sich, anders als seine Vorgängerin, kein X für ein U vormachen lassen wird. Interessant dürften die Auseinandersetzungen werden, die Rösler mit seinen Berufskollegen austragen wird. Aber wenn er so ist, wie er sich bisher gegeben hat, dann dürfte so mancher Berufsverband bei ihm auf Granit beissen. In Diskussionen war er auf jeden Fall immer sachlich und konnte auch für Laien nachvollziehbar, Fragen beantworten.
Negativ finde ich, dass Schäuble nun für die Finanzen zuständig ist. Mal ehrlich, was soll er da? Die Staatsverschuldung in Koffern nach Liechtenstein schaffen? Eine Briefkastenfirma in Vaduz aufmachen? „Treuhandverwaltung der Staatsverschuldung der Bundesrepublik Deutschland?“ Es ist mir ehrlich gesagt ein absolutes Rätsel, warum man sich nicht mal wieder einen Experten in Finanzfragen holt, statt dessen geht ein Postengeschacher los.
Ebenso unverständlich finde ich Brüderle als Wirtschaftsminister. Manchmal hat er ja Lichtblicke gehabt der Brüderle, aber reicht das um als Wirtschaftsminister was zu reißen? Oder wollte Westerwelle bei der Postenvergabe Leute um sich haben bei denen er sicher sein kann, dass die ihm kein Dolch in den Rücken jagen? Ich glaube nicht, dass mit Brüderle jetzt frischer Wind kommt, eher ein laues Lüftchen, aber gut, ich kann mich auch täuschen.
Annette Schavan für weitere vier Jahre als Bildungsministerin hat mich nicht unbedingt überrascht. Leider war sie in der ersten Amtszeit schon zur grauen Maus avanciert und wird es wohl die nächsten vier Jahre bleiben. Manchmal hat man sich richtig erschrocken, wenn sie sich mal wieder zu Wort gemeldet hat und dachte, „Mensch! Die gibt’s noch?“ Dabei ist sie ein wirklich kluge Person, aber so dermaßen untergegangen, ich denke nicht, das sich da was dran ändern wird.
zu Guttenberg, auch so eine Überraschung, dass er nun Verteidigungsminister wird. Bei seiner Ernennung beschlich mich so das Gefühl, als hätte Frau Merkel mit der Ernennung im Sinn gehabt einen Stolperstein aus dem Weg zu räumen. Denn zu Guttenberg hat die Dinge gut und richtig auf den Punkt gebracht und war der große Schatten von Merkels Glorienschein. Ob er als Verteidigungsminister noch mal so in Erscheinung treten wird, das wage ich zu bezweifeln. Obwohl, er wird wohl einen strikteren Kurs fahren was zum Beispiel das Engagement der Bundeswehr in Afghanistan betrifft und es bleibt zu hoffen, dass er, im Gegensatz zu seinem Vorgänger, mehr Augenmerk auf die Ausrüstung der Soldaten legen wird.
Größte Überraschung war auch, dass Dirk Niebel nicht Arbeitsminister wurde. Man kann über ihn sagen was man will, aber irgendwie mag ich ihn und hätte es besser gefunden, wenn er den Posten übernommen hätte. Vor allem ist Niebel vom Fach und weiß wovon er redet. Er kommt zwar manchmal etwas dröge daher, aber seine Art finde ich angenehm. So versauert im Entwicklungshilfeministerium und für mich scheint es so, als wollte man ihm irgendwas Gutes tun. Das hätte man besser lassen sollen und dann erst gar nicht in ein Amt berufen. Entweder Arbeit, oder gar nichts.
Wenig Überraschend war natürlich Westerwelle als Außenminister. Auch wenn manche Zeitungen im Überschwang der Gefühle schreiben, dass Westerwelle seit dem 27.09 „Staatstragend“ auftrete und es für ihn das Größte gewesen sei, in die Fußstapfen eines Hans-Dietrich Genscher zu treten, so kann man sagen, dass die Fußstapfen von Hans-Dietrich dem Guido ein paar Nummern zu groß sind. Vor allem dürfte interessant sein zu sehen, wie sich Merkel und Westerwelle in einem Konkurrenzkampf um die Außenpolitik gegenseitig übertrumpfen. Schon in der Großen Koalition habe ich mich des öfteren gefragt, wozu wir eigentlich einen Außenminister haben, wenn Merkel eh ständig in der Weltgeschichte unterwegs ist. Erst schlug sie auf, dann folgte Frank-Walter. Das hatte manchmal groteske Züge. So wie ich Westerwelle kenne, dürfte da Streit vorprogrammiert sein, denn mit Sicherheit läßt er sich nicht die Butter vom Brot nehmen. Persönliche Anmerkung: Mir wäre es lieber gewesen, wenn Alexander Graf Lambsdorff das Amt übernommen hätte. Aber gut, mich hat niemand gefragt.
Mit Frau Leutheusser-Schnarrenberger kehrt zum Glück ein Ur-Gestein der liberalen Politik auf die Bundesbühne zurück. Und übernimmt wieder, wie schon unter Kohl, das Ressort Justiz. Wahrscheinlich hat Schäuble deshalb das Innenministerium geräumt, denn Leutheusser-Schnarrenberger gilt als Konsequent wenn es um ihre Ansichten geht. Das dürften mit Sicherheit interessante Jahre werden.
Der Rest ist wenig überraschend, obwohl ich Ramsauer als Wirtschaftsminister eher präferiert hätte, aber ok. Im Verkehrsministerium dürfte er eine Menge zu tun bekommen.
Noch ein Wort zu Merkel: Persönlich bin ich gespannt wie sie die vier Jahre überleben wird. Verstecken kann sie sich nicht mehr hinter den Kabinettskollegen und außenpolitisch wird ihr wohl Westerwelle in die Parade fahren, denn so gutmütig wie Steinmeier ist Westerwelle nicht. Vor allem wird Westerwelle in seinem Amt profilieren wollen und müssen, damit ihm der Nimbus des „Spaßpolitikers“ nicht ständig anhaftet. So wie Kohl wird sie wohl nicht regieren können und muß zeigen, was sie wirklich kann. Ich fürchte es wird nicht viel sein.
Der britische Colonel Richard Kemp war von 1977-2006 Offizier in der britischen Armee. Zuletzt als C.O. der British Forces in Afghanistan.
Nach seiner militärischen Karriere verfolgte er seine zivile Karriere und war teilweise als Berater unterwegs. Am 16.10.2009 äußerte sich Colonel Kemp vor dem UN-Menschenrechtsrat zu den angeblichen Kriegsverbrechen der israelischen Streitkräfte im Gazastrip vom Dezember 2008- Januar 2009.
“I think – I would say that from my knowledge of the IDF and from the extent to which I have been following the current operation, I don’t think there has ever been a time in the history of warfare when any army has made more efforts to reduce civilian casualties and deaths of innocent people than the IDF is doing today in Gaza.“
Wer mehr über UN-Watch erfahren möchte der kann hier nachschauen.
Da ist dann auch noch mal die Rede vom 16.10. komplett abgedruckt.
Zur Sarrazindiskussion -Der Kerl ist doch auch kein Deutscher, oder? Klingt eher so wie ein Beutegermane, oder Rucksackdeutscher-, wieso ärgert er sich dann über Murat, Ayse, Hassan, Sinan, Ercan, Lara, Tugce und Aynur?
Was man früher noch als Kompass politischer Ausrichtung nehmen konnte, nämlich das „Links“ auch wirklich den klassischen Begriff besetzt, wird es Heute zunehmend schwerer jemanden, der sich als „Links“ bezeichnet, auch dort einzuordnen.
Früher galt Links sein als chic, als elitär, als außerhalb der Gesellschaft stehend und ein bisschen als Anarchistisch. Das hatte zur Folge das sich viele als Linke bezeichneten, aber eher wie Salonanarchisten daher kamen und alles in einen Topf warfen, was diesen Begriff vermeintlich umriss. Da saßen sie dann in irgendwelchen Pseudodebatierclubs, oder trafen sich in Cafes und Kneipen und versuchten die Welt neu zu gestalten. Gern trug man das Palituch und den alten Bundeswehrparka, oder kleidete sich komplett in schwarz und fühlte sich wie der leidende Existenzialist der frühen 50er Jahre, als die Pariser Cafes von diversen Freizeitphilosophen bevölkert waren. Stieg man in die Tiefe, stellte man schnell fest, dass sich die wenigsten wirklich damit auseinandergesetzt hatten, oder Bücher darüber gelesen. Es reichte, dass man gegen Kapitalismus und Staat war, von einer „gerechteren Welt“ träumte und die DDR, sowie die Sovjetunion als das Paradies der Arbeiterklasse sah. Man kaufte in den 3. Welt Läden ein, die damals von alternativen Hippies gegründet wurden und fühlte sich gut dabei.
Kam das Thema damals auf den Nahen Osten zu sprechen, stellte man schnell fest, dass viele „linke Überzeugungen“ nur eine leere Worthülse waren und das völkisch nationale, also das, was man ja immer zutiefst ablehnte, recht schnell an die Oberfläche trat. Der Antizionismus war und ist Ausdruck der Ablehnung des Rechts auf Selbstbestimmung.
Viele, die sich als Links sahen, gingen im Laufe der Zeit den Weg der Evolution und entwickelten sich weiter, aber ebenso viele verharrten in einer Position die mit Links nichts zu schaffen hat. Schaut man sich im Internet um, dann stellt man schnell fest, dass es Gruppen gibt die sich als „Linke“ sehen wollen, aber schon so weit links stehen, das sie rechts wieder zur Tür reinkommen und Ansichten vertreten, die selbst einem gestandenen Rechten die Schamröte in’s Gesicht treiben. Teilweise entstehen die kuriosesten Koalitionen, das selbst Marx und Engels im Grab rotieren, wüßten sie davon.
Jüngstes Beispiel, warum links nicht gleich links ist, bietet das Possenspiel um den Club Voltaire in Frankfurt.
Vor ein paar Wochen, als bekannt wurde, dass der Club Voltaire in Zusammenarbeit mit der Arbeiterfotografie eine Diskussion zum Thema „Medien zwischen Realität und Scheinwelt“ veranstaltet und zu diesem Behufe sowohl die Bandbreite als auch den „bekennenden“ Antizionisten und Verschwörungstheoretiker Elias Davidson eingeladen hatte, brachen auf beiden Seiten die Dämme. Während Antifaschistische Gruppen zum Boycott der Veranstaltung aufriefen, oder zumindest die Protagonisten auszuladen und dabei sachlich und argumentativ vorgingen, witterte die andere Seite eine dunkle Verschwörung „Antideutscher SA-Gruppen“ und „Imperialistischer Erfüllungsgehilfen“.
Der Vorfall zeigt wie zersplittert die Linke ist und es zeigt, dass sich Leute als Links bezeichnen, die im Grunde genommen schon längst rechts angekommen sind und Positionen übernehmen, die von Plattformen wie Altermedia, oder Parteien und Gruppen wie NPD und Freien Kameradschaften begeistert aufgenommen und verbreitet werden. Horst Mahler ist also mitnichten ein Einzelfall, wie man mir mal versuchen wollte zu erklären. Es gibt viele Mahlers.
Lustig, oder eher peinlich, ist der Versuch zu werten einer Gruppe wie „die Bandbreite“ auch noch so etwas wie „politische Kompetenz“ andichten zu wollen. Wäre der Frontmann der Gruppe Marcel Wojnarowicz, genannt Wojna, ein Fünfzehnjähriger Schüler, dann könnte man seine Ansichten ja noch als wenig gefestigt bezeichnen. Er ist aber schon über 30 und fungiert als Musikpädagoge und arbeitet offensichtlich auch als Programmierer. Man sollte also meinen, dass man es mit jemanden zu tun hat, den man als „gereift“ bezeichnen könnte. Schon in der Vergangenheit fiel die Bandbreite weniger durch ihre Musik auf, sondern durch ihren plumpen Verschwörungsschrott und es ist immer noch auffällig, wenn man sich über die Gruppe informiert, dass bei den Anhängern dieser Band wohl auch nicht die Musik im Vordergrund steht, sondern das, was man bei Helsing und Konsorten nachlesen kann und mit dem sich Woijna offensichtlich identifiziert.
Woijna ist auch nicht in der Lage inhaltlich mit Kritik umzugehen, oder darauf zu antworten, er bekommt ja nicht mal Fünf Sätze grade raus, sondern beschränkt sich darauf, virtuell mit dem Knüppel gegen seine Kritiker vorzugehen und sucht den Schutz von Gleichgesinnten, die sofort eine Solidaritätserklärung einrichten, wie der Pseudolinke Spinner Elsässer, der mit seinen Ansichten schon den hartgesottensten Rechten Konkurrenz machen kann.
Statt sich des Themas kritisch zu nähern, überschlägt man sich mit einem Schwanzvergleich wer ein guter Linker ist und wer ein böser Linker ist.
Und als wäre das nicht genug, fühlt sich die Arbeiterfotografie bemüßigt zu betonen, dass sie ja eigentlich noch viel linker als die Linken ist, denn schließlich hätte man ja bewiesen, dass die Aussagen von Mahmoud Ahmadinedjad gefälscht wurden. Und das würde ja nun nicht bedeuten, dass man dem iranischen Regime freundlich gesonnen sei. Nun ist die Behauptung zum einen Quatsch und zum anderen biedern sich einige Linke Gruppen verstärkt faschistischen Regimen an. Ob das nun der Pseudosozialismus eines Chavez ist, Gruppen wie Hamas oder Hizb’ullah, oder Personen wie Ahmadinedjad. Vermochten es Hardcoresozialisten in der Sovjetunion noch sich von Stalin zu distanzieren und ihn als Verbrecher zu bezeichnen, so geben sich selbsternannte Linke einfach nur der Lächerlichkeit preis.
Den zweiten Kuhfladen, den man sich bemühte zu verteidigen, war der völlig bedeutungslose und Nichtssagende Elias Davidson. Der Pseudologe aus Island, leider jetzt in Bonn wohnend, ist durch praktisch Nichts nachhaltig in Erscheinung getreten, außer das er auf diversen Internetseiten völligen Unsinn daherschwurbelt. So behauptet Davidson -Laut Eigenwerbung, verkanntes Genie-, dass er in Jahrelanger Forschung aufgedeckt hat, dass sowohl der 11/09, als auch die Terroranschläge von Madrid, London und Mumbai nicht auf das Konto Islamistischer Terrorgruppen gehen, sondern von den Geheimdiensten, wahrscheinlich vom Mossad, durchgeführt wurden, damit man Krieg gegen den Islam führen könnte. Früher hätte man einen wie Davidson einer weiteren Begutachtung zugeführt, im Zeitalter des Internets aber, haben Leute wie er Hochkonjunktur. Aus allen Ecken tropft dieser Unsinn und wird von anderen Verwirrten bereitwillig aufgenommen und in diversen Foren und Kommentarspalten breit getreten. Logik bleibt da völlig auf der Strecke.
Hinzu kommt, das Davidson glaubt, als Jude könne er einem Antizionismus frönen, der Menschenverachtender nicht sein könnte. So behauptet er allen Ernstes, dass Juden und Muslime friedlich im Jerusalem der 40er Jahre zusammengelebt hätten und die bösen „Herrenmenschen“ von Haganah und Irgun hätten dieses Glück, quasi das Andalusien des Nahen Ostens, grausam zerstört. Wenn man wirklich Ahnung von der Geschichte des Nahen Ostens hat und sich auch damit intensiv beschäftigt, dann kommen einem die Aussagen Davidsons vor wie Geschichten aus 1001 Nacht. Das die Irgun keine rühmliche Rolle gespielt hat, bestreitet niemand in Israel, aber Davidson leugnet die Gewalttaten der arabischen Bevölkerung und betreibt frech und dreist eine Geschichtsklitterung, die schon fast an die 30er Jahre erinnert, als man im Moskauer Propagandaministerium praktisch alle Minute die Geschichte neu schreiben und die Bilder neu retouschieren mußte.
Man kann natürlich mit ganz viel gutem Willen zugute halten, dass Gruppen wie Arbeiterfotografie sich dem Grundsatz verpflichtet fühlen, dass man auch diesen Leuten eine Meinungsfreiheit zugesteht, aber man sollte dann auch in der Lage sein, sich mit den Kritikern auseinanderzusetzen und das gelingt dem Linken Spektrum, oder denen die es sind und denen die sich dafür halten, absolut nicht. Das hat mit Lebhaft nichts zu tun, sondern mit reiner Selbstzerfleischung.
Während meiner Kindheit und Jugend hielt ich die linken Ideen und die Protagonisten für eine tolle Sache, besonders wenn meine Oma über meinen Großonkel erzählt hat, oder über das Berlin der 20er und 30er Jahre. Allerdings waren meine Oma und mein Vater im Gegensatz zu meinem Ur-Großvater ziemlich ernüchtert, als sie im vermeintlichen besseren deutschen Staat die ersten Jahre mitgemacht haben. Und meine Ernüchterung folgte ziemlich schnell als Junger Erwachsener. Man mag wirklich nicht glauben was sich so alles als „Links“ bezeichnet.
„Um Himmels Willen Grosser!“ ruft man schon zwangsläufig aus, wenn man eine Zeitung aufschlägt und die kruden Gedanken Alfred Grossers liest.
In der Oktoberausgabe der Jüdischen Zeitung nahm man Grossers Buch zum Anlaß und machte über den „bis an die Schmerzgrenze gerecht(en)“ eine komplette Seite mit den Ansichten des „Humanistischen Atheisten“ und „Kritikers.“ Herausgekommen ist dabei das übliche Konglomerat aus Halbwissen, Unterstellungen, Behauptungen und bis an die Schmerzgrenze selbstgerechten Jammerns.
Aber der Reihe nach: Irgendwann war es Grosser zu wenig über das Deutsch/Französische Verhältnis zu politisieren und zum Tausendsten Mal darüber zu sprechen, wie de Gaulle, Pompidou, d’Estaing oder Mitterand die Sache gesehen hätten, oder über Europa zu schreiben. Das wollte keiner hören und lockte wenig Hunde hinter dem Ofen vor. In Rente wollte er nicht und vielleicht einen Altersruhesitz irgendwo an der schönen Côte d’Azur auch nicht. Außerdem schien er zu befürchten, dass er wohl über kurz oder lang in Vergessenheit gerät, denn das schlechte Gewissen deutscher Sozialdemokraten ist er nicht, die Geschichte seit Anbeginn der Zeit, wie der Erklärbär Peter Scholl-Latour, hat er auch nicht mitgemacht und war auch nicht live dabei, als Moishele das Meer teilte. Das war halt der PSL. Außerdem wollte er wohl auch weiter beliebt sein und nicht in der frischen Meeresluft der Bretagne Rost ansetzen. Also blieben nur zwei Möglichkeiten, USA und Israel. Mit beiden Themen macht man sich nicht sonderlich beliebt, wenn man sich positiv zu beidem äußert, im Gegenteil, man wird eher unbeliebt und auf Veranstaltungen an den Katzentisch verbannt. Da die USA schon einen Michael Moore haben, besann sich Grosser auf seine Wurzeln und entdeckte, dass man mit „Israelkritik“ zum gefragten Zeitgenossen wird. Plötzlich war er beliebt wie nie zuvor.
Nun sind Interviews eine Sache, eine ganz andere ist, wenn man dem ganzen noch einen ultimativen Kick verpasst und praktisch eine goldene Brücke baut. Also schrieb Grosser ein Buch. Nicht irgendein Buch über seine Jugend und den ganzen Schmonzes, sondern es mußte ein „kritisches“ Buch sein und natürlich alles beinhalten was das Herz eines kritischen Anhängers hoch schlagen lässt. Kaum veröffentlicht war Grosser quasi zum Selbstläufer geworden und nun kann er alles sagen, was er vorher sich nie getraut hätte zu sagen. Zum Beispiel dass er spät, aber immerhin noch rechtzeitig gemerkt hat, dass er doch Jude ist. Das bewahrt ihn nicht nur davor nach seinem Tod mal vom Vatikan seelig gesprochen zu werden, es bewahrt ihn auch vor der Bedeutungslosigkeit zu Lebzeiten.
Nun also war er bei der Jüdischen Zeitung zu Gast, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, auch den kritischen Juden, sowie den kritischen Israelis eine Plattform zu verschaffen und sie alles sagen lässt, was sich der Gemeine an sich nicht traut zu sagen. So zum Beispiel regt sich Alfred Grosser darüber auf, dass es in Berlin einen Sderot-Platz gibt. Für Grosser eine Ungeheuerlichkeit, angesichts der, seiner Meinung nach, täglichen Kriegsverbrechen derer sich das Regime in Jerusalem schuldig macht. Ständig, so erzählt er, würde er nun fragen, warum es im Rahmen der Gleichberechtigung keinen „Gaza-Platz“ geben würde, denn die eindeutigen und einzigen Opfer in diesem Konflikt wären ja schließlich die Einwohner in Gaza.
Grosser will offensichtlich nicht begreifen, dass es die Araber waren, die einen palästinensischen Staat abgelehnt hatten und zum Rauswurf der Juden aus dem Nahen Osten aufgebrochen sind, statt dessen regt er sich über Lieberman auf und darüber dass man nicht ihn (Grosser), sondern Elie Wiesel zum Festredner bestellt hat, als Israel seinen 60. Geburtstag feierte. „Dabei,“ so der streitbare „Kritiker,“ „will der gar nicht in Israel leben.“
Der ganze Artikel besteht aus einer einzigen Nörgelei Grossers über praktisch alles. Ob nun Westerwelle Außenminister werden könnte -dabei wäre Grosser, der praktisch der Macher Europas ist, viel geeigneter- , über die Opferrolle der Hamas und der Palästinenser, die zu wenig Gehör findet, bis hin zu den Verbrechern in Jerusalem, die so mächtig sind, dass man sich in Deutschland praktisch unter dem Meinungsdiktat des israelischen Premierministers ducken würde.
Die Hamas sind für Grosser keine Verbrecher, sondern halt die Stimme der palästinensischen Bevölkerung, die ansonsten ungehört blieben. Und Terror sei halt der Hilfeschrei der Entrechteten. Schließlich würde man die Bevölkerung in Gaza und der Westbank kontinuierlich vertreiben. Ihnen Wasser vorenthalten usw. Und Israel müsse von einem jüdischen Staat, endlich zu einem weltlichen kommen. Warum dann aber Christen, Muslime und Juden in Israel friedlich unter einem Dach leben und sich die Nichtjüdische Bevölkerung wahrscheinlich bis zum äußersten wehren würde, sollte Lieberman so verfahren wie er es angeblich macht, darüber schweigt er, weil er gar keine Ahnung über die Verhältnisse in Israel besitzt. Auch scheint er nicht zu wissen, dass es es zwei Parteien in den Autonomiegebieten gibt, die Fatah und die Hamas, wobei Letztere den Gaza mittlerweile zu einem waffenstarrenden Gottesstaat ausgebaut hat. Grosser macht sich ebenso keine Gedanken darüber, warum der Gazastrip, der seit 2005 völlig frei ist von jüdischer Bevölkerung, nicht ein prosperierendes und florierendes Staatswesen aufgebaut hat. Die Behörden hätten dort die Gelegenheit gehabt das perfekte Staats- und Gemeinwesen aufzubauen. Statt dessen setzen sie auf Terror und werden nicht müde zu betonen, dass sie nur dann leben könnten, wenn Israel vernichtet sei.
Statt dessen holt er sie raus, die große virtuelle Moralkeule mit der Deutschland klein gehalten werden soll und ereifert sich darüber, dass man in Deutschland bezüglich Israel nicht mal mehr was sagen dürfe, obwohl „die Deutschen“ ja mit dem Holocaust nichts zu tun gehabt hätten. Damals war es eine Minderheit und die nach dem Krieg geborenen hätten nun mal keine Kollektivschuld. Walser, der streitbare Geist, sei dafür gescholten und mit der Auschwitzkeule erschlagen worden, nur weil er sich getraut hat auszusprechen was man nur denken dürfe in Deutschland.
Das man in Deutschland ohne Probleme den Staat Israel kritisieren kann, das geht Grosser nicht in’s Hirn und er begreift auch nicht den Unterschied zwischen legitimer Kritik und plumpen Antizionismus/Antisemitismus. Denn die Kritiker betreiben keine Kritik, sondern setzen Israel mit dem NS-Staat gleich. Sie vergleichen Gaza mit dem Warschauer Ghetto, bezeichnen Lieberman und Netanyahu als Rechtsradikale, sowie den Staat Israel als Apartheidsregime. Das hat mit Kritik nicht zu tun und es ist heuchlerisch, wenn man sich dann noch als „Freund Israels“ bezeichnet. Es wäre in etwa so, als würde ich Grosser in’s Gesicht spucken und sagen, „stell Dich nicht so an, war nur legitime Kritik unter Freunden.“
Grosser stört es nicht, wenn Leute wie Frau Langer, die nicht müde werden Israel zu diskreditieren, mit Applaus bedacht werden und dem Bundesverdienstkreuz, weil sie das ausprechen, was viele Leute im Land denken. Es stört ihn auch nicht, wenn ein Bundespräsident die Laudatio auf einen offen bekennenden Antisemiten hält, weil Antisemitismus und Antizionismus ja nichts weiter als legitime Kritik sein sollen und die müsse ja schließlich erlaubt sein.
Ihn stört es auch nicht, dass man ungehindert in Deutschland durch die Straßen ziehen darf und den Tod der Juden in Israel fordern kann, während Gegendemonstranten, die offensichtlich aus der Geschichte gelernt haben, als gefährliche Brandstifter kriminalisiert und verhaftet werden. Statt dessen sorgt er sich darüber, dass eine kleine Gruppe in Deutschland die Meinung über Israel unterdrückt. Sei es in den Medien, oder auf der Straße und fordert mehr Mut ein das sagen zu dürfen, was man denkt. Leider hat man ihn nicht gefragt ob das auch beinhalten würde, wenn man öffentlich den Holocaust in Zweifel zieht, oder die Auslöschung eines Volkes fordern würde. Schließlich gibt es genügend Menschen für die Israel die größte Bedrohung des Friedens in der Welt darstellt und die wahrscheinlich kein Problem damit haben, sollte ein Genozid an Israel endlich die vermeintlichen Probleme, an der die Welt krankt, beenden würde. Wahrscheinlich hat man Grosser deswegen nicht gefragt, weil er ja ein „Humanistischer Atheist“ ist, der plötzlich, wie die Kinder von Lourdes, zu seinem Judentum zurückgefunden haben will, welches ihn komischerweise seit über 50 jahren nicht interessiert hat. Ich weiß nicht, ob Grosser jemals an die Millionen Kinder gedacht hat, die mit den Transporten in die Vernichtungslager gefahren sind und nicht die Gnade besaßen in einem katholischen Internat unterzukommen. Was würden diese Kinder ihm Heute sagen?
Es gibt Personen des öffentlichen Lebens die ziehen sich zurück wenn die Zeit reif dafür ist. Grosser allerdings scheint so von sich überzeugt, dass er sein Judentum aus der persönlichen Mottenkiste vom Speicher holen muß, das ganze entstauben und sich als das personifizierte jüdische Gewissen präsentiert. Er schreckt nicht einmal davor zurück, Antizionisten und anderen Ungusteln den Kosherstempel auf den Hintern zu drücken und erklärte bar jeder Vernunft, „Israelkritikern“ das diese ja schließlich aus der Geschichte gelernt hätten, sich Sorgen machen würden und dies auch lautstark tun sollten. Und sei es nur, dass man erklärt, die Nazis wären ja gar nicht so schlimm gewesen, wie man immer behauptet.
Wenigstens kann man eines sagen, ein Platz am Mount Herzl wird ihm wahrscheinlich verwehrt bleiben, außer Avnery wird Ministerpräsident oder Staatspräsident in Israel. So ist es der einzige Trost den man hat, denn Grosser wird auch weiterhin der „vermeintlich streitbare Geist“ bleiben.
Die Betrachtung über Grosser ist in der Oktoberausgabe der Jüdischen Zeitung erschienen und nur in der Druckversion erhältlich. Wahrscheinlich dürfte es im November auch Online abrufbar sein.
Durch Zufall spielte man BoB zwei einmalige Dokumente zu. Wir haben natürlich weder Kosten noch Mühen gescheut und die Tagebucheinträge eines gewissen Herrn M. A. aus Th. in IR von der weltweit anerkannten Übersetzerin Frau K. A. übersetzen lassen. Es bietet einen einmaligen Einblick über die Reisevorbereitungen des Herrn A. , sowie seine Eindrücke über eine nicht näher bezeichnete Stadt in den USA, sowie eine Übersetzung seiner Rede vor einer nicht näher bezeichneten Versammlung von Männern und Frauen. Es könnten vermutlich die Bilderberger sein, oder eine Abordnung des YMCA, sowie der Schwulen- und Lesbenvereinigung des Landes. Näheres dazu ist leider nicht bekannt, da Frau A. darauf bestanden hat die Quellen für ihr neues Buch „der Mahdi aus dem Iran, Teherans Hoffnung für die Bombe Strom aus der Steckdose, sowie Frieden für den Nahen Osten, die einzig wahren Reden“ zu benutzen.
Das zweite Dokument sind Tagebucheinträge eines Herrn M. G. aus LY -Aufenthaltsort sind in Tel Aviv und Langley bekannt-. Bei diesem Herren handelt es sich wohl um einen älteren Politiker der über die Widrigkeiten seiner Reisevorbereitung berichtet. Sehr aufschlussreich ist die Passage über die Schwierigkeiten ein 3000 Mann Zelt in einen Airbus zu verfrachten. Aber lesen Sie selbst:
Tagebuchaufzeichnungen von M. aus der Wüste:
Liebes Tagebuch, es ist schon recht lange her, dass ich meine Gedanken notiert habe. Ich glaube das muß kurz vor der Veröffentlichungen meines grünen Buches, oder kurz nach dem n Staatsputsch raschen Neuwahlen gewesen sein. Wie Du sicher weißt, ach woher, ich habe den letzten ja erschießen lassen, also wie ich Dir jetzt berichte, bin ich letzte Woche in die weite Welt geflogen. Nicht zu diesem Suppenkasper nach Rom, sondern viel weiter zu diesen imperialistischen Hurensöhnen meinen neuen Freunden nach New York. Ja liebes Tagebuch, ich weiß auch nicht wieso, aber plötzlich knubbeln sich alle um mich und finden mich unheimlich sympathisch. Ein bisschen exzentrisch vielleicht, aber man ist so bemüht um mich und meine Meinung,. dass man mich unbedingt hat einladen wollen. Ich wollte ja eigentlich nicht, Du weißt ja mein Rheuma und wollte eigentlich lieber in meinem Zelt in der Wüste und meinen 32 Geliebten Leibwächterinnen bleiben. Aber dieser Ban Ki Moon hat fast geweint am Telephon und gemeint ich müsse unbedingt kommen, so dass ich mich in meiner großen Güte hab breit schlagen lassen. Ich habe sogar alle extralegalen Hinrichtungen mysteriösen Todesfälle verschieben lassen, denn den Spaß möchte ich mir ja nicht nehmen lassen, Du weißt ja, an mir ist ein zweiter Sherlock Holmes verloren gegangen. Außerdem hat man mich früher immer als Terro Terrer als Kotzbrocken bezeichnet und dieser Reagan hat ja sogar versucht mich mit einer Bombe zu erschlagen. Dabei war ich damals schon als Friedensstifter und Missionar unterwegs. Wer, wenn nicht ich, hat soviele verschiedene Gruppen an einen Tisch geholt und ermutigt kritisch zu sein. Und wenn man sich ungerecht behandelt fühlt auch mal über die Strenge zu schlagen. Das war ich doch. Ach was hat man mich damals in Madrid als Wohltäter bejubelt. Dieser Franco, ja der wußte noch richtig die Wände wackeln zu lassen. Na ja, die Zeiten sind vorbei.
Bevor ich abschweife will ich wieder auf mich, also auf meine Reise zurück. Die Vorbereitungen waren ja schon eine Katastrophe. Kannst Du Dir vorstellen, dass mein Zelt beinahe nicht in diesen verdammten Airbus gepasst hat? Ich mußte, nachdem mir dieser Kasper am Flughafen sagte das mit dem Zelt ginge nicht, ihn standrechtlich erschießen lassen, was mir in der Seele weh getan hat. Schließlich kannte ich schon seinen Vater und habe den mal 1973 getroffen. Gut mitten zwischen die Augen, aber wir waren praktisch „So“ miteinander. Und jetzt das mit seinem Sohn….na ja, ok. Also hat man es, also der neue Flughafenchef, dann doch geschafft das Zelt so zu falten, dass es in den Laderaum passte, nebst meiner gesamten Reiseausstattung von Louis Vuitton. Wäre ja auch noch schöner gewesen wenn nicht mal Platz für 123 Schrankkoffer gewesen wäre. Wir hatten zwar etwas Übergewicht, aber wozu brauche ich einen Außenminister.
In New York wurde ich dann am Flughafen überschwenglich von Ban Ki Moon und ein paar anderen empfangen, während diese imperialistischen Knechte am Zoll die Faxen machten. Die hatten Glück, dass wir nicht daheim waren, die Wüste wäre nämlich groß genug für die. Dann erklärte mir dieser Lakai von Hoteldirektor, dass es unmöglich sei mein Zelt in der Präsidentensuite aufzubauen. Selbst die Drohung von Schlägen und Tritten der freundliche Hinweis mit dem Ochsenziemer direkt auf seinen Kopf ließ ihn nicht zur Einsicht kommen. Also mußten Hassan und Habibi das Zelt wieder zum Flughafen bringen und nach ein paar Schlägen und Fußtritten gegenüber dem Flughafenpersonal wurde das Zelt wieder eingeladen. Die Knechte dieses US-Imperialistischen Unrechtsregime fanden das gar nicht so toll und sperrten die Beiden kurzerhand ein. Da kannst Du mal sehen, die Amerikaner haben überhaupt kein Verständnis für unsere Kultur, ein völlig intolerantes Volk, wie diese dreckigen Schweizer. Aber die werden demnächst ja auch aufgelöst und dann ist Schluss.
Ach mein Zelt fehlte mir so, ich konnte vor Migräne gar nicht richtig schlafen. Irgendwann hatte ich mich dann aber in den Schlaf geweint und wachte am nächsten Morgen völlig gerädert auf. Ich habe dann, direkt nach dem Aufstehen, eine Resolution geschrieben. Darin forderte ich die Abschaffung dieser Zeitzonen, clever nicht? Danach habe ich mich dann von meinen Leibwächterinnen frisch machen lassen und auch der kleine Mr. M. wurde ausgiebig gereinigt. Als ich fertig war, so nach zwei Minuten, wurde ich dann fein abgetrocknet und zog meine Galauniform, die des Kaisers von Afrika von meinen Gnaden, an.
Wir sind, bevor es zur UNO ging, noch ein bisschen shoppen gegangen -so nennt man das da-. Für die Kinder habe ich das halbe Tiffanys gekauft und man kann sich gar nicht vorstellen wie wirkungsvoll eine Reitpeitsche bei Rabattverhandlungen ist. Ich habe den ganzen Plunder fast umsonst bekommen. Das nenne ich mal Service- und Dienstleistung. Respekt, man kann über die Amerikaner sagen was man will, aber die verstehen ihr Handwerk und den Kunden. Wir waren dann noch am Timessquare, ich muß sagen der Ghadafi-Boulevard ist prächtiger und ich habe den kompletten Mc Donalds gekauft, weil wir ein leichtes Hungergefühl hatten. Der gehört mir jetzt, samt Personal, aber leider darf ich mit denen nicht machen was ich will. Verstehe ich zwar nicht so ganz, weil ich daheim ja auch machen kann was ich will, aber die sehen das nicht so gerne. Naja, dann sehen die mal wie Gutherzig ich sein kann.
Überhaupt, ich will ja jetzt nicht angeben, aber New York ist doch ziemlich klein, gut die Häuser mögen ein kleines bisschen höher sein als die Muamar el Ghadafi Moshee in Tripolis, aber so im Großen und Ganzen ist unsere Wüste größer. Ich verstehe überhaupt nicht wie man da so einen Wirbel drum machen kann, oder gar Lobeshymnen verfassen. Mir ist das eh alles zu hektisch da. Ich bevorzuge ja eher das ruhige und beschauliche. Das trippeln eines Skorpions auf dem Wüstensand, so wie den Stich und den nachfolgenden Schrei seines Opfers. Hier jagt alle Naselang ein Krankenwagen, Polizei oder Feuerwehr durch die Stadt. Furchtbar und die New Yorker so arrogant. Zum Glück war ja dann am Abend meine große Rede vor der UNO.
Was soll ich Dir da berichten liebes Tagebuch. Es war ein Triumph! Man hat mich da so unheimlich gefeiert, das gab es nicht mal bei Yassir Arafat. Gut, es haben einige den Saal verlassen als ich zu meiner Rede ansetzte, aber die, die geblieben sind, waren begeistert und ich kann nicht umhin, dass ich mir von Zeit zu Zeit eine Träne aus dem Auge wischen mußte. Du weißt ja, ich bin emotional doch etwas sentimental gestrickt. Der Vertreter von Gabun hat mir so lang die Hand geschüttelt und mir vor Begeisterung immer wieder auf die Schulter geklopft, dass meine rechte Seite danach völlig taub war. Dabei habe ich doch nur ausgesprochen was alle denken, also meine Wahrheit, die ich auch damals im Grünen Buch geschrieben hatte. Danach habe ich dann mein Avatar in das Rednerpult geritzt, “ MC Muamar and the 1000 Kingdoms of Zulunation were here. We’re all Zulu!“
Meine Rede hier noch mal in der Kurzfassung:
„Sehr geehrte Arschlöcher, liebe Neger!
Es ist schon eine Frechheit, dass ausgerechnet ich, der größte lebende Staatsmann nicht im UNO-Sicherheitsrat sitze. Dabei bin gerade ich derjenige, der wohl mehr von internationalem Terrorismus versteht, als der derzeitige Sicheitsratsvorsitzende dessen Namen mir jetzt nicht einfällt. Von daher sollte dieser Terror-Rat auch von einem Terroristen geführt werden, also von mir und sich dann dementsprechend unterordnen. In Lybien haben wir das Sprichwort, „Du kannst einem Kritiker nur einmal zwischen die Augen schießen, deswegen ist es besser ihn zu vierteilen, dann hat man länger was davon.“ Sie dagegen haben nicht mal meine wirklich konstruktiven Vorschläge in die Menschenrechtscharta aufgenommen, was ich zutiefst empörend finde. Die Charta ist eine Schande für die gesamte Menschheit unterhalb Lybiens, enthält sie ihnen doch das Recht vor durch mich, den einzig legitimen Vertreter afrikanischer Interessen sprechen zu dürfen.
Aber was will man auch von einer Vertretung erwarten, die zu 90% aus zionistischen Abkömmlingen besteht und der Rest aus zionistischen Agenten in Diensten eines zionistischen Staates. Wenn der zionistische Staat mit dem Finger schnippt, dann werden ganze Völker überfallen und ausgebeutet. Öltechnisch, wie Palästina. Sollte das nicht machbar sein, dann erschafft man in UN-Laboratorien, die ich hier selber gesehen habe, den Schweingrippenvirus und läßt diesen auf arabische Staaten los. Nur Allah hat verhindert, dass es zu keiner Katastrophe kam, weil es bei uns keine Schweine gibt. Wir haben nämlich ganz erfolgreich die Juden aus dem Land getrieben und dulden keine Kirchen.
Nicht Lee Harvey Oswald war der Mörder von J.F.K. sondern der zionistische Mossad hat diesen ehrenwerten Mann beseitigen lassen, weil er den israelischen Interessen in Vietnam und der arabischen Halbinsel im Weg stand. Die nachfolgenden Präsidenten haben sich in einen langen und verlustreichen Krieg um vietnamesisches Öl in’s Unglück stürzen lassen und mehr Opfer gefordert als der angebliche zweite Weltkrieg den, und das ist kein Geheimnis, die Imperialisten begonnen haben. Überhaupt haben die Kriege dieser UNO Vollversammlung mehr Opfer gefordert als der gesamte zweite Weltkrieg. Die Kolonien wurden ausgeblutet und von der UNO toleriert und mehr als 12 Millionen Lybier wurden durch die Italiener zwischen 1921 und 1941 brutal ermordet. Aber wir haben, genauso wie die Kolonien nie eine Entschädigung seitens der UNO erhalten. Die 1000 Königreiche in Afrika gingen leer aus und Lybien ganz besonders. So spucke ich auf die Deutschen als sie damals vor lachen unter dem Tisch lagen, als ich Entschädigung für die Kriegsschäden des Deutschen Afrikakorps verlangt habe. Schmidt dieser Drecksack hat mir damals ausrichten lassen, wo nix ist, kann man auch nichts kaputt machen. Ebenso diese britischen und französischen Hundesöhne die mir mitteilten, schließlich sei Lybien ja von den Italienern befreit worden, während der damalige Ministerpräsident Italiens bedauernd seine Hosentaschen nach außen krempelte und sagte, „wir haben nix, alles leer.“ An Italien konnten wir Rache nehmen und besitzen 70% des italienischen Staates, aber wir wollen mehr. Ich fordere im Namen Afrikas, dessen selbsternannter Vertreter und Sprecher ich bin, 7,77 Trilliarden Trillionen Dollar Entschädigung, bin aber auch mit 7,77 Billionen zufrieden und verspreche, ich gehe hier nicht weg, als bis nicht die Kohle auf dem Tisch, oder meinem schweizer Bankkonto, die mir sowieso bald gehört, liegt. Ich habe ja schon vorsorglich einen Antrag auf Auflösung dieses kleinen Fliegenschiss gestellt und werde als nächstes einen Antrag auf Auflösung der UNO, sowie einen kompletten Umzug nach Tripolis stellen, da New York, was den Terrorismus betrifft nicht sicher ist und ich Angst habe, dass mich ein Dodge mit zionistischen Kennzeichen überrollen könnte.“
Du siehst liebes Tagebuch, eine völlig harmlose Rede. Danach habe ich ja auch den amerikanischen Präsidenten lobend erwähnt der ja fast schon einer von uns ist.
So, jetzt ist gleich Mittag mein neuer Freund Hugo will zusammen mit Mahmud zum Mittagessen kommen. Danach muß ich noch die Pläne für die Neugestaltung der Schweiz machen, falls mein Antrag durchkommt und danach dann der übliche Arbeitsalltag. Hinrichtungen, getürkte Prozesse gegen Ausländer usw. Soll ja niemand sagen Lybien achte nicht die Menschenrechte.
Gestern habe ich mir im Internet noch mal eine Phönix-Runde angeschaut, die kurz nach der Wahl statt gefunden hat.
Neben der Moderatorin saßen dort in trauter Runde, Wolfgang Bosbach (CDU), Max Stadler (FDP), Ulrike Mascher (VdK), Dirk Martin (BJU) und Stephan-Andreas Casdorff vom Tagesspiegel. Die Diskussion plätscherte so vor sich hin und so richtig traute sich keiner dem anderen weh zu tun. Klar, Bosbach und Stadler müssen miteinander auskommen, Martin erhofft sich einen Impuls, nicht nur für sich, sondern auch seine Mitarbeiter und Frau Mascher fürchtete zu kurz zu kommen. Sie war auch die Einzige neben Casdorff, die ein bisschen Pfeffer in die Diskussion einstreute.
Bemerkenswert fand ich die Einlassungen, als Frau Mascher darauf hinwies, dass es für die Leute wichtig sei, wenn sie eine Arbeit finden, auch von dem Lohn leben können und nicht weiter auf Transferleistungen angewiesen sind. Herr Martin erklärte, dass es ja wohl wichtiger sei überhaupt eine Arbeit zu haben, während Herr Bosbach und Herr Stadler auf dem Standpunkt verharrten, dass Mindeslöhne Quatsch seien und die FDP (Herr Stadler) gegen staatliche Eingriffe in die Tarifautonomie wären, was mit einem gesetzlich vorgschriebenen Mindestlohn der Fall sei.
Casdorff hat dabei mit seinem Verweis auf die Linkspartei treffend hingewiesen und sinngemäß gesagt, dass die Linkspartei ja nun deswegen soviel Zuspruch erhält, weil es nun einmal Bürger/Innen gibt, die das Gefühl haben ausgegrenzt und benachteiligt zu sein. Es stimmt, man sollte das einmal zur Kenntnis nehmen.
Ich finde es schon recht seltsam, wenn man bei Vergleichen mit anderen Ländern sich nur das rauspickt, was in die Meinung passt. Wenn die Jugendarbeitslosigkeit in Frankreich höher ist als in Deutschland und man meint, dies hänge mit dem Mindestlohn zusammen, wie mal wieder behauptet wurde, dann sollte man schon die Zusammenhänge richtig darstellen. Mindestlohn existiert in Frankreich seit 1950 und wurde, im Zuge einer Gesetzänderung, 1970 neu angepaßt und aufgeteilt. Der Mindestlohn gilt mit als Ursache, ist aber nicht der Hauptgrund der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Frankreich. Insgesamt über 40 Gesetzesinitiativen hat der französische Staat verabschiedet um das Problem in den Griff zu bekommen. Die letzte Initiative stammt von Sarkozy und hat zum Ziel, bis Juni 2010 500.000 junge Erwachsene unter 26 Jahren Beschäftigung zu geben. Ein anderes Problem in Frankreich ist die Verteilung der Jugendlichen. Absolventen einer Universität, die nicht eine „etablierte Adresse“ besitzen, haben es schwieriger einen Job zu finden, als ihre Kommilitonen die nicht in einem der Ghettos wohnen, die am Rande der Städte liegen und Frankreichs koloniale Geschichte beherbergen. Um diesen Leuten zu helfen, hat man das Programm der „positiven Diskriminierung“ auf die Beine gestellt. Ziel war es, dass Unternehmen verstärkt junge Leute aus diesen Gegenden eine Chance auf einen Arbeitsplatz geben. Es gab genügend Beispiele dass Absolventen, die sogar mehrere Abschlüsse besassen, nicht mal einen Job als Sekretär/Sekretärin erhielten, obwohl das schon weit unter ihren Fähigkeiten lag. Wenn man also gegen den Mindestlohn votiert, dann sollte man nach Möglichkeit nicht das Ausland heranziehen, denn solche Beispiele eignen sich immer äußerst schlecht.
Was mir sauer aufstößt, dass ist die Aussage ein Arbeitsplatz ist immer gut und den Rest zum Leben soll bitte schön der Staat entrichten, schließlich sei dies die Möglichkeit für Arbeitnehmer/Innen eine besser bezahlte Stelle zu bekommen. Zum einen heißt eine Arbeit unterhalb des Exitenzminimums nicht, dass man eine besser bezahlte Stelle bekommt, zum anderen ist dem Mißbrauch Tür und Tor geöffnet, wenn ich als Unternehmer die Verantwortung auf den Staat abwälze und meinen Mitarbeiter/Innen schon zur Einstellung einen Antrag auf „Aufstockende Leistungen“ in die Hand drücke, den diese doch bitte bei der zuständigen ARGE abzugeben haben. Im letzten Jahr waren rund 1,35 Mio. Menschen in diesem Land „Aufstocker,“ also Leute die einem Vollzeitjob nachgingen, aber so wenig verdienten, dass es nicht zum Leben reicht. Wo gibt es denn sowas, dass der Staat hingeht und Arbeit subventioniert, in dem er für die erbrachte Leistung, die ja nicht dem Staat zu Gute kommt, bezahlt?
Wenn also Herr Stadler der Meinung ist, der Staat habe sich aus der Tarifautonomie herauszuhalten, dann muß der Staat sich konsequenterweise komplett aus dem Lohnbereich heraus halten und nicht Gelder für Lohndumping bereit stellen, denn Kombilohn und Aufstockung sind nichts anderes als Lohndumping und der Staat soll dafür in die Tasche greifen.
Jahrzehntelang haben sich die Politiker an überholte Vorstellungen geklammert und glauben jetzt, mit dem üblichen Hinweis auf andere Länder, die Eierlegende Wollmilchsau gefunden zu haben in dem man Subventionen als richtig erachtet, die man in anderen Bereichen abschaffen will. Na Prost Mahlzeit.